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Edgar Reitz

Edgar Reitz (* 1. November 1932 in Morbach) ist ein deutscher Autor und Filmregisseur und ehemaliger Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk


Edgar Reitz stammt aus einer katholischen Familie.[1] Sein Großvater war Schmied[1], sein Vater Robert Reitz ein Uhrmacher, dessen Geschäft in Morbach Reitz’ Bruder Guido später übernahm. Schon während seiner Schulzeit am späteren Herzog-Johann-Gymnasium in Simmern begann Reitz, angeleitet durch seinen Deutschlehrer Karl Windhäuser, mit dem Schauspiel und der Inszenierung von Theaterstücken. Er studierte nach dem Abitur 1952 Germanistik, Publizistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft in München.

Frühes Schaffen

Erste Erfahrungen mit dem Medium Film machte er nicht theoretisch, sondern als Kamera-, Schnitt- und Produktionsassistent ab 1953. Ebenfalls 1953 betrieb Reitz eine eigene Studiobühne. Im gleichen Jahr entwickelte er für die Deutsche Verkehrsausstellung in München ein Simultan-Projektionsverfahren für 120 bewegliche Leinwände.

Im Jahr 1962 wurde er Leiter Experiment und Entwicklung bei der Firma Insel-Film. Gemeinsam mit Alexander Kluge gründete er 1963 das mit der Hochschule für Gestaltung Ulm verbundene „Institut für Filmgestaltung“. Dort lehrte er Regie und Kameratheorie bis zur Schließung der HfG 1968. Reitz beteiligte sich mit der Gruppe um Kluge am Oberhausener Manifest von 1962 auf den dortigen Kurzfilmtagen. Die versammelten Jungfilmer forderten damit nicht weniger als ein neues Kino: „Der alte Film ist tot. Wir glauben an den neuen.“ Das Motto „Papas Kino ist tot“ war der Titel jener Pressekonferenz. Fortan wurde auch in Deutschland das Konzept des Autorenfilms populär, der in den Folgejahren wesentlich durch Edgar Reitz mitgeprägt wurde.

Eine seiner ersten Auszeichnungen erhielt Reitz 1967 für seinen Spielfilm Mahlzeiten auf dem Festival in Venedig, wo dieser als das beste Erstlingswerk prämiert wurde. 1971 gründete er in München die Edgar Reitz-Filmproduktion (ERF). Die universitäre Zusammenarbeit mit Kluge setzte Reitz nun auch mit gemeinsamen Autorenfilmen fort, darunter die fiktive Dokumentation von 1974: In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod.

Die Filmreihe Heimat

Der aufwändig produzierte Film Der Schneider von Ulm (1978), der den sozialen Absturz des Ulmer Flugpioniers Berblinger nacherzählt, wurde auch für Reitz zur finanziellen Bruchlandung. In dieser Krise entstand die Idee für ein Filmprojekt über seine Heimat, den Hunsrück. Was sich anfangs wie ein Selbstfindungsversuch ausnahm und 1981 zunächst zu einem später als Prolog dienenden zweistündigen Dokumentarfilm über den Hunsrück führte, weitete sich schließlich zur fast 60 Stunden umfassenden Filmreihe Heimat aus, die sowohl bei den Zuschauern sehr erfolgreich war als auch mit Kritikerlob und Preisen überhäuft wurde. Die Hauptteile der als Trilogie angelegten Reihe erschienen 1984, 1992 sowie 2004. Sie wurde 2006 mit dem Epilog Heimat-Fragmente: Die Frauen vollendet. Reitz gelang mit diesem Langzeit- und Monumentalprojekt eine ganz neue Sichtweise, nämlich eine poetische wie realistische Annäherung an die deutsche Vergangenheit, wie sie sich in der Provinz abgespielt haben könnte.

Ab 2011 arbeitete Edgar Reitz an einem Spielfilm, der eine Fortsetzung der Trilogie darstellt und die Epoche des Vormärz anhand der Auswandererwelle aus dem Hunsrück nach Brasilien Mitte des 19. Jahrhunderts thematisiert. Die Dreharbeiten der deutsch-französischen Koproduktion dauerten vom 17. April bis 10. August 2012. Der knapp vierstündige Film kam am 3. Oktober 2013 unter dem Titel Die andere Heimat in die Kinos.

2015 erschien „Heimat“ in einer digital überarbeiteten Version als „Heimat remastered“.

Weiteres Schaffen

In den 1970/80er Jahren publizierte Reitz zahlreiche Bücher und Artikel über Filmtheorie und Filmästhetik, darüber hinaus auch Erzählungen, Essays, Lyrik und literarische Fassungen seiner Filme.

1995 gründete Edgar Reitz erneut ein Filminstitut mit, diesmal das „Europäische Institut des Kinofilms (EIKK)“ in Karlsruhe, und wurde im selben Jahr auch zum Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe berufen. Später wurde er der Vorsitzende des Beirats des EIKK, in dem Kollegen vertreten sind wie Theo Angelopoulos, Alain Tanner, Jean-Luc Godard, István Szabó.

2005 zog sich sein langjähriger Freund und Teilhaber Robert Busch aus der Firma Edgar Reitz-Filmproduktion (ERF) zurück. Seither betreibt Reitz mit seinem Sohn, Christian Reitz, die Firma Reitz & Reitz-Medien GbR mit Sitz in München. Ein weiteres Projekt ist Ortswechsel, ein Stummfilm mit Live-Orchesterbegleitung. Der Film wurde am 20. Oktober 2007 bei den Musiktagen in Donaueschingen uraufgeführt. 2009 erschien eine digitalisierte Fassung seiner früheren Werke als DVD-Ausgabe (Edgar Reitz – Frühwerk).

Wirkungsgeschichte

Der Schriftsteller Andreas Maier bekannte, Reitz habe ihn bei seinem „Heimat-Herkunfts-Projekt“ Ortsumgehung „sehr beeinflusst“.[2]

Privates

Edgar Reitz ist in dritter Ehe mit der Sängerin und Schauspielerin Salome Kammer verheiratet und lebt im Münchner Stadtteil Schwabing, am Rand des Englischen Gartens.

Zitate


„Heimat ist immer etwas Retrospektives. Ein Gefühl des Verlusts.“

Edgar Reitz[1]

Literatur


Werke (Auszug)

Sekundärliteratur

Filmografie (Auswahl)


Dokumentar- und Spielfilme

Die Heimat (Trilogie)

Spielfilm-Zyklus in 30 Teilen 1982–2004: Gesamtlänge 52 Stunden, 8 Minuten, Kino: 24B/S

  • Heimat – Eine deutsche Chronik (1984)
  • 1. Fernweh (1919–1928), 119 Min.
  • 2. Die Mitte der Welt (1929–1933), 93 Min.
  • 3. Weihnacht wie noch nie (1935), 58 Min.
  • 4. Reichshöhenstraße (1938), 58 Min.
  • 5. Auf und davon und zurück (1938–1939), 58 Min.
  • 6. Heimatfront (1943), 58 Min.
  • 7. Die Liebe der Soldaten (1944), 59 Min.
  • 8. (Berlin Ende April 1945), 7 Min.
  • 9. Der Amerikaner (1945–1947), 102 Min.
  • 10. Hermännchen (1955–1956), 138 Min.
  • 11. Die stolzen Jahre (1967–1969), 82 Min.
  • 12. Das Fest der Lebenden und der Toten (1982), 100 Min.
  • Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend (1992)
  • 13. Die Zeit der ersten Lieder (1960), 120 Min.
  • 14. Zwei fremde Augen (1960–1961), 115 Min.
  • 15. Eifersucht und Stolz (1961), 116 Min.
  • 16. Ansgars Tod (1961–1962), 100 Min.
  • 17. Das Spiel mit der Freiheit (1962), 119 Min.
  • 18. Kennedys Kinder (1963), 108 Min.
  • 19. Weihnachtswölfe (1963), 110 Min.
  • 20. Die Hochzeit (1964), 120 Min.
  • 21. Die ewige Tochter (1965), 118 Min.
  • 22. Das Ende der Zukunft (1966), 132 Min.
  • 23. Zeit des Schweigens (1967–1968), 120 Min.
  • 24. Die Zeit der vielen Worte (1968–1969), 121 Min.
  • 25. Kunst oder Leben (1970), 133 Min.
  • Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende (2004)
  • 26. Das glücklichste Volk der Welt (1989), 106 Min.
  • 27. Die Weltmeister (1990), 100 Min.
  • 28. Die Russen kommen (1992–1993), 125 Min.
  • 29. Allen geht’s gut (1995), 132 Min.
  • 30. Die Erben (1997), 103 Min.
  • 31. Abschied von Schabbach (1999–2000), 105 Min.

DVDs

Ehrungen


Filmpreise


Weblinks


Einzelnachweise


  1. a b c Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 37, 13. September 2013, S. 19.
  2. Literatur Spiegel Mai 2018, S. 11.
  3. Pressemitteilung der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, 6. Juli 2009 (PDF; 85 kB)



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar Reitz (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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Stand der Informationen: 01.03.2020 03:25:54 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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