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Ernst Klee




Ernst Klee (* 15. März 1942[1] in Frankfurt am Main; † 18. Mai 2013 ebenda) war ein deutscher Investigativjournalist, Filmemacher und Schriftsteller.

Klee wurde durch zahlreiche Bücher zu Randgruppen (Ausländern, Strafgefangenen, Obdachlosen, Psychiatriepatienten oder Behinderten) bekannt. Seine Aufdeckung von bisher unbekannten Medizinverbrechen, besonders im Zusammenhang mit den NS-Krankenmorden und deren mangelhafter Strafverfolgung, machte ihn noch bekannter. Aus der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus erarbeitete Klee Das Personenlexikon zum Dritten Reich.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Nach einer Lehre als Sanitär- und Heizungstechniker holte Klee das Abitur nach und studierte Theologie und Sozialpädagogik. Von 1973 bis 1982 hatte er einen Lehrauftrag für Behindertenpädagogik an der Fachhochschule Frankfurt.

In den 1970er Jahren befasste er sich als Journalist und Sozialarbeiter mit gesellschaftlich ausgegrenzten Gruppen wie Obdachlosen, Psychiatriepatienten und behinderten Menschen. In dieser Zeit arbeitete er mit Gusti Steiner zusammen, der damals den Grundstock für die bundesdeutsche emanzipatorische Behindertenbewegung legte.

Für das Buch Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer erhielt er 1997 den Geschwister-Scholl-Preis. Der Historiker Michael Burleigh urteilte, das Buch liefere „zahlreiche neue Erkenntnisse“ und stelle „zweifellos die bislang bedeutendste Untersuchung zur Rolle der Medizin im Dritten Reich“ dar.[2]

Die Stadt Frankfurt am Main ehrte Klee 2001 für das Buch Deutsche Medizin im Dritten Reich. Karrieren vor und nach 1945 mit der Goetheplakette. In der Begründung heißt es, Klees Gesamtwerk sei „geeignet, bürgerliche Freiheit, moralischen und intellektuellen Mut zu fördern und dem Gegenwartsbewusstsein wichtige Impulse zu geben“.

Mit seinem Personenlexikon zum Dritten Reich sei Klee „ein Standardwerk gelungen“, lobte Willi Jasper.[3] Darin versucht Klee personelle Kontinuitäten zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland aufzuzeigen. Sein Kulturlexikon zum Dritten Reich in der Ausgabe von 2007 erfuhr sowohl positive als auch negative Beurteilungen in einschlägigen Rezensionen.[4][5][6]

Klees Einsatz für die Belange behinderter Menschen war ausschlaggebend dafür, dass sich die vormalige Westfälische Schule für Körperbehinderte in Mettingen im Jahr 2005 ihm zu Ehren in Ernst-Klee-Schule umbenannte.

Er schrieb auch für die Wochenzeitung Die Zeit. Zwischen 1974 und 1995 erschienen von ihm dort 27 Artikel.[7] Exemplarisch sei auch auf die 2003 publizierte Kritik an der Beschönigung von Nazi-Karrieren in der Deutschen Biographischen Enzyklopädie verwiesen[8] oder auf seine Darstellung vom Verhältnis deutscher Künstler zu den Vernichtungslagern.[9] Zeit-Redakteur Karl-Heinz Janßen würdigte Ernst Klee: „Auch die Zeitgeschichtsforschung ließ dieses Thema Medizinverbrechen in der NS-Zeit links liegen; […] wäre da nicht der freie Journalist Ernst Klee gewesen, der sich die Mühe macht, Tausende von Prozessakten zu lesen und die Anstaltsarchive zu durchwühlen, wüsste man heute fast nichts über eine der schauerlichsten Untaten dieses Jahrhunderts.“[10]

Klee starb am 18. Mai 2013 nach langer schwerer Krankheit in seiner Heimatstadt.[11] Sein Lektor Walter H. Pehle würdigte ihn in einem Nachruf: „Ernst Klee war ein großer Journalist – und er wurde ein bedeutender Historiker, ein NS-Forscher, der neue Wege ging. Vor allem die Aufklärung der ‚Euthanasie‘-Verbrechen ist mit seinem Namen verbunden.“[12]

Kurz vor seinem Tod konnte Klee noch die Arbeiten an seinem Buch Auschwitz. Täter, Gehilfen, Opfer und was aus ihnen wurde. Ein Personenlexikon zum Abschluss bringen, das 2013 posthum erschien.[13]

Im März 2018 übergab Elke Klee den publizistischen und wissenschaftlichen Nachlass ihres Mannes an die Gedenkstätte Hadamar. Dort soll er baldmöglichst erschlossen und der Forschung zugänglich gemacht werden.[14]

Auszeichnungen (Auszug)


Veröffentlichungen (Auswahl)


Als Autor


Als Herausgeber

Artikel

Filmdokumentation


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Doderer II (1984), 220 f.
  2. Michael Burleigh: Menschen als Versuchskaninchen. In: Die Zeit. Nr. 35/1997.
  3. W. Jasper: Die Gehilfen des Massenmords. Mehr als ein „Who’s who“ des „Dritten Reiches“. Ernst Klee ist ein Standardwerk gelungen In: Die Zeit. Nr. 44/2003, vom 23. Oktober 2003.
  4. Dirk van Laak: E. Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. In: H-Soz-Kult. 25. Mai 2007.
  5. Mit seinem neuen „Kulturlexikon zum Dritten Reich“ ruiniert Ernst Klee seinen guten Ruf: Ein geistiges Armutszeugnis. In: Die Welt, 1. März 2007.
  6. Alphabet der Schändlichkeit. In: Die Zeit. Nr. 10/2007, S. 54.
  7. 50 Jahre Berichterstattung über NS-Verbrechen von Ärzten in SPIEGEL und ZEIT. (PDF; 1,1 MB), Diplomarbeit 1997.
  8. DBE: Von deutschem Ruhm. In: Die Zeit. Nr. 40/2003.
  9. Heitere Stunden in Auschwitz. (Memento vom 11. März 2016 im Internet Archive) In: Die Zeit. Nr. 5/2007.
  10. Der Essener Kindermord. In: Die Zeit. Nr. 10/1987.
  11. Ernst Klee ist tot. In: Die Zeit. 18. Mai 2013.
  12. Walter H. Pehle: Ein Historiker mit Mut. Zum Tod des NS-Forschers Ernst Klee. In: Die Zeit. Nr. 22/2013, S. 16.
  13. Dörte Hinrichs, Hans Rubinich: Namen für Täter und Opfer. In: NZZ. 3. September 2013.
  14. Pitt von Bebenburg: „Wir brauchen Leute wie Ernst Klee“. Die Witwe des Journalisten Ernst Klee übergibt den Nachlass an die Gedenkstätte Hadamar. In: Frankfurter Rundschau. 16. März 2018.
  15. Adolf-Grimme-Preis: Preisträger 1982. (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)
  16. lwl.org
  17. Rezension. In: Die Zeit. Nr. 44/2001.
  18. Rezension. In: Die Zeit. Nr. 44/2003.
  19. Rezensionen «Das Kulturlexikon zum Dritten Reich»: Esteban Engel: Über ‚Gottgegnadete‘. (Memento vom 13. Februar 2009 im Internet Archive) literaturmarkt.info, 7. März 2007 und Fritz J. Raddatz: Alphabet der Schändlichkeit. In: Die Zeit. 1. März 2007, Nr. 10, S. 54; der im Vorwort genannte Verriss der Vorauflage von 2007: Ein geistiges Armutszeugnis. In: Die Welt. 2. März 2007.



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