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Frauenstein (Erzgebirge)

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Frauenstein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Frauenstein hervorgehoben

Koordinaten: 50° 48′ N, 13° 32′ O

Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Mittelsachsen
Höhe: 650 m ü. NHN
Fläche: 58,99 km2
Einwohner: 2829 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km2
Postleitzahl: 09623
Vorwahl: 037326
Kfz-Kennzeichen: FG, BED, DL, FLÖ, HC, MW, RL
Gemeindeschlüssel: 14 5 22 170
Stadtgliederung: 4 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 28
09623 Frauenstein
Website: www.frauenstein-erzgebirge.de
Bürgermeister: Reiner Hentschel (EB Hentschel)
Lage der Stadt Frauenstein im Landkreis Mittelsachsen

Frauenstein ist eine Kleinstadt im Süden des sächsischen Landkreises Mittelsachsen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Die Stadt liegt im osterzgebirgischen Teil des Naturparks Erzgebirge/Vogtland, 20 km südöstlich von Freiberg und 30 km südwestlich von Dresden.

Geschichte


Gründung

Ausgangspunkt der Siedlungsbildung war die um 1200 erfolgte Anlage einer Burg, die sich auf einer markanten Bergkuppe (Granitporphyr) über die gewellten Hochflächen des Umlandes erhob. Kurz nach Gründung der Burg wurden im nahen Umfeld in Reichenau Silbererze gefunden. Daraufhin siedelten sich Bergleute und Handwerker im nordöstlich der Burg gelegenen Kuttelbachtal an. Allerdings war der Siedlungsort ungünstig gewählt, er war überschwemmungsgefährdet und lag abseits der Burg. Die Siedlung wurde deshalb nach 1470 aufgegeben. Das neue Frauenstein errichtete man planmäßig auf einer Hochfläche in unmittelbarer Nachbarschaft der Burg.

Wappen und Name

Der Name Frauenstein wurde erstmals 1218 in einer Urkunde genannt. In dieser wird ein Priester namens „Heinricus de Vrounsten“ (Heinrich von Frauenstein) erwähnt.[2] Das Vorhandensein eines Priesters weist auf eine (neben der Burg) bestehende Siedlung hin. Die Burg selbst wurde erst 1272 als „Castrum Vrowenstein“ in einer Lehensbestätigung genannt. Vom Stadtnamen sind u. a. noch die Schreibweisen „Vrouwenstein“ (1321), „Vrowinstein“ (1385), „Frauwinstein“ (1405), „Frawenstein“ (1424) und „ffrauwenstein“ (1439) überliefert. Der Name geht auf das mittelhochdeutsche Wort Vrowe zurück, was so viel wie Herrin, Gebieterin, Frau (von höherem Stand) bedeutet. Der Name bezeichnete wahrscheinlich die Burg, später ging er auf den Ort über. Ein religiöser Hintergrund, wie im Stadtwappen dargestellt, ist kaum wahrscheinlich und nicht nachweisbar.[3]

Entwicklung von Burg und Schloss

Die Gründung der Burg Frauenstein war ein Ergebnis der ersten Kolonisationsphase[4] des Erzgebirges. Nach den Silberfunden von Freiberg 1168 rückte das bislang unbesiedelte Waldgebirge zwischen der Markgrafschaft Meißen und dem Königreich Böhmen in das Blickfeld markmeißnischer und böhmischer Interessen. Beide Seiten begannen mit der Anlage einer Reihe von Grenzschutzburgen (u. a. Sayda, Purschenstein, Rechenberg, Bärenstein, Lauenstein, Königstein), um die eigene Interessenssphäre abzugrenzen.

Die um 1200 angelegte Burg Frauenstein bildete eine dieser Grenzschutzburgen. Sie hob sich gegenüber den meisten anderen Burgen ab, da sie gleichzeitig die wichtige von Freiberg über den Pass von Klostergrab (Hrob) nach Teplitz (Teplice) führenden Handelsstraße (später Alte Freiberg-Teplitzer Poststraße) schützte und kontrollierte. Die Burganlage befand sich etwa auf halbem Weg zwischen Freiberg und der böhmischen Grenze. Möglicherweise stand die Gründung auch im Zusammenhang mit dem angeblich um 1180 erfolgten Raub des Silberschatzes von Markgraf Otto dem Reichen durch böhmische Räuber.

Die Burg, die beim Stadtbrand des Jahres 1728 zur Ruine wurde, ist heute die größte Burgruinenanlage Sachsens. 1585 bis 1588 wurde neben der Burg ein Schloss errichtet. Die Burg (und später das Schloss) besaßen die Markgrafen von Meißen bzw. die Kurfürsten von Sachsen, welche die Anlage als Lehen an Vasallen vergaben.

Im Laufe der Geschichte traten folgende Besitzer über Burg bzw. Schloss und Herrschaft Frauenstein auf (unvollständig):

Entwicklung der Stadt

Am 22. Mai 1411 verlieh der Burggraf Heinrich von Meißen der Siedlung das Stadtrecht. Frauenstein musste drei Stadtbrände erdulden. 1728 vernichtete ein großer Stadtbrand weite Teile der Stadt, darunter u. a. die 15-registrige Silbermann-Orgel (1711) in der Kirche. Burg und Schloss wurden schwer beschädigt. Die Burg wurde nach dem Brand nicht wieder aufgebaut und verfällt seitdem.

Am 2./3. Oktober 1869 kurz nach Mitternacht brach in einem Hintergebäude am Markt ein Feuer aus, das sich rasch ausbreitete. Bereits gegen 3 Uhr nachts brannte ein Großteil der schindelgedeckten Häuser. Die Flammen vernichteten insgesamt 75 Bürgerhäuser, das Rathaus, die Kirche mit der nach dem Brand von 1728 von Gottfried Silbermann zum Selbstkostenpreis angefertigten Orgel (1738), drei Schulhäuser, ein Stadttorhaus und das Armenhaus. 715 Menschen, die Hälfte der Einwohner, verloren ihr Obdach. Der sächsische Staat bewilligte 12.000 Taler für den Wiederaufbau der öffentlichen Gebäude, die Einwohnerschaft erhielt weitere 30.000 Gulden aus Spenden sowie zahlreiche Sachspenden, so dass der Wiederaufbau rasch voranschritt. Das neue Rathaus wurde bereits 1871, die Kirche 1873 fertiggestellt.

Eingemeindungen

Einwohner- und Größenentwicklung

  • 1300: 300 Einwohner (1)
  • 1550: 496 Einwohner (2)
  • 1697: 95 Bürger, 84 Wohnhäuser, 46 wüste Wohnstellen
  • 1748: 66 Häuser in der Stadt, 37 Häuser in den Vorstädten, 38 wüste Wohnstellen
  • 1764: 102 besessene Mann
  • 1772: 612 Einwohner
  • 1801: 757 Einwohner
  • 1813: 814 Einwohner, 63 Häuser in der Stadt und den Vorstädten
  • 1815: 715 Einwohner
  • 1834: 1.029 Einwohner, 139 Häuser
  • 1871: 1.405 Einwohner
  • 1890: 1.269 Einwohner
  • 1910: 1.281 Einwohner
  • 1925: 1.193 Einwohner
  • 1939: 1.477 Einwohner
  • 1946: 1.568 Einwohner
  • 1957: 1.335 Einwohner
  • 1962. 1.285 Einwohner
  • 1977: 1.528 Einwohner
  • 1990: 3.751 Einwohner (3)
  • 1998: 3.575 Einwohner, 866 Wohngebäude, 1.522 Wohnungen
  • 1999: 3.551 Einwohner
  • 2000: 3.518 Einwohner
  • 2001: 3.476 Einwohner
  • 2002: 3.425 Einwohner
  • 2003: 3.395 Einwohner
  • 2004: 3.330 Einwohner, 888 Wohngebäude, 1.551 Wohnungen
  • 2005: 3.285 Einwohner
  • 2006: 3.253 Einwohner
  • 2007: 3.217 Einwohner (4)
  • 2012: 3.058 Einwohner
  • 2013: 3.006 Einwohner

Zusammenstellung nach BLASCHKE 2003, Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1966, SCHIFFNER 1840, ZÜHLKE 1966 und Angaben des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen, ab 1991: Stand zum 31. Dezember des jeweiligen Jahres

(1): geschätzt nach überlieferten Hauszahlen aus dem 16. Jahrhundert, vgl. BLASCHKE 2003
(2): errechnet nach Steuerlisten, vgl. BLASCHKE 2003
(3): Stand 3. Oktober 1990
(4): Quelle: Meldebehörde Frauenstein

Gedenkstätten

Politik


Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2014[5]
Wahlbeteiligung: 56,4 % (2009: 66,8 %)
 %
50
40
30
20
10
0
48,2 %
39,5 %
12,3 %
n. k.
n. k.
AFWG
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
-14
+6,1 %p
+8,3 %p
+2,0 %p
-13 %p
-3,4 %p
AFWG
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/TITEL zu lang

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 14 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Städtepartnerschaft

Partnergemeinde ist seit 1991 Zell am Harmersbach.

Flurbereinigung

Für den Stadtteil Burkersdorf wurde mit Beschluss vom 30. Dezember 1999 und für den Stadtteil Dittersbach mit Beschluss vom 23. April 2001 das Flurbereinigungsverfahren angeordnet.

Stadtmarketing

Im September 2009 wurde das neue Leitbild Frauenstein – Stern im Erzgebirge vorgestellt.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Museen

Wirtschaft und Infrastruktur


Verkehr

Eisenbahn

Mit der Schmalspurbahn Klingenberg-Colmnitz–Frauenstein erhielt Frauenstein im September 1898 einen Bahnanschluss. Der Güterverkehr auf der Strecke wurde 1970 eingestellt, der Personenverkehr kurzfristig ein Jahr später aufgrund eines Unfalls. Anschließend wurde die Strecke abgebaut.

Straße

Die Erschließung des Gebietes um Frauenstein erfolgte durch Höhenstraßen, die das sächsische Tiefland über den Osterzgebirgskamm mit Böhmen verbanden. Die Lage an einer alten von Freiberg über den Pass von Klostergrab nach Klostergrab (Hrob) führenden Handelsstraße war ein entscheidendes Merkmal für die Gründung der Burg Frauenstein. Im 18. Jahrhundert erlangte diese Verbindung als Alte Freiberg-Teplitzer Poststraße Bedeutung. Auf dem Markt befindet sich noch eine Nachbildung der 1725 bei der von Adam Friedrich Zürner durchgeführten Landesvermessung aufgestellten kursächsischen Postmeilensäule (Originalteile im Museum). Ende des 18. Jahrhunderts begann der chausseemäßige Ausbau zwischen Freiberg und der sächsisch-böhmischen Grenze. Mitte des 19. Jahrhunderts verkehrten über diese Straße die Postkurse Frauenstein-Freiberg und Frauenstein-Teplitz (Teplice). Die königlich-sächsischen Stationssteine, im Originalzustand am Markt und als Wegweiser umgestaltet an der heutigen B 171, wurden um 1860 an der neuen Chaussee aufgestellt. Die heutige Staatsstraße 184 entspricht in ihrem Verlauf zwischen Freiberg, Frauenstein und Neuhermsdorf in Teilen der Alten Freiberg-Teplitzer Poststraße.

ÖPNV

Bereits 1865 wurde eine von Freiberg nach Frauenstein führende Postkutschenverbindung eingerichtet. Heute liegt die Stadt im Verbundraum des Verkehrsverbundes Mittelsachsen. Derzeit[10] ist Frauenstein über Buslinien mit Dresden, Freiberg, Olbernhau und Rechenberg-Bienenmühle verbunden.

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Bezug zum Ort

Einzelnachweise


  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen jeweils am Monatsende ausgewählter Berichtsmonate nach Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://codex.isgv.de/codex.php?band=cds1a3&f=&a=b&s=182 Zeile 27
  3. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Berlin 2001, Band I, ISBN 3-05-003728-8, S. 272.
  4. In der Fachliteratur (vgl. u. a. Blaschke 2003, Zühlke 1966) wird auch die ab etwa 1200 einsetzende deutsche Besiedlung des Erzgebirges als Kolonisation bezeichnet
  5. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  6. „Stern“-Thematik auf der Website der Stadt
  7. Kunstwanderweg Frauenstein (abgerufen am 10. Juli 2016)
  8. siehe auch
     Commons: Sculptures in Frauenstein (Erzgebirge)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  9. Astrid Ring: Aus für Silbermannmuseum im Schloss. In: Freie Presse, 3. August 2016.
  10. Fahrplan 11. Dezember 2005 bis 10. Dezember 2006

Literatur


Weblinks


 Commons: Frauenstein (Erzgebirge)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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Stand der Informationen: 20.10.2019 04:42:48 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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