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Ethnizität

Ethnizität (von altgriechisch ἔθνος ethnos, deutsch ‚[fremdes] Volk, Volk-‘) ist ein Fachbegriff aus der Völkerkunde zur Einordnung kultureller Identitäten.[1] Nach Max Weber ist Ethnizität ein Konzept einer Gruppe von Menschen, die sich durch den Glauben an gemeinsame Abstammung und Kultur konstituiert und so eine homogene[2] Gruppenidentität bildet.[3] Dabei werden gewisse kulturelle Elemente wie Sprache, Kleidung, Brauchtum und Religion als auch nach außen sichtbare Abgrenzungszeichen verwendet.[4]

Gegenüber früheren primordialen, essentialistischen Erklärungen, die Ethnizität in endogamen Gruppen homogener Kulturen fest und unveränderlich als von der Biologie und den jeweiligen geografischen Bedingungen vorgegeben sah, hat sich mittlerweile der konstruktivistische Ansatz, welcher der subjektiven Wahrnehmung der Akteure eine zentrale Rolle zumisst, eher durchgesetzt. Er beschreibt die mehr oder weniger zielbewussten Handlungen von Einzelnen und Kollektiven und wird in den sozialwissenschaftlichen Theorien häufig als „soziale Konstruktion“ (Sozialkonstruktivismus) beziehungsweise als „Wahlentscheidung“ (Theorie der rationalen Entscheidung) betrachtet.

Zur Kategorisierung der Ethnizität sozialer Gebilde wird in Abgrenzung zum ethnischen Volksbegriff Ethnos auch der Begriff Demos als ein politischer und rechtlicher Begriff von Volk angewendet.[5] Vielfach wird Ethnizität fälschlicherweise mit Nationalität gleichgesetzt. Eine Einstellung, die sich vom Standpunkt der eigenen Kultur und der mit ihr verbundenen Wertmaßstäbe primär auf ihre Ethnizität bezieht, wird als Ethnozentrismus bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Theorien zur Ethnizität


Reinhart Kößler und Tilman Schiel unterscheiden Ethnizität nach ihrer Dimension, ihrer Erscheinungsform und ihrer Funktion.

Dimension: horizontale Ethnizität

In der horizontalen Ethnizität erscheint sie:

Dimension: vertikale Ethnisierung

In der vertikalen Ethnisierung erscheint sie:

Dimension in der Tiefe und Intensität

In der Tiefe und Intensität erscheinen sie:

Wissenschaft


In der Wissenschaft wird auf die zunehmende Entkontextualisierung, Hybridisierung und Popularisierung von Fachbegriffen wie „Ethnizität“ im öffentlichen Sprachgebrauch hingewiesen. „Ethnizität“ beschreibt nämlich im eigentlichen Sinne nicht bestimmte Eigenschaften, sondern ein Verhältnis – es handelt sich hierbei also um einen relationalen und keinen substanzbezogenen Terminus.

Andre Gingrich stellt in diesem Zusammenhang in seinem Artikel Ethnizität für die Praxis[7] sieben Thesen auf:

Literatur


Weblinks


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Einzelnachweise


  1. Immanuel Wallerstein, Imanuel Geiss, Gero Fischer, Maria Wölflingseder (Hrsg.): Biologismus – Rassismus – Nationalismus. Rechte Ideologien im Vormarsch 1995.
  2. „Die ethnische Gruppe ist eine Gruppe von Menschen, die durch kulturelle Homogenität miteinander verbunden ist“. B. Berry: Race Relations. The Interaction of Racial and Ethnic Groups. Boston, 1951, S. 75.
  3. Bernhard Streck: Wörterbuch der Ethnologie. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2000, ISBN 3-87294-857-1, S. 53.
  4. Fredrik Barth: Ethnic groups and boundaries. The social organization of culture difference. Allen & Unwin, London, 1969, S. 12 ff.
  5. Emerich K. Francis: Ethnos und Demos. Berlin 1965. Vgl. auch Friedrich Heckmann, Ethnos, Demos und Nation, 1991 bzw. ders., Nationalstaat, multikulturelle Gesellschaft und ethnische Minderheitenpolitik , 2001 sowie Wolfram Stender, Ethnische Erweckungen. Zum Funktionswandel von Ethnizität in modernen Gesellschaften – ein Literaturbericht, in: Mittelweg 36, 24. Juni 2000. PDF (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive).
  6. Vgl. Detlev Claussen/Oskar Negt/Michael Werz (Hg.): Kritik des Ethnonationalismus (Hannoversche Schriften 2), Frankfurt am Main 2000.
  7. Andre Gingrich: Ethnizität für die Praxis. In: Karl R. Wernhart/Werner Zips (Hg.): Ethnohistorie – Rekonstruktion und Kulturkritik. Eine Einführung. Promedia, Wien 2001, S. 99–111.



Kategorien: Soziologie | Ethnologie

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