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Friedrich Maximilian Klinger

Friedrich Maximilian von Klinger (* 17. Februar 1752 in Frankfurt am Main; † 25. Februarjul./ 9. März 1831greg. in Dorpat, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich) war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Sein Drama Sturm und Drang wurde namensgebend für eine ganze literarische Strömung.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Friedrich Maximilian Klinger war das zweite Kind des aus Pfaffen-Beerfurth im Odenwald stammenden Müllersohns Johannes Klinger, der sich als Konstabler bei der städtischen Artillerie anwerben ließ. Die Großeltern Friedrich Maximilian Klingers werden in einschlägigen biographischen Lexika mit besagtem Müller Johannes Klinger zu Pfaffen-Beerfurth wiedergegeben, was durch die Familiengeschichtsforschung aus dem hessischen Odenwald mit direktem Bezug zur Familie Klinger bestätigt wird. Die Großmutter Klingers wird aufgrund urkundlicher Belege im Gegensatz zu den lexikalischen Publikationen nicht als Anna Barbara Müller genannt, sondern mit Anna Barbara Boßler angegeben.[1]

1760 verlor Friedrich Maximilian Klinger im Alter von acht Jahren seinen Vater. Seine Mutter Cornelia Margareta Dorothea geb. Fuchs, Kammerfrau am landgräflichen Hof zu Homburg, musste als Krämerin und Wäscherin den Sohn und die beiden Töchter ernähren. Obwohl Klinger in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, konnte er durch Förderung des Professors Zink das Frankfurter Gymnasium besuchen. Bereits in Frankfurt knüpfte er ab 1772 Kontakte mit den Vertretern einer jungen Generation der Autoren, die sich um Goethe sammelten: Jakob Michael Reinhold Lenz, Heinrich Leopold Wagner u. a. Seine Wohnung im Rittergässchen bot Raum für die Zusammenkünfte der jungen Genies. Dank finanzieller Hilfe seines Jugendfreundes Goethe konnte er 1774 in Gießen ein Studium der Rechtswissenschaften beginnen.

Nach ersten Erfolgen als Theaterautor entschloss er sich 1776, die Universität zu verlassen. Zunächst ging er nach Weimar. Nach dem bis heute nicht aufgeklärten Bruch mit Goethe ging Klinger mit dem Manuskript seines neuen Stücks Sturm und Drang 1776 als Dramaturg in die Truppe Abel Seylers. Als der finanzielle Erfolg ausblieb, ließ er sich mit Hilfe des goetheschen Schwagers Johann Georg Schlosser im Bayerischen Erbfolgekrieg anwerben und zog von Sommer 1778 bis Frühjahr 1779 durch Böhmen. Nach Beendigung des Krieges kehrte er zu seinem Freund nach Emmendingen zurück in der Hoffnung auf ein neues Empfehlungsschreiben. Nach der Eingebung des Komponisten Philipp Christoph Kayser wurde er 1779 in der Freimaurerloge Modestia cum libertate in Zürich aufgenommen.

1780 wurde er dank den Verbindungen Schlossers als Ordonnanzoffizier im Rang eines Leutnants im Marinebataillon des russischen Thronfolgers Großfürst Paul in Petersburg und zugleich als Vorleser seiner Frau Maria Feodorovna eingestellt. Im Gefolge des Großfürsten unternahm er 1781 bis 1782 eine Europareise, die ihn durch Wien, Italien, Paris und Deutschland führte. Anschließend versuchte Klinger sein Militärglück im Feldzug gegen die Türken, das angesichts der raschen Friedensverträge scheiterte. 1785 wurde er als Kadettenoffizier in Petersburger Landkadettencorps (später das 1. Kadettenkorps) eingereiht, wo er Karriere als Militärpädagoge machte. 1787 heiratete Klinger die russische Adelige Elisabeth Alexandrowna Alexejewa, eine natürliche Tochter[2] von Grigorij Orlow, die im Gegensatz zur Angabe in der Neuen Deutschen Biographie im Genealogischen Handbuch der estländischen Ritterschaft aus der Verbindung Orlows mit Katharina II. hervorging.[3]

1801 wurde Klinger Generalmajor der Armee und Leiter des Kadettenkorps. Daneben diente er beim Ministerium für Volksbildung. Ab 1803 war er Kurator des Schulbezirks und der Universität Dorpat (heute Tartu) in Estland, wo er unter anderem auch mit Karl Morgenstern und August Thieme in Kontakt kam. Im Zuge der Restauration wurde Klinger 1816 seiner Ämter enthoben. Er zog sich danach aus dem öffentlichen Leben zurück. Klinger starb am 25. Februar 1831, acht Tage nach seinem 79. Geburtstag in Dorpat, Estland.[4]

Friedrich Maximilian von Klinger liegt in Sankt Petersburg auf dem Alten Smolensker Lutherischen Friedhof begraben.[5] Die seit 1780 entstandene, umfangreiche Privatbibliothek Klingers mit überwiegend humanistischer Literatur wurde 1844 von seiner Witwe der Universität Dorpat übergeben.[6]

Klingers Großneffe, Max Rieger fungiert als Biograph seines berühmten Großonkels Friedrich Maximilian Klinger.[7][8]

Bedeutung


Klinger zählt zu den bedeutendsten Dramatikern der Sturm-und-Drang-Zeit. Sein 1776 zunächst unter dem Titel Der Wirrwarr erschienenes Drama Sturm und Drang (auf Vorschlag Christoph Kaufmanns umbenannt) gab der Epoche ihren Namen. Weitere bedeutende Werke der Sturm-und-Drang-Periode sind Die Zwillinge und Simsone Grisaldo.

In seinen Werken knüpfte er an dramaturgische Eigenheiten William Shakespeares und an philosophische Ansichten Jean-Jacques Rousseaus an. Sie beinhalten sowohl gesellschaftskritische als auch starke gefühlsorientierte Momente.

Seit ca. 1778 verfasste der Dichter u. a. in finanzieller Not eine Reihe der trivialen Romane und Dramen, die Affinitäten zur Rokoko-Literatur aufweisen. In seiner späteren Schaffensperiode (seit ca. 1785) orientierte er sich an den Regeln des französischen Klassizismus, die er mit den Idealen seiner Jugend zu versöhnen suchte. Repräsentativ für diese Zeit sind die Dramen Konradin, Der Günstling, die beiden Medea-Dramen und Damokles.

Ab 1791 plante Klinger eine Dekade der philosophischen Romane, von denen lediglich acht vollendet und einer als Bruchstück überliefert wurden. Sie entstanden im Zeitraum 1791–1798. Faust's Leben, Thaten und Höllenfahrt ist der bekannteste von ihnen. In seinen philosophischen Romanen vereinigt Klinger signifikante zeitgenössische Tendenzen in Literatur, Anthropologie und Philosophie und gilt somit als wichtiger Repräsentant der Spätaufklärung. In der kritischen Geschichts- und Gesellschaftsauffassung lehnt er sich besonders an Jean-Jacques Rousseau, aber auch an Voltaire und Immanuel Kant an.

Den Abschluss seiner Werke bildeten Betrachtungen und Gedanken über verschiedene Gegenstände der Welt und der Literatur, eine Sammlung der Aphorismen zu zeitaktuellen Themen.

Klinger führte einen umfangreichen Briefwechsel mit Goethe, mit dem er die alte Freundschaft 1811 wieder aufnahm, und mit vielen, die ihn in Sankt Petersburg und Dorpat besuchten, darunter Caroline von Egloffstein, Fanny Tarnow, Johann Gottfried Seume, Ernst Moritz Arndt und Wilhelm von Wolzogen (1762–1809).

Nach dem Tod des französischen Aufklärers, Philosophen und Enzyklopädisten Denis Diderot wurde dessen Bibliothek an den Zarinnenhof überführt, so das bislang in Frankreich unveröffentlichte Manuskript des Le Neveu de Rameau (1761), welches Klinger in der diderotschen Bibliothek fand und als Abschrift zunächst dem Verleger Johann Friedrich Hartknoch in Riga anbot, der aber eine Veröffentlichung ablehnte.

Werke


Zwischen 1809 und 1816 erschienen in Königsberg seine gesammelten Werke (hg. v. Nicolovius) und 1810 in Wien „Sämmtliche philosophischen Romane“ in jeweils 12 Bänden.

Literatur


Weblinks


Commons: Friedrich Maximilian Klinger  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Friedrich Maximilian Klinger – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise


  1. Heinrich Wolf: Familienbuch Reichelsheim 1643–1875. Hrsg.: Andreas Stephan. 1. Auflage. Band 2 – Mit Pfaffen-Beerfurth, Reichelsheim, Rohrbach, Unter-Ostern und den Verzeichnissen. GENDI-Verlag, Otzberg 2018, ISBN 978-3-946295-61-7, Pfaffen-Beerfurth, S. 969 f.
  2. siehe Deutsche Biografie
  3. Otto Magnus von Stackelberg (Hrsg.): Genealogisches Handbuch der estländischen Ritterschaft, Bd.: 1, Görlitz, [1931], S. 28.
  4. Volker Meid: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren, 2. aktualisierte und erweitere Auflage, Reclam, Ditzingen, 2006 ISBN 978-3-15-017664-1
  5. RAI Universität Karlsruhe
  6. Bernhard Fabian: Handbuch deutscher historischen Buchbestände. Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Band 7.2, Georg Olms Verlag, 1998, S. 117
  7. Rieger, Friedrich Maximilian Heinrich Leonhard. Hessische Biografie. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  8. Max Rieger: Friedrich Maximilian Klinger - sein Leben und Werke. Bergsträsser, Darmstadt 1880, OCLC 185545778 .



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich Maximilian Klinger (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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