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Günterod




Günterod
Gemeinde Bad Endbach
Höhe: 401 m ü. NHN
Fläche: 6,05 km²[1]
Einwohner: 1068
Bevölkerungsdichte: 177 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. April 1972
Postleitzahl: 35080
Vorwahl: 02776

Günterod ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage


Günterod liegt südwestlich von Bad Endbach im Gladenbacher Bergland (östlicher Ausläufer des Westerwaldes, der sich hier überschneidet mit dem Südausläufer des Rothaargebirges), auf ca. 410 m; in einer wechselhaften Mittelgebirgslandschaft zwischen den Städten Marburg und Herborn, im Südwesten des Hessischen Hinterlandes.

Naturräumlich gehört Günterod zur Zollbuche.

Geschichte


Eine Jadeaxt aus der Jungsteinzeit, bei Kanalisationsarbeiten gefunden, deutet auf eine frühe Begehung oder Besiedlung. Südwestlich von Günterod auf dem Kissel-Berg finden sich Hinweise, die auf eine vorgeschichtliche Besiedlung hindeuten, sowie stark verschliffene Grabhügel auf dem südlichen Ausläufer des Berges.

Der Ort Günterod entstand vermutlich während des „Mittelalteroptimums“ (Mittelalterliche Warmzeit), als in der Zeit nach 900 n. Chr. bis etwa Ende des 13. Jahrhunderts eine Warmperiode zu verzeichnen war. Im Jahr 1186 fiel sogar der Winter aus, die Obstbäume blühten im Januar. Die Bevölkerung wuchs rasch; sie musste ernährt werden. Neue Acker- und Siedlungsflächen wurden dringend benötigt. Dafür rodete man Waldflächen in bisher unwirtlichen Mittelgebirgsregionen. Auf diesen Rodungsflächen entstanden neue Siedlungen, die Rode-Orte.

Die Endung des Ortsnamens auf -rod (Rodung des Gunter) ist der Beleg für eine Rodesiedlung, die in der Zeit zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert entstand. Wer von den damaligen Grundherren (Hochstift Speyer, Grafen von Gleiberg) den Anstoß zur Rodung gab, ist nicht bekannt.

Über die Günteroder Höhen verlief ein alter, vermutlich vorgeschichtlicher Höhenweg vom Dünsberg zur Angelburg (Westfalenweg genannt) auf der Aar-Salzböde-Wasserscheide, der für die Erschließung der neuen Siedlung wichtig war. Auf einem zentral gelegenen Hügel errichtete man zum Schutz der Siedlung und zur Kontrolle des Weges eine Turmburg (Motte). Der Turm mit seinen sehr dicken Wänden wurde als Chorturm in das später angebaute und erweiterte Kirchenschiff übernommen.

1294 veräußert Ritter Volpert, genannt aus dem Hof, seinen Anteil am Zehnten, ein Lehen des Hochstifts Speyer, an die Grafen von Solms. Im Jahre 1354 übertragen die Grafen von Solms mit Zustimmung des Landgrafen von Hessen das Dorf sowie ihre Eigenleute und Güter als Mitgift für ihre Schwester Margarethe, anlässlich ihrer Heirat, an Kuno von Dernbach auf Burg Neu-Dernbach. 1443 wird die Übertragung von der Landgrafschaft gelöst. Günterod ist damit ein landgräfliches Dorf im Obergericht des Amtes Blankenstein (Gladenbach). Günterod lag als einzige Ortschaft des Obergerichtes außerhalb der im zweiten Drittel des 14. Jahrhunderts angelegten hessischen Außenheege.

Im 16. Jahrhundert wurde der Ort zur eigenständigen Pfarrei und gehört seit 1605 zum Kirchspiel Hartenrod. Bis dahin hatte Günterod zur Mutterkirche Altenkirchen gehört und vor der Reformation zum Archdiakonat Dietkirchen (Lahn), Bistum Trier, an dessen Außengrenze es lag. Endbach und Hartenrod gehörten zu dieser Zeit zum Bistum Mainz. Die Grenze verlief über den Schönscheid (Scheide > Grenze).

In erhaltenen Urkunden wurde Günterod unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Günterod:

„Günterod (L. Bez. Gladenbach) evangel. liegt 2 St. von Gladenbach auf einem bedeutenden in einer rauhen Gegend, hat 1 Kapelle, 67 Häuser und 394 evangelische Einwohner. Diese stricken jährlich sehr große Menge wollene Strümpfe und verkaufen solche In- und Ausland. Auch besitzen die Einwohner viele Privatwaldungen. – In der Gemarkung wurde früher nach Kupfererz gegraben.“[2]

Zusammenschluss mit Endbach und das Prädikat Bad

Am 1. April 1972 fusionierte (Gemeindefusion) im Zuge der Gebietsreform in Hessen Günterod mit der Gemeinde Endbach, die zu diesem Zeitpunkt aus den Ortsteilen Endbach und Wommelshausen bestand. Am 11. Oktober 1973 verlieh der hessische Innenminister der Gemeinde Endbach mit ihren drei Ortsteilen Endbach, Günterod und Wommelshausen das Prädikat Bad.[3]

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Günterod lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4][5]

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1501: 015 Männer
• 1577: 020 Hausgesesse
• 1630: 020 Untertanen; 1 zweispänniges, 11 einspännige Ackerleute, 8 Einläuftige
• 1742: 070 Haushalte
• 1791: 265 Einwohner[11]
• 1800: 272 Einwohner[12]
• 1806: 303 Einwohner, 52 Häuser[9]
• 1829: 394 Einwohner, 67 Häuser[2]
Günterod: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
265
1800
  
303
1806
  
303
1829
  
394
1834
  
416
1840
  
416
1846
  
418
1852
  
467
1858
  
479
1864
  
360
1871
  
394
1875
  
512
1885
  
450
1895
  
516
1905
  
602
1910
  
638
1925
  
680
1939
  
783
1946
  
1.013
1950
  
1.010
1956
  
886
1961
  
935
1967
  
1.008
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.026
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[13]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1830: 394 evangelische Einwohner
• 1885: 450 evangelische, keine katholischen Einwohner
• 1961: 784 evangelische, 130 römisch-katholische Einwohner

Erwerbstätigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1867: Erwerbspersonen: 51 Landwirtschaften, Forstwirtschaft, 1 Erziehung und Unterricht, 1 Person ohne Berufsausübung.
• 1961: Erwerbspersonen: 200 Land- und Forstwirtschaft, 267 produzierendes Gewerbe, 42 Handel und Verkehr, 34 Dienstleistungen und Sonstiges.

Infrastruktur


Im Ort gibt es

Literatur


Weblinks


Commons: Günterod (Bad Endbach)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c d e f g Günterod, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126 , S. 111 (Online bei google books ).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350, 351.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434 , OCLC 162730471 , S. 12 ff. (Online bei google books ).
  6. Die Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604. , Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  7. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316 , S. 7 (Online bei google books ).
  8. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434 , OCLC 162730471 , S. 27 ff., § 40 Punkt 6c (Online bei google books ).
  9. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 245 (Online in der HathiTrust digital library ).
  10. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books ).
  11. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 189 (Online in der HathiTrust digital library ).
  12. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 202 (Online in der HathiTrust digital library ).
  13. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt



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