Deutsches Hygiene-Museum


Deutsches Hygiene-Museum Dresden

Eingangsbereich des Museums am Rande der Güntzwiesen (2015)
Daten
Ort Lingnerplatz 1,
01069 Dresden
Art
Architekt Wilhelm Kreis
Eröffnung 1912
Besucheranzahl (jährlich) rund 280.000
Betreiber
Stiftung Deutsches Hygiene-Museum
Leitung
Klaus Vogel (Direktor)[1]
Website
ISIL DE-MUS-846613

Das 1912 gegründete Deutsche Hygiene-Museum ist ein Museum in Dresden. Es versteht sich heute als ein öffentliches Forum für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Der jetzige Bau wurde 1930 eröffnet und nach schwerer Zerstörung durch Bomben im Februar 1945 zur DDR-Zeit wieder aufgebaut und dann von 2001 bis 2005 grundlegend saniert und umgebaut. Als populärer Ausstellungs- und Veranstaltungsort gehört das Haus mit jährlich rund 280.000 Besuchern[2] zu den bestbesuchten Museen in Dresden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Das Museum wurde 1912 von dem Dresdner Unternehmer und Odol-Fabrikanten Karl August Lingner nach der I. Internationalen Hygiene-Ausstellung als „Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege“ gegründet. In dieser Zeit sollte durch zahlreiche (öffentliche) Sanitäreinrichtungen und Schulneubauten der Gesundheitszustand auch ärmerer Bevölkerungsteile verbessert werden. In einer Denkschrift äußerte er:

„Das Hygiene-Museum soll Stätte der Belehrung sein für die ganze Bevölkerung, in der jedermann sich durch Anschauung Kenntnisse erwerben kann, die ihn zu einer vernünftigen und gesundheitsfördernden Lebensführung befähigen.“[3]

Damit hat sich Lingner in die Tradition der kantschen Aufklärungsdefinition gestellt. Insbesondere wurden hier Kenntnisse zur Anatomie des Menschen vermittelt, jedoch auch auf Fragen der gesunden Ernährung, der persönlichen Hygiene und Gesundheitsvorsorge eingegangen. Es wurden allgemeinverständliche Präsentationsformen entwickelt, mit deren Methodik deutschlandweite Wanderausstellungen gestaltet wurden.

1930 fand die II. Internationale Hygiene-Ausstellung statt, zu der das Museum einen von Wilhelm Kreis entworfenen Museumsbau (1928–1930) im Stil zwischen Neoklassizismus und Bauhaus am Blüherpark bezog. Größte Attraktion des Museums war und ist der Gläserne Mensch (Mann) von 1930, gefolgt von der Gläsernen Frau 1935. Die Museumswerkstätten haben im Laufe der Zeit zahlreiche Exemplare davon aus dem transparenten Kunststoff Cellon für andere Museen in aller Welt hergestellt. Neu war auch der Typus eines Sozialmuseums, das den mündigen Bürger über die neuesten Erkenntnisse der Medizin und Biologie aufklären sollte.

Während des Dritten Reichs wurde das Museum auch in den Dienst der nationalsozialistischen Rassenideologie gestellt. Ein Beispiel war die Propagierung des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat und bis 1945 die Grundlage für die Zwangssterilisation von mehreren hunderttausend Frauen und Männern war. Leiter der Abteilung „Erb- und Rassenpflege“ war von 1933 bis 1936 der Mediziner Hermann Vellguth. Wanderausstellungen zu dieser Thematik im In- und Ausland waren von pseudowissenschaftlichen Auswüchsen geprägt. Zu den Ausstellungen gehörten „New Eugenics in Germany“ 1934 in den USA und „Wunder des Lebens“ in Berlin 1935. Mehr als 10 Millionen Menschen haben Wanderausstellungen des DHM zu verschiedenen Themen zwischen 1933 und 1945 besucht. In der Zeit des Nationalsozialismus war die Staatsakademie für Rassen- und Gesundheitspflege, eine Forschungs- und Lehreinrichtung für die rassenpolitische Propaganda und Schulung, organisatorisch und räumlich an das Museum angeschlossen.

Im April und Mai 1944 wurde im Hygiene-Museum der letzte (Kriegs-)Reichsberufswettkampf durchgeführt. Bei den Luftangriffen auf Dresden im Februar 1945 wurden große Teile des Museumsgebäudes und der Sammlungen zerstört.

In der DDR erfüllte das Museum – ähnlich dem Deutschen Gesundheits-Museum bzw. der aus ihm hervorgegangenen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in der Bundesrepublik – gesundheitsaufklärende Aufgaben.[4] Als Maskottchen zur gesundheitlichen Aufklärung von Kindern war bis 1990 Kundi im Einsatz. Von 1982 bis 1991 fungierte das Museum als Collaborating Center der Weltgesundheitsorganisation im Bereich der Gesundheitserziehung.[5]

1991 erhielt das Museum eine vollkommen neue Konzeption, die den Ansatz seiner Gründerjahre mit modernen Mitteln weiter verfolgt. Das Deutsche Hygiene-Museum wurde in das im Jahre 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen. Das Blaubuch ist eine Liste national bedeutsamer Kultureinrichtungen in Ostdeutschland und umfasst zurzeit 23 sogenannte kulturelle Leuchttürme. Zwischen 2001 und 2005 wurde das Museum unter der Leitung von Peter Kulka saniert und teilweise umgebaut.

Ausstellungen, Sammlung und weitere Aktivitäten


Permanent zu sehen sind die Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ und das „Kinder-Museum Unsere fünf Sinne“. Die Dauerausstellung thematisiert den Menschen, seinen Körper und seine Gesundheit in seinen gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten. Das Kinder-Museum informiert spielerisch über die menschlichen Sinne und ihre Leistungsfähigkeit. Das Deutsche Hygiene-Museum verfügt über eine umfangreiche Sammlung. Sie dokumentiert das öffentlich propagierte Körperwissen und Körperpraktiken im Alltag mit dem Schwerpunkt auf Objekten seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Wechselnde Sonderausstellungen beschäftigen sich mit aktuellen oder historischen Fragestellungen aus Wissenschaft und Gesellschaft, Kunst und Kultur. Diese Projekte werden in der Regel von interdisziplinär zusammengesetzten Teams aus Kuratoren, Künstlern, Szenografen und Gestaltern entwickelt. Das Museum kooperiert hierbei mit wissenschaftlichen Institutionen und internationalen und nationalen Partnern und Leihgebern. Zu den wichtigsten Projekten der letzten zehn Jahre gehörten: Kosmos im Kopf – Gehirn und Denken (2000), Der (im-)perfekte Mensch – Vom Recht auf Unvollkommenheit (2000/2001), Die Zehn Gebote. Politik – Moral – Gesellschaft. (2004/2005), Tödliche Medizin – Rassenwahn im Nationalsozialismus (2006/2007), Glück – welches Glück (2008), 2° Das Wetter, der Mensch und sein Klima (2008/2009), Arbeit – Sinn und Sorge und Was ist schön? (beide 2010). Ergänzend zu den Ausstellungen organisiert das Museum ein breit gefächertes wissenschaftliches und kulturelles Veranstaltungsprogramm aus jährlich rund 80 Vorträgen und Tagungen, Diskussionen, Lesungen und Konzerten. Das Tagungszentrum des Museums kann für externe Veranstaltungen mit mehreren hundert Teilnehmern genutzt werden.

Die 4. Sächsische Landesausstellung


Am 4. Januar 2017 übertrug die damalige Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange, dem Deutschen Hygiene-Museum die Ausrichtung der Zentralausstellung der 4. Sächsischen Landesausstellung sowie die Koordinierung des Gesamtprojekts. Klaus Vogel, Direktor des Museums, übernahm die Leitung des Vorhabens. Die 2020 stattfindende Landesausstellung mit dem Titel Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen thematisierte die Geschichte der Industrialisierung im heutigen Freistaat. Die vom Deutschen Hygiene-Museum verantwortete Zentralausstellung war vom 11. Juli bis zum 31. Dezember 2020 im Audi-Bau in Zwickau zu sehen. Der Berliner Kurator Thomas Spring übernahm mit einem Team von wissenschaftlich-kuratorischen Mitarbeitern die Erarbeitung der Zentralausstellung. Entsprechend dem Leitbild des Deutschen Hygiene-Museums beschäftigte sie sich nicht allein mit technischen Innovationen und der Geschichte von Wirtschaftsunternehmen, sondern ging ebenso auf die Folgen der Industrialisierung für Mensch, Kultur, Umwelt und Gesellschaft ein. Neben der Zentralausstellung im Zwickau konnten die Besucher noch sechs branchenspezifische Schauplatzausstellungen in Chemnitz, Freiberg, Oelsnitz im Erzgebirge, Zwickau und Crimmitschau besuchen[6].

Trägerschaft


Das Hygienemuseum wird getragen von der Stiftung Deutsches Hygiene-Museum. Ziel der Stiftung ist gemäß § 2 der Satzung die der „Wissenschaftspopularisierung dienende Unterhaltung des Deutschen Hygiene-Museums, insbesondere durch Ausstellungen, wissenschaftliche Lehr- und Vortragsveranstaltungen, Sammlungen und ähnliche Maßnahmen.“ Neben der Dauerausstellung ist eine weitere Zielsetzung des Museums jeweils im Frühjahr und Herbst eines Jahres die Präsentation von großen Sonderausstellungen.

Die Stiftung ist seit dem 1. Juli 1999 eine rechtsfähige gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Dresden. Stifter sind der Freistaat Sachsen und die Landeshauptstadt Dresden, Mitstifter ist die DKV Deutsche Krankenversicherung. Zur Erfüllung des Stiftungszwecks erhält die Stiftung zu gleichen Teilen jährliche Kostenbeiträge des Freistaates Sachsen und der Landeshauptstadt Dresden.[7]

Marketing und Werbung


Eine Straßenbahn der Dresdner Verkehrsbetriebe wurde als Werbefläche für das Deutsche Hygiene-Museum beklebt. Auch im Jahr 2019 fährt sie auf verschiedenen Linien im Stadtgebiet von Dresden.

Veranstaltungen speziell für Kinder


Projekte für Kinder haben im Deutschen Hygiene-Museum Tradition, so wurde bereits zu DDR-Zeiten das Kundi-Männchen eingeführt, um Gesundheitserziehung kindgerecht an Kinder zu vermitteln.[8] In jüngerer Zeit werden vor allem spezielle Kinderführungen, Exponate und ein Kindermuseum für unterschiedliche Altersklassen angeboten zu den Themen wie Sinne, Körper und Geburt.[9] Neben diesen Einzelangeboten gibt es auch vertiefende Angebote wie das Schülerlabor[10] und Kinder führen Kinder, welches zusammen mit der Initiative MINTiKi[11] ins Leben gerufen wurde.

Sonderausstellungen seit 2011


Persönlichkeiten am Museum (Auswahl)


Dokumentarfilme und Reportagen


Im Auftrag des Museums hergestellte Filme


Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Deutsches Hygiene-Museum  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. dhmd.de
  2. Besucherplus im Deutschen Hygiene-Museum. In: Sächsische Zeitung. 3. Januar 2018 (online [abgerufen am 3. Januar 2018]). online (Memento vom 3. Januar 2018 im Internet Archive)
  3. K. A. Lingner: Denkschrift zur Errichtung eines National-Hygiene-Museums in Dresden. Dresden 1912, S. 5.
  4. Christian Sammer: Gesunde Menschen machen ... Die deutsch-deutsche Geschichte der Gesundheitsaufklärung, 1945–1967. De Gruyter Oldenbourg, Berlin / Boston 2020, ISBN 978-3-11-066010-4.
  5. German Hygiene Museum. WHO Collaborating Centres Global Database; abgerufen am 7. Juli 2013
  6. https://www.boom-sachsen.de/schauplaetze/
  7. Museumskonzeption 2020 – Kulturland Sachsen. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, S. 105–108, archiviert vom Original am 2. April 2015; abgerufen am 28. März 2015.
  8. Dauerausstellung des Deutschen Hygiene Museums Exponat „Kundi“
  9. dhmd.de (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive); Stand: 5. April 2014
  10. Archivierte Kopie (Memento vom 7. April 2014 im Internet Archive); Stand: 5. April 2014
  11. mintiki.de Stand: 5. April 2014
  12. stefan hartmann: DHMD: VON DER FLÜCHTIGKEIT DES GLÜCKS. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.dhmd.de. Archiviert vom Original am 26. April 2016; abgerufen am 7. Mai 2016.
  13. Das deutsche Hygiene-Museum in der DDR. In: Filmportal.de. Abgerufen am 18. April 2021.
  14. Museums-Check: Deutsches Hygiene-Museum, Dresden. In: Fernsehserien.de. Abgerufen am 18. April 2021.
  15. Abenteuer Mensch – Das Deutsche Hygiene-Museum Dresden. In: MDR.de. 24. Juli 2020, abgerufen am 18. April 2021.









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Stand der Informationen: 30.04.2021 11:42:05 CEST

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