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Erinnyen

Die Erinnyen oder Erinyen (altgriechisch Ἐρινύες, in der Einzahl Ἐρινύς Erinys; lateinisch Erinys, Erinnys) – bei den Griechen auch als Μανίαι Maniai, „die Rasenden“, später als Eumeniden (Εὐμενίδες), bei den Römern als Furien (furiae) bezeichnet – sind in der griechischen Mythologie drei Rachegöttinnen:

Sie stellen die personifizierten Gewissensbisse dar. Im matriarchalen Kontext gelten sie als Verteidigerinnen mutterrechtlicher Prinzipien. Sie stehen im Zusammenhang mit Totenkult und Fruchtbarkeit.

Der Name Eumeniden, die Wohlmeinenden, wurde ihnen nach AischylosDie Eumeniden im Ergebnis des Verfahrens gegen Orestes verliehen, nachdem sie ihr Amt und ihre Macht verloren hatten. Diese Umbenennung wird als beschwichtigend-abwehrender Euphemismus betrachtet, der auf den in der Orestie vollzogenen historischen Umbruch zum patriarchalen Prinzip hindeute.

Als „Furie“ oder seltener „Megäre“ wird im übertragenen Sinn eine rasend wütende Frau bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Mythologischer Ursprung


Die Erinnyen in der nachantiken Kulturgeschichte


In der Literatur der Neuzeit und der Moderne wird das Motiv der Erinnyen immer wieder aufgegriffen. In Dantes Die Göttliche Komödie (IX. Gesang, Verse 37–42) treten sie auf, als Dante sich im Inferno der unteren Hölle nähert. Auch in John Miltons Epos Paradise Lost (1667) begegnen die Erinnyen als „harpyienfüßige Furien“. Goethe ließ sie sowohl in seiner Iphigenie auf Tauris (1786) als auch in seinem Faust II (1832) auftreten. In Friedrich Schillers Ballade Die Kraniche des Ibykus (1797) werden kraft ihres Chorgesangs die Mörder des Sängers Ibykus überführt, in seiner Ballade Der Ring des Polykrates (1798) weiht ihnen der König Polykrates seinen kostbaren Ring, um sich vor der Rache des Schicksals zu bewahren.

Von Erinnyen verfolgt fühlt sich in Alfred Döblins Roman Berlin Alexanderplatz (1929) die Hauptperson Franz Biberkopf, weil er seine Freundin erschlagen hat. Kurt Tucholsky (1931) bezeichnet in seinem Roman Schloss Gripsholm Frau Adriani als Megäre. Drei Erinnyen treten im Drama Die Fliegen (1943) von Jean-Paul Sartre als Fliegen auf. Im Roman Homo faber. Ein Bericht (1957) von Max Frisch spielt die „Schlafende Erinnye“ (die sogenannte Medusa Ludovisi) eine Rolle, da Faber unwissentlich Inzest mit seiner Tochter Elisabeth begeht und damit die Rachegöttinnen heraufruft. Die Wohlgesinnten ist der Titel eines Romans von Jonathan Littell, 2008 (französisch 2006: Les Bienveillantes). Der amerikanische Historiker Michael S. Neiberg griff 2011 das Motiv des „Tanz[es] der Furien“ im Titel seines Werkes zur Stimmungslage der Europäer nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 auf.[6]

Literatur


Einzelnachweise


  1. Ovid, Metamorphosen iv.508–509
  2. Hesiod, Theogonie 183 ff.
  3. Aischylos, Die Eumeniden 321
  4. Sophokles, König Ödipus
  5. Homer, Ilias 21, 412 und 9, 571; Homer, Odyssee 11, 279.
  6. Michael S. Neiberg: Dance of the Furies: Europe and the Outbreak of World War I. Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, Mass. 2011.

Weblinks


Commons: Erinnyen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



Kategorien: Griechische Gottheit | Weibliche Gottheit | Gruppe von Gottheiten | Gottheit als Namensgeber für einen Asteroiden

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