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Frank Bösch




Frank Bösch (* 25. Oktober 1969 in Lübeck) ist ein deutscher Historiker. Er ist gemeinsam mit Martin Sabrow Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) in Potsdam und Professor für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der Universität Potsdam. Bösch trat besonders mit Büchern zur Geschichte der Parteien, der Medien und zur globalen Geschichte der 1970/80er Jahre hervor.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken


Frank Bösch studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Germanistik in Hamburg und Göttingen. Im Jahr 2001 wurde er bei Bernd Weisbrod in Göttingen mit einer Arbeit über die CDU unter Konrad Adenauer promoviert, die insbesondere das Zusammenwachsen zwischen dem politischen Katholizismus und bürgerlich-protestantischen Strömungen untersuchte. Zwischen 1998 und 2002 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte der Universität Göttingen und kurzzeitig auch am dortigen Seminar für Politikwissenschaft in der Projektgruppe „Sozialmoralische Milieus in Demokratie und Diktatur“. In dieser Phase entstanden Bücher und Artikel, die den Konservatismus der 1920er bis 1960er Jahre auch aus lokalen Vereinskulturen heraus untersuchten. Von 2002 bis 2007 war er Juniorprofessor am Historischen Institut der Ruhr-Universität Bochum, zudem 2005 Stipendiat des DHI London. In dieser Zeit verfasste er die Studie Öffentliche Geheimnisse, die anhand von Skandalen den Wandel von Normen und die Veränderung der politischen Kultur im Kaiserreich und viktorianischen Großbritannien untersuchte.

Von 2007 bis 2011 war Bösch Professor am Historischen Seminar der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er einen Forschungsschwerpunkt in der Mediengeschichte ausbaute. Er leitete dort das Studienfach Fachjournalistik Geschichte und war Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs Transnationale Medienereignisse. Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Im Jahr 2011 nahm er einen Ruf an die Universität Potsdam auf eine W3-Professur für Deutsche und Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an. Zugleich wurde er zum Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung (ZZF) ernannt, das er gemeinsam mit Martin Sabrow leitet. Er ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift Zeithistorischen Forschungen und der Reihe Geschichte der Gegenwart, die beide am ZZF erscheinen. Bösch gibt außerdem die Buchreihen Medien und Gesellschaftswandel im 20. Jahrhundert und Historische Einführungen mit heraus.

Seine Schriften decken ein breites Spektrum an Themen und Zugänge ab. Zunächst setzte er Akzente in der Sozialgeschichte. Anhand von Organisationen wie Parteien und Vereinen machte er gesellschaftliche Wandlungsprozesse vor und nach 1945 aus. Bösch gilt zudem als profilierter Kenner der Mediengeschichte. Diesem Bereich entstammen seine Studie Mediengeschichte. Vom asiatischen Buchdruck zum Fernsehen[1], in der er die Wechselverhältnisse von sozialem und medialem Wandel vor allem in der Moderne untersucht, sowie zahlreiche Aufsätze und Sammelbände etwa zur Rolle der Medien in der Außenpolitik oder auch beim Wandel der Religion.[2] Am ZZF hat er diesen Schwerpunkt auf die Erforschung der Computerisierung erweitert und leitete ein größeres Projekt zu den Auswirkungen der frühen Digitalisierung, das wiederum die gesellschaftliche Bedeutung und Nutzung von Computern seit den 1950er Jahren ausmachte.[3] Im Bereich der Kulturgeschichte hat er Arbeiten zur audiovisuellen Erinnerungskultur, aber auch zur Geschichte der Sexualität vorgelegt.

In den 2010er Jahren forschte Bösch insbesondere zum Zusammenhang zwischen globalen und deutschen Veränderungen in der jüngeren Zeitgeschichte. Große Aufmerksamkeit erhielt das daraus hervorgegangene Buch Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann (2019)[4], das an zehn globalen Ereignissen 1979 das Aufkommen gegenwärtiger Herausforderungen und deren Verbindungen zu Deutschland untersucht. Hierzu betrachtet Bösch etwa das Aufkommen des islamischen Fundamentalismus anhand der Iranischen Revolution und dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, die neue Rolle von Märkten anhand der Wahl Thatchers und der Öffnung Chinas unter Deng Xiaoping, die Aufnahme von Flüchtlingen anhand der Boat People oder auch die Serie Holocaust für den Wandel der Zeitgeschichte. Das Buch hielt sich unmittelbar nach Erscheinen mehrere Wochen auf der Spiegel-Bestseller-Liste[5] und wurde im Februar 2019 von einer Jury deutschsprachiger Feuilletons zum besten Sachbuch gewählt[6], im März 2019 landete es auf Platz 3 der Jury von Die Zeit, ZDF, Deutschlandfunk Kultur.[7] Die Rezensionen lobten die „Fülle von Erkenntnissen, deren viele auch Kenner der Zeitgeschichte packen werden“ (Franziska Augstein, Süddeutsche Zeitung)[8], die „Materialfülle und seine sorgfältige Argumentation“ (Rudolf Walther, taz).[9] Sven Felix Kellerhoff (Die Welt) nannte das Buch als „ein Beispiel für die Wissenschaftsdisziplin jüngste Zeitgeschichte, wie sie besser kaum sein kann“.[10]

Frank Bösch ist in zahlreichen wissenschaftlichen Gremien und Beiräten ehrenamtliches Mitglied. So wurde er 2016 zum stellvertretenden Vorsitzenden des Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands gewählt. Von 2012 bis 2018 war er Mitglied des Senats- und Bewilligungsausschuss der DFG für Graduiertenkollegs. Er gehört dem Beirat des Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History, des Hauses der Geschichte, des Hauses der Geschichte des Ruhrgebiets und als Vorsitzender dem Beirat der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus an. Gemeinsam mit Andreas Wirsching leitete er von 2014 bis 2018 ein Forschungsprojekt einer von Bundesinnenminister Thomas de Maizière eingesetzten Kommission, das die Geschichte des Bundesministeriums des Innern und des Ministeriums des Innern der DDR im Hinblick auf mögliche personelle und sachliche Kontinuitäten nach dem Nationalsozialismus untersuchte.

Schriften (Auswahl)


Monographien

Herausgeberschaften

Weblinks


Belege


  1. Vgl. dazu die Besprechung von Ansgar Diller in: Nassauische Annalen 124, 2013, S. 689.
  2. Frank Bösch, Peter Hoeres (Hrsg.): Außenpolitik im Medienzeitalter. Vom späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Göttingen 2013; Frank Bösch, Lucian Hölscher (Hrsg.): Jenseits der Kirche. Die Öffnung religiöser Räume seit den 1950er Jahren. Göttingen 2013.
  3. Frank Bösch (Hrsg.): Wege in die digitale Gesellschaft. Computernutzung in der Bundesrepublik 1955–1990. Göttingen 2018.
  4. Historiker Frank Bösch: 1979 war eine Zeitenwende − in jeder Hinsicht . Deutschlandfunk Kultur vom 25. Januar 2019, abgerufen 26. Januar 2019
  5. SPIEGEL-Bestseller (2019). In: Der SPIEGEL. Abgerufen am 7. März 2019.
  6. Das sind die besten Sachbücher für den Februar. In: Die Welt, 3. Februar 2019.
  7. Die besten Sachbücher im März Angst. Politik und Sex-Maschinen. In: Die Welt, 27. Februar 2019.
  8. Franziska Augstein: 1979 - das Jahr der Umbrüche . In: Süddeutsche Zeitung. 29. Januar 2019.
  9. Rudolf Walther: Buch über die Krisen des Jahrs 1979: Dokument einer Zeitenwende . In: taz. 24. Februar 2019.
  10. Sven Felix Kellerhoff: Was unser Leben heute prägt, begann 1979 . In: Die Welt. 1. Februar 2019.








Kategorien: Neuzeithistoriker | Medienhistoriker | Hochschullehrer (Justus-Liebig-Universität Gießen) | Hochschullehrer (Universität Potsdam) | Deutscher | Geboren 1969 | Mann








Stand der Informationen: 04.07.2020 01:00:13 CEST

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