Franchising - de.LinkFang.org

Franchising

Franchising kann vereinfacht als ein vertraglich festgelegtes Geschäftsmodell zur vertikalen Kooperation verschiedener Partner definiert werden, bei dem der Franchisegeber den rechtlich und finanziell selbständigen Franchisenehmern ein Geschäftskonzept nach seinen Vorgaben zur entgeltlichen Nutzung überlässt.[1][2] Damit ist es deutlich vom Filialsystem unterschieden.

Als Grundtypen werden Produkt-, Vertriebs- und Dienstleistungsfranchising unterschieden. Beim Produktfranchising, missverständlich auch als Konzession bezeichnet, liegen Produktion und Vertrieb in der Verantwortung des Franchisenehmers. Beim Vertriebsfranchising oder Distributionsfranchising handelt es sich um ein dezentrales vertikales Absatzsystem mit einer Mischung aus indirektem Verkauf und direktem Verkauf. Beim Dienstleistungsfranchising geht es um standardisierte Serviceleistungen.[3]

Oftmals sind die Nutzungsrechte und -pflichten an Marken, Warenmustern oder Geschmacksmustern neben der Vermittlung von Know-how ein wichtiger Bestandteil der Vereinbarungen der Franchisepartner. Zentral sind auch die Festlegung der regionalen Zuständigkeit und des Zeitraums.

Aus Sicht des Franchisegebers besteht der Vorteil des Franchisings in der Möglichkeit, das Risiko zu streuen und das Geschäft mithilfe motivierter Partner vor allem auf internationale Märkte auszuweiten. Aus Sicht des Franchisenehmers handelt es sich positiv gesehen um die Nutzung eines erfolgversprechenden Geschäftsmodells mit einer etablierten Marke, mithilfe von Kapital, Knowhow und Unterstützungsleistungen des Franchisegebers.[4]

Kritisch wird am Franchising herausgearbeitet, dass es sich nicht um eine gleichwertige Partnerschaft handle. Der Franchisegeber sei dem -nehmer deutlich überlegen. Das Vertragsverhältnis enthalte hohe Risiken für den Franchisingnehmer. Verträgen mangele es oft an Transparenz (vorvertragliche Aufklärungspflicht). Es fehle in Deutschland eine gesetzliche Regelung und es gebe keine ausreichende Rechtssicherheit für den Franchisenehmer.[5]

Dem Franchising wird eine Tendenz zur Standardisierung von Produkten und Dienstleistungen und zum Verdrängungswettbewerb auch Monopolbildung vorgeworfen.[6][7] Damit einher gingen kulturelle Nivellierung (Beispiel Systemgastronomie), Durchsetzung des Massengeschmacks und Qualitätsverlust.[8][9]

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen


Der Franchisenehmer verkauft seine Erzeugnisse oder seine Dienstleistungen rechtlich selbstständig, zahlt dafür Gebühren für die Verwendung einheitlicher Ausstattung, für einen einheitlichen Namen und Auftreten nach außen, ein Symbol oder zur Nutzung einer Marke und für ein einheitliches Vertriebssystem sowie oftmals für gemeinsame Buchhaltung. Der Franchisegeber bildet den Franchisenehmer aus, er prüft die Umsetzung des Konzeptes und darf Anweisungen erteilen.

Der Deutsche Franchise-Verband e.V. definiert Franchising folgendermaßen: Franchising ist ein auf Partnerschaft basierendes Absatzsystem mit dem Ziel der Verkaufsförderung. Der sogenannte Franchisegeber übernimmt die Planung, Durchführung und Kontrolle eines erfolgreichen Betriebstyps. Er erstellt ein unternehmerisches Gesamtkonzept, das von seinen Geschäftspartnern, den Franchisenehmern, selbstständig an ihrem Standort umgesetzt wird.

Der Franchisenehmer ist rechtlich Händler im eigenen Namen und auf eigene Rechnung.

Merkmale

Es gibt verschiedene Auffassungen des Kooperationsmodelles. Während sich in Europa zunächst eigenständige Systeme wie Genossenschaften, Handelsketten oder Agenturen gebildet haben, wurde in den USA sämtlicher auf gleicher Ebene kooperierender Vertrieb unter dem Begriff Franchising zusammengefasst. Entscheidend für das Bestehen von Franchising ist die enge Zusammenarbeit von Franchisegebern und Franchisenehmern, die alle als rechtlich selbstständige Unternehmung bestehen bleiben. Die Kooperation findet nur in einem vertraglich klar vorgegebenen Rahmen statt. Ein Franchisesystem ist durch Merkmale gekennzeichnet:

Abfüller von Getränken wie Coca-Cola oder Pepsi gehören zur Gruppe der Waren- und Produktfranchising-Systeme („Product and Tradename Franchising“). In den 1950er-Jahren entstand eine weitere Form des Franchisings, das sog. „Business Product Franchising“, wozu z. B. Systeme in Hotellerie, Gastronomie und Handel zählen.

Typen

Hauptunterscheidungsmerkmal innerhalb der verschiedenen Franchisekonzepte ist der Vertragsinhalt. Beim Waren- und Produktionsfranchising ist die Produktion und der Absatz einer bestimmten Warengruppe oder einzelner Waren Bestandteil der Vereinbarungen. Dabei kann bei dieser Art des Franchisings der Franchise-Geber als Produzent auftreten, der mit einem Abfüller (wie bei Coca-Cola) zusammenarbeitet. Es gibt auch Zusammenarbeiten zwischen Großhändlern und Einzelhändlern. Diese Form von Franchising ist in den Vereinigten Staaten weiter verbreitet als in Deutschland, wobei es auch hier überaus erfolgreiche, größtenteils Fachhandelssysteme wie Fressnapf oder OBI gibt.

In den letzten Jahrzehnten wurde auch das Dienstleistungsfranchising populärer. Beispiele sind neben McDonald’s, Burger King, BackWerk, Hallo Pizza oder Subway in der Gastronomiebranche die französische Hotelgruppe Accor (u. a. Ibis, Mercure, Sofitel, Pullman) oder die Autovermietung Hertz im Bereich der Dienstleistungen. Social Franchising heißen dabei die Dienstleistungen im sozialen Bereich.

Franchisesystem


Ein Franchisesystem ist ein Vertriebssystem mit selbständigen Unternehmern. Ein Hauptmerkmal ist einheitliches Auftreten am Markt. Geprägt wird es durch das arbeitsteilige Leistungsprogramm der Franchisenehmer. Das Franchisesystem tritt als Franchisegeber auf.

Franchisevertrag

Franchising ist nicht gesetzlich geregelt und basiert auf dem Franchisevertrag. Der Franchisevertrag ist ein gemischter Vertrag, der aus Elementen des Lizenzvertrages, Vertriebsvertrag und Know-how-Vertrag sowie darüber hinausgehenden Regelungsinhalten besteht. Der Franchisegeber ist dem Franchisenehmer durch den Franchisevertrag in der Regel verpflichtet, Nutzungsrechte an Schutzrechten (Markenrecht, Urheberrecht, Musterrecht, Patentrecht) zu gewähren und das notwendige Know-how bereitzustellen, wofür der Franchisenehmer die Franchisegebühr zu zahlen hat. Darüber hinaus werden in aller Regel Vertragsgebiet, Schulungskonzepte, Marketing- und Werbekonzepte, Kontrollrechte, Berichtswesen, Buchführung, Abwerbe- und Wettbewerbsverbot, Vertragsdauer und Beendigung geregelt.

Aufbau

Eignung

Nicht jedes erfolgreiche Geschäftskonzept lässt sich auch multiplizieren. Es lässt sich abhängig von der Qualifikition des Franchisenehmers sowie der Marktbedingungen eher reproduzieren als nicht erfolgreich erprobte Geschäftsmodelle. Eine Vereinfachung und Standardisierung der Geschäftsabläufe sollte auf dem Weg zum Franchise-System erfolgen. Ein Aspekt des Franchisings ist auch der hohe Wiedererkennungswert und gleichbleibend gute Leistung von allen Franchisepartnern. Vereinheitlichung ist also notwendig für den Marktauftritt.[10]

Pilotbetrieb

Ein Unternehmen sollte nach dem Europäischen Verhaltenskodex für Franchising[11] mindestens einen erfolgreichen Pilotbetrieb haben, um mittels Franchising expandieren zu können und somit ein Franchisesystem zu werden. Der Pilotbetrieb sollte außerdem über einen längeren Zeitraum – ca. 1 bis 2 Jahre – beobachtet werden, da hier die Geschäftsidee erprobt wird. Die Erkenntnisse, die in dieser Zeit gewonnen werden, können ausschlaggebend sein für die erfolgreiche Multiplikation der Geschäftsidee.

Handbuch

Das Handbuch eines Franchisesystems ist das wichtigste Element für eine erfolgreiche Expansion mit Franchisenehmern, denn es enthält alle relevanten Informationen und das Know-how, um das Geschäftskonzept ideal umzusetzen. Es ist äußerst detailreich und beinhaltet konkrete Handlungsanweisungen für den Franchisenehmer. Formulare und Statistiken sind hier ebenso zu finden, wie Aussagen über die Corporate Identity, Personalpolitik, Marketing und Controlling.[12]

Leistungen

Was Franchisesysteme den Franchisenehmern bieten, variiert von System zu System. Einige Leistungen sind aber spezifisch für ein Franchisesystem. Dazu gehören zum Beispiel geschütztes Know-how, ein Franchisevertrag, Betreuung der Franchisenehmer und Schulungsmöglichkeiten.

Etymologie


Der Begriff „Franchising“ leitet sich aus dem französischen Wort „franchise“ ab. Dieses bedeutet im Französischen die Befreiung von Abgaben beziehungsweise Gebühren. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde unter „Franchise“ in Frankreich und Großbritannien die Gewährung eines Privilegs verstanden, welches von Königen an zuverlässige Persönlichkeiten vergeben wurde. Diese Persönlichkeiten hatten das Recht, gegen Entgelt die Produktion oder den Handel mit bestimmten Erzeugnissen zu betreiben. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass „Franchise“ die Nutzung von Rechten gegen Entgelt beinhaltet. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren Absatzsysteme mit Depositären, Konzessionären und Gérants verbreitet, die Vorläufer zum heutigen Franchising darstellen. In der Versicherungsbranche bedeutet Franchise „Selbstbeteiligung“.

Vor- und Nachteile


Vorteile

Für den Franchisenehmer

Für den Franchisegeber

Nachteile

Für den Franchisenehmer

Für den Franchisegeber

Gemäß den Richtlinien des DFV (Deutscher Franchiseverband) obliegt dem Franchisegeber durch seinen Wissensvorsprung die Pflicht, im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärung einem Franchisenehmer-Bewerber vor Unterschrift des Vertrages nachweislich (schriftlich, in der Landessprache) richtig und vollständig alle relevanten Kennzahlen und Kalkulationsgrundlagen des Systems offenzulegen, um den Franchisenehmer in die Lage zu versetzen, Chancen und Risiken seiner Gründung selbst einzuschätzen. Im Falle eines Verstoßes gegen diese Richtlinien drohen dem Franchisegeber, neben der außerordentlichen Kündigung des Vertrages, Schadensersatzansprüche und Zivil-Prozesse.[13]

Statistik


Im Jahr 2014 gab es in Deutschland insgesamt 1.075 Franchisegeber und 72.384 Franchisenehmer mit 541.040 Beschäftigten. Franchisesysteme setzten im Jahr 2014 bundesweit 73,4 Mrd. Euro um, 2005 waren es 32,3 Mrd. Euro.[14]

Die wichtigsten Franchise-Aktivitäten in Deutschland (Anzahl der Franchisesysteme / prozentualer Anteil aller Franchisesysteme)

Gesamt 614 / 100 %, Stand August 2015[15]

Beispiele


Die bekanntesten Franchisesysteme stammen sicherlich aus der Systemgastronomie. McDonald’s, Burger King oder Subway sind mit Franchisepartnern stark auf dem deutschen Markt vertreten. Aber auch in den Branchen Dienstleistung, Einzelhandel, Handwerk oder in der Fitness- und Wellness-Branche sind Franchisesysteme etabliert. Unternehmen wie Apollo-Optik, Reno, Obi, Portas, Schülerhilfe und Musikschule Fröhlich präsentieren anschaulich die Bandbreite der Franchisesysteme in Deutschland. Auch die meisten niedergelassenen Autohändler der großen Marken wie Mercedes-Benz oder Volkswagen AG arbeiten als Franchise-System. Ausnahmen bilden lediglich die Direktniederlassungen der Hersteller und markenunabhängige Händler.

Siehe auch


WiktionaryWiktionary: franchising – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
WiktionaryWiktionary: Konzession – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Franchise Definition: Alles rund um das Thema Franchising. Abgerufen am 31. März 2019.
  2. Cornelius Lahme: Social Franchising: Systematische Skalierung gesellschaftlich relevanter Tätigkeiten. Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-658-21504-0 (google.com [abgerufen am 31. März 2019]).
  3. Skaupy, Walther (1995): Franchising: Handbuch für die Betriebs- und Rechtspraxis, 2. Auflage, München 1995, S. 30ff
  4. Jens Kügler: Franchise Vorteile & Nachteile: Was spricht pro & kontra Franchising. Abgerufen am 31. März 2019 (deutsch).
  5. Carsten Holm: EXISTENZGRÜNDER: Die Franchise-Falle. In: Der Spiegel. Band 36, 2. September 2013 (spiegel.de [abgerufen am 31. März 2019]).
  6. Kenneth Desmond George, Caroline Joll, E. L. Lynk: Industrial Organisation: Competition, Growth, and Structural Change. Psychology Press, 1992, ISBN 978-0-415-07850-4 (com.ph [abgerufen am 31. März 2019]).
  7. Daniel H. Cole, Peter Grossman: The End of a Natural Monopoly: Deregulation and Competition in the Electric Power Industry. Routledge, 2003, ISBN 978-1-135-69701-3 (com.ph [abgerufen am 31. März 2019]).
  8. https://pdfs.semanticscholar.org/3c17/bd6f9c601e564253bfeffacad12d3ae5323a.pdf
  9. http://www.hrpub.org/download/20160130/SA5-19605260.pdf
  10. Knut S. Pauli, Franchising, 1992: S. 61–93.
  11. Klaus P. Morin, Franchising, 2001: S. 98.
  12. Jürgen Arnold, Franchise-Systeme, 2007: S. 128–133.
  13. franchiseverband.com: Vorvertragliche Aufklärungspflichten-Richtlinie DFV. (PDF; 136 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 17. August 2013; abgerufen am 27. Juni 2013. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  14. Zahlen und Fakten zu Franchise in Deutschland (Memento des Originals vom 26. November 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Deutscher Franchise-Verband e.V., abgerufen am 25. November 2015.
  15. FranchisePORTAL, Statistiken, Rangliste nach Aktivitäten , geladen 25. November 2015.



Kategorien: Franchiser | Planung und Organisation | Finanzierung | Distributionspolitik



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Franchising (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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