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Dan Diner

Dan Diner (* 20. Mai 1946 in München) ist ein deutscher Historiker und politischer Schriftsteller. Er ist emeritierter Professor für Moderne Geschichte an der Hebräischen Universität, Jerusalem und ehemaliger Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für Jüdische Geschichte und Kultur und Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig.[1] Diner ist ordentliches Mitglied der philologisch-historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Dan Diner wurde als Kind polnisch-litauischer displaced persons in der amerikanischen Besatzungszone geboren. Seinen Eltern gelang die Einwanderung nach Israel, woraus die Familie Mitte der 1950er Jahre schließlich in die Bundesrepublik Deutschland emigrierte.[2] Diner absolvierte die Realschule und nahm anschließend eine Lehre als Feinmechaniker auf, danach besuchte er den Aufbauzweig des Ulrich von Hutten-Gymnasiums in Schlüchtern (mit Schülerheim Hof Reith, früher: Knaben-Rettungs- und Erziehungsanstalt), er war Schulsprecher und stellvertretender Landesschulsprecher[3]. Diner studierte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main Rechts- und Sozialwissenschaften. Dort wurde er 1973 in Völkerrecht promoviert. 1980 erfolgte die Habilitation. Von 1983 bis 1985 lehrte er moderne arabische Geschichte an der Universität Odense, Dänemark; 1985 wurde er auf den Lehrstuhl für außereuropäische Geschichte an der Universität Essen berufen. Seit 1988 war er zudem Professor für europäische Geschichte an der Universität Tel Aviv und leitete von 1994 bis 1999 deren Institut für deutsche Geschichte.[4]

Von 1999 bis 2014 war Dan Diner Direktor des Simon-Dubnow-Instituts (seit 2018: Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow)[5] sowie Professor am Historischen Seminar der Universität Leipzig. An der Hebräischen Universität Jerusalem nimmt er seit 2001 eine Professur für Moderne Geschichte wahr. An der Sächsischen Akademie der Wissenschaften leitet er das Projekt „Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen“ in dessen Rahmen die siebenbändige „Enzyklopädie Jüdischer Geschichte und Kultur“ gefertigt wurde sowie eine Editionsreihe vornehmlich zur jüdischen Politik-, Rechts-, Institutionen- und Diplomatiegeschichte erarbeitet und publiziert wird. Seit 2014 steht er an der Hebräischen Universität Jerusalem einem European Research Council (ERC)-Advanced Grant JudgingHistories - Experience, Judgement and Representation of World War II in an Age of Globalization vor.

2006 wurde Dan Diner mit dem Ernst-Bloch-Preis der Stadt Ludwigshafen am Rhein zur Würdigung einer „Stimme des Verstehens und der Vernunft“ ausgezeichnet[6], im Jahre 2007 mit dem italienischen Capalbio Preis. Im akademischen Jahr 2004/2005 war er Member des Institute for Advanced Study, Princeton. Er war Gastprofessor an verschiedenen Universitäten und Forschungseinrichtungen des In- und Auslands und ist Mitglied in wissenschaftlichen Gremien. 2013 wurde er mit dem Leipziger Wissenschaftspreis ausgezeichnet. 2015 wurde er von der Ludwig-Börne-Stiftung zum Preisrichter des Ludwig-Börne-Preises 2015 bestimmt.[7] Im selben Jahr verlieh ihm der Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften der Freien Universität Berlin die Ehrendoktorwürde. Zudem wurde er 2015 mit dem mitteldeutschen Wirtschafts- und Kommunikationspreis „Heiße Kartoffel“ ausgezeichnet.[8]

Wirken


In seinem Werk verknüpft Dan Diner thematisch Stränge europäischer Geschichte mit denen des Nahen und Mittleren Ostens sowie jüdischer Geschichte in universalhistorischer Absicht. Dabei sucht er räumliche wie kulturelle Unterscheidungen mittels einer peripherial angelegten Perspektive erkenntnistheoretisch zu überschreiten.

Bekannt ist sein Werk zudem für methodische Fragen des Verhältnisses von Geschichte und Gedächtnis, vor allem die Zeit des Nationalsozialismus betreffend. So geht auf ihn die Prägung des epistemischen Konzepts vom „Zivilisationsbruch“ zurück.

Derzeit gelten seine Forschungen zwei wesentlichen Themenstellungen: Der Konzeptualisierung einer jüdischen Geschichte der Moderne sowie einer globalen Gedächtnisgeschichte des Zweiten Weltkrieges. Der Komplex der jüdischen Geschichte ist der Forschungsagenda des Leipziger Simon-Dubnow-Instituts hervorgegangen und findet seine Umsetzung im von der Union der Akademien geförderten und an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig angesiedelten Projekt „Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen“[9]. Im Rahmen des ERC-Projektes JudgingHistories - Experience, Judgement and Representation of World War II in an Age of Globalization wird unter seiner Leitung als Principal Investigator die Universalisierungsbefähigung historischer Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg untersucht, indem es vor allem darum geht kontinentale und koloniale Gewalterfahrungen miteinander abzugleichen. Historisches Verstehen und moralisches Urteilen werden vor dem Hintergrund einer sich globalisierenden Gedächtniskultur abgebildet.

Publikationen


Herausgeberschaften

Mitherausgeberschaften

Essays

Interviews

Festschrift für Diner


Weblinks


Commons: Dan Diner  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. Von Denkfiguren und Erinnerungsorten: Die Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur vorgestellt. Vortragsankündigung auf der Webseite der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf vom 11. Juli 2017, abgerufen am 7. März 2018.
  2. Klaus Pokatzky im Gespräch mit Dan Diner, Deutschlandfunk Kultur, 29. August 2018.
  3. Schon kleine Länder lösen einen Sturm aus – Professor Dr. Dan Diner zu Gast im Ulrich-von-Hutten-Gymnasium in Schlüchtern, in: Gelnhäuser Neue Zeitung (GNZ), 24. Juli 2015, S. 29.
  4. Biografie-Dokufilm über Dan Diner (3sat).
  5. Überblick: Simon-Dubnow-Institut. Abgerufen am 6. August 2018.
  6. Ernst Bloch Zentrum, Bloch-Preis 2006 (Memento vom 10. September 2011 im Internet Archive)
  7. Dan Diner vergibt Ludwig-Börne-Preis , in: Jüdische Allgemeine, abgerufen am 3. Februar 2015.
  8. Dan Diner, Preisträger 2015 .
  9. Europäische Traditionen – Enzyklopädie jüdischer Kulturen – Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig .
  10. So löste Adenauer den israelischen Bann , Rezension von Richard Herzinger vom 7. März 2015 auf Welt Online.
  11. Rezension: Schonungslose Reflexion. , in: DeutschlandRadio Kultur, 18. Juli 2010.
  12. Rezensionen: Norbert Frei, in: Die Welt, 28. Juni 2003 ; Willi Jasper in in: Die Zeit, Nr. 28, 3. Juli 2003 .
  13. Rezension in: FAZ, 23. Juni 1999.



Kategorien: Historiker (Judentum) | Hochschullehrer (Hebräische Universität Jerusalem) | Hochschullehrer (Universität Leipzig) | Hochschullehrer (Universität Tel Aviv) | Hochschullehrer (Universität Duisburg-Essen, Campus Essen) | Hochschullehrer (Syddansk Universitet) | Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften | Mitglied des Sozialistischen Büros | Autor | Emigrant | Israeli | Deutscher | Geboren 1946 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Dan Diner (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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Stand der Informationen: 02.03.2020 07:30:05 CET - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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