Erhaltungszucht - de.LinkFang.org

Erhaltungszucht




Erhaltungszucht ist die Züchtung gefährdeter Tierarten und Nutztierrassen mit dem Ziel, diese vor dem Aussterben zu bewahren. Selten wird auch der allgemeine Begriff Nachzucht speziell für die Erhaltungszucht verwendet. Der Versuch, die typischen Wildtiermerkmale ausgestorbener Arten aus daraus hervorgegangenen Haustieren „rückzuzüchten“ ist keine Erhaltungszucht, sondern wird Abbildzüchtung genannt.

Inhaltsverzeichnis

Erhaltungszucht von Wildtieren


Das wegbereitende Modell für überregional koordinierte Zuchtprogramme war in den 1970er-Jahren die Erhaltungszucht des Goldenen Löwenäffchens (Leontopithecus rosalia). Sein Bestand war damals bis auf wenige Dutzend wild lebende Tiere zurückgegangen, weil sein ursprünglicher Lebensraum, der südostbrasilianische Regenwald, zu 98 Prozent zerstört worden war. Auf eine Initiative des National Zoo des USA wurden alle in Zoologischen Gärten gehaltenen Tiere dieser Art – 46 männliche und 23 weibliche – in einem internationalen Zuchtbuch erfasst und in ein koordiniertes Zuchtprogramm eingebracht, dessen Koordinator entschied, welche Tiere zu Zuchtpaaren zusammengeführt wurden. Innerhalb von 15 Jahren entstand daraufhin eine Population von mehr als 500 Tieren, so dass ab 1985 sogar einige Goldene Löwenäffchen in einem inzwischen unter Schutz gestellten Gebiet ausgewildert werden konnten.[1]

Die Erhaltungszucht von Wildtieren wird in Zoologischen Einrichtungen durch verschiedene regionale Programme koordiniert:

Eine internationale Dachfunktion führt die World Association of Zoos and Aquariums WAZA aus, der 22 regionale oder nationale Zoo- und Aquarienverbände sowie 213 individuelle Zoos und Aquarien in 46 Ländern als institutionelle Mitglieder angehören.

Tierarten, die ohne Erhaltungszuchtprogramme Zoologischer Gärten bereits ausgestorben wären, sind z. B.: Wisente, Przewalskipferde, Mhorrgazellen, Kalifornische Kondore, Arabische Oryx und verschiedene Buntbarscharten der Gattung Haplochromis aus dem ostafrikanischen Viktoriasee.

Zur Erhaltungszucht tragen in erster Linie Zoologische Institutionen (öffentliche und nicht öffentliche), aber auch Hobbyzüchter, welche artenreine und der Wildform entsprechende Tiere züchten, bei. In Zuchtverbänden gibt es entsprechende Fokussierungen.

Erhaltungszucht von Nutztieren


Zuchtprogramme zur Erhaltung und Verbesserung von Nutztieren existieren seit Anbeginn der Tierzucht[2]. Nach Verbreitung der Zuchtbücher und Abgrenzung der unterschiedlichen Varianten (Rassen) hatte die organisierte Zucht grundsätzlich eine erhaltende Funktion. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten entstanden im Rahmen der weltweiten Interesse für die Biodiversität[3] viele Initiative um bedrohte Nutztierrassen gezielt und systematisch vor dem etwaigen Aussterben zu bewahren[4].

Eine koordinierende Rolle für viele Zuchtprojekte spielt in Deutschland tierartübergreifend die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (G.E.H.), welche 1981 gegründet wurde und seit 1984 eine Rote Liste der gefährdeten Nutztierrassen in Deutschland führt.

In praxi gestalten sich die meisten Erhaltungszuchtprojekte für Nutztierrassen in der Form eines Zuchtringes.

Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Gunther Nogge: Über den Umgang mit Tieren im Zoo. In: Paul Münch (Hrsg.): Tiere und Menschen. Geschichte und Aktualität eines prekären Verhältnisses. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 1998, S. 454, ISBN 3-506-75805-5
  2. 1. Mose 30,34-40
  3. Michael Türkay, Was ist Biodiversität? in: Leben ist Vielfalt, Kleine Senckenberg-Reihe, Band 41, Schweizerbart Science Publishers, Stuttgart 2001
  4. Katharina Roscher, Wiedergeburt der alten Rassen: Wie sinnvoll sind Rückzüchtung und Erhaltungszucht? Diplomica Verlag, Hamburg 2014








Kategorien: Tierzucht | Zootierhaltung








Stand der Informationen: 23.11.2020 09:02:27 CET

Quelle: Wikipedia (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.

Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.