Dr. John


Dr. John, eigentlich Malcolm „Mac“ John Rebennack Jr. (* 20. November 1941 in New Orleans, Louisiana; † 6. Juni 2019), war ein US-amerikanischer Musiker (Piano und Gitarre), Sänger, sechsfacher Grammy-Preisträger und Musikproduzent. Sein musikalisches Schaffen umfasste Rock ’n’ Roll, Blues und Jazz. Rebennack war stark von der Folklore seiner Heimatstadt New Orleans beeinflusst und galt als wichtigster und nahezu einziger Vertreter des „Voodoo Rock“.[1] 2011 wurde Dr. John in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.[2]

Inhaltsverzeichnis

Biografie


Bereits als Jugendlicher interessierte sich Rebennack für die Musik des Rhythm and Blues (R&B). Mit The Spades gründete er eine High-School-Band, bei der Jerry Byrne (Lights Out) als Sänger mitwirkte. Als einer der ersten weißen Musiker spielte Rabenack regelmäßig bei R&B-Sessions in New Orleans und wurde fester Studiomusiker bei den legendären Ace Records. Zu seinen wichtigsten Einflüssen gehörte Professor Longhair; als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnete Rebennack den Gitarristen Walter Nelson.[3][4] Seine ersten Aufnahmen für ACE spielte er zusammen mit Huey „Piano“ Smith (Rockin’ Pneumonia) und Frankie Ford (Sea Cruise, 1957) ein. Sie werden heutzutage von Plattensammlern als Raritäten gehandelt. Bis 1962 war er in New Orleans, dann in Los Angeles in verschiedenen Bands aktiv und an vielen Produktionen anderer Musiker wie Frank Zappa, den Rolling Stones (Exile on Main St.), Phil Spector, Sam Cooke, Aretha Franklin, Canned Heat (Living the Blues) oder Sonny and Cher beteiligt. 1977 arbeitete er gemeinsam mit Van Morrison an dessen Comebackalbum A Period of Transition. Im Rahmen dieses Albums wirkte er als Arrangeur und Musiker mit. Im selben Jahr absolvierten die beiden eine Reihe gemeinsamer Auftritte, die in einem Fernseh-Special gipfelten.

Seinen ersten großen Erfolg hatte Dr. John 1968 mit Gris-Gris, einer recht unheimlich klingenden Mischung aus Voodoo-Zaubersprüchen, Rhythm and Blues und kreolischer Soul-Musik. Bereits seit seiner Kindheit war er von Zauberamuletten und eigenen nekromantischen Phantasien umgeben, die seinen Aussagen nach durch seine Familie animiert gewesen sein sollen. Seine Großmutter soll beispielsweise Telekinese beherrscht und beizeiten selbst im Raum geschwebt haben.[1] Mit farbenprächtigen, pittoresken Bühnenauftritten stilisierte er sich als Dr. John (Creaux) the Night Tripper zu einer Ikone des Psychedelic Rock. Einige seiner Rockliturgien erhielten dabei eine besonders hypnotische Spannung, da er seine Stimme bewusst heiser und mit Flüster- und Krächzsequenzen einsetzte (Bsp.: I Walk on Guilded Splinters).[1] Mit Babylon, Remedies und The Sun, Moon and Herbs setzte er die Wiederbelebung und Aktualisierung der musikalischen Einflüsse seiner Heimatstadt fort. Einige Stilelemente der Bühnenfigur Dr. John gehen auf den 1963 verstorbenen Musiker Prince La La zurück. Das nächste Album, Gumbo, kündigte Rebennacks Abwendung von seinem extravaganten Lebensstil an, die sich mit In the Right Place und Desitively Bonnaroo fortsetzte. Nach diesem ersten Höhepunkt seines Erfolgs und vielen kreativen und hektischen Jahren nahm Dr. Johns Produktivität qualitativ und quantitativ zunächst einmal ab. Die folgenden, in einer weniger frenetischen Kadenz veröffentlichten Alben fanden nicht viele Käufer. Alle seine Versuche, sich juristisch gegen nicht autorisierte Aufnahmen (Anytime, Anyplace oder The Nashville Sessions) zur Wehr zu setzen, scheiterten.[5]

Die schöpferische Pause endete 1981 mit dem Erscheinen der Platte Dr. John Plays Mac Rebennack, einer Sammlung von Titeln, die der Musiker alleine mit seinem Klavier aufgenommen hatte und die er in The Brightest Smile in Town weiter ausbaute. Seither veröffentlichte er in unregelmäßigen Abständen weitere Alben, die er fast ausschließlich selbst komponierte. Daneben arbeitete er mit zahlreichen Bluesmusikern wie Charles Brown, The Simpsons, Willy DeVille, aber auch mit Jazzmusikern (Maria Muldaur, Lillian Boutté, Bennie Wallace oder Chris Barber) sowie mit Rockmusikern wie Mick Jagger und Eric Clapton zusammen. Er trat in Martin Scorseses Film The Last Waltz auf, einer Verfilmung des Abschiedskonzerts der legendären Rockband Bob Dylans, The Band, von 1977, ebenso wie auch im Film Blues Brothers 2000. Darüber hinaus komponierte er Musik für Werbespots und -clips (Jingles) und sang den Titelsong für die Fernsehserie Blossom. Mit dem 1995 erschienenen Album Afterglow wurde seine Liebe zum Jazz deutlich; Jazz-Standards aus den 1930er- und 1940er-Jahren prägen das Album.

Er sang den Song Cruella DeVille für den Disney-Film Hundertundein Dalmatiner. Im Jahr 2009 gab es eine weitere Zusammenarbeit mit Disney: Das Eröffnungslied Down in New Orleans aus dem Zeichentrick-Film Küss den Frosch wird von Dr. John interpretiert.

Die Musikgruppe Emerson, Lake and Palmer entnahm dem Text von Dr. Johns Song Right Place, Wrong Time die Wortschöpfung „Brain Salad Surgery“ für ihr gleichnamiges Album aus dem Jahre 1973.

2007 wurde Dr. John in die Blues Hall of Fame aufgenommen und 2011 in die Rock and Roll Hall of Fame, im selben Jahr erhielt er den Blues Music Award als bester Klavierspieler.[6] Das legendäre Debütalbum Gris-Gris (1968) wurde in die Wire-Liste The Wire’s „100 Records That Set the World on Fire (While No One Was Listening)“ aufgenommen. Es belegt zudem Platz 143 (2003) und 356 (2020) der 500 besten Alben aller Zeiten des Rolling Stone und wurde von Pitchfork auf Platz 162 der 200 besten Alben der 1960er Jahre gewählt.[7] Sein Album Locked Down wurde 2013 mit dem Grammy Award for Best Blues Album ausgezeichnet.

Dr. John starb am 6. Juni 2019 an den Folgen eines Herzinfarktes.[8]

Diskografie


Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[9]
Dr. John, the Night Tripper (The Sun, Moon & Herbs)
  US 184 09.10.1971 (5 Wo.)
Dr. John’s Gumbo
  US 112 13.05.1972 (11 Wo.)
In the Right Place
  US 24 24.03.1973 (33 Wo.)
Triumvirate (mit Mike Bloomfield & John P. Hammond)
  US 105 16.06.1973 (12 Wo.)
Desitively Bonnaroo
  US 105 04.05.1974 (8 Wo.)
In a Sentimental Mood
  US 142 27.05.1989 (11 Wo.)
Locked Down
  US 33 21.04.2012 (6 Wo.)
Ske-Dat-De-Dat: The Spirit of Satch
  US 84 06.09.2014 (1 Wo.)

Literatur


Weblinks


Commons: Dr. John  – Sammlung von Bildern
Nachrufe

Einzelnachweise


  1. a b c Barry Graves; Siegfried Schmidt-Joos; Bernward Halbscheffel: Rock-Lexikon. Einmalige Sonderausgabe.: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2003, Band 1, S. 275 f.
  2. Rock and Roll Hall of Fame 2011 auf rockhall.com, abgerufen am 23. November 2017
  3. Paul Gambaccini: The Doctor Is In: A Talk With Dr. John, Rolling Stone Magazine, September 1973.
  4. Karen Ann Krieger: Learn From the Legends: Blues Keyboard, Great Licks and Interviews with the Stars, Alfred Music Publishing, 2000, ISBN 978-0-7390-0961-1, S. 59.
  5. Rüdiger Bloemeke: Live in Germany. Voodoo Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-00-023781-2.
  6. deltabohemian.com
  7. The 200 Best Albums of the 1960s auf pitchfork.com, abgerufen am 23. November 2017
  8. Musiker Dr. John ist tot. Spiegel Online, 7. Juni 2019, abgerufen am selben Tage.
  9. US-Charthistorie
  10. US-Singles: Joel Whitburn: Joel Whitburn’s Top Pop Singles 1955–2006. Billboard Books, New York 2007, ISBN 0-89820-172-1. / US-Alben: Joel Whitburn: Joel Whitburn presents the Billboard Albums. 6. Auflage. Billboard Books, New York 2006, ISBN 0-89820-166-7.
  11. Gold-/Platin-Datenbank des Bundesverbandes Musikindustrie abgerufen am 3. Juli 2016









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Stand der Informationen: 04.11.2021 03:55:26 CET

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