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Diogenes von Oinoanda




Diogenes von Oinoanda (griechisch Διογένης ὁ Οἰνοανδέας Diogénēs ho Oinoandéas) war ein antiker griechischer Autor aus der Stadt Oinoanda in Lykien (Kleinasien). Er ist der Autor einer umfangreichen Inschrift von wohl ca. 30.000 Wörtern und ca. 60 bis 80 m Länge, die an der Rückwand einer Säulenhalle an der Agora angebracht worden war und nur in Bruchstücken erhalten geblieben ist. Sie umfasste mehr als 120 Textspalten; damit war sie ein in ihrer Art einzigartiges Denkmal.

Als Entstehungszeit der Inschrift wurde lange Zeit meistens die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. angenommen, nach neueren Forschungen, die sich auf Namen, die auf inzwischen neu gefundenen Fragmenten der Inschrift erwähnt werden, und auf die Form der verwendeten Buchstaben beziehen, kommt aber inzwischen eher schon das erste Viertel des 2. Jahrhunderts in Frage (Lit.: so Martin Ferguson Smith). Eine Minderheit von Forschern plädiert sogar bereits für die letzten Jahrzehnte vor Christi Geburt (Lit.: so Smith/Canfora). Über Diogenes ist nichts bekannt, er muss jedoch ein sehr wohlhabender Mann gewesen sein.

Möglicherweise ist er identisch mit einem gewissen Flavianus Diogenes, einem römischen Bürger aus Oinoanda, der aus anderen Inschriften bekannt ist. Außerdem gibt es die Vermutung, dass Diogenes von Oinoanda mit dem Autor Diogenes Laertios identisch sein könnte, doch wird dies von den meisten Forschern abgelehnt.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt der Inschrift


Die Inschrift, die so angebracht war, dass Vorübergehende sie leicht lesen konnten, umfasste in etwa folgende Texte (die genaue Zuweisung der erhaltenen Fragmente ist teils umstritten):

Zusammen bildeten diese Texte einen vielfältigen und überaus lebendigen Abriss der Lehre Epikurs. Seit 2007 neu gefundene Fragmente enthalten eine Auseinandersetzung mit Lehren Platons.[1] Die Suche nach weiteren Teilen der Inschrift dauert an.

Schicksal und Bedeutung der Inschrift


Die Inschrift ist die längste und größte, die bislang aus der Antike bekannt ist. Die Säulenhalle wurde in späterer Zeit zerstört, vielleicht bei einem Erdbeben 140/141 n. Chr. (dies würde natürlich ebenfalls gegen die traditionelle Datierung der Inschrift in das spätere 2. Jahrhundert sprechen); viele Reste der Inschrift wurden bei der Neuerrichtung der Agora verbaut. So sind lediglich 212, teils größere Fragmente der Inschrift gegen Ende des 19. Jahrhunderts von französischen, deutschen und österreichischen Forschern entdeckt und erstmals publiziert worden – gewisse Teilbereiche der Lehre Epikurs, die in der Inschrift behandelt gewesen sein müssen, sind in den erhaltenen Fragmenten jedoch unterrepräsentiert (z. B. die Physik). Die Inschrift zeigt, dass ihr Verfasser ein begeisterter Anhänger der Lehre Epikurs war, der im hohen Alter dafür sorgen wollte, dass diese Philosophie möglichst vielen Menschen bekannt werde. Daneben ging es dem wohlhabenden Mann offenkundig auch um den eigenen Nachruhm. Diogenes kannte sich offensichtlich in der epikureischen Lehre gut aus; verschiedene Details dieser Doktrin sind einzig in seiner Inschrift überliefert.

Folgt man der traditionellen Spätdatierung, so bildet die Inschrift insgesamt ein bedeutsames Zeugnis dafür, dass der Epikureismus im 2. Jahrhundert n. Chr. noch eine bedeutsame Bewegung darstellte. Aber auch bei einer früheren Datierung ist es zumindest erstaunlich und bewundernswert, wie Diogenes in seiner eher abgelegenen Polis ein so immenses Werk zusammenstellen konnte. Die Inschrift stellt wohl den bedeutsamsten aus der Antike bekannten Versuch dar, Philosophie „für alle“, die lesen konnten, zugänglich zu machen, waren geschriebene Bücher doch relativ teuer. In der Einleitung heißt es (Frg. 2 Chilton, col. IV–VI):

Außerdem ist es richtig und billig, auch jenen Menschen zu helfen, die nach uns leben werden (gehören doch auch sie zu uns, obwohl sie noch nicht geboren sind), und schließlich gebietet die Menschlichkeit, auch den zu uns kommenden Fremden Hilfe zu gewähren. Da also die Hilfe, welche diese Inschrift leisten soll, eine beträchtliche Zahl von Menschen betrifft, habe ich beschlossen, die hilfreichen Heilmittel [der epikureischen Lehre] allgemein zugänglich zu machen.

Oionoanda liegt auf einem entlegenen Berggipfel und ist bis heute touristisch nicht erschlossen und nur querfeldein erreichbar. Aus diesem Grund dauerte es lange, bis man die Ruinenstadt näher erforschte. Seit 2007 betrieb jedoch das Deutsche Archäologische Institut in Istanbul (DAI) gemeinsam mit dem Kölner Gräzisten Jürgen Hammerstaedt systematische Forschungen in Oinoanda, um in der bislang archäologisch nur unzureichend erfassten Stadt weitere Teile der monumentalen Inschrift zu finden. Martin Bachmann war im Rahmen dieser Studien bereits im Juli 2008 auf 26 weitere Steine mit Fragmenten der Inschrift gestoßen. U.a. enthalten sie Verweise auf Platon und deuten mit der Nennung eines „höchsten Gottes“ die Entwicklung einer henotheistischen Strömung an.[2] Auch im Sommer 2009 wurden weitere Fragmente entdeckt; die Neufunde wurden jährlich von Hammerstaedt und Martin Smith publiziert. Das DAI-Projekt wurde auch 2010 und 2011 fortgesetzt, bevor es 2012 zum vorläufigen Abschluss kam. Schätzungsweise 40 Prozent des Textes dürften damit bekannt sein.

Ausgaben und Übersetzungen


Literatur


Übersichtsdarstellungen

Untersuchungen

Weblinks


Anmerkungen


  1. DAI: Spektakuläre Inschriftenfunde (Memento des Originals vom 1. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  2. DAI: Spektakuläre Inschriftenfunde (Memento des Originals vom 1. September 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.








Kategorien: Philosoph (Antike) | Grieche (Antike) | Griechische Inschrift | Geboren im 1. Jahrtausend v. Chr. oder 1. Jahrtausend | Gestorben im 1. Jahrtausend v. Chr. oder 1. Jahrtausend | Mann








Stand der Informationen: 05.07.2020 08:39:08 CEST

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