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Esperanto




Dieser Artikel befasst sich mit der Plansprache Esperanto; zu anderen Bedeutungen siehe Esperanto (Begriffsklärung).
Esperanto
Projektautor Ludwik Lejzer Zamenhof
Jahr der Veröffentlichung 1887
Sprecher etwa 1000 Muttersprachler;[1][2][3][4] insgesamt zwischen 0,5 und 2 Millionen Sprechern[5]
Linguistische
Klassifikation
Besonderheiten Substantive, Adjektive, Verben und abgeleitete Adverbien sind an charakteristischen Endungen erkennbar.(*)
Offizieller Status
Amtssprache in keinem Land der Welt
Sprachcodes
ISO 639-1

eo

ISO 639-2

epo

ISO 639-3

epo

Symbole
Esperantoflagge Jubiläumssymbol
Textprobe
La akcento estas sur la antaŭlasta silabo. La kernon de la silabo formas vokalo. Vokaloj ludas grandan rolon en la ritmo de la parolo. Substantivoj finas per -o, adjektivoj per -a. La signo de la pluralo estas -j. La pluralo de „lasta vorto“ estas „lastaj vortoj“.

Esperanto ist die am weitesten verbreitete Plansprache. Ihre heute noch gültigen Grundlagen wurden als internationale Sprache[6] 1887 von dem Augenarzt Ludwik Lejzer Zamenhof veröffentlicht, dessen Pseudonym Doktoro Esperanto („Doktor Hoffender“) zum Namen der Sprache wurde. Esperanto besitzt in keinem Land der Welt den Status einer Amtssprache. Polen[7] und Kroatien[8] haben Esperanto 2014 bzw. 2019 als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften hat 2004 bestätigt, dass Esperanto eine lebende Fremdsprache ist;[9] in Ungarn haben seit 2001 etwa 39.000 Personen eine staatlich anerkannte Esperanto-Sprachprüfung abgelegt (etwa 0,4 % der Bevölkerung).[10] China veröffentlicht seit 2001 täglich Nachrichten[11] sowie weiterhin seit längerem eine Internet-Zeitschrift[12] und Radiosendungen[13] in Esperanto. In Zaozhuang befindet sich ein Esperanto-Museum mit etwa 700 qm Ausstellungsfläche.[14] China unterstützt in Zusammenarbeit mit der UNESCO die Herausgabe der Zeitschrift Unesco-Courier in Esperanto.[15] Der Vatikan hat 1990 liturgische Texte in Esperanto für Messen zugelassen.[16] Das Esperanto-PEN-Zentrum ist seit 1993 Mitglied in PEN International.[17] Die Österreichische Nationalbibliothek in Wien beherbergt eine Plansprachensammlung und ein Esperantomuseum.[18]

Bei Duolingo werden derzeit Esperanto-Sprachkurse auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch angeboten; Kurse auf Französisch und Chinesisch sind in Vorbereitung.[19] Esperanto-Sprachkurse werden auch auf vielen anderen größeren Sprachseiten angeboten.[20]

Die Esperanto-Wikipedia hat derzeit (April 2020) etwa 280.000 Artikel; nach der Größe steht diese Wikipedia-Ausgabe damit auf Platz 34 und bietet ähnlich viele Artikel wie etwa die dänische, slowakische, bulgarische oder hebräische Version.[21]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Hintergründe zur Entstehung

Der Esperanto-Gründer Ludwik Lejzer Zamenhof wuchs in der heute polnischen, damals zum Russischen Reich gehörenden Stadt Bjelostock auf. Auf Grund der ethnisch diversen Bevölkerung von Polen, Litauern, Deutschen und vor allem Juden, bildeten sich ghetto-artige Strukturen. Oft gab es körperliche Auseinandersetzungen und Pogrome. Schon zu seiner Schulzeit kam Zamenhof der Gedanke, dass eine neutrale Sprache notwendig sei, um Ghettobildung und Rassismus zu verhindern, und letztlich auch ein Schlüssel zum Weltfrieden wäre.[22]

Die drei Ziele

1887 veröffentlichte Zamenhof in Warschau eine Broschüre mit den Grundlagen der Sprache.[23][24] In seinem von seiner Frau Klara Samenhof finanzierten Unua Libro („Erstes Buch“) formulierte er zugleich drei Ziele für seine Sprache:

  1. „Die Sprache muss sehr leicht sein, so dass sie jeder so zu sagen spielend erlernen kann.“
  2. „Jeder, der diese Sprache erlernt hat, muss sie sofort zum Verkehr mit anderen Nationalitäten benutzen können, ganz abgesehen davon, in wie fern diese Sprache von der Welt anerkannt wird, ob sie viele, wenige oder gar keine Anhänger hat, d. h. dass die Sprache gleich von Vorne herein, in Folge ihres besonderen Baues, als Mittel zum internationalen Verkehr dienen kann.“
  3. „Ein Mittel zu finden, die Gleichgültigkeit der Welt zu überwinden, und dieselbe zu ermuntern, sofort und ‚en masse‘ von dieser Sprache, als von einer lebenden Sprache, Gebrauch zu machen, nicht aber nur mit einem Schlüssel dazu in der Hand, oder nur im äussersten Nothfalle.“[25]

Das erste Ziel soll u. a. durch folgende Mittel erreicht werden:

Die erste Ausgabe des Unua Libro, in Russisch, umfasst 40 Seiten im Format A5. Der Grammatik-Teil darin enthält 16 Regeln auf sechs Seiten.

Entwicklung bis 1914

1889 folgte eine Adressenliste mit den ersten Anhängern, außerdem wurde die auf Esperanto in Nürnberg herausgegebene Zeitschrift La Esperantisto gegründet.[26]

1898 gründete Louis de Beaufront eine französische Esperanto-Gesellschaft, aus der später der erste Esperanto-Landesverband wurde.[27] Marie Hankel übersetzte die von Zamenhof verfasste Dichtung „La Espero“. In der Vertonung des Barons Félicien Menu de Ménil aus Paris avancierte diese zur internationalen bei allen größeren Festlichkeiten der Esperantisten in allen Ländern gesungenen Hymne.[28]

1908 wurde der Esperanto-Weltbund gegründet.[29] Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es Verbände oder zumindest Ortsgruppen auf allen Kontinenten.

1914 bis Ende des Zweiten Weltkriegs

Zwischen den beiden Weltkriegen kam es in mehr als einem Dutzend Ländern zu Behinderungen. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden neben vielen anderen auch Plansprachenvereinigungen verboten.[30]

Unter Josef Stalins Herrschaft in der Sowjetunion gab es kein öffentlich bekannt gemachtes Verbot, jedoch wurden bereits mit Beginn der Großen Säuberung neben vielen anderen Gruppen auch führende Esperanto-Sprecher verhaftet und deportiert. Der Geheimdienst NKWD listete zunächst u. a. „alle Menschen mit Auslandskontakten“ auf.[31] Ein Befehl von 1940 aus Litauen listet „Esperantisten“ neben Briefmarkensammlern unter den zu registrierenden Personengruppen.[32] Tausende Esperantosprecher wurden verhaftet und in Lager gesperrt; Rytkov schätzte, dass unter den 1,5 Millionen Verhafteten auch 30.000 sowjetische Esperanto-Sprecher waren, von denen einige Dutzend erschossen wurden; Tausende starben später in Lagern.[33]

Nach dem 2. Weltkrieg

Während des Kalten Krieges dauerte es längere Zeit, bis in den osteuropäischen Staaten Esperanto-Verbände gegründet werden konnten. Eine Ausnahme bildete Jugoslawien, wo bereits 1953 ein Esperanto-Weltkongress stattfand. 1959 fand in Warschau der erste Weltkongress in einem Land des Ostblocks statt. Nach und nach entwickelten sich Kontakte und Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden in Ost und West. 1980 durfte der chinesische Landesverband dem Esperanto-Weltbund beitreten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Landesverbände im Weltbund stetig an. 1948 hatte der Weltbund 19 Landesverbände, 1971 bereits 34, 1989 waren es 47 und 2013 insgesamt 71.[34] Die Anzahl der Menschen, die diesen Verbänden angehören, wuchs jedoch nicht in gleichem Maße und sank auch wieder. 2016 befand sie sich auf dem niedrigsten Stand seit 1947. Demgegenüber gibt es eine zunehmende Anzahl von Gruppen im Internet (z. B. soziale Netze und Mitarbeiter an Projekten wie Wikipedia, Sprachkurse, Wörterbücher und Programme).

Sprachbau


Die Wörter bestehen überwiegend aus unveränderlichen Wortelementen, die aneinandergefügt werden. So wird beispielsweise die Mehrzahl der Substantive und Adjektive und der Pronomen durch das Anhängen eines -j gebildet: domo ,Haus‘, domoj ,Häuser‘, der Objektfall durch das Anhängen eines weiteren -n: domojn‚ Häuser (Akk. Plural)‘. Der Wortstamm wird nicht verändert, wie es oft im Deutschen vorkommt.[35] Das hier sichtbare agglutinierende Prinzip ist beispielsweise auch aus dem Finnischen, Ungarischen und Türkischen bekannt.

Zamenhof strebte einen regelmäßigen Sprachbau an, um den Lernaufwand zu minimieren, insbesondere in der Morphologie und bei der Wortbildung. Für die Deklination von Substantiven und die Konjugation von Verben gibt es jeweils nur ein Schema. Auch das in vielen Sprachen unregelmäßige Verb „sein“ wird im Esperanto nach demselben Schema konjugiert wie alle anderen Verben:

Singular Plural
Präsens Vergangenheit Zukunft Konjunktiv Präsens Vergangenheit Zukunft Konjunktiv
mi

ich

estas

bin

estis

war / bin gewesen

estos

werde sein

estus

würde sein/ wäre

ni

wir

estas

sind

estis

waren / sind gewesen

estos

werden sein

estus

würden sein / wären

vi / ci (= vertraulich)

du

estas

bist

estis

warst / bist gewesen

estos

wirst sein

estus

würdest sein / wärst

vi

ihr

estas

seid

estis

wart / seid gewesen

estos

werdet sein

estus

würdet sein / wärt

li / ŝi / ĝi / oni

er/sie/es/man

estas

ist

estis

war / ist gewesen

estos

wird sein

estus

würde sein / wäre

ili

sie

estas

sind

estis

waren / sind gewesen

estos

werden sein

estus

würden sein / wären

Zur besseren Erkennbarkeit haben einige Wortarten bestimmte Endungen. -o beispielsweise ist die Endung für Substantive: domo ,Haus‘; -a ist die Endung für Adjektive: doma ,häuslich‘ usw. Auch einige Wörter, die weder Substantive noch Adjektive sind, enden auf -o oder -a,[36] sodass der Endvokal allein zur Wortartbestimmung nicht ausreicht.

Die meisten Esperanto-Wörter entstammen dem Latein oder romanischen Sprachen.[37] Ein ziemlich großer Anteil kommt aber auch aus germanischen Sprachen, vor allem dem Deutschen und Englischen (je nach Textkorpus wird dieser Anteil auf fünf bis zwanzig Prozent geschätzt[38]). Dazu gibt es eine Reihe von Wörtern aus slawischen Sprachen, besonders dem Polnischen und dem Russischen. Außerdem wurden Wörter aus dem Griechischen entlehnt. Die Auswahl derjenigen Sprache, aus der Zamenhof ein Wort nahm, bestimmte er nach Zweckmäßigkeit, zunächst danach, welches Wort den meisten bekannt sein könnte, dann oft, um Verwechslungen zu vermeiden. Allerdings gibt es auch falsche Freunde; beispielsweise drückt das Präfix mal- in Esperanto das Gegenteil aus, ohne dass es auf etwas Schlechtes hinweist.

Einige Wörter sind in mehreren indogermanischen Sprachen bekannt, zum Beispiel Esperanto religio ‚Religion‘: englisch religion, französisch religion, polnisch religia; Esperanto lampo ‚Lampe‘: englisch lamp, französisch lampe, polnisch lampa usw. Teilweise existieren im Esperanto bewusste Mischformen, zum Beispiel ĝardeno ‚Garten‘: Die Schreibung ähnelt englisch garden, die Aussprache ähnelt französisch jardin.

Die Schreibweise ist phonematisch, das heißt, dass jedem Schriftzeichen nur ein Phonem (Sprachlaut) und jedem Phonem nur ein Schriftzeichen zugeordnet ist. Sie verwendet Buchstaben des lateinischen Alphabets, ergänzt durch Überzeichen (diakritische Zeichen). Beispielsweise entspricht ŝ dem deutschen sch und ĉ dem tsch (z. B. in ŝako ‚Schach‘ und Ĉeĉenio ‚Tschetschenien‘). (Siehe auch Esperanto-Rechtschreibung.)

Sprachbeispiel
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Artikel 1:

Ĉiuj homoj estas denaske liberaj kaj egalaj laŭ digno kaj rajtoj. Ili posedas racion kaj konsciencon, kaj devus konduti unu al la alia en spirito de frateco.
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.

Forschung


Jährlich erscheinen mehrere wissenschaftliche Artikel zu Esperanto und anderen geplanten Sprachen.[39] In Deutschland gibt es die „Gesellschaft für Interlinguistik“, deren etwa 65 Mitglieder sich der Erforschung des Esperanto und anderer geplanter sowie internationaler Sprachen und ihrer Verwendung widmen.

Organisationen


Der mit etwa 15.000 Mitgliedern größte weltweite Dachverband ist der Esperanto-Weltbund mit Sitz in Rotterdam. Ihm obliegt die Ausrichtung und Organisation des jährlich stattfindenden Esperanto-Weltkongresses, der größten und wichtigsten Veranstaltung mit Teilnehmerzahlen zwischen 350 und 3000.

Die größten Esperanto-Organisationen in Deutschland sind mit etwa 700 Mitgliedern der Deutsche Esperanto-Bund sowie dessen Jugendorganisation, die Deutsche Esperanto-Jugend, die mit ihren Orts-, Regional- und Landesverbänden etwa 100 Mitglieder hat. Diese ist gleichzeitig Mitglied der weltweiten Jugendorganisation TEJO.

Im österreichischen Landesverband sind 72 Esperantisten organisiert, die Schweizerische Esperanto-Gesellschaft vertritt 170 Mitglieder inklusive der Jugendgruppe.

Anzahl der Sprecher


Esperanto als zweite Muttersprache

Nach Darstellung des Esperanto-Aktivisten Renato Corsetti waren 1996 etwa 350 Familien bei der „Familia Rondo“ des Esperanto-Weltbundes registriert, in denen die Kinder mit Esperanto als zweiter Muttersprache aufwuchsen.[3] Eine Schätzung der Vorsitzenden der Gesellschaft für Interlinguistik von 2012 geht von bis zu 2000 Muttersprachlern aus[2]; der Esperanto-Weltbund gab im April 2017 eine Anzahl von 1.000 Muttersprachlern an.[40]

Esperanto als Fremdsprache

Die Schätzungen für die Zahl der heutigen Sprecher weichen stark voneinander ab – es finden sich Zahlen zwischen 100.000 und zehn Millionen. Dabei ist zu beachten, dass verschiedene Angaben sich auf unterschiedliche Niveaus der Sprachbeherrschung und -nutzung beziehen; oft wird von ein paar Millionen ausgegangen, die Esperanto gelernt haben, und ein paar hunderttausend, die Esperanto regelmäßig sprechen.

Schätzungen gehen davon aus, dass in den über 130 Jahren seines Bestehens zwischen 5 und 15 Millionen Menschen Esperanto erlernt hätten.[41] Im Jahr 1889 lebten noch über 90 % der Esperantosprecher in Russland. Eine umfassende Erhebung des deutschen Esperanto-Instituts im Jahr 1926 ergab eine Anzahl von 136.209 Sprechern weltweit, darunter über 120.000 in Europa, etwa 31.000 in Deutschland.[42] Esperanto habe darüber hinaus eine lange Geschichte in Ländern wie China, Japan und Brasilien, und aktive Esperanto-Sprecher könnte man in den meisten Ländern der Welt finden, schreiben Byram und Hu.[43] Laut John R. Edwards gab es in China 2004 bei einer Bevölkerungszahl von über einer Milliarde Menschen ca. 10.000 Esperanto-Sprecher, von denen etwa 10 % die Sprache fließend beherrschten, was einem Anteil von 0,0001 % der Bevölkerung entspräche.[44] Bei der ungarischen Volkszählung für 2011 gaben 8397 Personen Esperanto-Kenntnisse an.[45] Bei einer Einwohnerzahl von etwa 10 Millionen entspricht das einem Anteil von etwas weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung, die angaben, Sprachkenntnisse in Esperanto zu besitzen; im Vergleich zu anderen Fremdsprachen liegt Esperanto auf Platz 15. Seit 2001 sind in Ungarn etwa 39.000 staatlich anerkannte Esperanto-Sprachprüfungen abgelegt worden, also von etwa 0,4 % der Bevölkerung[10].

Das linguistische Sammelwerk Ethnologue gibt eine Zahl von zwei Millionen Menschen an, die Esperanto sprechen;[46] diese Zahl basiert auf Schätzungen von 2004 und 2015.

Der 2013 zum Präsidenten der Universala Esperanto-Asocio gewählte Mark Fettes ging im Jahr 2003 von weniger als 150.000 Sprechern weltweit aus;[47] dies dürfte sich auf die Zahl der regelmäßigen Sprecher beziehen. Rudolf Fischer, damals Vorsitzender des Deutschen Esperanto-Bundes, vermutete 2008: „Weltweit sprechen rund 100.000 Menschen fließend und regelmäßig Esperanto, davon leben etwa 2000 in Deutschland.“[48]

Die Frage nach der Anzahl der heutigen Esperantosprecher „löst leicht Verlegenheit aus“ und „gerät dabei unversehens zum Schätzungsabenteuer“.[49]

Anzahl organisierter Esperanto-Sprecher

Der Esperanto-Weltbund (UEA) hatte Ende 2016 4.365 Einzelmitglieder und 8.689 assoziierte Mitglieder.[50] Das ist der niedrigste Stand seit der Neugründung der UEA 1947.

Esperanto als Unterrichtsfach


Esperanto in sozialistischen Staaten

Während zu Zeiten des Kalten Kriegs in den sozialistischen Staaten Esperanto gefördert wurde, spielt Esperanto-Unterricht in Schulen oder Hochschulen des ehemaligen Ostblocks heute faktisch keine Rolle mehr.

Nach Angaben aus dem Jahr 1982 wurde seinerzeit in 36 Ländern Esperanto-Unterricht aufgrund staatlicher Verfügungen erteilt. Dazu gehörten viele sozialistische Staaten, darunter Polen, Ungarn, Bulgarien und die baltischen Sowjetrepubliken.

Hintergrund war die Tatsache, dass die damaligen sozialistischen bzw. kommunistischen Staaten Englisch als De-facto-Weltsprache und die damit einhergehende westliche Dominanz nicht akzeptieren wollten und daher Esperanto als Gegengewicht unterstützten. Dazu wurden die staatlich beköstigten Esperanto-Verbände eingesetzt.[51] Lehrveranstaltungen an Universitäten gab es 1970 weltweit an 15 Hochschulen, 1980 an 51 und 1985 an 110 Hochschulen in 22 Ländern.[52][53] Nach einer Schätzung des Esperanto-Funktionärs Humphrey Tonkin aus dem Jahr 1984 erlernten an 32 chinesischen Universitäten 120.000 Studenten Esperanto, während gleichzeitig etwa 10 Millionen chinesische Studenten Englisch lernten.[54] Der wichtigste Esperanto-Studiengang bestand zwischen 1969 und 2002 an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest.

Esperanto heute

Anfang des 21. Jahrhunderts ist in Ungarn Esperanto als Prüfungsfach an einigen höheren Schulen zugelassen. Es existieren kleinere Schulprojekte an Grundschulen wie das britische Springboard to Languages,[53] das an vier Grundschulen durchgeführt wird. Ein dreijähriger esperantosprachiger Studiengang „Interlinguistik“ wird seit 1998 an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen angeboten[55]; an der Universität Amsterdam existiert seit 2002 ein vom Esperanto-Weltbund finanzierter, jeweils auf fünf Jahre begrenzter Lehrstuhl für Interlinguistik und Esperanto[56].

Immaterielles Kulturerbe in Polen und Kroatien


In Polen gehört Esperanto „als Träger der Esperanto-Kultur“ seit 2014 zum offiziellen immateriellen Kulturerbe.[7] Die Republik Kroatien hat die Esperanto-Tradition 2019 ebenfalls als immaterielles Kulturerbe anerkannt.[8]

Esperantide Sprachen


Sogenannte Esperantide (auch Esperantoide) sind Sprachen, die auf der Basis von Esperanto konzipiert wurden. Die erste dieser Art ist Mundolinco, die bereits 1888, also ein Jahr nach Esperanto, veröffentlicht wurde.

Ido

Ido ist eine 1907, also 20 Jahre nach Esperanto, publizierte Plansprache, die auf dessen Gerüst basiert. Es wurden einige Vereinfachungen und Vereinheitlichungen vorgenommen, wie zum Beispiel der Verzicht auf jegliche diakritische Zeichen. Einige Veränderungen erfolgten auch in der Grammatik, wobei es sich nicht um Grundlegendes handelt.

Novial

Novial ist ein 1928 von Otto Jespersen entwickelter Mittelweg zwischen Esperanto und Ido.

Kritik an Esperanto


Gegen die Einführung von Esperanto als allgemein zu lernende internationale Sprache wurde unter anderem folgendes als Kritik vorgebracht:

Edgar von Wahl:

Gustav Landauer:

Wolf Schneider:

Jürgen Trabant:

Literatur


Zamenhofs Broschüre mit den Grundlagen der Sprache

Sprachwissenschaft

Geschichte

Wörterbücher (in Buchform)

Wörterbücher (online)

Lehrbücher und Grammatiken

Siehe auch


Weblinks


Commons: Esperanto  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Esperanto – Quellen und Volltexte in Esperanto
Wiktionary: Esperanto – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikibooks: Esperanto – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise


  1. Angabe des Esperanto-Weltbundes
  2. a b Sabine Fiedler: The Esperanto denaskulo: The status of the native speaker of Esperanto within and beyond the planned language community. In: Language Problems and Language Planning 36 (2012): 1, S. 69–84.
  3. a b Renato Corsetti: A mother tongue spoken mainly by fathers . In: Language Problems and Language Planning 20 (1996): 3, S. 263–273.
  4. Jouko Lindstedt: Native Esperanto as a Test Case for Natural Language. In: Mickael Suominen et al. (Hg.): A Man of Measure. Festschrift in Honour of Fred Karlsson on his 60th Birthday. 2006, S. 47–55.
  5. Ethnologue.com: 2 Mio. Sprecher (Bezahlschranke); siehe auch Ethnologue.com, Size and vitality : "Large Speaker Population" (mehr als eine Mio. Sprecher), "Institutional" use. Weitere Schätzungen zwischen einigen hunderttausend und einigen Millionen; die Schätzungen variieren nach dem geforderten Sprachniveau.
  6. Die deutsche Ausgabe des sogenannten Unua Libro (Titel, deutsch: „Internationale Sprache. Vorrede und vollständiges Lehrbuch“) erschien am 24. November 1887, die erste, russische Ausgabe am 26. Juli (beides greg. Kalender). Adam Zakrzewski: Historio de Esperanto 1887–1912. Fotorepreso de la eldono Varsovio, 1913, 2. Auflage. Varsovio (Warschau) 1979.
  7. a b Polnische Liste des immateriellen Kulturerbes. Język esperanto jako nośnik kultury esperanckiej. (Esperanto "als Träger der Esperanto-Kultur"). La Balta Ondo: Esperanto – polnisches Kulturerbe , 21. Nov. 2014. Beides eingesehen am 3. April 2018. Polnische Liste imm. Kulturerbe, auf Englisch , eingesehen am 8. März 2019
  8. a b Schreiben des kroatischen Kulturministeriums . Bericht im Eŭropa Bulteno feb. 2019 , S. 1–2; auf S. 3–6 Esperanto-Übersetzung des Anerkennungs-Schreibens
  9. Original auf Ungarisch ; deutsche Übersetzung
  10. a b Siehe die Statistik der ungarischen Prüfungsbehörde und die Berechnung mit Quellen auf Statistiko de Esperanto
  11. China.org in Esperanto vom China Internet Information Center
  12. Internet-Zeitschrift El Popola Ĉinio
  13. CRI online. Esperanto
  14. China Daily USA, 2013-11-18, China's first Esperanto museum opens (besucht 28. April 2020) Virtueller Rundgang
  15. Bericht z. B. auf China Daily ; derzeit (April 2020) 11 Ausgaben (2017-2019) herunterladbar beim Esperanto-Weltbund. Artikel zum Unesco-Courier in der engl. Wikipedia .
  16. Erläuterung in Ulrich Matthias. Esperanto. Das neue Latein der Kirche. Meßkirch 1999 ; Suche nach "Meßbuch"
  17. Esperanto-PEN-Zentrum bei PEN International
  18. Österreichische Nationalbibliothek, Sammlung für Plansprachen . Das Esperanto-Museum besteht seit über 90 Jahren . Esperantomuseum Wien . Vgl. auch den Abschnitt hierzu in: Margaret J.-M. Sönmez, Maia Wellington Gahtan, Nadia Cannata (ed.). Museums of Language and the Display of Intangible Cultural Heritage . Abingdon und New York (Routledge). 2020
  19. Esperanto-Sprachkurse bei Duolingo auf Englisch , Spanisch und Portugiesisch . In Vorbereitung: auf Französisch und Chinesisch
  20. Etwa Memrise, Drops, italki, Tatoeba (Sätze-Sammlung)... Vgl. die Liste von Esperanto-Sprachkursen u. a. Lernmaterialien
  21. Liste der Wikipedia-Versionen mit Zahlenangaben
  22. Klaus Dahmann, Thomas Pusch: Esperanto – Wort für Wort. In: Peter Rump (Hrsg.): Kauderwelsch. 5. Auflage. Band 56. Reise Know-How Verlag, Bielefeld 2007, S. 11 (144 S.).
  23. Дръ Эсперанто: международный языкъ, 1887 (erschien als Reprint 1992 in Moskau)
  24. Dr. Esperanto: Język międzynarodny, 1887 (erschien als Reprint 1984 in Warschau)
  25. Dr. Esperanto (ps.; L. L. Zamenhof): Internationale Sprache. Warschau 1887
  26. La Esperantisto. Gazeto de la amikoj de la lingvo Esperanto 1889–1895. Georg Olms Verlag, 1988, ISBN 3-487-09062-7.
  27. Enciklopedio de Esperanto, S. 41, Stichwort Beaufront
  28. Esperanto-Lehrgang. XVII. von Albin Möbusz in: Vaterstädtische Blätter, Jahrgang 1911, Nr. 23, Ausgabe vom 4. Juni 1911, S. 92.
  29. Enciklopedio de Esperanto, S. 546, Stichwort UEA
  30. Siehe Ulrich Lins: Die gefährliche Sprache. Die Verfolgung der Esperantisten unter Hitler und Stalin. Bleicher, Gerlingen 1988. Das Verbot des Unterrichts in deutschen Schulen findet sich auf S. 104, das Verbot für Parteigenossen, Mitglied in Esperanto-Verbänden zu sein, auf S. 110; von dem Himmlerschen Erlass mit der Aufforderung zur Selbstauflösung des DEB ist auf S. 111 zu lesen.
  31. Lins: Die gefährliche Sprache. Gerlingen 1988, S. 221, 222.
  32. Lins: Die gefährliche Sprache, S. 222; alle „antisowjetischen und gesellschaftlich fremden Elemente“ müssten registriert werden; unter den 14 Kategorien findet sich „j) Menschen, die persönliche Kontakte und Korrespondenz mit dem Ausland, mit ausländischen Gesandtschaften und Konsulaten haben, Esperantisten und Briefmarkensammler.“
  33. Lins: La danĝera lingvo. Moskau 1990, S. 392.
  34. Vgl. Ivo Lapenna u. a.: Esperanto en Perspektivo. London/Rotterdam 1974, S. 632 (bis 1971) sowie die Angaben, Quellen und die Grafik auf UEA: Landaj Asocioj
  35. Hier z. B. in Esperanto stets dom-, im Deutschen Haus-/Häus-
  36. Etwa do, ho oder po sowie da, ja und la
  37. Esperantisten in aller Welt
  38. Bsp. aus dem Deutschen: nun, for (aus: fort), ja, knabo, lando (auch engl.); engl.: birdo, rivero, teamo, boato
  39. In der Bibliographie der Modern Language Association (MLA) wurden z. B. für 2006 insgesamt 282 Artikel im Kapitel „Internationale Sprachen“ aufgeführt; die Mehrzahl behandelt Esperanto (laut Pressemitteilung des Esperanto-Weltbundes )
  40. Internet-Seite des Esperanto-Weltbundes, eingesehen am 3. August 2016
  41. Der Fischer Weltalmanach ’84, Frankfurt/Main 1983 (ähnlich in anderen Jahren) schreibt, dass es „3–16 Millionen“ zweitsprachliche Esperanto-Sprecher gebe. Die Fußnote beruft sich auf Schätzungen von 3–5 Millionen (Decsy, Universität Hamburg) bis 14–16 Millionen (Mario Pei, Universität New York). Mario Pei schreibt in One Language for the world. Biblo and Tannen, New York 1968, S. 200 : “The number of Esperanto speakers throughout the world today comes close to half a million (though something like eight million are said to have some acquaintance with the language) (…)”.
  42. Alicia Sakaguchi: Pragmatische Aspekte der Interlinguistik. In: Herbert Stachowiak (Hrsg.): Sprachphilosophie, Sprachpragmatik und formative Pragmatik (= Handbuch pragmatisches Denken/Sprachphilosophie, Sprachpragmatik und formative Pragmatik, Band 4). Meiner Verlag, Hamburg 1993, ISBN 3-7873-0733-8, S. 188–218, hier: S. 207 (Memento des Originals vom 18. Oktober 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  43. “Most speakers live in Europe, but the movement has a long history in countries such as China, Japan and Brazil, and active users can be found in most countries of the world.” Michael Byram, Adelheid Hu: Routledge Encyclopedia of Language Teaching and Learning. 2. Auflage. Taylor and Francis, Hoboken 2013, ISBN 978-1-136-23554-2, S. 228.
  44. John R. Edwards: Minority Languages and Group Identity. Cases and Categories. Benjamins, Amsterdam 2010, ISBN 978-90-272-8868-4, S. 183.
  45. Ungarische Volkszählung, Esperanto-Kenntnisse 1990–2011
  46. Gary F. Simons, Charles D. Fennig: Ethnologue: Languages of the World. SIL International, 2017, archiviert vom Original am 17. März 2017; abgerufen am 22. September 2018 (englisch).
  47. Mark Fettes: The geostrategies of interlingualism. In: Jacques Maurais, Michael A. Morris (Hrsg.): Languages in a globalising world. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-53354-6, S. 37–46, hier: S. 43.
  48. n-tv
  49. Josef Fliegner: Eine verwandte Fremdsprache. Esperanto aus deutscher Sicht. In: Holger Burckhart (Hrsg.): Sprache der Didaktik – Didaktik der Sprache. Festschrift für Hans Messelken. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003 ISBN 3-8260-2553-9, S. 196–221, hier: S. 198 .
  50. Zeitschrift Esperanto 4/2017, Seite 95. Vergleiche auch: La membrokvanto de UEA falegis Artikel vom 16. Dezember 2016 in Libera folio.
  51. Alicja Sakaguchi: Der Weg von einem Sprachprojekt zu einer lebenden Welthilfssprache. Einige Aspekte des Statuswandels, dargestellt am Beispiel des Esperanto. In: Ulrich Ammon und Marlis Hellinger (Hrsg.). Status Change of Languages. De Gruyter, Berlin 1992, ISBN 978-3-11-012668-6 (Grundlagen der Kommunikation und Kognition / Foundations of Communication and Cognition), S. 505; Torsten Bendias: Die Esperanto-Jugend in der DDR. Zur Praxis und Lebenswelt sozialer Strömungen im Staatssozialismus. LIT-Verl, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-11291-0, S. 143.
  52. Pierre Janton (Hrsg.): Esperanto. Language, literature, and community. State Univ. of New York Press, Albany, NY 1993, ISBN 978-0-7914-1254-1, S. 124.
  53. a b Michael Byram und Adelheid Hu: Routledge Encyclopedia of Language Teaching and Learning. 2. Auflage. Taylor and Francis, Hoboken 2013, ISBN 978-1-136-23554-2, S. 229.
  54. John Edwards, Lynn MacPherson: Views of Constructed Languages, with Special Reference to Esperanto. An Experimental Study. In: Humphrey Tonkin (Hrsg.): Esperanto, Interlinguistics, and Planned Language. Univ. Press of America, Lanham, Md. 1997, ISBN 978-0-7618-0847-3 (Papers of the Center for Research and Documentation on World Language Problems. 5), S. 95. Die Zahl der chinesischen Studenten, die Englisch lernten, betrug zu diesem Zeitpunkt 10 Millionen. (John R. Edwards: Minority Languages and Group Identity. Cases and Categories. Benjamins, Amsterdam 2010, ISBN 978-90-272-8868-4, S. 183.)
  55. http://www.staff.amu.edu.pl/~interl/interlingvistiko/index.html
  56. Universität Amsterdam, Esperanto-Lehrstuhl . Die Professur für Interlinguistik und Esperanto in Amsterdam existiert seit 2002; von 2002 bis 2013 war Wim Jansen Lehrstuhlinhaber; revuo Esperanto, jul./aŭg. 2013, S. 150
  57. a b c d Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Auflage. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1950; s. a. S. 23 (Erstauflage 1930 ).
  58. Edgar von Wahl: Wege und Irrwege zur Weltsprache. In: Occidental. Die Weltsprache. 3. Auflage. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1950; s. a. S. 24.
  59. Landauer, Gustav, Lernt nicht Esperanto!, in: Die Freie Generation 2 (November 1907), H. 5, S. 147‒150., online einsehbar unter europa.clio-online.de
  60. a b Wolf Schneider: Nachruf aufs Esperanto. In: NZZ Folio. 10/94, abgerufen am 1. November 2014.
  61. „Hinter dem Lateinischen steht ja eine große Literatur, die bei Esperanto völlig fehlt.“ Jürgen Trabant im Gespräch mit dem Goethe-Institut, 2011. Ähnlich ein Artikel der „Zeit“: Weltprojekte: Forschung für Milliarden, der im Januar 2008 angibt: „Kunstsprachen leben nicht.
  62. Wiener Zeitung: Wer spricht Esperanto? : „Trotz 120 Jahren Existenz und zahlreicher Versuche hat sich die Plansprache nicht breitenwirksam durchsetzen können und fristet nach wie vor nur ein Liebhaberdasein.“
  63. Tatoeba Statistik. Abgerufen am 12. April 2017.
  64. Thomas Schütz: Vortaro online. Thomas Schütz->Esperanto, Esperanto->Deutsch, abgerufen am 12. April 2017.



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