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Das Kapital



Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, eines der Hauptwerke von Karl Marx, ist eine Analyse und Kritik der kapitalistischen Gesellschaft mit weitreichenden Wirkungen in der Arbeiterbewegung und der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Karl Marx' persönliche Ausgabe des „Kapitals“ (Erster Band) mit seinen handschriftlichen Anmerkungen wurde auf gemeinsamen Vorschlag der Niederlande und Deutschland im Juni 2013 von der UNESCO in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen. Die Schrift wird im Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam aufbewahrt.[1]

Nach Jahrzehnten ökonomischer Studien und diversen Vorarbeiten (vor allem die Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Zur Kritik der politischen Ökonomie und die Theorien über den Mehrwert) erschien 1867 der erste Band: Der Produktionsprozess des Kapitals. Friedrich Engels stellte nach Marx’ Tod (1883) aus dessen Manuskripten zwei weitere Bände zusammen. 1885 veröffentlichte er Band 2: Der Zirkulationsprozess des Kapitals. 1894 folgte Band 3: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungs- und Redaktionsgeschichte


Die drei Bände des Kapital, wie sie heute in den MEW-Bänden 23 bis 25 und in den meisten Übersetzungen vorliegen, wurden in unterschiedlichem Maße von Marx selbst und vor allem von Engels redigiert und bearbeitet.[2] Sie erschienen zu Lebzeiten von Marx und Engels in teilweise überarbeiteten Auflagen. Marx’ persönliche Ausgabe des ersten Bandes wurde in das Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen.[3]

Band 1

Der erste Band[4] des Kapital erschien Mitte September 1867 beim Hamburger Verleger Otto Meissner in einer Startauflage von 1000 Exemplaren (Bekanntgabe des Erscheinens im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 14. September 1867[5]) auf der Grundlage der Ökonomischen Manuskripte (1863–65).[6] Zwischen Dezember 1871 und Januar 1872 verfasste er Ergänzungen und Veränderungen zum ersten Band des Kapital[7], welche Überarbeitungen und Kommentare zum ersten Kapitel der Erstauflage enthielten – vor allem grundsätzliche Überlegungen zur Werttheorie. Im Jahr 1872/73 erschien der erste Band in zweiter Auflage.[8] Zu erheblichen Veränderungen kam es vor allem im ersten Kapitel über die Ware.

Marx arbeitete fünf Jahre lang an einer französischen Ausgabe des ersten Bandes; diese Übersetzertätigkeit regte ihn an, den Stoff in Teilen zu überarbeiten und neu zu überdenken. Vor allem den Abschnitt über die „Akkumulation“ ergänzte er. Die französische Ausgabe erschien 1872–1875, zunächst in einzelnen Lieferungen, 1875 dann als Buch.[9]

Nach Marx’ Tod (1883) brachte Engels den ersten Band auf der Grundlage der zweiten Auflage mit einem Teil der Veränderungen der französischen Ausgabe in dritter Auflage heraus.[10] In die vierte Auflage[11] (1890) flossen weitere Teile der französischen Ausgabe ein.

2017 brachte Thomas Kuczynski eine neue Textausgabe auf der Grundlage bisher nicht bearbeiteter Hinweise von Marx heraus. Dies betrifft vor allem den Vergleich der deutschen mit der französischen Ausgabe.[12][13]

Band 2 und 3

Im Jahre 1885 veröffentlichte Engels den zweiten Band des Kapital,[14] in dem er verschiedene Manuskripte Marx’ zusammengestellt hatte, die dieser in den 1860er- und 1870er-Jahren geschrieben hatte.[15] Gedruckt wurde das Buch bei der Druckerei Reusch in Leipzig, wobei dem Verleger Otto Meissner das handschriftliche Manuskript von Engels Sekretär Oscar Eisengarten als Druckvorlage diente.[16]

1894 folgte der dritte Band,[17] der als Grundlage nur ein Manuskript von Marx aus den Jahren 1864/65[18] beinhaltete und mit zahlreichen Umformulierungen und Umstellungen von Engels versehen war.

Bewertung der Überarbeitungen

Während im traditionellen Marxismus von der „Vervollkommnungsthese“ ausgegangen wurde, wonach die späteren Versionen als stetige Verbesserungen der früheren anzusehen seien, geht die „Neue Marx-Lektüre“ von einer „Popularisierungsthese“ aus, wonach die späteren Auflagen in der Regel Popularisierungen und damit auch Vereinfachungen zu früheren Auflagen darstellen.[19]

Inhaltlicher Überblick


Grundsätzliche Thesen

Im Kapital geht es nicht um „Gesellschaft schlechthin“ oder um „'das' menschliche Wirtschaften“, vielmehr wird eine ganz besondere Gesellschaftsform und eine ganz besondere Form des Wirtschaftens analysiert: Die Kritik der Politischen Ökonomie – so der Untertitel des Werkes – steht für die grundsätzliche Kritik sowohl der kapitalistischen Produktionsweise im 19. Jahrhundert als auch der durchgesetzten bürgerlichen Theorie derselben (Wirtschaftswissenschaften, besonders Volkswirtschaftslehre) zur Zeit von Marx.

Marx' Kritik legt dar, dass es sich bei Gesellschaften mit kapitalistischer Produktionsweise um Klassengesellschaften handle, in denen sich das Privateigentum an den Produktionsmitteln durch die Indienstnahme von Lohnarbeit vermehre. So akkumuliere sich der Reichtum in Form von Kapital, während seine Produzenten dauerhaft von ihm ausgeschlossen seien: Beteiligt am Reichtum seien laut Marx die Arbeiter nur insoweit, als die Benutzung ihrer Arbeitskraft ihre Entlohnung notwendig mache.

Zweitens richtet sich das Kapital gegen die politische Herrschaft, die ihre Gewalt ganz in den Dienst des Kapitals stelle und die Abhängigkeit der arbeitenden Klasse vom Privateigentum rechtlich absichere.

Marx behauptet, dass dies von Menschen gemachte Verhältnisse seien. Dennoch wirkten sie hinter dem Rücken der Gesellschaftsmitglieder, erschienen ihnen als den Dingen innewohnende Sachnotwendigkeiten; ihr Charakter als 'Verhältnisse von Personen' sei verschleiert. Marx bezeichnet diesen Umstand in Analogie zu religiösen Einbildungen als Warenfetisch.

Band 1: Der Produktionsprozess des Kapitals

Band 2: Der Zirkulationsprozess des Kapitals

Im ersten Band war Gegenstand, wie der Mehrwert im einzelnen industriellen Kapital produziert wird. Dieser muss aber noch im Austausch – in der Zirkulationssphärerealisiert werden. Dadurch ergeben sich verschiedene Phasen, in denen das Kapital sich befinden muss: die Produktions- und die Zirkulationssphase. In der zweiten Phase beziehen sich verschiedene Einzelkapitale aufeinander; die Form dieser Verhältnisse sind Gegenstand des zweiten Bandes des Kapital. Die Untersuchung dieser Verhältnisse führt zu der Frage, wie unter der Forderung beständiger Akkumulation von Mehrwert die Reproduktion der Gesellschaft verläuft.

Band 3: Der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion

Hier beschreibt Marx:

Im 48. Kapitel Die trinitarische Formel hat Engels als Herausgeber mehrere Fragmente zusammengestellt, in denen Marx einige der wichtigsten Aspekte des gesamten Kapitals zusammenfasst. U. a. werden in kurzer Form die Stufen der Verschleierung der Ausbeutung der Arbeiter durch das Kapital beschrieben.

Ausgaben


Erstausgaben

In Werk- bzw. Gesamtausgaben

Trivia


Im Juni 2016 wurde in London eine Erstausgabe des ersten Bandes von 1867 mit einer Widmung an Johann Georg Eccarius mit einem Schätzpreis von £ 80 000 bis £ 120 000 ins Auktionsrennen geschickt. Der Zuschlag ging an einen „europäischen Sammler“, wie es beim Versteigerer Bonhams heißt – für £ 218 500, das entspricht fast € 250 000.[21] Dieses Widmungsexemplar wird jetzt für 1,5 Millionen Euro angeboten.[22]

Literatur


Einführungen und Bearbeitungen

Übersetzungen, Verbreitung

Kommentare, Einzelaspekte

Wirkungsgeschichte

Promotionen

Comic

Weblinks


Online-Ausgaben
Zusammenfassungen
Kommentar
Rezeption

Einzelnachweise


  1. Schriften von Karl Marx. Abgerufen am 3. April 2018 (deutsch).
  2. Zum Folgenden vgl. Michael Heinrich: Wie das Marxsche Kapital lesen? (2008), S. 248–253; und Rolf Hecker: Die Entstehungs-, Überlieferungs- und Editionsgeschichte der ökonomischen Manuskripte und des “Kapital”. In: Altvater/Hecker/Heinrich/Schaper-Rinkel: KAPITAL.DOC - Das Kapital (Bd. 1) von Marx in Schaubildern mit Kommentaren, S. 219–240 (online )
  3. Schriften von Karl Marx: "Das Manifest der Kommunistischen Partei" (1848) und "Das Kapital", erster Band (1867)
  4. MEGA. Abteilung II. Band 5
  5. Eike Kopf: Wann erschien der erste Band des „Kapitals“ von Karl Marx tatsächlich? In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung 3, Berlin 1978, S. 81–92.
  6. MEGA Abteilung II Band 4.1 und Band 4.2
  7. MEGA II/6, S. 1–54
  8. MEGA Abteilung II. Band 6, S. 56–719.
  9. MEGA Abteilung II. Band 7
  10. 1883, MEGA Abteilung II. Band 8
  11. Marx-Engels-Werke Band 23; MEGA Abteilung II Band 10
  12. Karl Marx. Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, erster Band Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals, neue Textausgabe mit USB-Card, bearbeitet und herausgegeben von Thomas Kuczynski. VSA-Verlag, Hamburg 2017. ISBN 978-3-89965-777-7.
  13. siehe auch Georg Fülberth: Was bleibt und was kommt , neues deutschland, 12. November 2019 (Link kostenpflichtig)
  14. MEW 24, MEGA II/12
  15. MEGA II/11
  16. Wolfgang Schröder: Der Drucker des Kapitals: Guido Albert Reusche und seine Firma in Leipzig. In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Argument Verlag, 2004, ISSN 0232-8577 , S. 185 ff.
  17. MEW 25, MEGA II/15
  18. MEGA II/4.2
  19. Vgl. Michael Heinrich: Wie das Marxsche Kapital lesen? (2008), S. 249
  20. Werner Blumenberg: Karl Marx, Reinbek 1962, S. 143.
  21. Tom Strohschneider: Was das Kapital kostet , Neues Deutschland vom 29. April 2017
  22. Hugo Wetscherek: Noch immer viel zu billig! Warum kostet ein altes Buch 1,5 Millionen Euro? Ein Blick in den Markt und ein Plädoyer für denselben. In: Rita Müller, Mario Bäumer (Hrsg.): Das Kapital. Verlag der Stiftung Historische Museen Hamburg, Hamburg 2017Rita Müller, Mario Bäumer (Hrsg.): Das Kapital. Verlag der Stiftung Historische Museen Hamburg, Hamburg 2017, S. 130 f.
  23. Faksimile Edition mit den handschriftlichen Verrmerken von Karl Marx.
  24. Vollständige Neuausgabe. Westfälisches Dampfboot, Münster 2015. ISBN 978-3-89691-952-6
  25. „Engels gave a brilliant summary of Capital in an article which appeared in 1868 in the Leipzig Demokratisches Wochenblatt.“ Louis Althusser, Preface to Capital Volume One , 1969.



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