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Deutsch-Polnisches Jugendwerk




Deutsch-Polnisches Jugendwerk
(DPJW)
Gründung 1991
Sitz Potsdam
Warschau
Zweck Förderung von deutsch-polnischem schulischen und außerschulischen Jugendaustausch
Aktionsraum Deutschland
Polen
Geschäftsführung • Stephan Erb
• Ewa Nocoń
Beschäftigte 35 (2019)
Website dpjw.org
pnwm.org

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk (kurz DPJW; polnisch: Polsko-Niemiecka Współpraca Młodzieży, kurz PNWM) ist eine internationale Organisation, die 1991 durch die Regierungen von Deutschland und Polen gegründet wurde. Seine Aufgabe ist es, die Kontakte von Jugendlichen beider Länder zu fördern und so das gegenseitige Kennenlernen und Verstehen zu unterstützen. Das DPJW wird durch Regierungsbeiträge beider Länder finanziert. Auf deutscher Seite hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Federführung, auf polnischer Seite das Ministerium für Nationale Bildung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Das Abkommen über die Gründung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks wurde am 17. Juni 1991  unterzeichnet, zeitgleich mit der Unterzeichnung des Vertrags über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit. Die Initiative zur Gründung hatten der damalige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und sein polnischer Amtskollege Tadeusz Mazowiecki, der erste nicht-kommunistische Premierminister Polens, ergriffen. Seine Arbeit nahm das DPJW am 1. Januar 1993 mit je einem Büro in Potsdam und in Warschau auf.[1]

Seit Bestehen des Jugendwerks wurden rund 80.000 Projekte realisiert, an denen über drei Millionen junge Menschen teilgenommen haben (Stand: Oktober 2019). Jährlich hat das DPJW in den vergangenen Jahren bis zu 2.500 Projekte mit bis zu 100.000 Jugendlichen aus Deutschland und Polen[2] gefördert. Den Beitrag des deutsch-polnischen Jugendaustauschs zu guten nachbarschaftlichen Beziehungen und zur europäischen Integration unterstützen seit 2010 der deutsche Bundespräsident und der polnische Staatspräsident durch ihre gemeinsame Schirmherrschaft über das DPJW.

Über die Organisation


Das Deutsch-Polnische Jugendwerk hat ein Büro in Potsdam und eins in Warschau, die jeweils von einem Geschäftsführer geleitet werden, die gemeinsam die Geschäftsführung bilden. Die Mitarbeiter beider Büros arbeiten in gemischtnationalen Teams zusammen und sprechen beide Sprachen. Die Aufgabenteilung erfolgt inhaltlich und nicht nach nationalen Zuständigkeiten. Das Förderreferat des Potsdamer Büros ist für außerschulischen Jugendaustausch und Sport verantwortlich, das Förderreferat des Warschauer Büros für schulischen Austausch. Derzeit sind 35 Mitarbeiter beim DPJW beschäftigt.[3]

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk arbeitet eng mit anderen Einrichtungen der Jugendarbeit in Deutschland und Polen zusammen. So erfolgt bei der Bearbeitung der eingereichten Förderanträge eine Aufgabenteilung mit den so genannten Zentralstellen – eigenständigen Organisationen und Vereinen, die im Auftrag des DPJW Fördermittel vergeben und die Organisatorinnen und Organisatoren von Projekten beraten. Das DPJW steht mit den Zentralstellen in einem fortwährenden partnerschaftlichen Austausch.

Aufsichtsgremium des Jugendwerks ist der Deutsch-Polnische Jugendrat. Vorsitzende sind auf deutscher Seite die Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Franziska Giffey, auf polnischer der Minister für Nationale Bildung Dariusz Piontkowski. Der Deutsch-Polnische Jugendrat setzt sich aus 24 Personen zusammen, je zwölf pro Land. Jeweils sechs Sitze besetzen Vertreter von Ministerien und Regierungsinstitutionen aus Deutschland und Polen. Nichtstaatliche Einrichtungen, die sich mit Jugendarbeit oder internationalen Beziehungen befassen, sind je Land mit sechs Sitzen im Jugendrat vertreten.[4]

Aufgaben


„Das Deutsch-Polnische Jugendwerk hat die Aufgabe, das gegenseitige Kennenlernen, das gegenseitige Verstehen und das enge Zusammenwirken der Jugend Deutschlands und Polens in jeder Weise zu fördern.“[5]

Konkret bedeutet dies, dass das DPJW Zuschüsse für deutsch-polnische Jugendbegegnungen und solche mit einem Partner aus einem dritten Land gewährt. Gleichzeitig unterstützt es die Organisatoren der Begegnungen durch Beratung, Informationen, Publikationen, Weiterbildungen oder bei der Suche nach einem Projektpartner. Die finanzielle Förderung des DPJW ist nicht an bestimmte Themen, Veranstaltungsformen oder pädagogische Konzepte gebunden. Wichtig ist vielmehr die authentische Begegnung der Jugendlichen, das gemeinsame Erleben, Lernen und Handeln. So können die Jugendlichen sich kennenlernen, Empathie füreinander entwickeln und Freundschaften schließen.

Arbeitsschwerpunkte


Ergänzend zu seiner Aufgabe als Förderinstitution für ein breites Spektrum von Einrichtungen und Projektthemen hat das Deutsch-Polnische Jugendwerk eine Reihe Förderprogramme eingerichtet, bei denen bestimmte Themen oder Zielgruppen im Fokus stehen.

Wege zur Erinnerung

Mit dem Programm „Wege zur Erinnerung“ fördert das Deutsch-Polnische Jugendwerk deutsch-polnische oder trilaterale Projekte, die sich mit dem Themenfeld Nationalsozialismus beschäftigten. Das Programm ermöglicht gemeinsame Projekte an Gedenkstätten oder Erinnerungsorten, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus sowie die Zusammenarbeit mit hierauf spezialisierten Bildungseinrichtungen.

Zusammen kommen wir weiter. Jetzt beruflich

Im Rahmen des Programms unterstützt das Deutsch-Polnische Jugendwerk Kooperationen von Bildungsstätten sowie Förder-, Haupt- und Realschulen. Im Zeitraum 2018 bis 2020 geht es vorrangig um berufliche Orientierung: Jugendliche können bei Jugendbegegnungen erste internationale Erfahrungen gewinnen und ein Praktikum im Nachbarland machen.  

Experiment Austausch

Über das Programm „Experiment Austausch“ regt das DPJW an, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) zum Thema einer internationalen Jugendbegegnung zu machen. Ziel ist es, dass die Jugendlichen durch digitale Selbständigkeit, forschendes und entdeckendes Lernen ein besseres Verständnis der Welt von heute erhalten und eigene Visionen für die Welt von morgen entwickeln.

Sprache im Jugendaustausch

Da Verständigung bei internationalen Jugendbegegnungen ein zentrales Anliegen ist, fördert das Deutsch-Polnische Jugendwerk das Erlernen geeigneter Methoden und Spiele, mit denen diese leichter gelingt. Hierzu veranstaltet das DPJW regelmäßig Fortbildungen zu Sprachanimation („Zip-Zap“), gibt Publikationen heraus und bildet Sprachanimations-Trainer weiter.

Trilaterale Jugendbegegnungen

Das Deutsch-Polnische Jugendwerk fördert vor allem binationale Begegnungen zwischen Jugendlichen aus Deutschland und Polen. Sie machen 90 % der Bewilligungen aus und finden im schulischen wie im außerschulischen Bereich statt. Neben diesen binationalen Begegnungen fördert das DPJW auch trinationale Projekte mit Ländern wie der Ukraine, Tschechien, Belarus oder Frankreich. Solche Begegnungen erfordern einen höheren organisatorischen, finanziellen und kommunikativen Aufwand, und auch die interkulturelle Gruppendynamik ist komplex. Jede Zusammenarbeit von drei Partnern hat ihren eigenen Entstehungsprozess und Charakter. So wird z. B. im Fall von Projekten mit der Ukraine oder anderen östlichen Partnerländern Polen eine wichtige Rolle als Vermittlungsland zugeschrieben. Von allen östlichen Partnerländern arbeitet das DPJW am längsten mit der Ukraine zusammen. Seit Ende der 1990er Jahre findet – auch dank aktiver polnischer Partner – ein steter Austausch mit dem Land statt. Anfangs wurden trilaterale Projekte mit den Ländern der Östlichen Partnerschaft aus den eigenen Mitteln des DPJW finanziert. Seit 2014 fördert das DPJW, nun in Zusammenarbeit mit dem deutschen Auswärtigen Amt, den Ausbau der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft in Ländern der Östlichen Partnerschaft. So kann das DPJW trilaterale Projekte mit den Ländern Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Moldawien, Ukraine und Russland, die in Deutschland oder dem Drittland stattfinden, sowie Programme zur Stärkung der Partnerschaft zwischen den beteiligten Ländern, fördern.

Bei der Förderung trilateraler Projekte arbeitet das DPJW in Deutschland mit anderen bilateralen Fördereinrichtungen aus dem Bereich des Jugendaustauschs zusammen. Dies sind das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch, Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch sowie die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch (DRJA). Wo es wiederum nicht nur um trilateralen Austausch, sondern um internationale Jugendarbeit allgemein geht, engagieren sich das DPJW und die genannten Partner gemeinsam mit IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e. V. sowie der deutschen und der polnischen Nationalagentur des EU-Programms „Erasmus+ JUGEND IN AKTION“ (in Polen ist dies die Stiftung für die Entwicklung des Bildungssystems).

Themenschwerpunkte und Deutsch-Polnischer Jugendpreis

Jeweils für einen Zeitraum von drei Jahren beschließt der Deutsch-Polnische Jugendrat einen inhaltlichen Themenschwerpunkt für die Arbeit des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, zu dem das DPJW spezielle Veranstaltungen anbietet. Darüber hinaus wird zu dem Thema auch der Deutsch-Polnische Jugendpreis ausgeschrieben, um den sich Schulen und außerschulische Einrichtungen gemeinsam mit ihrem Projektpartner aus dem Nachbarland bewerben können. In den vergangenen Jahren gab es folgende Themenschwerpunkte und Ausschreibungen:

Auch vor 2011 wurde alle drei Jahre der Deutsch-Polnische Jugendpreis vergeben, jedoch war er nicht in einen Themenschwerpunkt eingebunden, der die gesamte Arbeit des DPJW umfasste. Der Jugendpreis wurde zu folgenden Themen ausgeschrieben:

Zahlen und Fakten


Dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk steht für seine Arbeit ein Haushalt in Höhe von 11,5 Millionen Euro (2019) zur Verfügung. Dieser setzt sich aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, des polnischen Ministeriums für Nationale Bildung und aus Drittmitteln zusammen.[2] Insgesamt hat das Deutsch-Polnische Jugendwerk bisher über 80.000 deutsch-polnische bzw. trilaterale Projekte finanziell unterstützt, an denen drei Million (Stand: Oktober 2019) Jugendliche teilgenommen haben. In den vergangenen Jahren hat das DPJW jährlich bis zu 2.500 Projekte mit bis zu 100.000 Jugendlichen gefördert.[2] Besonders stark vertreten sind Jugendliche aus den Bundesländern Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie auf polnischer Seite aus den Woiwodschaften Niederschlesien, Kleinpolen, Westpommern und Lebuser Land.[6]

Kooperationspartner


Das Deutsch-Polnische Jugendwerk arbeitet eng mit sog. Zentralstellen zusammen (siehe „Über die Organisation“). Weitere Partner sind Einrichtungen der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, Fördereinrichtungen der internationalen und bilateralen Jugendarbeit, sowie Bundesländer, die Euroregionen, Ministerien, Stiftungen, wissenschaftliche Einrichtungen und Unternehmen.[7] Das Deutsch-Polnische Jugendwerk gehört zu den Mitbegründern der Initiative „Austausch macht Schule“, mit der seit 2013 für eine nachhaltige Verankerung von Jugendaustausch im deutschen Bildungssystem geworben wird.[8]

Auszeichnungen


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Über das Deutsch-Polnische Jugendwerk. In: dpjw.org. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  2. a b c Interne Angaben des Deutsch-Polnischen Jugendwerks von März 2019.
  3. Team des Deutsch-Polnischen Jugendwerks. In: dpjw.org. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  4. Deutsch-Polnischer Jugendrat. In: dpjw.org. Abgerufen am 22. Oktober 2019.
  5. Vertrag über das Deutsch-Polnische Jugendwerk, Art. 2, Abs. 1.
  6. vgl. Geschäftsbericht des Deutsch-Polnischen Jugendwerks 2018, S. 34.
  7. vgl. DPJW Partner. Abgerufen am 17. Juni 2019.
  8. vgl. Austausch macht Schule. Abgerufen am 17. Juni 2019.



Kategorien: Organisation (Kulturaustausch) | Organisation (Deutsch-polnische Beziehungen) | Internationale Jugendarbeit | Gegründet 1991 | Organisation (Potsdam) | Organisation (Warschau) | Kulturelle Organisation (Polen)



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch-Polnisches Jugendwerk (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


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