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Ferdinand Hodler

Ferdinand Hodler (* 14. März 1853 in Bern; † 19. Mai 1918 in Genf; Bürger von Gurzelen BE) war ein Schweizer Maler des Symbolismus und des Jugendstils. Eine besondere Rolle spielen seine Selbstbildnisse als Selbstbiographie in einzelnen Schaffensperioden. Er ist heute der bekannteste Schweizer Maler des 19. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Ferdinand Hodler wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Vater, der Schreiner Johannes Hodler, starb 1860 mit 31 Jahren an Tuberkulose. Die Mutter Margarete Hodler, in zweiter Ehe mit dem Dekorationsmaler Gottlieb Schüpbach verheiratet, starb 1867 an derselben, damals Schwindsucht genannten Krankheit. Sie liess sechs Kinder zurück, von denen Ferdinand das älteste war. In den folgenden 18 Jahren starben nach und nach alle seine Geschwister, ebenfalls an Tuberkulose. 1865 hatte Ferdinand Hodler als 12-Jähriger die Werkstatt des alkoholkranken Stiefvaters übernommen und ernährte nun die Familie.

In Thun trat er um 1868 eine Lehre als Ansichtenmaler an. Mit 18, inzwischen Lehrling des Vedutenmalers Ferdinand Sommer, ging er Ende 1871 nach Genf, malte Firmenschilder und kopierte Bilder im Musée Rath, wo er schliesslich 1872 von Barthélemy Menn entdeckt und dessen Schüler wurde. In den folgenden Jahren studierte Hodler die alten Meister und orientierte sich an den grossen Künstlern seiner Zeit, so etwa an Camille Corot und Gustave Courbet. 1878/1879 unternahm er eine Reise nach Spanien, wo er sich u. a. mit den Werken von Velázquez, Tizian, Raffael, Rubens und Ribera auseinandersetzte. 1881 arbeitete er mit anderen Mennschülern am Bourbaki-Panorama des Historienmalers Edouard Castres.

1874 gewann Hodler den 1. Preis des Wettbewerbs «Concours Calame», der in Andenken an den berühmten Landschaftsmaler Alexandre Calame von der «Société des Arts de Genève» in Genf ausgeschrieben worden war. Für sein Bild mit dem Titel «Sous-Bois» («Le Nant de Frontenex», deutscher Titel „Waldinneres“, übersetzt Unterholz) erhielt er ein Preisgeld in Höhe von 300 Franken.[1] Bis zum Ende seiner Ausbildung 1878 an der Genfer Ecole de Dessin beteiligte er sich an weiteren Ausstellungen mit Einzelwerken. Weitere Ausstellungen folgten in London 1881, in Zürich 1883, in Genf 1884 und 1885 zur Weltausstellung in Antwerpen. Mitte der 1880er Jahre begann Hodler, sich von den künstlerischen Vorbildern seiner frühen Jahre zu lösen. Ab 1885 entstanden Bilder im von ihm entwickelten, Parallelismus genannten Stil. Damals wurde der „Leib-Seele-Parallelismus“ unter dem Einfluss der Schriften von Wilhelm Wundt stark diskutiert. Hodler sah, dass sich die Natur in parallelen Mustern organisiert: die Baumstämme im Wald, die symmetrischen Linien des menschlichen Körpers, die symmetrische Opposition von Tag und Nacht, Mann und Frau. Auch von der ständigen Konfrontation mit Sterben und Tod seit seiner Kindheit, von typisch schweizerischen Anschauungen und von der Natur wurde Hodlers künstlerisches Schaffen stark beeinflusst.

Im Dezember 1885 hatte er im Genfer Cercle des Beaux-Arts seine erste Einzelausstellung. Die zweite Einzelschau wurde ihm 1887 im Kunstmuseum Bern seiner Heimatstadt ermöglicht. Zunehmend fand er mit seinen Arbeiten Anklang, Zustimmung und positive Resonanz für seine „schweiztypischen Gestaltungsarten“, zum Beispiel mit dem Bild Das mutige Weib von 1886, bei dem ihm seine bevorzugte Ausrichtung, die Verbindung von Naturalismus und Schönheitsprinzip, bestätigt wurde. Aber er erhielt auch harsche Kritik, erfuhr Ablehnung von Werken, Ausschluss bestimmter Bilder und handfeste Behinderung der Ausstellung seiner Werke, so durch den Genfer Stadtpräsidenten Théodore Turrettini. Das führte in mehreren seiner Schaffensperioden zu schweren öffentlichen Auseinandersetzungen bis hin zur Stilisierung eines sogenannten „Falls Hodler“, worin sich besonders die konservative Presse in einzelnen Schweizer Regionen hervortat.

Hodler begegnete 1884 Augustine Dupin, die ihm für verschiedene Werke Modell stand und von der er 1909 ein Bildnis anfertigte, das sie auf dem Totenbett zeigt. Der gemeinsame Sohn Hector wurde 1887 geboren. 1889 heiratete Hodler Bertha Stucki, doch die Ehe wurde bereits 1891 wieder geschieden. Auf dem Gemälde Die Nacht, das im selben Jahr entstand, sind beide Frauen dargestellt.[2]
Mit diesem Gemälde, das die Motive Schlaf, Tod und Sexualität thematisiert, gelang Hodler der Durchbruch. Die Ausstellung des Bildes im Musée Rath in Genf wurde zwar in letzter Minute verhindert und das Gemälde als sittenwidrig verurteilt. Aber eine daraufhin privat organisierte Ausstellung wurde zum grossen Erfolg. Es folgten Ausstellungen und Ehrungen in Paris, München, London, Berlin, Wien und Venedig.

1892 stellte Hodler im Salon de la Rose + Croix in Paris das Gemälde Die enttäuschten Seelen aus und wurde Mitglied dieser Gesellschaft.[3][4] Im Jahr 1897 gewann Hodler einen Wettbewerb zur Ausschmückung der Waffenhalle des Schweizerischen Landesmuseums in Zürich zum Thema „Der Rückzug der Schweizer aus der Schlacht von Marignano“ im Jahr 1515. Hodlers Entwürfe führten zum grössten Kunststreit, den es bis zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz gegeben hatte, da der Direktor des Landesmuseums, Heinrich Angst, seine Entwürfe boykottierte und erst eine Delegation des Bundesrats aus Bern nach Zürich reisen musste, um Hodlers Werke abzusegnen. Die Standhaftigkeit Hodlers sowie die tatkräftige Unterstützung nationaler und internationaler Kunstliebhaber führten in dieser und zahlreichen ähnlich gelagerten Auseinandersetzungen um den Sinn und die Rolle der Kunst zum Durchbruch.

1894 lernte Hodler Berthe Jacques kennen, die 1897 seine zweite Ehefrau wurde. Diese Ehe blieb ebenso wie die erste kinderlos. Zwischen 1896 und 1899 erteilte Hodler Zeichen- und Malunterricht am Gewerbemuseum in Freiburg. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Oswald Pilloud, Hiram Brülhart, Raymond Buchs und Jean-Edouard de Castella. Am 12. März 1897 hielt er beim freiburgischen Kunstverein einen Vortrag mit dem Titel Die Mission des Künstlers.

Während der Weltausstellung in Paris 1900 bekam Hodler die Goldmedaille für drei seiner ausgestellten Werke. Bis 1900 beschickte er über 200 Ausstellungen. Er war jetzt einer der führenden Maler Europas und von seinen Stilformen und der Aussagekraft seiner Arbeiten her ein typischer Vertreter schweizerischer Kunst. Das alles verbesserte auch seine bis dahin eher prekäre wirtschaftliche Lage. Noch im selben Jahr wurde er Mitglied der Wiener und der Berliner Secession, 1904 auch der Münchner Sezession.

1905 fragte Karl von Weizsäcker bei Holder an, ob dieser an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart die Nachfolge von Leopold von Kalckreuths übernehmen wolle, was er jedoch ablehnte.1908 begegnete Hodler Valentine Godé-Darel (1873–1915), die seine Geliebte wurde. Godé-Darel erkrankte 1913 kurz nach der Geburt der gemeinsamen Tochter an Krebs. Ihr Weg durch Krankheit und Siechtum bis in den Tod wurde von Hodler in zahlreichen Gemälden und Zeichnungen festgehalten.[5] Die Tochter Pauline (auch Paulette, 1913–1999) wurde schon während der Krankheit ihrer Mutter von Hodlers Ehefrau Berthe aufgezogen und später von Hodler adoptiert. Pauline Valentine Magnenat-Hodler trat später selbst als Malerin in Erscheinung.

Wie Meilensteine markieren Hodlers 113 Selbstbildnisse seine Entwicklung als Mensch und Künstler. Sie zeugen von der Suche nach Identität, nach gesellschaftlichen und persönlichen Werten, sie sind Ausdruck seiner Proteste, seiner Hartnäckigkeit und sind oft ein deutlicher Spiegel seiner seelischen Verfassung. Angefacht durch seinen Selbsterhaltungstrieb bei den immer wieder zu führenden Auseinandersetzungen mit der eigenen Außenwelt gelingt es ihm, sich selbst als Beispiel einer Haltung in Szene zu setzen. Ausdruck dafür sind unter anderen Der Zornige 1881, Der Geschichtsschreiber 1886, Das Pariser Selbstbildnis 1891, Selbstbildnis mit den Rosen 1914 und Letztes Selbstbildnis 1918.

Hodler führte ein erbittertes Ringen darum, die Welt, wie sie ist, zu verstehen und sein eigenes Weltbild in der Kunst auszudrücken. Kompromisslose Wahrheitsliebe gegenüber der Natur und der menschlichen Schönheit war sein Ziel. „Ich setze die Wahrheit über die Schönheit – ich kann nicht anders“, schrieb er 1883 an einen Musikerkollegen. Beginnend mit dem Bildnis Die Nacht hat Hodler mehrere Werke geschaffen, die in diesem Sinne Signale und Wirkungen seiner Auseinandersetzung mit Natur, Schönheit und geschichtlichen Werten sind. Hodlers späte, expressionistisch anmutende einfache Landschaftsgemälde machen ihn auch zu einem der bedeutendsten Maler der Alpenlandschaft.

In Deutschland wurde Hodler 1914 aus fast allen Künstlervereinigungen ausgeschlossen, als er einen Protestbrief gegen den Beschuss der Kathedrale von Reims durch die deutsche Artillerie im Ersten Weltkrieg unterschrieb. In seiner Heimat aber wuchs seine Anerkennung: Schon 1911 wurden zwei Banknoten mit Motiven seiner Bilder (Der Mäher, Der Holzfäller) bedruckt, 1913 wurde ihm der Ehrendoktor der Universität Basel verliehen. 1916 erhielt er eine Professur an der Ecole des Beaux-Arts in Genf. 1917 veranstaltete das Kunsthaus Zürich eine erste grosse Retrospektive. In seinem Todesjahr wurde er Ehrenbürger von Genf. 1932 wurde in Bern die vormalige Waisenhausstrasse zu Ehren Ferdinand Hodlers in „Ferdinand Hodler Strasse“, seit 1. Januar 1948 Hodlerstrasse umbenannt; an ihr befindet sich das Kunstmuseum Bern.

Hodler war eng mit dem Berner Schriftsteller Carl Albert Loosli befreundet, der auch einige Bücher über ihn veröffentlichte. Intensive Kontakte zu zahlreichen Künstlern seiner Zeit wie Cuno Amiet, Gustav Klimt, Giovanni Giacometti und vielen anderen halfen ihm, internationales Ansehen und eine breite Öffentlichkeit für seine Arbeiten im europäischen Raum zu finden. Er war Mitglied im Deutschen Künstlerbund.[6]

1944 schrieb die Stadt Genf zusammen mit dem Eidgenössischen Departement des Innern einen Wettbewerb für die Errichtung eines Ferdinand Hodler-Denkmals aus. Für die eingegangenen 24 Entwürfe verlieh die Jury keinen ersten Preis. Jedoch erhielt Jakob Probst den Auftrag das Denkmal für Hodler zu schaffen. Der 25 Tonnen schwere Walliser Kalksteinblock, stellt eine vier Meter hohe Kriegerfigur dar, die an das Gemälde von Hodlers Die Schlacht von Marignano erinnern sollte[7]. Kaum fertig gestellt, wurde das Denkmal von der Jury als zu massiv und mächtig befunden und abgelehnt. 1955 wurde das Denkmal als Wehrdenkmal im Stadtpark Olten aufgestellt.

Ein häufiges Motiv in Hodlers Werk ist der Genfer See. Am 5. Juni 2007 erzielte Der Genfersee von Saint-Prex aus mit 10,9 Millionen Schweizer Franken bei einer Auktion von Sotheby’s den höchsten Preis, den ein Gemälde eines Schweizer Malers je erreichte.

Werke (Auswahl)


Grafisches Werk

Ausstellungen der Gegenwart


Als Beleg für die breite Rezeption werden hier grosse Ausstellungen in der Gegenwart genannt.

Literatur


Biographisches

Kunstkritik, Kataloge

Dokumentarfilm

Literarische Rezeption

Weblinks


 Commons: Ferdinand Hodler  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kunstsammlung Thomas Schmidheiny  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. Wer war Ferdinand Hodler wirklich? In: tagesanzeiger.ch. Gebührenpflichtiger Link.
  2. Musée´d’Orsay, Ausstellung 13. November 2007 bis 3. Februar 2008. (Memento des Originals vom 5. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). Walter de Gruyter, 2006, Band 5, S. 13.
  4. Biografie Ferdinand Hodler. (Memento vom 18. Mai 2015 im Internet Archive). Abgerufen am 13. Mai 2015.
  5. Waltraud Wende: Künstlerbilder – oder: Über den Umgang mit dem Tod bei Ferdinand Hodler und Erica Pedretti. In: Hans Ester, Guillaume van Gemert (Hrsg.): Künstler-Bilder. Zur produktiven Auseinandersetzung mit der schöpferischen Persönlichkeit. Editions Rodopi Amsterdam – New York, 2003. S. 82–84.
  6. Ordentliche Mitglieder des Deutschen Künstlerbundes seit der Gründung 1903. „Hodler, Ferdinand“. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive). In: kuenstlerbund.de. Abgerufen am 30. November 2015.
  7. Alexandra Matzner: Rückzug von der Schlacht von Marignano. Abgerufen am 12. September 2019.
  8. Ferdinand Hodler , www.mural.ch, abgerufen am 15. Januar 2012.
  9. Ferdinand Hodler. (Memento vom 6. Februar 2013 im Internet Archive). In: fondationbeyeler.ch. Abgerufen am 6. Februar 2013.
  10. Robert Walser: Wenn Schwache sich für stark halten. Prosa aus der Berner Zeit. 1921–1925. In: dandelon.com.



Kategorien: Maler (Schweiz) | Landschaftsmaler | Maler des Symbolismus | Maler des Jugendstils | Mitglied im Deutschen Künstlerbund | Hochschullehrer (Genf) | Ehrendoktor der Universität Basel | Ehrenbürger im Kanton Genf | Schweizer | Geboren 1853 | Gestorben 1918 | Mann



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