Dirigent - de.LinkFang.org

Dirigent

Der Dirigent (lateinisch dirigere ‚ausrichten‘, ‚leiten‘) leitet ein musizierendes Ensemble (Chor oder/und Orchester) mittels des Dirigierens.

Inhaltsverzeichnis

Funktion


Der Dirigent erarbeitet mit den Orchester- oder Chormusikern das Werk und bringt es zur Aufführung. Hierzu übernimmt er insbesondere folgende Aufgaben:

  1. Technische und künstlerische Koordination der mitwirkenden Musiker: Beim Dirigieren gibt er die für die Musiker verbindlichen Tempi an (siehe Schlagfigur) und gestaltet den musikalischen Ausdruck (vgl. Vortragsbezeichnung).
  2. Interpretatorische Gestaltungshoheit: Nach dem Konzept des Dirigenten soll das Werk erarbeitet und aufgeführt werden.
  3. Musikauswahl und Bestimmung des Repertoires. Als Künstlerischer Leiter übernimmt er die Stückauswahl und ist für den Ablauf des Übungs- bzw. Probenbetriebes verantwortlich. Bei kleineren Orchestern übernimmt der Dirigent oft auch die Planung der Auftritte („Tournee“) des Orchesters bzw. wird entsprechend mit einbezogen (Stichwort: Akustik des Spielortes, evtl. benötigte Tontechnik um ein optimales Klangbild zu erreichen usw.).

Geschichte


Bis in das 18. Jahrhundert wurden Ensembles meist von einem der aktiven Musiker geleitet (der oft auch der Komponist des aufgeführten Werkes war). Im 17. und 18. Jahrhundert, dem Generalbasszeitalter, wurde üblicherweise vom Cembalo oder von einer Violine aus die Leitung übernommen.[1] In einer höfischen Kapelle war das die Funktion des „Konzertmeisters“, der sich oft mit dem Kapellmeister in der Einstudierung oder bei der Aufführung ablöste. Ein Beispiel, wie solcherart Orchesterleitung funktionierte, ist anhand der Geschichte der Dresdener Hofkapelle unter deren Konzertmeister Johann Georg Pisendel beschrieben.[2] In besonderen Fällen trat der Leiter vor das Ensemble, zum Beispiel oft bei der Oper. Auf historischen Bildern ist er manchmal mit einer Notenrolle dirigierend dargestellt. Am Hofe Ludwigs XIV. gab er Anweisungen nicht nur mit Armbewegungen, sondern mit Hilfe eines Taktstockes, mit dem der Takt auch auf den Boden gestampft wurde. Bekannt geworden in diesem Zusammenhang ist Jean-Baptiste Lully, Hofmusiker von König Ludwig XIV., der sich mit seinem Taktstock so schwer am Fuß verletzte, dass er einige Monate später an Wundbrand starb.

Den Dirigenten in Funktion und Gestalt oder auch als Berufsbezeichnung, wie man ihn heute kennt, gibt es erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Als erster Dirigent im heutigen Sinn gilt Felix Mendelssohn Bartholdy seit seiner Leitung des Gewandhausorchesters in Leipzig. Zunehmend größer werdende Chöre und Orchester machten die Leitung vom Instrument aus unmöglich. Bis zum 20. Jahrhundert wurden die meisten großen Orchester noch von Kapellmeistern dirigiert, die routinemäßig eigene Kompositionen und Musikbearbeitungen für ihr Ensemble erstellten.

Der Dirigent vereint und konzentriert in seiner Person die Macht und (im Idealfall) auch die künstlerische Kompetenz der musikalischen Gestaltungshoheit. Er ist das „Nadelöhr“ zwischen dem ausübenden Musiker und dem, was als musikalisches Produkt zu hören ist. Gemeinsames Musizieren funktioniert hier nicht mehr über dezentrale Kommunikationsstrukturen unter den Musikern, sondern durch „Unterordnung“. Aufgrund dieser Kompetenzen entwickelte der Dirigent eine starke soziale Stellung, die die herausragende Prominenz späterer Stardirigenten möglich machte.

Die „Interpretationsmacht“ des Dirigenten ergab sich ähnlich wie die des Theater-Regisseurs erst im ausgehenden 19. Jahrhundert. Sie hat damit zu tun, dass sich das Repertoire stilistisch zunehmend verbreiterte und auch bei großen Besetzungen Wert auf eine individuelle Interpretation gelegt wurde. Die Vorstellung des gründerzeitlichen Vorgesetzten, der hochgeachtet wird, auch wenn er bloß ein Ausführender ist, blieb auch im 20. Jahrhundert mit dem Dirigentenberuf verbunden.

Von 1924 bis 1930 erschien bei Universal Edition in Wien eine Fachzeitschrift für Dirigenten mit dem Titel Pult und Taktstock. Sie ging in der Musikzeitschrift Anbruch auf.[3]

Als Nadia Boulanger im Jahr 1938 das Boston Symphony Orchestra dirigierte, brach sie in eine traditionsgemäß männliche Domäne ein. Erste international bekannte deutsche Dirigentin von Symphonieorchestern war im 20. Jahrhundert Hortense von Gelmini.[4] Heute setzen sich verstärkt Dirigentinnen durch. Ein Beispiel ist die Australierin Simone Young, die unter anderem von 2005 bis 2015 als Chefdirigentin der Hamburgischen Staatsoper tätig war.[5]

Ausbildung


Prinzipiell gibt es verschiedene Möglichkeiten, den „Beruf“ eines Dirigenten zu erlernen. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung zwischen hauptberuflichen Dirigenten (z. B. von großen Symphonieorchestern) oder ehrenamtlichen Dirigenten in Musikvereinen, Blaskapellen, Chören usw. Grundlage ist das sichere Beherrschen mindestens eines Musikinstrumentes.[6] Hauptberufliche Dirigenten erlangen ihre Qualifikation im Rahmen eines Studiums an einer Musikhochschule. Nebenberufliche bzw. ehrenamtliche Dirigenten erlangen ihre Qualifikation i. A. durch den Besuch von speziellen Ausbildungslehrgängen, so z. B. in der Blasmusik den sog. C3-Lehrgang.[7] Oft handelt es sich dabei um entsprechend talentierte und entsprechend erfahrene Musiker, die über eine Position als Registerführer und teilweise auch interne Ausbilder (Instrumentallehrer in Musikvereinen) zum Dirigenten aufsteigen. Je nach Landesverband bzw. Organisationseinheit ist es üblich, dass die entsprechenden untergeordneten Lehrgänge (D1–D3, C1, C2) zuvor erfolgreich besucht worden sind.[8]

Literatur


Weblinks


WiktionaryWiktionary: Dirigent – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Dirigenten  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Leitung vom Cembalo aus: Das Cleveland Orchestra mit „La Folia“ von Antonio Vivaldi auf YouTube. youtube.com
  2. Siehe Kai Köpp: Johann Georg Pisendel (1687–1755) und die Anfänge der neuzeitlichen Orchesterleitung. Schneider, Tutzing 2005, ISBN 3-7952-1140-9.
  3. ZDB-ID 717124-9 Pult und Taktstock: Fachzeitschrift für Dirigenten in der Zeitschriften-Datenbank.
  4. David Mutch: „The Christian Science Monitor“, February 25, 1976, Boston USA: „The gathering critical judgement of Hortense von Gelmini, Germany’s only woman conductor, is that she has not only the talent but the education, energy, and persistance to make her mark in this difficult and competive profession“
  5. Zu Boulanger, Gelmini, Young und weiteren europäischen Dirigentinnen siehe Kurzporträts in alphabetischer Ordnung: dirigentinnen.de
  6. Wie wird man wirklich Dirigent? Hamburger Abendblatt, 10. September 2008
  7. blasmusik-nrw.de (PDF)
  8. feuerwehrmusik-bw.de
  9. Rezension von Silas Nathaniel Huff (Memento des Originals vom 6. Mai 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. conductorsguild.org (englisch)



Kategorien: Musikberuf | Dirigent



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Dirigent (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 20.10.2019 02:20:38 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.