Else Lasker-Schüler - de.LinkFang.org

Else Lasker-Schüler

Elisabeth „Else“ Lasker-Schüler geb. Schüler (geboren am 11. Februar 1869 in Elberfeld (heute Stadtteil von Wuppertal); gestorben am 22. Januar 1945 in Jerusalem) war eine deutsch-jüdische Dichterin. Sie gilt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. Sie trat aber auch als Zeichnerin hervor.

Inhaltsverzeichnis

Biografie


Herkunft und Kindheit

Else Schüler wurde am 11. Februar 1869 in Elberfeld, heute ein Stadtteil von Wuppertal, geboren und wuchs im Briller Viertel von Elberfeld auf. Sie war das jüngste von sechs Kindern von Jeanette Schüler geb. Kissing (1838–1890). Die Mutter wurde zu einer zentralen Gestalt ihrer Dichtung. Ihr Vater war Aaron Schüler (1825–1897), ein Privatbankier. Er wurde später Vorbild für die Hauptfigur des Dramas Die Wupper. Jeanette Kissing war nach dem Tod ihrer Eltern von der Familie des Verlegers und Politikers Leopold Sonnemann in Frankfurt am Main aufgenommen worden. Dessen Frau Rosa war Jeanettes Ziehmutter. Elses Vater Aaron Schüler und der Berliner Bankier Julius Israel Schüler (1827–1908) waren Brüder von Rosa Sonnemann. Jeanette lernte Aaron Schüler über seinen Bruder Julius kennen.

Else galt als Wunderkind der Familie, denn sie konnte bereits mit vier Jahren lesen und schreiben. Ab 1880 besuchte sie das Lyceum West an der Aue. Nachdem sie die Schule abgebrochen hatte, erhielt sie Privatunterricht im Hause ihrer Eltern.

Als sie 13 Jahre alt war, starb ihr Lieblingsbruder Paul.

Ehen und erste Gedichte

1894 heiratete Else Schüler den Arzt Jonathan Berthold Lasker, einen älteren Bruder des langjährigen Schachweltmeisters Emanuel Lasker, und zog nach Berlin um. Dort arbeitete sie im Rahmen ihrer zeichnerischen Ausbildung.

Als ihre Mutter am 27. Juli 1890 starb, bedeutete das für sie „die Vertreibung aus dem Paradies“.[1] Sieben Jahre später starb auch ihr Vater. Am 24. August 1899 wurde ihr Sohn Paul (1899–1927) geboren. In diesem Jahr wurden erste Gedichte veröffentlicht; ihr erster Gedichtband Styx folgte 1901.

Am 11. April 1903 wurde die Ehe von Else Lasker-Schüler und Berthold Lasker geschieden.[A 1] Am 30. November heiratete sie den Schriftsteller Georg Lewin, dem sie sein Pseudonym Herwarth Walden vorschlug.

Weitere Veröffentlichungen

1906 erschien Lasker-Schülers erstes Prosawerk Das Peter Hille-Buch nach Hilles Tod; er war einer ihrer engsten Freunde. 1907 erschien die Prosasammlung Die Nächte der Tino von Bagdad. 1909 publizierte sie das Schauspiel Die Wupper, das jedoch zunächst nicht zur Aufführung kam. Mit dem Gedichtband Meine Wunder (1911) wurde Lasker-Schüler zur führenden deutschen Expressionistin.

Nach der Trennung von Herwarth Walden 1910 wurde 1912 auch die zweite Ehe geschieden. Walden heiratete noch im selben Jahr in London die Schwedin Nell Roslund. Ohne eigenes Einkommen lebte Else Lasker-Schüler jetzt von der Unterstützung durch Freunde, insbesondere Karl Kraus. Im Sommer 1912 begegnete Else Lasker-Schüler Gottfried Benn. Es entstand eine intensive Freundschaft, die sich literarisch in einer großen Zahl von Liebesgedichten niederschlug, die sie Benn widmete.

Der Briefwechsel mit Franz Marc

Für das Titelblatt der Doppelnummer des Septemberhefts 1912 von Herwarth Waldens Kunstzeitschrift Der Sturm schuf Franz Marc den Holzschnitt Versöhnung („Es wird ein großer Stern in meinen Schoß fallen …“), eine Illustration des gleichnamigen Gedichts von Else Lasker-Schüler.[2] Im Dezember 1912 lernten Franz und Maria Marc die inzwischen von Herwarth Walden geschiedene Dichterin im Berliner Heim seiner Schwiegereltern kennen.[3] Bereits vor diesem Treffen hatten Marc und Lasker-Schüler, zwischen denen sich eine enge Freundschaft entwickelte, korrespondiert. Bis zum Sommer 1914 kam es zu einem regen Briefwechsel zwischen dem Prinzen Jussuf von Theben (Else Lasker-Schüler) und dem Blauen Reiter (Franz Marc).[4] Von den privaten eigenhändig bemalten Kartengrüßen und Briefen sind 66 von Else Lasker-Schüler, 28 von Franz Marc erhalten. Während Lasker-Schüler ein Ineinander und Nebeneinander von Bild und Schrift setzte, verwendete Marc die Vorderseite einer Korrespondenzkarte für eine Aquarell- oder Tuschzeichnung, betitelte sie und schrieb auf die Rückseite.

Dem ersten Briefgruß Marcs mit dem programmatischen Titel Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd folgte das Aquarell Der Turm der blauen Pferde als Neujahrsgruß auf das Jahr 1913. Marc hatte die Postkarte aus einer Bleistiftskizze entwickelt. Sie ist der einzig erhaltene farbige Entwurf für das verschollene gleichnamige Ölgemälde.[6]

Im Ausstellungskatalog Else Lasker-Schüler: Die Bilder betont Ricarda Dick, Marc habe mit der Übernahme von Bildzeichen der Dichterin in seine Aquarelle „das Spiel des poetischen Dialogs“ erwidert und ihre Schrift-Bild-Kompositionen mit seinen Mitteln bereichert: So sind dem vorderen Pferd Halbmonde und Sterne eingeschrieben oder, wie sie einmal selbst geschrieben hatte, in die „Haut [sind] Hieroglyphen eingeschnitten […] bis ins Mark“. Damit führe ihr das Aquarell vor Augen, „wie ihre zeichenhaften Elemente ins Bild integriert werden können, ohne den Charakter zu verlieren“.[7]

Nach Peter Klaus Schuster liegt das Einzigartige dieser Künstlerfreundschaft in der „doppelten Doppelbegabung“: „So wie sich Franz Marc in seinen Karten über das Bild hinaus als poetischer Maler zeige, antworte Else Lasker-Schüler in ihren Briefen nicht nur mit Worten, sondern auch mit Zeichnungen“.[8]

Mit dem letzten Kartengruß sandte Marc das Bild einer arkadischen bayerischen Voralpenszene. Das Aquarell Schloss Ried mit einer Märchenlandschaft, in der ein blauer Reiter auf blauem Pferd mit dem Speer Hirsche jagt, war für den kranken Sohn Paul gedacht. Es diente ihr als Frontispiz gegenüber der Titelseite ihres Romans Der Malik.[9] Die Briefe an den blauen Reiter Franz Marc, die zwischen 1913 und 1915 in den Zeitschriften Die Aktion und Der Brenner erschienen waren, wurden 1915 von Else Lasker-Schüler überarbeitet und als erster Teil des 1919 veröffentlichten Romans „Der Malik.“ Eine Kaisergeschichte mit selbstgezeichneten Bildern und Zeichnungen verwendet, mit der gedruckten Widmung: „Meinem unvergeßlichen Freund Franz Marc / DEM BLAUEN REITER / in Ewigkeit“.[10]

Emigration und Exil

Der Tod ihres Sohnes Paul 1927 stürzte die Dichterin in eine tiefe Krise.

Zusammen mit Richard Billinger erhielt die Dichterin 1932 den letztmals vor der nationalsozialistischen Machtergreifung vergebenen Kleist-Preis. Am 19. April 1933, nach tätlichen Angriffen und angesichts der Bedrohung ihres Lebens, emigrierte sie nach Zürich, erhielt dort jedoch Arbeitsverbot. Die Kantonale und die Städtische Fremdenpolizei mit ihren Kontrolldetektiven erteilten nur befristete Aufenthaltsgenehmigungen und erzwangen dadurch ständige Ortswechsel.[11] Von Zürich aus unternahm sie 1934 und 1937 zwei Reisen nach Palästina, „ihrem Hebräerland“.

1938 wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, sie wurde „schriftenlos“, wie es in der Schweiz heißt.[12] 1939 reiste sie zum dritten Mal nach Palästina. Der Kriegsbeginn hinderte sie an einer Rückkehr in die Schweiz. Zudem hatten ihr die Schweizer Behörden das Rückreisevisum verweigert.[13]

In Jerusalem wohnte Lasker-Schüler zunächst im Hotel Vienna und ab Mai 1940 im Hotel Atlantic, beide an der belebten Ben Jehuda Street. Ihr letztes Zuhause war ab Sommer 1941 ein privates Zimmer zur Untermiete in der King George Street in Rechavia. Die Dichterin bezog eine monatliche „Ehrenrente“, die je zu Hälfte von der Jewish Agency und von dem Verleger Salman Schocken aufgebracht wurde und ihr eine finanziell einigermaßen gesicherte Existenz ermöglichte. Die meisten ihrer Freunde verlor sie in der Emigration. Doch pflegte sie einen kleinen Freundeskreis mit ebenfalls Emigrierten, zumeist Schriftstellern und Philosophen, darunter Werner Kraft, Martin Buber, Samuel Hugo Bergman, Salman Schocken und Ernst Simon.[14] Den Religionsphilosophen Simon verehrte sie in den letzten Lebensjahren leidenschaftlich, wie aus zahlreichen Gedichten und Briefen hervorgeht. In ihrem Nachlass befanden sich 14 Briefe von Simon aus den Jahren 1940–1943. In ihrem 1943 veröffentlichten, letzten Gedichtband Mein blaues Klavier – Neue Gedichte sind 12 Gedichte Simon gewidmet.[15] Die Verehrung Lasker-Schülers zu Simon hat Christa Ludwig in einem biografischen Romans über die Dichterin thematisiert.[16]

Lasker-Schüler fühlte sich in Palästina verzweifelt. Sie hatte sich das Leben in Jerusalem anders vorgestellt und war enttäuscht. Dazu trug neben ihrem eigenen Verlust der Heimat und ihrer zahlreichen Freunde in Deutschland die Kriegssituation bei, die Ermordungen von Juden in Konzentrationslagern, die nach und nach bekannt wurden, ferner die Unruhen und Aufstände von Juden und Arabern in Palästina unter britischem Mandat und die Bestimmungen aus dem Weißbuch von 1939 mit der drastischen Einfuhrbeschränkung für jüdische Flüchtlingsschiffe in den Häfen. Gleichzeitig engagierte sich Lasker-Schüler für eine friedliche Verständigung von Juden mit den Arabern und war als rastlose, alte Dichterin nach Aussagen vieler Zeitgenossen in den Straßen Jerusalems stadtbekannt. Sie war bis zuletzt aktiv, zeichnete, stellte aus und gründete Ende 1941 den Vortragskreis Kraal, in dessen Rahmen sie bis kurz vor ihrem Tod regelmäßig Lesungen und Vorträge zu unterschiedlichen Themen plante und einrichtete.[14] 1944 erkrankte sie schwer. Nach einem Herzanfall am 16. Januar starb Else Lasker-Schüler am 22. Januar 1945. Sie wurde auf dem Ölberg in Jerusalem begraben.

Nachdem der Ölberg bei der Teilung Jerusalems 1948 unter jordanische Verwaltung gekommen war, wurde Lasker-Schülers Grab, wie viele andere historische Gräber auch, zerstört. Der von Leopold Krakauer geschaffene Grabstein wurde nach der israelischen Eroberung Ostjerusalems im Sechstagekrieg neben einer Schnellstraße gefunden, welche die jordanische Verwaltung 1960 quer durch den jahrtausendealten jüdischen Friedhof hatte bauen lassen. 1975 wurde der Grabstein an seinem heutigen Ort aufgestellt. Er liegt auf einem weißen Sockel. Eine hebräisch und deutsch beschriftete Tafel verkündet, wer unter dem Stein geruht hat.[17]

Werk


Else Lasker-Schüler hat ein umfangreiches lyrisches Werk, drei Dramen, als Prosawerke kürzere Skizzen und Erzählungen, sowie Briefe und Dokumente und zahlreiche Zeichnungen hinterlassen. Als Vorreiterin der avantgardistischen Moderne etablierte sie sich vor allem durch ihre psalmodierende Lyrik und ihr poetisches Milieudrama Die Wupper.[18]

Lyrik

Zu ihren Lebzeiten erschienen ihre Gedichte sowohl in verschiedenen Zeitschriften, wie z. B. der Zeitschrift ihres zweiten Mannes Der Sturm, in der Fackel von Karl Kraus oder auch im Kampf sowie in einer ganzen Reihe von ihr selbst zusammengestellten und zum Teil auch illustrierten Gedichtbänden, darunter:

In ihrem Werk nimmt Liebeslyrik einen breiten Raum ein, aber daneben finden sich tief religiöse Gedichte, Gebete. Die Übergänge sind dabei oft fließend. Vor allem das spätere Werk ist reich an biblischen und allgemeiner orientalischen Motiven. Lasker-Schüler ist sehr frei gegenüber den äußeren Regeln poetischer Form, dabei gelingen ihr aber Werke von großer innerer Konzentration. Auch vor sprachlichen Neuschöpfungen schreckt sie nicht zurück.

Ein hervorragendes Beispiel ihrer Dichtkunst ist Ein alter Tibetteppich, ein Gedicht, das nach seiner Erstveröffentlichung im „Sturm“ viele Nachdrucke erfahren hat, den ersten davon in der „Fackel“:

Ein alter Tibetteppich
Deine Seele, die die meine liebet,
Ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.
Strahl in Strahl, verliebte Farben,
Sterne, die sich himmellang umwarben.
Unsere Füße ruhen auf der Kostbarkeit,
Maschentausendabertausendweit.
Süßer Lamasohn auf Moschuspflanzenthron,
Wie lange küßt dein Mund den meinen wohl
Und Wang die Wange buntgeknüpfte Zeiten schon?

Drama

Ihr erstes und wichtigstes Drama Die Wupper schrieb Else Lasker-Schüler 1908. Veröffentlicht wurde es 1909, die Uraufführung fand am 27. April 1919 im Deutschen Theater Berlin statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Drama im Jahr 1958 in Düsseldorf von Hans Bauer mit einem Bühnenbild von Teo Otto neu inszeniert.

Lasker-Schülers Theaterstück Arthur Aronymus (Anonymus?), das 1933 im Berliner Schillertheater kurz vor der Premiere stand, wurde von den Nationalsozialisten sofort vom Spielplan genommen. In diesem Stück hat die hellsichtige Dichterin die Judenverfolgung vorweggenommen:

Unsere Töchter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen
Nach mittelalterlichem Vorbild.
Der Hexenglaube ist auferstanden
Aus dem Schutt der Jahrhunderte.
Die Flamme wird unsere unschuldigen jüdischen Schwestern verzehren.

Der Bezug zum politischen Zeitgeschehen wird noch deutlicher im letzten, unvollendeten Drama der Dichterin – IchundIch –, an dem sie im Jerusalemer Exil bis kurz vor ihrem Tod arbeitete. Mit IchundIch entstand eine vielschichtige Fortsetzung von Goethes Faust, in welcher Mephisto und Faust vom Höllengrund aus beobachten, wie Hitler Stück um Stück die Welt erobert. Schließlich muss auch Mephisto angesichts der Gräueltaten erkennen, dass das Böse nicht unterstützt werden darf. Gemeinsam mit Faust bittet er Gott um Vergebung. Sie werden beide in den Himmel aufgenommen, während das Dritte Reich in einem Flammenmeer untergeht.

IchundIch führte zu zahlreichen Kontroversen unter Werkkundigen der Dichterin. Während die einen Else Lasker-Schüler nahezu prophetische Weitsicht unterstellten, da sie schon weit vor 1944 den Untergang des Nazi-Regimes beschrieb, sahen andere in dem Drama vielmehr Anzeichen geistigen Verfalls. So schrieb Armin Juhre voller Bewunderung: „Welcher der vielen deutschen emigrierten Schriftsteller hat sich je zu solcher Kühnheit aufgeworfen?“ Ernst Ginsberg bemerkt dagegen 1958 in einem Brief an den Nachlassverwalter Manfred Sturmann: „Ich habe es nur mit tiefster Erschütterung, ja ich gestehe: zuweilen nur unter Tränen lesen können. […] Man spürt die geistige Nacht über die greise Dichterin hereinbrechen, über die nur noch seltene Sternschnuppen hinzucken.“ So war das Werk viele Jahre lang nur zu wissenschaftlichen Zwecken überhaupt einsehbar: IchundIch wurde zunächst gar nicht, 1961 in wenigen Ausschnitten und erst 1969 kritisch kommentiert vollständig im Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft veröffentlicht. Es wurde schließlich am 10. November 1979 im Großen Schauspielhaus Düsseldorf welturaufgeführt, am 8. Dezember 1979 folgte die Aufführung im Schauspielhaus Wuppertal. Zum 150. Geburtstag zeigt das Schauspiel Wuppertal (Wuppertaler Bühnen) Else Lasker-Schülers IchundIch in einer spartenübergreifenden Rauminstallation in den Riedel-Hallen in der Regie von Dedi Baron.[19]

Die Sehnsucht nach Jerusalem

Die Dichtung Else Lasker-Schülers, die von Jerusalem und dem Gelobten Land erzählt, steht im Spannungsfeld zwischen idealen Bildvorstellungen und den realen politischen und persönlichen Lebensumständen.[20] Das Jerusalem, dem die Sehnsucht gilt, mag im Herzen liegen, mag ein Kindheitstraum oder der Ort geschützter Kindheit und märchenhafter Phantasiewelt sein, zumeist ist es jedoch das verheißene Jenseitsbild. In Prosa und Gedicht verflechten sich daher biblische Bilder, die Geschichte des jüdischen Volkes, individuelle Exilerfahrungen und das sinnliche Erleben des Landes und der Stadt Jerusalem. Gershom Scholem verweist in diesem Zusammenhang auf eine „Opposition von messianischer und geschichtlicher Existenz“.[21]

Zeitgenössische Rezeption


Franz Kafka schrieb an Felice Bauer über Else Lasker-Schüler: „Ich kann ihre Gedichte nicht leiden, ich fühle bei ihnen nichts als Langweile über ihre Leere und Widerwillen wegen des künstlichen Aufwandes. Auch ihre Prosa ist mir lästig aus den gleichen Gründen, es arbeitet darin das wahllos zuckende Gehirn einer sich überspannenden Grossstädterin. Aber vielleicht irre ich da gründlich, es gibt viele, die sie lieben, Werfel z. B. spricht von ihr nur mit Begeisterung. Ja, es geht ihr schlecht, ihr zweiter Mann hat sie verlassen, soviel ich weiss, auch bei uns sammelt man für sie; ich habe 5 K hergeben müssen, ohne das geringste Mitgefühl für sie zu haben; ich weiss den eigentlichen Grund nicht, aber ich stelle mir sie immer nur als eine Säuferin vor, die sich in der Nacht durch die Kaffeehäuser schleppt.“[22]

An dem Tag, als Else Lasker Schüler starb, notierte Werner Kraft in seinem Tagebuch den Beginn ihres Gedichts Gebet:[23]

Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel!

Von diesen Zeilen ist auch das Else-Lasker-Schüler-Denkmal „Engel für Jerusalem“ inspiriert.

Nachleben


Denkmale und Gedenktafeln

Film und Theater

Musik

Namensgeberin Else Lasker-Schüler

Philatelistisches

Anlässlich ihres 150. Geburtstags gab die Deutsche Post AG ein Postwertzeichen im Nennwert von 70 Eurocent heraus. Der Erstausgabetag war der 7. Februar 2019. Der Entwurf stammt von der Grafikerin Julia Warbanow aus Berlin.

Ausstellungen


Werke


Erstausgaben (chronologisch)

Werkausgaben

Literatur


Weblinks


 Commons: Else Lasker-Schüler  – Sammlung von Bildern
Wikisource: Else Lasker-Schüler – Quellen und Volltexte
Biografie

Anmerkung


  1. Vermutungen über die Ursachen des Scheiterns der ersten Ehe finden sich zum Beispiel bei Bänsch auf S. 193: Den leiblichen Vater ihres einzigen Kindes Paul muss Else Lasker-Schüler um den Mai 1898 herum kennengelernt haben.

Einzelnachweise


  1. literaturundkunst.net: Else Lasker- Schüler: Meine Wunder
  2. Else Lasker-Schüler 1869–1945. Bearbeitet von Erika Klüsener und Friedrich Pfäfflin. Marbacher Magazin 71/1975, Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1995, ISBN 3-929146-26-6, S. 92 und 93.
  3. Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek: Brief, Sindelsdorf , 1914. Abgerufen am 21. Juli 2019.
  4. Michael Baumgartner, Cathrin Klingsöhr-Leroy, Katja Schneider (Hrsg.): Franz Marc. Paul Klee. Dialog in Bildern. Nimbus. Kunst und Bücher, Wädenswil 2010, ISBN 978-3-907142-50-9.
  5. Franz Marc: Der Turm der blauen Pferde, 1912/1913. Deckfarbe und Tusche auf Papier, Staatliche Graphische Sammlung München, Sophie und Emanuel Fohn Stiftung
  6. Vergleiche hierzu die entsprechenden Abbildungen und Kommentare in: Franz Marc – Else Lasker-Schüler, Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd, Karten und Briefe. Herausgegeben und kommentiert von Peter-Klaus Schuster. Prestel, München 1987, ISBN 3-7913-0825-4.
  7. Zitiert nach Ricarda Dick: Else Lasker-Schüler als Künstlerin. In: Else Lasker-Schüler. Die Bilder. S. 136.
  8. Franz Marc – Else Lasker-Schüler, Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd. S. 6.
  9. Franz Marc – Else Lasker-Schüler, Der blaue Reiter präsentiert Eurer Hoheit sein blaues Pferd. S. 159.
  10. Marbacher Magazin 71/1995, S. 151.
  11. Die Vorgehensweisen sind genau dokumentiert in Else Lasker-Schüler 1869–1945. Bearbeitet von Erika Klüsener und Friedrich Pfäfflin. Marbacher Magazin 71/1975, Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1995, ISBN 3-929146-26-6.
  12. Else Lasker-Schüler 1869–1945. Bearbeitet von Erika Klüsener und Friedrich Pfäfflin. Marbacher Magazin 71/1975, Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1995, ISBN 3-929146-26-6, S. 295.
  13. Dagmar C. G. Lorenz: 1939: Else Lasker-Schüler becomes permanently exiled in Jerusalem when Swiss immigration authorities deny her reentry to Switzerland. New Haven : Yale Univ. Press, 1997, S. 563–570.
  14. a b Ricarda Dick. Nachwort in Mein blaues Klavier - Neue Gedichte. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2006.
  15. Freundschaft mit Else Lasker-Schüler. Widmungen, Porträts, Briefe Ein quellenkundliches Verzeichnis zu den Werken und Briefen der Dichterin von Karl Jürgen Skrodzki
  16. Christa Ludwig: Ein Bündel Wegerich, Verlag Oktaven, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-7725-3008-1.
  17. Sigrid Bauschinger: Else Lasker-Schüler. Biographie, Göttingen 2004, S. 447.
  18. Kiesel, Helmuth: Geschichte der literarischen Moderne. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-51145-7, S. 89.
  19. Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH: ICHUNDICH. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  20. Vergleiche dazu das Kapitel Im Exil in: Monika Lindinger: Glitzernder Kies und Synagogengestein. Kindheit und Erinnerung in Else Lasker-Schülers Prosa. Peter Lang, Frankfurt 2010, Jüdische Studien Bd. 8, ISBN 978-3-631-60142-6, S. 141–169.
  21. zitiert bei Monika Lindinger: Glitzernder Kies und Synagogengestein. Kindheit und Erinnerung in Else Lasker-Schülers Prosa. Peter Lang, Frankfurt 2010, Jüdische Studien Bd. 8, ISBN 978-3-631-60142-6, S. 143.
  22. Kafka mag Else Lasker-Schüler nicht franzkafka.de
  23. Ausschnitte aus den Tagebuchaufzeichnungen von Werner Kraft in: Klüsener und Päfflin, S. 337–363.
  24. Theo Buck: Else Lasker-Schüler: „Weltflucht“ (Um 1900). In: Ders.: Streifzüge durch die Poesie. Von Klopstock bis zu Celan. Gedichte und Interpretationen. Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien 2010, S. 171–180, hier. S. 180.
  25. Filmbeschreibung auf der Website des Regisseurs Georg Brintrup
  26. Ich räume auf Eintrag in der Internet Movie Database
  27. Wilhelm Rettich: Else Lasker-Schüler Zyklus Website der Gideon Boss Musikproduktion
  28. Inhaltsangaben auf der Website des Verlages, abgerufen am 3. September 2014.



Kategorien: Else Lasker-Schüler | Autor | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Lyrik | Brief (Literatur) | Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus | Expressionismus (Literatur) | Namensgeber für einen Asteroiden | NS-Opfer | Exilliteratur | Schriftsteller (Wuppertal) | Deutscher | Geboren 1869 | Gestorben 1945 | Frau



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Else Lasker-Schüler (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 19.10.2019 09:58:21 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.