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Einbaum

Der Einbaum (griech. Monoxylon) ist ein verbreiteter Bootstyp bei indigenen Völkern, aber auch in moderneren Gesellschaften noch in Gebrauch. Der Rumpf ist aus einem einzigen Baumstamm gefertigt. Mitunter sind die Bordwände durch eingesetzte Spanten verstärkt und durch das Aufsetzen eines Plankenganges erhöht, dann oft Piroge genannt. Charakteristisch sind auch Querbänke, die nicht eingesetzt, sondern aus dem Stamm gearbeitet sind.

Einbaum ist vermutlich Lehnübersetzung des lateinischen monoxilus, weiter aus griechisch μονόξυλον – monoxylon, mit den Bestandteilen monos „einzig“ und Xylon „Holz, Baum“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Einbaums


Der Einbaum ist eine der Urformen des Bootes. Wegen der fehlenden großen Baumstämme kann angenommen werden, dass Einbäume während der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit bzw. Würmeiszeit) in Mittel- und Nordeuropa noch nicht bekannt waren und erst mit der Wiederbewaldung der Nacheiszeit (Holozän) aufkamen. Wie archäologische Funde belegen, beherrschten Menschen bereits im nordischen Mesolithikum (etwa 8000 bis 4200 v. Chr.) die Kunst, einen Baum auszuhöhlen und ihn zum Transportmittel zu machen. Die ältesten archäologischen Belege sind der etwa 8000 Jahre alte Einbaum von Pesse (Provinz Drenthe, Niederlande)[1] sowie die Einbäume von Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) sowie ein Fund aus Nordostnigeria, Afrika.[2] Der mit 7000 Jahren älteste erhaltene, knapp 10 m lange Einbaum des Mittelmeerraums fand sich 1993 am Braccianosee im italienischen Latium (La Marmotta 1).[3]

Während ethnographische Quellen (siehe Bilder) belegen, dass der Baumstamm auch mit Hilfe von schwelendem Feuer ausgehöhlt wurde, gibt es dafür keinen archäologischen Beleg in der älteren Urgeschichte. Stattdessen kann davon ausgegangen werden, dass Steinbeile (die ältesten Formen sind Kernbeile aus Feuerstein), seit dem Neolithikum vor allem auch Dechsel zum Aushöhlen verwendet wurden. Eine Reihe gut erhaltener jungsteinzeitlicher Einbäume wurden in Pfahlbausiedlungen der Pfyner Kultur und der Horgener Kultur gefunden, zum Beispiel am Federsee allein über 40. Ebenso sind Einbäume im Kontext mit eisenzeitlichen Crannógs gefunden worden.

Vorwikingerzeitliche Einbäume (mit Spanten) stammen aus der Lecker Au und dem Vaaler Moor in Schleswig-Holstein. Aus dem Šlivni-See in Polen ist ein etwa 5 m langer Einbaum des Spätmittelalters (14. Jahrhundert) erhalten, bei dem in der Bootsmitte eine durch zwei Schotten in Bordwandhöhe gebildete Bünn (Hälter für lebende Fische) ausgearbeitet ist.[4]

Einbäume waren zum Beispiel im Spreewald bis ins 19. Jahrhundert in Gebrauch. Im Sprachgebrauch vergangener Jahrhunderte wurden sie oft Nachen genannt.

Verbreitung und Ethnographie


Die ältesten in Europa gefundenen Einbäume stammen aus dem Mesolithikum (10.000 bis 5.000 v. Chr.) Während dieser Periode stieg der Meeresspiegel um etwa 100 Meter. Die alten Küstenwohnplätze wurden vom Meer bedeckt und sind unserem Wissen verloren gegangen.

Der Einbaum von Pesse in den Niederlanden scheint mit 8.265 ± 275 v. Chr. der älteste im aktuellen Forschungsstand zu sein. Seine Datierung ist allerdings unsicher, weil es zwei widersprüchliche 14C-Daten gibt. In Frankreich wurde der Einbaum von Noyen sur Seine auf 7 960 ± 100 v. Chr. datiert. Der Einbaum von Dümmerlohausen einem Ortsteil von Damme in Niedersachsen wurde auf 7.600 ± 100 v. Chr. datiert. Der Einbaum von Gartrop-Bühl ist mit etwa 17,0 m Länge der größte historische Einbaum, der in Europa gefunden wurde. In Dänemark werden zwei Einbäume dem 7. Jahrtausend zugeschrieben. Der neolithische Einbaum vom Lago Bracciano ist der älteste in Italien.

Von den 400 französischen Einbäumen wurden 55 mit wissenschaftlichen Methoden datiert. Es gibt drei aus dem Mesolithikum, fünf aus dem Neolithikum, zwei aus dem Chalkolithium, drei aus der Bronzezeit, sechs aus der Eisenzeit, fünf aus der gallo-römischen Zeit, 30 aus dem Mittelalter und eines aus der Neuzeit.

Einbäume haben, abhängig auch von der Größe der Bäume in den lokalen Waldbeständen, ein zum Teil beträchtliches Ausmaß. In Äquatorialafrika erreichen Einbäume eine Tragfähigkeit, die 70 Personen entspricht.

Einbäume sind auch heute noch in vielen Regionen der Welt verbreitet, so zum Beispiel in Afrika, Südamerika, Indien und auf Neuguinea. Oft sind sie mit Auslegern versehen (vgl. Auslegerkanu). Einige Gruppen fertigen auch Einbäume mit Segeln (Segelkanus) an. Regionale Formen mit einer normierten Bauweise sind zum Beispiel der Mokoro (Namibia) oder das aus mehreren aneinandergebundenen Einbäumen bestehende Boot Lagatoi (Papua-Neuguinea).

Experimente zur prähistorischen Einbaumnutzung


In den Experimenten „Monoxylon I“ und „Monoxylon II“ belegten tschechische Archäologen die Hochseetauglichkeit von Einbäumen, die den neolithischen Funden nachempfunden sind.[5] In der ersten Expedition wurden 300 km zwischen ägäischen Inseln zurückgelegt, in der zweiten etwa 800 km entlang der Mittelmeerküste.[6]

Einbaumfunde


Die ältesten Nachrichten über den archäologischen Fund eines Wasserfahrzeugs stammen aus dem 18. Jahrhundert und beziehen sich auf den Einbaum Ni-56 aus dem Teufelsmoor in Niedersachsen, der 1785 veröffentlicht wurde. Spätere Einbaumfunde stammen auch oft aus Mooren und aus Torfstichen – allen voran aus dem Federseemoor in Schwaben, wo in den 1930er Jahren 25 Einbaumfunde bekannt waren. Die letzte mit der Torfgewinnung verbundene Fundmeldung datiert von 1983 und stammt aus Berlin-Brandenburg. Die ersten systematischen Untersuchungen an Einbäumen stellen die ab Beginn der 1920er Jahr einsetzenden Untersuchungen Oscar Parets im Federseeried dar.

Mesolithikum

Neolithikum

Bronzezeit

Eisenzeit

Römische Kaiserzeit/ Völkerwanderungszeit

Frühmittelalter

Spätmittelalter

Unbekannte Zeitstellung

Siehe auch


Literatur


Weblinks


 Commons: Einbaum  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Einbaum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. Hoffmann, S. 395.
  2. P. Breunig: The 8000-year-old dugout canoe from Dufuna (NE Nigeria). In: G. Pwiti, R. Soper (Hrsg.): Aspects of African archaeology. Papers from the 10th congress of the Pan African association for prehistory and related studies, University of Zimbabwe publications, Harare 1996, S. 461–468.
  3. M. A. Fugazzola Delpino, M. Mineo: La piroga neolítica del lago di Bracciano („La Marmotta 1“), in: Bullettino di Paletnologia Italiana 86, ns IV (1995) 197–266.
  4. Seite über prähistorische Fischerei
  5. Radomir Tichy, Monoxylon Expeditions 1995 and 1998. Facts about the oldest Sea Navigation. Experimentelle Archäologie in Europa. Bilanz 2002. Heft 1, 2002, S. 189–197.
  6. Zusammenfassender Bericht der Monoxylon-Expeditionen (tschechisch/ englisch/ französisch) (Memento des Originals vom 18. Dezember 2009 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. a b Einbäume aus Zürcher Gewässern (Memento des Originals vom 1. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF; 88 kB)
  8. Tobias Pflederer, Ein „vergessener“ Einbaum im Starnberger See. Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 5, 1999, S. 68.
  9. Tobias Pflederer, Ein Einbaum der Latènezeit aus dem Starnberger See. Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 9, 2002, S. 17–19.
  10. Christian Stradal, Cyril Dworsky, Zwei Einbaumfunde aus dem Klopeiner See /Kärnten. Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 9, 2002, S. 10–12
  11. Einbaumgalerie Downloadseite (Scrollen bis Langbürgner See)
  12. Tobias Pflederer, Einbäume des Chiemsees. Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 11/12 2005 (PDF online; 226 kB) (Memento des Originals vom 1. Februar 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  13. Tobias Pflederer, Einbäume des Chiemsees. Gemeinden Prien a. Chiemsee und Breitbrunn a. Chiemsee, Landkreis Rosenheim, Oberbayern. Das archäologische Jahr in Bayern 2004 (2005), S. 151–154.
  14. B. Arnold, Pirogues monoxyles d’Europe centrale, tome 2. Archéologie Neuchâteloise 21 (Neuchâtel 1996) S. 79–80; 85–86.
  15. Rosemarie Leineweber, Entdeckt in Magazinen, Akten und Gewässern: Einbäume in Sachsen-Anhalt. Nachrichtenblatt Arbeitskreis Unterwasserarchäologie 15, 2009, S. 83–92
  16. B. Eberschweiler, Ein erodierter Einbaum in der Seeufersiedlung Feldmeilen-Vorderfeld. Plattform 4, 1995, S. 65.



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Einbaum (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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