Freie Theologische Hochschule Gießen - de.LinkFang.org

Freie Theologische Hochschule Gießen




Freie Theologische Hochschule Gießen (FTH)
Motto bibeltreu, wissenschaftlich, praxisnah
Gründung 2008
Trägerschaft Förderverein für evangelikale Theologie und Ausbildung
Ort Gießen
Bundesland Hessen
Land Deutschland
Rektor Stephan Holthaus[1]
Studierende 173 WS 2019/20[2]
Mitarbeiter 22 (darunter 16 VZÄ)
davon Professoren 10
Website www.fthgiessen.de

Die Freie Theologische Hochschule Gießen (FTH) (früher Freie Theologische Akademie (FTA)) ist eine staatlich anerkannte theologische Hochschule in Gießen mit evangelikaler Prägung. Sie gehört mit 180 Vollzeitstudierenden zu den größten evangelikal orientierten theologischen Ausbildungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum.

Die FTH bezeichnet sich als „bibeltreu, wissenschaftlich und praxisnah“ und arbeitet im Rahmen der Evangelischen Allianz.[3] Die Studenten kommen aus verschiedenen Landes- und Freikirchen. Viele Absolventen (bisher über 1000) werden hauptamtliche Mitarbeiter in Freikirchen oder landeskirchlichen Gemeinschaften, andere werden als Missionare, Bibelschullehrer, theologische Dozenten oder in ähnlichen Berufen (derzeit in über 40 Ländern) tätig.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeine Informationen


Die FTH wurde als FTA 1974 durch Cleon Rogers jun., der zugleich Gründungsrektor wurde, in Seeheim gegründet. 1975 wurde ihr durch das Wissenschaftsministerium in Hessen Studienförderung (BAföG) nach der Kirchenberufeverordnung gewährt. 1981 zog sie in die Rathenaustraße nach Gießen. Nach einem Umzug von 1986 bis 2001 in den Schiffenberger Weg befindet sich ihr Campus heute wieder in der Rathenaustraße. Rektor war von 1994 bis 2015 Helge Stadelmann. Im Jahr 2016 übernahm Stephan Holthaus das Rektorat.

Studium und Abschlüsse


Neben den sechs Teildisziplinen der Theologie bietet sie als Bezugswissenschaften „Islamwissenschaft“ sowie „Philosophie“ an.

Das Studienangebot umfasst zwei modularisierte Studiengänge in Evangelischer Theologie – einen sechssemestrigen B.A. (180 ECTS-Punkte) und einen konsekutiven viersemestrigen M.A. (120 ECTS-Punkte). Externe Studienleistungen in Bezugswissenschaften sind bis zu einem Umfang von 20 ECTS darauf anrechenbar.

Eingangsvoraussetzung sind die Allgemeine Hochschulreife oder sonstige Zugangsberechtigungen nach dem Hessischen Hochschulgesetz (§ 54 HHG). Zur Verleihung des Doktorgrades ist die FTH derzeit nicht berechtigt.[4] Gemäß Wissenschaftsrat bildet die FTH Gießen „vorrangig pastorales Personal für die eigene Kirche aus“; die „theologische Arbeit“ sei „auf die Erfordernisse der freikirchlichen Gemeindepraxis fokussiert“.[5]

Laut Beschluss des evangelisch-theologischen Fakultätentages vom Oktober 2010 werden Studienleistungen an akkreditierten Hochschulen in freikirchlicher oder freier Trägerschaft für den Studiengang zum Ersten Theologischen Examen/Magister Theologiae grundsätzlich und in der Regel nicht anerkannt.[6] Im Einzelfall können vergleichbare schriftliche Leistungen als gleichwertig eingestuft werden.[7]

Akkreditierungsprozess


Institution und Studiengänge

Im April 2004 wurde die staatliche Anerkennung (Akkreditierung) als Hochschule beim Wissenschaftsministerium in Hessen beantragt.[8] Der Wissenschaftsrat veröffentlichte am 8. Mai 2008 eine Stellungnahme zur Akkreditierung der FTH (vormals FTA). Darin hielt die entsprechende Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates fest, dass Lehre und Forschung der FTH den wissenschaftlichen Maßstäben einer Hochschule entsprechen, und empfahl dem Land Hessen die Prüfung der angestrebten „Zwischenstellung zwischen universitärer Hochschule und Fachhochschule“.[9] Der Wissenschaftsrat sprach die institutionelle Akkreditierung für fünf Jahre aus.[10] Für die Akkreditierung stimmten 17 der 18 Mitglieder der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates.

Das Land Hessen erteilte zum 1. Oktober 2008 die Hochschulgenehmigung für fünf Jahre und sprach im November 2010 die Anerkennung als „staatlich anerkannte Hochschule“ aus.[11] Nach der Akkreditierung der Studiengänge am 18. Mai 2010 durch die Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen (AQAS e. V.) für fünf Jahre erfolgte am 24. Mai 2016 die Reakkreditierung der beiden Studiengänge Evangelische Theologie (Bachelor of Arts/Master of Arts) für weitere sieben Jahre (bis 2022).[12] Am 28. Oktober 2013 wurde durch den Wissenschaftsrat die institutionelle Reakkreditierung für die Dauer von drei Jahren ausgesprochen. Nach Feststellung der Erfüllung der Auflagen am 11. März 2015 galt die Reakkreditierung bis 2018 und wurde im April 2018 für fünf weitere Jahre ausgesprochen.[13]

Professuren

Im Jahr 2010 wurden der FTH vom Land Hessen die erste Professuren verliehen. Armin Daniel Baum erhielt eine W-2-Professur für Neutestamentliche Wissenschaft[14] und Heiko Frank Wenzel eine interdisziplinäre Professur für Altes Testament und Islamwissenschaft.[15] Die 2012 neu eingerichtete Professur für Praktische Theologie bekleidet Helge Stadelmann.[16] Auf die zum Sommersemester 2014 neu eingerichteten Professuren für Systematische Theologie und Theologiegeschichte und für Missionswissenschaft und Interkulturelle Theologie wurden Christoph Raedel und Friedemann Walldorf berufen.[17] Mit der Berufung Ulrike Treuschs auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für Historische Theologie[18] waren zum Wintersemester 2014/2015 alle theologischen Fachbereiche durch eine volle Professur in Forschung und Lehre abgedeckt. Im Jahr 2015 übernahm Stephan Holthaus die neu eingerichtete Professur für christliche Ethik und Apologetik mit Schwerpunkt auf Wirtschaftsethik, im Jahr 2017 Christof Sauer den „Stiftungslehrstuhl für Religionsfreiheit und die Erforschung der Christenverfolgung“, im Jahr 2019 Carsten Ziegert eine weitere Professur für Altes Testament und Philipp Bartholomä eine Professur für Praktische Theologie mit Schwerpunkt Gemeindeaufbau.

Bekenntnisgrundlage


Im Laufe des Akkreditierungsverfahrens änderte die FTH ihre Bekenntnisgrundlage und erfüllte damit eine der Bedingungen des Wissenschaftsrates nach Forschungsfreiheit, in dessen Bericht es dazu heißt:

„Die FTA bekennt sich in ihrer Glaubensbasis zwar unverändert «zur göttlichen Inspiration der Heiligen Schrift, ihrer völligen Zuverlässigkeit und höchsten Autorität in allen Fragen des Glaubens und der Lebensführung» und unterstreicht ihre Ehrfurcht vor und Liebe zur Bibel als Voraussetzung evangelikaler Theologie. Ein unbedingtes Festhalten an der Irrtumsfreiheit der Heiligen Schrift, wie sie in der sog. Chicago-Erklärung zur Irrtumslosigkeit der Bibel behauptet ist, wird von der FTA inzwischen nicht mehr als exklusiver Maßstab der Schriftauslegung verstanden. Die FTA hat damit notwendige Voraussetzungen für ein wissenschaftliches Arbeiten und eine wissenschaftliche Auslegung der Bibel an der FTA geschaffen.“

Stellungnahme zur Akkreditierung der Freien Theologischen Akademie Gießen (FTA), S. 50

Das neue Bekenntnis der FTH stützt sich dabei auch auf Dokumente wie das Bekenntnis von Westminster und beschreibt die Bibel als irrtumsloses Gotteswort im sprachlich-geschichtlichen Menschenwort. Dies bringt aus Sicht der FTH auch deren langjährige Lesart der Chicago-Erklärung zum Ausdruck. Es sei nicht angemessen, „die Schrift anhand von Maßstäben für Wahrheit und Irrtum zu messen, die ihrem historischen Ursprung und ihrem Zweck fremd sind“ (aus Artikel 13).[3]

Die FTH erkennt das Apostolische Glaubensbekenntnis und die Glaubensgrundsätze der Evangelischen Allianz an. Sie bekennt sich zum Glauben an die Inspiration, Irrtumslosigkeit und menschliche Gestalt der Bibel und befürwortet eine historische, literarische und philologische Erforschung der biblischen Schriften, um den jeweiligen geschichtlichen Kontexten, den Persönlichkeiten der biblischen Schreiber und den verschiedenen literarischen Gattungen der biblischen Texte gerecht zu werden. Darüber hinaus stützt sie sich auf Dokumente wie die Lausanner Verpflichtung von 1974, welche Christen dazu auffordert, aus ihren „kirchlichen Ghettos“ auszubrechen, sich für die Evangelisierung nichtchristlicher Gesellschaftsbereiche einzusetzen und auch ihrer sozialen Verantwortung gerecht zu werden.[3]

Finanzierung


Die Finanzierung erfolgt zu 60 % aus Spendengeldern sowie zu jeweils 20 % aus Studiengebühren und Mieteinnahmen. Als private Hochschule erhält die FTH keine staatlichen oder kirchlichen Zuwendungen.[19] Die FTH ist organisatorisch als „Arbeitsbereich“ dem Förderverein für evangelikale Theologie und Ausbildung (FTA e. V.) unterstellt, der unter anderem auch eine Fachbuchhandlung auf dem Gelände, das Institut für Ethik & Werte und das Institut für Israelogie.[20]

Kollegium


Professoren

Honorarprofessoren

Hochschuldozenten

Emeriti

Das erweiterte Kollegium

Zusätzlich lehren außerplanmäßige Professoren und Gastwissenschaftler. Für Persönlichkeitsentwicklung steht ein „Dean of Students“ zur Verfügung, ein weiterer Mitarbeiter für Mentoring.

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Freie Theologische Hochschule Gießen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. https://www.fthgiessen.de/holthaus-stephan/
  2. Hessisches Statistisches Landesamt: Die Studierenden an den Hochschulenin Hessen im Wintersemester 2019/20, Kennziffer B III 1/S - WS 2019/20, November 2019
  3. a b c Bekenntnisgrundlage der FTH , abgerufen am 11. April 2018.
  4. Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates , S. 12 (PDF-Datei; 219 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  5. Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates (PDF; 834 kB), S. 26, abgerufen am 11. April 2018.
  6. Beschluss 3 der Plenarversammlung 2010: Anerkennung von Studienleistungen an akkreditierten Fachhochschulen in freikirchlicher oder freier Trägerschaft für den Studiengang zum Ersten Theologischen Examen / Magister Theologiae. Seite 4–5 (PDF-Datei; 169 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  7. Beschluss 1 der Plenarversammlung 2011: Anerkennung von Studienleistungen an akkreditierten Fachhochschulen in freikirchlicher oder freier Trägerschaft für den Studiengang zum Ersten Theologischen Examen / Magister Theologiae. Seite 1 (PDF-Datei; 170 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  8. FTA Giessen sucht staatliche Anerkennung , abgerufen am 11. April 2018.
  9. Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates , S. 13, 22 (PDF-Datei; 219 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  10. Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates , S. 14 (PDF-Datei; 219 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  11. Homepage der FTH: Wer wir sind , abgerufen am 5. März 2019.
  12. AQAS e.V.: Beschluss zur Akkreditierung der Studiengänge (PDF-Datei; 300 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  13. Pressemitteilung Nr. 13 vom 30. April 2018 des Wissenschaftsrates , abgerufen am 30. April 2018 (PDF).
  14. Gießener Zeitung vom 15. April 2010 (online )
  15. Gießener Zeitung vom 22. Dezember 2010 (online ).
  16. Gießener Zeitung vom 15. Dezember 2012 (online ).
  17. Homepage der FTH: Kollegium , abgerufen am 5. März 2019.
  18. Gießener Zeitung vom 6. Oktober 2014: Neue Professorin an der Freien Theologischen Hochschule , abgerufen am 11. April 2018.
  19. Vgl. Stellungnahme des Wissenschaftsrates , S. 8, 21f (PDF-Datei; 219 kB), abgerufen am 11. April 2018.
  20. Förderverein für evangelikale Theologie und Ausbildung e.V.: Arbeitsbereiche des FTA , abgerufen am 11. April 2018.




Kategorien: Bildung und Forschung in Gießen | Evangelikale Hochschule | Hochschule in Hessen | Evangelische Bildungseinrichtung (Deutschland) | Gegründet 2008 | Organisation (Gießen)



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Freie Theologische Hochschule Gießen (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 06.05.2020 11:48:05 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.