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Feldhamster




Feldhamster

Feldhamster (Cricetus cricetus)

Systematik
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Hamster (Cricetinae)
Gattung: Großhamster
Art: Feldhamster
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Cricetus
Leske, 1779
Wissenschaftlicher Name der Art
Cricetus cricetus
(Linnaeus, 1758)

Der Feldhamster (Cricetus cricetus), auch Europäischer Hamster genannt, ist ein Nagetier (Rodentia) aus der Familie der Wühler (Cricetidae) und der Unterfamilie der Hamster (Cricetinae).

Inhaltsverzeichnis

Merkmale


Feldhamster erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von 20 bis 34 Zentimeter, wozu noch ein 4 bis 6 Zentimeter langer, beinahe haarloser Schwanz kommt. Das Gewicht ausgewachsener Tiere variiert zwischen 200 und 650 Gramm. Männchen sind meist größer und schwerer als Weibchen. Der Hamster gilt als das bunteste europäische Pelztier. Die Fellfärbung ist variabel: die häufigste Form ist eine gelbbraune Oberseite und eine dunkle, fast schwarze Unterseite. An den Flanken befinden sich mehrere weiße Flecken, auf der Wange, vor und hinter den Vorderbeinen. Die Region um die Schnauze und um die Augen ist rötlichbraun gefärbt, die Füße und die Nasenspitze sind wiederum weiß. Daneben gibt es aber auch melanistische (fast gänzlich schwarze) und auffallend helle Feldhamster. Das Unterhaar ist gleichmäßig grau. Wie alle Hamster haben sie gut entwickelte Backentaschen, die Füße sind breit und mit gut entwickelten Krallen versehen.

Verbreitung und Lebensraum


Das Verbreitungsgebiet der Feldhamster reicht von Belgien über Mittel- und Osteuropa bis in die russische Altairegion und das nordwestliche China. Ursprünglich war der Feldhamster in den Steppen Osteuropas beheimatet und breitete sich im Zuge der Landwirtschaftsintensivierung nach Westeuropa aus. Archäologen fanden 2000 Jahre alte Hamsterskelette im Rhein-Neckar-Raum.

Lebensweise


Sie sind typische Bodenbewohner und kommen fast nur in Löss- und Lehmboden vor. Sie stellen tiefe, verzweigte Erdbaue her, die eine Wohn- und eine Vorratskammer enthalten, beide im Winterbau bis zu einem Meter tief. Die Baue der immer einzeln lebenden Männchen sind in der Regel kleiner. Typisch für jeden Hamsterbau sind senkrechte Fallröhren und meist zwei bis drei flach verlaufende Eingänge. Durch ihre wühlende Tätigkeit als Scharrgräber bzw. durch die Tatsache, dass sie unter der Bodenoberfläche Humus akkumulieren, haben sie einen gewissen Anteil an der Bildung von Schwarzerden. Die auffallende Gegenfärbung (Rücken heller als Bauch) ist plausibel dadurch erklärt, dass ein Hamster, wenn er nicht mehr fliehen kann, sich zur Verteidigung aufrichtet: die schwarze Bauchseite imitiert das Maul eines größeren Raubtieres mit den vier weißen Pfoten als „Fangzähne“.

Bevorzugte Nahrung des Hamsters sind Körner- und Hülsenfrüchte, Klee, Kartoffeln, Rüben und Mais, manchmal trägt er bis zu fünf Kilogramm Körnervorrat in seine Vorratskammer. Um den Winter in seinem Bau zu überstehen, benötigt ein Hamster mindestens 2 kg Nahrung. Feldhamster neigen zu Kannibalismus; Gründe dafür können Nahrungsmangel oder Überpopulation sein. Neue Forschungen haben gezeigt, dass der Konsum von Mais einhergehend mit Vitamin-B3-Mangel (vgl. Pellagra) Kannibalismus bei Feldhamstern auslösen kann.[1]

Der Feldhamster ist ein hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiver territorialer Einzelgänger. Jedes Tier besitzt einen eigenen Bau, den es gegen Artgenossen verteidigt. Nach dem Erwachen aus der Winterruhe (in Braunschweig Ende April bis Anfang Mai) beginnt er mit der Anlage oder Ausbesserung der Sommerbaue, deren Gänge und Kammern meist weniger als einen Meter unter der Erdoberfläche liegen. Bald darauf beginnt die bis August andauernde Paarungszeit.

Feldhamster und Menschen


Ihr Vorkommen beschränkt sich in Mitteleuropa auf bewirtschaftete Feldflächen und deren Randzonen. Feldhamster waren in Teilen der DDR noch bis um 1980 so häufig, dass Prämien für erlegte Tiere ausgesetzt wurden (zur Verwertung der Felle siehe auch Hamsterfell).

1801 schrieb Gerhard Heinrich Buse dazu in „Das Ganze der Handlung“, I. Theil, IV. Band:

Man fängt sie theils im Frühjahre, wenn sie kaum aus ihrem Winteraufenthalte hervorgekommen sind, weil da ihre Bälge am schönsten sind, in Fallen, oder in Töpfen, die man in die Erde eingräbt, theils im Herbst, durch das Ausgraben, welches von den sogenannten Hamstergräbern geschieht, die eine Zeitlang ihre Nahrung davon haben. Die Obrigkeit hat aber nöthig, auf diese Leute ein wachsames Auge zu haben, indem sie oft nur das Getreide aus den Magazinen der Hamster wegnehmen, und die Hamster laufen lassen, um das folgende Jahr wieder erndten zu können, wo sie nicht gesäet haben.[2]

In den 1950er Jahren betrug im Bezirk Magdeburg das Hamsterfellaufkommen jährlich 1,1 bis 1,2 Millionen Felle. Auf den Rübenschlägen musste der Hamster sofort nach dem Aufgehen der Rüben gefangen werden, am ersten Tag waren erfahrungsgemäß bereits 10 m² um den Bau herum abgefressen. Noch bis 1975 wurden in Aschersleben die Hamsterbaue auch begast. Da das Hamsterfell einen bedeutenden Wirtschaftsartikel darstellte, bemühten sich die Rauchwarenexperten der DDR darum, statt der Begasung den Hamsterfang durch die nebenberuflich tätigen Hamsterfänger und damit die Verwertung der Felle zu intensivieren. Zu der Zeit machte sich jedoch bereits ein deutlicher Rückgang des Fellaufkommens bemerkbar, wobei man sich nicht sicher war, welcher Anteil den verstärkten Fangbemühungen gegenüber den veränderten Anbaumethoden (Vergrößerung der Felder, Industrialisierung der Erntemethoden) zuzurechnen war. 1979 wurden im Kreis Staßfurt 25.400 Felle angeliefert, im Kreis Oschersleben 8500, im Kreis Halberstadt 31.800, im Kreis Haldensleben 5500 und im Kreis Schönebeck 15.000 Felle. Es wurde gesagt, dass die erheblichen Unterschiede der Fangmengen nicht einfach damit zu erklären seien, dass der Hamster „wandert“, die Zahlen sollten künftig durch verstärkte Fangbemühungen ausgeglichen werden.[3]

Durch die industrielle Feldbewirtschaftung, die zunehmende Bebauung sowie die Isolation und Zerschneidung der Lebensräume ist der Feldhamster heute in weiten Teilen Deutschlands vom Aussterben bedroht. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gelten sie mittlerweile als ausgestorben.[4] Inzwischen gibt es, etwa im Elsass, den Niederlanden oder in Deutschland, Programme zur Züchtung und Auswilderung von Feldhamstern. Landwirte können durch eine angepasste Bewirtschaftung, Ernteverzicht und Stoppelruhe die Bedingungen für den Feldhamster, aber auch für weitere gefährdete Arten der heimischen Kulturlandschaft wie Rebhuhn, Feldlerche oder Feldhase, verbessern.[5]

Wegen seiner lebhaften Natur und der Gewohnheit Vorräte anzulegen, wurde der Feldhamster schon früh zu einem Symbol für aufbrausende, habgierige und geizige Personen. Siehe auch: hamstern.[6]

Der Feldhamster gehört zu den nach Anhang IV Buchstabe a) geschützten Tierarten des Artikels 12 der Richtlinie 92/43/EWG (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie), bekannter als „FFH-Richtlinie“ oder „Habitatrichtlinie“. Als streng geschützte Art wird er auch in der Berner Konvention (Anhang II) genannt. Vorhandene Feldhamster-Populationen halten dadurch gelegentlich die Planung, den Bau und/oder die Erschließung, zum Beispiel von Gewerbegebieten, Straßen oder anderen Verkehrswegen auf.[7] Mit Urteil vom 9. Juni 2011 verurteilte der EuGH Frankreich, weil das Land kein Programm von Maßnahmen aufgestellt hatte, die einen strengen Schutz der Art der Feldhamster erlaubte.[8]

Literatur


Das zweibändige Werk (Band 1 = Pflanzen und Wirbellose) stellt alle in Deutschland heimischen Arten, die unter die FFH-Richtlinie fallen, detailliert vor. Tabellen nennen

Die mit der EU-Osterweiterung im Mai 2004 für Deutschland neu hinzugekommenen geschützten Arten sind in einer Tabelle zum Schutz- und Gefährdungsstatus am Ende des zweiten Bandes aufgelistet.

Weblinks


Commons: Feldhamster (Cricetus cricetus)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Forscher wollen Kannibalismus unter Feldhamstern stoppen. badische-zeitung.de, 3. Februar 2017, abgerufen am 10. Februar 2017.
  2. Paul Schöps, Kurt Häse, Fritz Schmitz: Der Hamster. In: Das Pelzgewerbe. Schriften für Pelzkunde und Pelzindustrie. 7, 1956, Heft 1, S. 15.
  3. Gemeinsame Aktionen zur Intensivierung des Hamsterfangs. Ein Rundtischgespräch mit Experten. In: Brühl. VEB Fachbuchverlag Leipzig, Heft 4, Juli/August 1980.
  4. Feldhamster in Brandenburg ausgestorben. In: Märkische Oderzeitung. 18. Februar 2015.
  5. A. Zehm: Gefährdung des Feldhamsters nimmt weiter zu. – ANLiegen Natur 37/1, S. 13–14, Laufen 2015. Abgerufen 12. November 2015.
  6. Grimms Deutsches Wörterbuch .
  7. Vgl. z. B. Beschwerde des BUND bei der EU-Kommission wegen eines (behaupteten) Verstoßes gegen die FFH-Richtlinie vom 22. Juni 2002 (DOC-Datei; 44 kB). (Memento vom 5. Dezember 2013 im Internet Archive)
  8. EuGH: C-383/09 Europäische Kommission gegen Frankreich. ECLI:EU:C:2011:369.



Kategorien: Hamster | FFH-Arten (Anhang IV)



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Stand der Informationen: 05.05.2020 03:20:14 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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