Der Name der Rose


Der Name der Rose ist der erste Roman des italienischen Wissenschaftlers und Schriftstellers Umberto Eco. Eco gelang damit ein Welterfolg. Das Buch erschien 1980 im italienischen Original als Il nome della rosa und 1982 in der deutschen Übersetzung von Burkhart Kroeber.

Das mehrschichtige Werk, Epochenporträt, philosophisches Essay und der äußeren Form nach ein breit angelegter historischer Kriminalroman, der anno 1327 in einer italienischen Benediktinerabtei spielt, entwirft in der Substanz ein lebendiges Bild des späten Mittelalters mit seinen politischen, sozialen und religiösen Konflikten. Es ist zudem mit zahlreichen Anspielungen auf die Gegenwart, besonders auf das Italien der 1970er Jahre, durchsetzt. Mit seiner Nachschrift zum Namen der Rose versuchte Eco, auch den in Mediävistik, Semiotik oder postmoderner Kultur weniger bewanderten Lesern einen Zugang zu den tieferen Schichten des Buches zu eröffnen.

Der Roman wurde 1986 von Jean-Jacques Annaud unter dem Originaltitel Der Name der Rose mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmt.

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung


In einem Vorwort mit dem Titel Natürlich, eine alte Handschrift, datiert auf den 5. Januar 1980 (Ecos 48. Geburtstag), aber nicht mit Namen gezeichnet, wird die Geschichte als Nacherzählung einer verlorenen alten Handschrift ausgegeben. Diese Geschichte spielt vor dem historischen Hintergrund eines Streites zwischen dem Papst und dem Mönchsorden der Franziskaner, diese vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches protegiert, in einer reichen mittelalterlichen Benediktinerabtei, in der sich mysteriöse Todesfälle ereignen. Die Abtei liegt an den Hängen des Apennin („zwischen Lerici und La Turbie[1]) Der englische Franziskanerpater William von Baskerville, der in einer politischen Mission als Sondergesandter des Kaisers unterwegs ist, wird vom Abt der Benediktinerabtei gebeten, zu ermitteln. Ihm eröffnet sich bei seinen Untersuchungen eine Welt von Glaubensfehden, verbotener und verborgener Leidenschaften sowie krimineller Energien. Am Ende verbrennt mit dem geheim gehaltenen zweiten Buch der Poetik des Aristoteles, das von der Komödie handelt, die ganze Abtei mitsamt ihrer kostbaren Bibliothek.

Der Roman ist (analog zu den sieben Posaunen der biblischen Apokalypse) in sieben Tage unterteilt und voller philosophischer, theologischer, historischer, zeitgenössischer und literarischer Anspielungen und Zitate.

Handlung


Als Novize und Adlatus in der Obhut des Franziskaners William von Baskerville besucht der den Roman berichtende junge Adson von Melk Ende November 1327 – während der Zeit des Avignonesischen Papsttums – eine Benediktinerabtei im ligurischen Apennin. Dort sollen sich führende Köpfe des Franziskanerordens mit einer Gesandtschaft des Papstes Johannes XXII. treffen, um brisante theologische Fragen des Für und Wider der Vita apostolica, der Armut der Kirche, zu diskutieren und damit gleichzeitig Machtpositionen zwischen dem Apostolischen Stuhl, einigen Mönchsorden und dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches abzustecken.

Bevor es zu dem politisch-theologischen Treffen kommt, bittet der Abt des Klosters den für seinen Scharfsinn bekannten William (der früher einmal Inquisitor gewesen war, aber dieses Amt niedergelegt hatte), einen mysteriösen Todesfall aufzuklären, der sich unlängst im Kloster ereignete. Während Williams Arbeit an diesem Fall kommen innerhalb weniger Tage vier weitere Mönche auf ungeklärte Weise zu Tode.

Die Aufklärung dieser Todesfälle ist der erzählerische Hauptstrang des Romans, der mit etlichen Verzweigungen und Nebenlinien aufwartet, die ein komplexes und vielfarbiges Bild des mittelalterlichen Lebens auf allen sozialen Ebenen zeichnen und insbesondere den erzählenden Adson zu zahlreichen prägenden Erlebnissen und inneren Auseinandersetzungen mit theologischen, historischen und philosophischen Fragestellungen führen. Anhand des Ketzerführers Fra Dolcino und des Inquisitors Bernard Gui werden auch die Phänomene der Häresie und der Inquisition behandelt. Zudem entspinnt sich am Rande eine zarte Liebesgeschichte zwischen Adson und einem namenlosen Bauernmädchen, welches er während einer nächtlichen Verfolgungsjagd trifft, das ihn unversehens verführt und welches er vor der Inquisition des Bernard Gui retten will.

Die Spur führt William und Adson in die als nahezu unzugängliches Labyrinth angelegte Klosterbibliothek zu dem blinden Bibliothekar Jorge von Burgos. Dieser greise Mönch hütet dort einen besonderen Schatz, nämlich das womöglich einzige erhaltene Exemplar des „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem – nach der Tragödie im ersten Teil – die Komödie behandelt wird. Jorge hält die in diesem Buch vertretene positive Einstellung zur Freude und zum Lachen für derart gefährlich, dass er es mit einem Gift versehen hat und es lieber vernichten würde, als es in fremde Hände fallen zu lassen. Als der Versuch, nach den fünf Mönchen schließlich auch William durch das vergiftete Buch zu töten, scheitert, setzt Jorge die weitgerühmte Bibliothek in Brand. William und Adson können zwar aus der brennenden Bibliothek entkommen, jedoch ergreift das Feuer das gesamte Kloster und vernichtet es.

Am Ende hat William zwar den Fall gelöst, die Katastrophe jedoch nicht verhindern können. Resigniert stellt er fest: „Ich bin wie ein Besessener hinter einem Anschein von Ordnung hergelaufen, während ich doch hätte wissen müssen, dass es in der Welt keine Ordnung gibt.“ Ähnlich entmutigt beendet Adson seinen Bericht mit den Worten „Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus“ („Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen“), einem abgewandelten Zitat von Bernhard von Morlaix.

Entstehung


Eco begann im März 1978 zuerst ohne klare Vorstellung der Handlung. Der Grundgedanke war „einen Mönch zu vergiften“. Darüber schreibt er in seiner Nachschrift zum Namen der Rose: „Ich glaube, Romane entstehen aus solchen Ideenkeimen, der Rest ist Fruchtfleisch, das man nach und nach ansetzt.“ Die Hauptfigur sollte zunächst ein zeitgenössischer Mönchs-Detektiv sein, der Il manifesto liest. Um sich bei seinem Romandebüt nicht zu exponieren, beschloss er allerdings bald einen mittelalterlichen Mönch erzählen zu lassen und dem Roman eine fiktive Überlieferungsgeschichte zu geben, beginnend bei den Jugenderinnerungen des greisen Adson,[2] bis hin zu der eigenen eiligen Rohübersetzung eines nicht mehr greifbaren französischen Buches.[3]

„Ich setzte mich also hin und las (erneut) die mittelalterlichen Chronisten, um mir den Rhythmus und die Unschuld ihrer Erzählweise anzueignen. Sie sollten für mich sprechen, dann war ich frei von jedem Verdacht. Von jedem Verdacht, aber nicht vom Gewicht der Vergangenheit, von den Echos der Intertextualität. Denn nun entdeckte ich, was die Dichter seit jeher wußten (und schon so oft gesagt haben): Alle Bücher sprechen immer von anderen Büchern, und jede Geschichte erzählt eine längst schon erzählte Geschichte. Das wußte Homer, das wußte Ariost, zu schweigen von Rabelais und Cervantes. Ergo konnte meine Geschichte nur mit der wiedergefundenen Handschrift beginnen, und auch das wäre dann (natürlich) nur ein Zitat. So schrieb ich zuerst das Vorwort, in dem ich meine Erzählung, verpackt in drei andere Erzählungen, in den vierten Grad der Verpuppung setzte: Ich sage, daß Vallet sagte, daß Mabillon sagte, daß Adson sagte …[4]

Titel

Der Arbeitstitel lautete erst, wie Eco schreibt, Die Abtei des Verbrechens und danach, nach der Hauptfigur, Adson von Melk. Dieser zweite Titel sei jedoch vom Verlag abgelehnt worden. Der endgültige Titel bezieht sich auf den Satz, mit dem das Buch endet: Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus (Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen). Es handelt sich um eine Variation eines Hexameters aus Bernhard von Clunys (Bernhard von Morlaix') De contemptu mundi (Von der Verachtung der Welt), wo es über die Stadt Rom heißt: Stat Roma pristina nomine, nomina nuda tenemus[5] (Das alte Rom steht nur noch als Name, uns bleiben nur Namen). Eco meinte zu diesem versteckten Zitat: Der Name der Rose schicke den Leser in alle Richtungen – also in keine bestimmte. Wer wolle, könne auch an den Namen des Mädchens denken.[6]

Beachtenswert ist jedoch, dass die Rose wie auch der Name seit dem Mittelalter Zentralbegriffe im Universalienstreit waren, auch exakt in der Zusammenstellung Der Name der Rose als Beispiel für eine Verknüpfung von Begriff und Objekt[7], speziell auch bei Peter Abaelard. Der mittelalterliche Philosoph Abaelard benutzte das Beispiel, dass die "Rose", auch wenn es keine Rosen gibt, weiterbestehe, aber nur als Name, d. h. als Wortbedeutung in der Sprache, nicht als Realität.[8] Abaelards tragische Liebesbeziehung zu Heloisa findet sich wiederum in der bekannten Bebilderung einer mittelalterlichen Handschrift des Rosenromans (franz. Le Roman de la Rose), in welchem die Rose symbolisch für die geliebte Frau steht. Man kann annehmen, dass der Buchtitel auch auf diese Zusammenhänge anspielt, zumal Eco ein anerkannter Mediävist und profunder Kenner der mittelalterlichen Semiotik war. Seiner Nachschrift zum ›Namen der Rose‹ setzt er ein Gedicht der mexikanischen Lyrikerin Juana Inés de la Cruz voran, das zu deutsch etwa lautet „Rose, die rot auf dem Anger, stolz du dich spreizest, gebadet in Purpur und Karmesin: Prunke üppig und duftend. Doch nein, denn schön seiend, wirst du bald unglücklich sein“.

Figuren


Viele Figuren des Romans spielen auf historische Persönlichkeiten und literarische Gestalten an.

William von Baskerville

Der Franziskaner William von Baskerville ist eine der beiden fiktiven Hauptfiguren des Romans und betätigt sich als „Zeichendeuter und Spurensucher“. Sein Name „William“ und seine philosophisch-erkenntniskritische Grundhaltung verweisen auf den Scholastiker Wilhelm von Ockham; sein Herkunftsname „von Baskerville“ spielt auf Sir Hugo Baskerville, eine Figur in dem Detektivroman Der Hund von Baskerville (1901/1902) an, geschrieben von Arthur Conan Doyle. Doyles Figurenkonstellation (der Detektiv Sherlock Holmes und sein Gehilfe Dr. Watson), wurde genretypisch für Detektivgeschichten. Eco schuf mit William und seinem Gehilfen Adson eine solche Konstellation.

William wird im Buch als großgewachsen und schlank beschrieben, mit durchdringendem Blick und einer schmalen, leicht gebogenen Nase. Diese Personenbeschreibung ist ein fast wörtliches Zitat von Conan Doyles Beschreibung von Sherlock Holmes in seinem ersten Detektivroman A Study in Scarlet (dt. Eine Studie in Scharlachrot)[9]. Adson schätzt sein Alter auf 50 Jahre. Er ist einer der scharfsinnigsten Inquisitoren der damaligen Zeit.

Im Roman treten viele historisch belegte Persönlichkeiten als Nebenfiguren auf (beispielsweise der „Ketzer- und Hexenjäger“ Bernard Gui und der Politiker Michael von Cesena) oder werden erwähnt (wie etwa Ludwig der Bayer oder Thomas von Aquin). Eco lässt William wie eine reale historische Gestalt des Spätmittelalters erscheinen. Innerhalb des scholastischen Diskurses verkörpert William eine extrem nominalistische Position. Wie modern seine Denk- und Ausdrucksweise ist, wird an vielen Stellen des Romans angedeutet, so zum Beispiel, wenn er Ludwig Wittgenstein (in mittelhochdeutscher „Übersetzung“) zitiert (vorgreifender Anachronismus).

Adson von Melk

Der junge Benediktiner, benannt nach dem Benediktinerkloster Stift Melk, ist die zweite fiktive Hauptfigur des Romans. Er begleitet William von Baskerville als junger Gehilfe („Adlatus“) und dessen Schüler. Er nimmt als „Chronist“ des Romans zugleich die Rolle des Ich-Erzählers ein, der als greiser Mönch an der Schwelle des Todes „die denkwürdigen und entsetzlichen Ereignisse“ niederschreibt, „deren Zeuge zu werden mir in meiner Jugend einst widerfuhr“. Sein Name (im italienischen Original ist es die lateinische Form „Adso“ da Melk, die italienische Namensform wäre „Adsone“, „Azzo(ne)“) erinnert an Sherlock Holmes’ Freund und Gehilfen Dr. Watson und ist offenbar eine Anspielung auf den Namen Watson. Auch in vielen Dialogen finden sich deutliche Anspielungen auf Doyle („My dear Watson“ als häufiger Auftakt eines Holmes-Monologs wird bei Eco zu „Mein lieber Adson“). Ein weiterer Bezug wird im Roman durch eine Bemerkung von Jorge von Burgos nahegelegt, nämlich zu Adso von Montier-en-Der, dem Benediktinermönch und Verfasser des bekanntesten frühmittelalterlichen Traktats über den Antichristen.

Jorge von Burgos

Jorge von Burgos ist im Roman ein blinder Seher. Der Name Jorge von Burgos ist eine Anspielung auf den im Alter erblindeten argentinischen Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges, der wegen seiner immensen Belesenheit und der vielschichtigen Assoziationen und verblüffenden Pointen seiner Geschichten als literarisches Genie galt und wegen seiner surrealistischen Erzählweise oft als Vorläufer des Magischen Realismus betrachtet wird. Aufgrund seiner Unterstützung des Militärputsches vom März 1976 in Argentinien wurde Borges auch als Reaktionär angefeindet. Indem Jorge von Burgos das Lachen wegen seines aufklärerischen Potenzials ablehnt, erweist er sich ebenfalls als Reaktionär.

Borges’ fantastische Erzählung La biblioteca de Babel, die sich durch Intertextualität auszeichnet und als Parabel der europäischen Diktaturen der 1930/40er Jahre und der Verhältnisse in Argentinien unter Juan Perón gelesen werden kann, inspirierte Umberto Eco dazu, den Roman Der Name der Rose zu schreiben. Borges’ Erzählung El libro de arena („Das Sandbuch“), in welcher der Protagonist ein Buch mit scheinbar unendlich vielen, unendlich dünnen Seiten erwirbt, weist Parallelen zur Handlungsweise des Jorge in Ecos Roman auf: Der Ich-Erzähler entschließt sich in Borges’ Geschichte, das unheimliche Buch in der Nationalbibliothek unter anderen Büchern zu verstecken, da er nicht wagt, es zu vernichten, es aber auch nicht selbst aufbewahren möchte.

Weitere Figuren

Der deutschen Erstausgabe von 1982 war (in Absprache mit dem Autor) als Lesezeichen eine Art Theaterzettel beigegeben, der unter der Überschrift „Dramatis Personae“ folgende Angaben enthielt:

Literaturgeschichtliche Einordnung und Interpretationen


Der Name der Rose gilt als einer der bekanntesten Vertreter des postmodernen Romans. Typischerweise vereinen sich dabei mehrere literarische Genres in einem Text. So weist der Roman deutliche Merkmale des Kriminalromans sowie des Schauerromans auf und beinhaltet klare Anspielungen auf Werke von Edgar Allan Poe, Arthur Conan Doyle und Agatha Christie.[10]

Überdies steht er in der Tradition des historischen Romans. Dabei neigt er dazu, Geschichte nicht nur wiederzugeben, sondern das Problem der Geschichtsschreibung selbst zu thematisieren. Exemplarisch dafür sind die Mischung historischer und fiktionaler Figuren, Ecos starke Bezugnahmen auf historische und zeitgenössische Intertexte, die teilweise direkt in den Roman eingearbeitet werden, und das Auftreten vieler Anachronismen: So beschäftigt sich Der Name der Rose vor dem mittelalterlichen Hintergrund mit politischen und semiotischen Problemen, die typisch für die wissenschaftlichen Diskurse des 20. Jahrhunderts sind. Auch die Textualität selber, die Eigenschaften von Texten sowie ihres Verfassens und ihrer Rezeption, wird durchgängig thematisiert. In der Literaturwissenschaft wurde für Romane dieser Art der Begriff historiografische Metafiktion geprägt.[10][11] Ferner finden sich Elemente eines Liebesromans, nicht nur in Bezug auf Adson und das namenlose Bauernmädchen, sondern auch hinsichtlich der Frage, in welche Beziehungen und Passionen Menschen zu Gott, zur Erkenntnis und Interpretation von Wahrheit sowie zu irdischen Dingen treten können.

Eco selbst wies darauf hin, dass der Roman auch als Schlüsselroman gelesen werden kann, und gab an, ihn unter dem Einfluss der Aldo-Moro-Ermordung geschrieben zu haben. Nach dieser Lesart ließen sich verschiedene Gruppierungen des Romans mit politischen Gruppierungen im Italien der 1970er Jahre entschlüsseln. Verschiedene Kritiker identifizierten die Dolcinianer mit den Roten Brigaden, die Franziskaner mit den Kommunisten und die Benediktiner mit der Democrazia Cristiana. Trotz Ecos eigenem Hinweis ist eine solche Lesart jedoch umstritten, da sie teilweise als Überinterpretation empfunden wurde. Eco selbst gab an anderer Stelle der eigenen Erklärung widersprechend auch an, sich nicht um Fragen politischer Aktualität zu kümmern.[11]

Zahlreiche Merkmale teilt Der Name der Rose auch mit Trivialromanen. So sind die Hauptfiguren stark typisiert, es findet eine klare Trennung in gute und böse Figuren statt, zahlreiche Klischees und Stereotype werden aufgerufen. Dieses Vorgehen kann als Pastiche verstanden werden, und damit als bewusste Auseinandersetzung mit der Rolle von Trivialität in der Literatur. Dieses Stilmittel ist ebenfalls typisch für viele postmoderne Romane; Stereotype werden bewusst aufgerufen, um sie klar als Stereotype auszustellen und sie gerade dadurch zu hinterfragen.[10]

Rezeption


Der Roman Der Name der Rose war weltweit außergewöhnlich erfolgreich – allein bis 1989 wurden über acht Millionen Exemplare verkauft.[12] Mit der Veröffentlichung gingen umfangreiche Marketing- und Reklameaktionen sowie eine starke mediale Aufmerksamkeit einher. Das US-Magazin Newsweek zeigte Eco auf der Titelseite. Der Roman wurde nach seinem Erscheinen Gegenstand zahlreicher literaturwissenschaftlicher Arbeiten. Auch Historiker beschäftigten sich mit dem von Eco gezeichneten Bild des Mittelalters; insgesamt rief der Roman in breiteren Kreisen ein plötzliches Interesse an der Mittelalterforschung hervor.[13] Die ungewöhnlich starke Rezeption wurde auch selbst zum Gegenstand von Studien; so befragte das italienische Magazin Panorama 900 Probanden mit höherer Schulbildung und kam zu dem Ergebnis, dass nur 16 % der Leser des Romans zu Ecos Stammlesern gehörten, 40 % hingegen durch das Marketing und die mediale Berichterstattung aufmerksam geworden waren.[13]

Die französische Tageszeitung Le Monde reihte Der Name der Rose in ihrer Liste der 100 besten Bücher des 20. Jahrhunderts auf Platz 14.

Bearbeitung in anderen Medien


1986 verfilmte Jean-Jacques Annaud den Roman mit Sean Connery als William von Baskerville. Der Film erhielt gemischte Kritiken, war aber ebenfalls kommerziell sehr erfolgreich. Umberto Eco nannte die populäre Verfilmung ein „Palimpsest“, eine Folie, die den ursprünglichen Textinhalt nur noch erahnen lässt.[14]

Ganz anders die von Karl Karst auf den Weg gebrachte und hoch bewertete 6-stündige Hörspielproduktion, die 1986 von der Hörspielabteilung des BR in Koproduktion mit dem NDR und dem SWF (heutiger SWR) entstand. Die Ursendung erfolgte am 28., 29., 30. und 31. Dezember 1986 mit je 90 Minuten Sendezeit über Bayern 2. Zum Abschluss sendete der BR einen ausführlichen Epilog von Karl Karst mit Beiträgen des Eco-Übersetzers Burkhart Kroeber unter dem Titel Eco, Eco, Eco – Das Echo des Romans „Der Name der Rose“, in der auch die Buchrezeption zusammengefasst wurde.[15][16] 1995 kam die Produktion auf 4 MCs und 2005 auf 6 CDs beim Münchner Hörverlag heraus und wurde mehrfach neu aufgelegt.

2008 erschien bei Ravensburger ein gleichnamiges Brettspiel auf der Grundlage des Romans. Diese Bearbeitungen trugen weiter zum Verkaufserfolg bei, obwohl sie – mit Ausnahme der Hörspielumsetzung – den Stoff teilweise stark veränderten.[13]

2019 erschien eine achtteilige gleichnamige Fernsehserie, die unter der Regie von Giacomo Battiato in Italien produziert wurde.[17]

Am 9. August 2019 feierte die erste musikalische Umsetzung des Stoffes bei den Erfurter Domstufen-Festspielen Uraufführung. Die Musik stammt von Gisle Kverndokk, das Libretto von Øystein Wiik.[18]

Literatur


Ausgaben

Sekundär

Dissertationen

Hörbuch

Hörspiel

Weblinks


Commons: Der Name der Rose  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Nach Dante, Purgatorio 3,51: Tra Lerice e Turbìa la più diserta, la più rotta ruina (zwischen Lerci und Turbia, nun Trümmerstätte).
  2. Umberto Eco: Nachschrift zum Namen der Rose. (dt. von B. Kroeber, dtv 1986, 8. Auflage 1987) ISBN 3-423-10552-6 S. 21–28. Erstmals erschienen bei Hanser 1984.
  3. Umberto Eco: Der Name der Rose. dt. von Burkhart Kroeber, Hanser, München 1982; dtv, München 1986 (Natürlich, eine alte Handschrift)
  4. Umberto Eco: Nachschrift zum Namen der Rose. (dt. von B. Kroeber, dtv 1986, 8. Auflage 1987) ISBN 3-423-10552-6 S. 27 – 28. Erstmals erschienen bei Hanser 1984.
  5. De contemptu mundi, Liber primus, Zeile 952 Wikisource
  6. Umberto Eco: Nachschrift zum Namen der Rose. (dt. von B. Kroeber, dtv 1986, 8. Auflage 1987) ISBN 3-423-10552-6 Kapitel: Titel und Sinn, S. 9 – 14. Erstmals erschienen bei Hanser 1984.
  7. Vgl. die Anspielung auf diese philosophische Diskussion in William Shakespeare: Romeo and Juliet, Akt 2, Szene 2, in der Julia sagt: „What’s in a name? that which we call a rose / By any other name would smell as sweet“.
  8. William J. Hoye: Vorlesung über Umberto Ecos Der Name der Rose – ein Roman über Gott und die Wahrheit: online
  9. Chapter II . Abgerufen 16. Januar 2012.
  10. a b c Dieter Mersch: Umberto Eco zur Einführung, Junius: Hamburg (1993), S. 14ff.
  11. a b Klaus Ickert/Ursula Schick: Das Geheimnis der Rose entschlüsselt, Heyne: München (1986), S. 76ff.
  12. Rudolf Radler (Hrsg.), Kindlers Neues Literatur Lexikon, München (1989), Band 5, S. 22
  13. a b c Alfred Heit: Einleitung, in: ders. (Hrsg.): Ecos Rosenroman – ein Kolloquium, DTV: München (1987), S. 12
  14. Erste und letzte Erklärung. Abgerufen am 21. Mai 2021.
  15. Karl Karst, Eco, Eco, Eco – Das Echo des Romans „Der Name der Rose“ . ARD Hörspieldatenbank: https://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1375906&vi=17&SID
  16. Eco, Eco, Eco - das Echo des Romans 'Der Name der Rose' - Eine Spurencollage mit zeitgenössischen Stimmen u. mittelalterlicher Musik. Abgerufen am 21. Mai 2021.
  17. Timo Niemeier: TMG verkauft Serie "Der Name der Rose" an Sky. 9. April 2018, abgerufen am 18. April 2019.
  18. Der Name der Rose – Theater Erfurt. Abgerufen am 16. August 2019.









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Stand der Informationen: 07.06.2021 10:39:36 CEST

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