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Dettingen an der Erms

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Dettingen an der Erms
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Dettingen an der Erms hervorgehoben

Koordinaten: 48° 32′ N, 9° 21′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Reutlingen
Höhe: 398 m ü. NHN
Fläche: 15,81 km2
Einwohner: 9712 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 614 Einwohner je km2
Postleitzahl: 72581
Vorwahl: 07123
Kfz-Kennzeichen: RT
Gemeindeschlüssel: 08 4 15 014
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 1
72581 Dettingen an der Erms
Website: www.dettingen-erms.de
Bürgermeister: Michael Hillert
Lage der Gemeinde Dettingen an der Erms im Landkreis Reutlingen

Dettingen an der Erms ist eine Gemeinde rund zwölf Kilometer nordöstlich von Reutlingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Dettingen ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Geographische Lage

Die Gemarkung liegt im oberen Ermstal zwischen den Städten Metzingen und Bad Urach am Fuße der mittleren Schwäbischen Alb, der hier die Gemeindegrenze bildet, auf einer Höhe von 372 m ü. NN (Erms an der Gemarkungsgrenze zu Neuhausen an der Erms) bis 790 m ü. NN am Roßberg. Südlich von Dettingen befindet sich der Vulkanschlot Calverbühl, der sich durch seinen Reichtum an vulkanischen Lapilli auszeichnet.[2]

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Dettingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zu den Landkreisen Reutlingen oder Esslingen¹: Neuffen¹, Hülben, Bad Urach, St. Johann und Metzingen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde Dettingen an der Erms gehören das Dorf Dettingen an der Erms, die Siedlung Buchhalde und die Häusergruppe Papierfabrik.

Im Gemeindegebiet liegt die erstmals 1360 als Schneggenhofen erwähnte und bis ins 15. Jahrhundert bewohnte, wüstgefallene Ortschaft Schneckenhofen.[3]

Geschichte


Vorgeschichte und Antike

Der klimatisch begünstigte Raum war bereits in vorgeschichtlicher und antiker Zeit besiedelt. Um 85 n. Chr. kam das Gebiet unter direkte Herrschaft des Römischen Reiches (Provinz Germania superior). Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft im dritten Jahrhundert etablierten sich germanische Stämme (Alemannen), doch fehlen frühalamannische Funde aus Dettingen, die weiter unten am Ermstal (Großbettlingen) und talaufwärts auf dem Runden Berg jedoch durchaus vorhanden sind. Erst ab der Merowingerzeit ist anhand von fünf Reihengräberfeldern im Süden, Norden und Westen des Ortes eine Besiedlung nachweisbar. Vermutlich gewann in nachrömischer Zeit der Albaufstieg erst im 6. Jahrhundert an Bedeutung.

Mittelalter und frühe Neuzeit

Die älteste bekannte Nennung des Ortsnamens findet sich im Bempflinger Vertrag von 1089 (Tetingin). 1265 kamen Grundherrschaft und eine Hälfte der Vogtei (Oberhoheit) zusammen mit der Grafschaft Urach an die Grafschaft Württemberg. Die andere Vogteihälfte kaufte Württemberg 1630 von den Herren von Spät. Seither gehörte Dettingen bis 1945 stets zu Württemberg und teilte dessen Schicksal. Innerhalb Württembergs gehörte Dettingen zum Amt Urach und bildete vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1738 mit Hülben und Glems das Unteramt Dettingen, dessen Rat und Gericht aus jeweils zwölf Dettinger Männern bestand.

Im Mittelalter bestand außerhalb des Dorfes die Siedlung Schneckenhofen (1360 Schneggenhofen), die später abging.

Zur Pfarrei Dettingen zählten auch Neuhausen, Glems, Güterstein, Hohenurach und Hülben. Die Pfarrkirche war sehr reich dotiert, Pankratius und Hippolyt von Rom geweiht und von 1482 bis 1516 ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben. 1534 wurde die Reformation eingeführt.

Während des Dreißigjährigen Krieges gehörte Dettingen von 1637 bis 1648 – mit Unterbrechungen – zur „Pfandschaft Achalm“, war damit vorderösterreichisch und wurde von Innsbruck aus regiert.[4]

Von der Königszeit bis zur Gegenwart

Dettingen blieb bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg weiterhin dem seit 1758 bestehenden Oberamt Urach zugeordnet.

Im Jahre 1871 betrug die Einwohnerzahl 2.850 und 1910 waren es 3.870.

Die Lage am Fluss und die 1873 eröffnete Ermstalbahn förderten eine frühzeitige Industrialisierung. Die Eisenbahn war zunächst eine Privatbahn, wurde aber 1904 von den Württembergischen Staatseisenbahnen übernommen. Die Papierfabrik zum Bruderhaus südlich des Ortes wurde 1860 gegründet. Weitere Industrieansiedlungen folgten, damit einher ging eine stetige Ausweitung der Wohngebiete.

Mit der Auflösung des Oberamts Urach während der NS-Zeit in Württemberg wurde Dettingen 1938 Teil des Landkreises Reutlingen.

1945 kam der Ort zur Französischen Besatzungszone und somit zum Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Außerhalb des Ortes am Talhang wurde 1961 die Siedlung Buchhalde gegründet.

1950 gab es 4.770 Einwohner, 1975 betrug die Zahl 7.640 und 1990 8.940 Einwohner. Zwischen 1871 und 1975 stieg somit die Einwohnerzahl um 168 %. Danach verlangsamte sich die Entwicklung. 1991 wurde die 9000 überschritten. Seitdem hat sich die Zahl im Prinzip auf etwas über 9000 stabilisiert. Zum 30. Juni 2010 wohnen gemäß dem Statistischen Landesamt 9.333 Personen im Ort.

Die Dettinger Markung erstreckt sich quer durch das Ermstal und umfasst 1582 Hektar. Von Ein- und Umgemeindungen ist nichts zu berichten, auch die Gemeindereform der 1970er Jahre brachte keine Änderungen. Dettingen gehört keiner Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft und keinem Gemeindeverwaltungsverband an.

1990 wurde die in den südlichen Talhang gebaute Umgehungsstraße der B 28 eröffnet.

Religionen


Eine Kirche ist für Dettingen bereits seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Wie in ganz Württemberg wurde auch in Dettingen 1534 die Reformation eingeführt, sodass die Gemeinde evangelisch-lutherisch wurde. Seit 1967 gibt es im Ortsteil Buchhalde eine weitere evangelische Kirche. Für die nach dem Zweiten Weltkrieg gestiegene Anzahl römisch-katholischer Gläubiger wurde inzwischen ebenfalls eine Gemeinde gegründet. Außerdem ist auch die Neuapostolische Kirche im Ort vertreten.

Die ansässige Evangelische Bruderschaft Kecharismai e. V., auch als Blumenbrüder bekannt, betreibt in Dettingen einen Gartenbaubetrieb, zwei Gartenanlagen und ein Altenwohnheim.

Politik


Gemeinderat

Der Gemeinderat in Dettingen hat 18 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019
 %
50
40
30
20
10
0
48,0 %
24,3 %
27,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
+1,0 %p
-3,8 %p
+2,9 %p
FW Freie Wählervereinigung 48,0 9 47,0 9
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,3 4 28,1 5
UL Unabhängige Liste 27,7 5 24,8 4
gesamt 100,0 18 100,0 18
Wahlbeteiligung 58,3 % 47,6 %

Bürgermeister

Am 7. März 2010 wurde Michael Hillert mit 60,37 % im ersten Wahlgang bei einer Wahlbeteiligung von 57,4 % für eine zweite Amtszeit als Bürgermeister wiedergewählt.

Wappen

Blasonierung: In Rot ein pfahlweis gestellter goldener Doppelhaken, begleitet oben links und unten rechts von je einem sechsstrahligen goldenen Stern. Der Doppelhaken wird im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Wolfsangel bezeichnet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Dettingen an der Erms liegt an der Schwäbischen Dichterstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen

Musik

Bauwerke

Parks

Sport

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur


Ansässige Unternehmen

In Dettingen gibt es über 500 Gewerbebetriebe, darunter den Automobilzulieferer ElringKlinger, der hier seinen Firmensitz hat. Mit rund 200 Beschäftigten zählt das auf die 1861 gegründete Dettinger Papiermühle zurückgehende Zweigwerk der Munksjö-Gruppe zu den größten Betrieben des Ortes.

Auch die kleine Fluggesellschaft Clipper Aviation hat ihren Sitz in Dettingen.

Verkehr

Die Bundesstraße 28 führt an der Gemeinde vorbei und verbindet sie im Westen mit Metzingen, Reutlingen und Tübingen und im Osten mit Ulm. Die Ermstalbahn der Erms-Neckar-Bahn AG führt von Bad Urach kommend durch die Gemeinde und bietet Anschluss an die Bahnlinie Tübingen – Stuttgart. Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich auf der Grenze der Waben 219 und 221.

Bildung

Mit der Schillerschule gibt es eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule im Ort. Ab dem Schuljahr 2013/2014 ist die Schillerschule eine Gemeinschaftsschule, die Werkrealschule wird deshalb aufgelöst. Außerdem gibt es mit der Uhlandschule noch eine reine Grundschule. Für die jüngsten Bewohner gibt es fünf evangelische Kindergärten.

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben

Literatur


Weblinks


 Commons: Dettingen an der Erms  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Johannes Baier, Günter Schweigert: Der Calverbühl bei Dettingen an der Erms. In: Fossilien 32 (6), S. 56–59, 2015.
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 27–28
  4. Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter. 49, 2010, S. 239–348.



Kategorien: Dettingen an der Erms | Gemeinde in Baden-Württemberg | Ort im Landkreis Reutlingen | Ort auf der Schwäbischen Alb | Ort an der Erms | Ersterwähnung 1089



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