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Commons-based Peer Production


Commons-based Peer Production (CBPP, deutsch: „Allmendefertigung durch Gleichberechtigte“) ist ein Vorschlag von Yochai Benkler, Professor an der Harvard Law School, zur Erweiterung der Neuen Institutionenökonomik. Demnach können weder die gängigen Theorien der neoklassischen Volkswirtschaftslehre, die auf dem Annahmen-Modell des Homo oeconomicus als rational und eigennützig handelndem Individuum basieren, noch Ansätze wie die Neue Institutionenökonomik erklären, weshalb Phänomene wie Open-Source-Softwareentwicklung oder Wikipedia überhaupt möglich sind.

Benkler bezieht sich mit seiner Commons-based Peer Production speziell auf die Informationsökonomik und begreift diese ausdrücklich als Erweiterung, nicht als Ersatz für die etablierten Theorien. Ähnlich wie in den Theorien des deutschen Wirtschaftswissenschaftlers Axel Ockenfels werden dabei neben monetärem Entgelt auch soziopsychologische und hedonistische „Belohnungen“ einbezogen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung des Begriffs


In Coase's Penguin, or Linux and the Nature of the Firm beschreibt Benkler Peer Production als grundlegendes Phänomen der vernetzten Wissensökonomie.[1] In The Wealth of Networks geht er außerdem auf die sozialen und politischen Implikationen ein.[2]

Konzept


CBPP ist eine neue Art der Wertschöpfung und Werte-Verteilung. Durch eine Infrastruktur zwischen Nutzern (Peer-to-Peer), insbesondere über das Internet, wird es Einzelnen ermöglicht miteinander zu kommunizieren, sich selbst zu organisieren und letztlich in gemeinsamer Arbeit und ohne Konkurrenzkampf Gebrauchswert in Form von digitalen Commons von Wissen, Software und Design zu schaffen. Zusammengefasst basiert CBPP auf offenen Beiträgen, einem partizipativen Prozess der Aufgabenverteilung und Commons als Arbeitsergebnis.[3]

Eigenschaften von CBPP

Verschiedene Fähigkeiten und Motivationen

Im Gegensatz zur Wertschöpfung im Industriekapitalismus ist die Wertschöpfung im Rahmen von CBPP offen für jeden, der die Fähigkeiten besitzt, zu einem gemeinsamen Projekt beizutragen, sodass das Wissen aller Teilnehmer gebündelt wird. Da CBPP Projekte offene Systeme sind, innerhalb derer Wissen frei ge- und verteilt werden kann, können sowohl Nutzer mitwirken, die keine Vergütung erhalten, als auch solche, die vergütet werden. Abseits von monetärer Motivation tragen Teilnehmer bei weil sie es für sinnvoll und nützlich erachten. Sowohl für die Gemeinschaft als auch für einfache Nutzer liegt der Fokus auf dem Gebrauchswert und nicht dem Tauschwert.[3]

Transparente Heterarchie

Innerhalb von CBPP ist die Zusammenarbeit nicht durch Hierarchien eines Unternehmens gesteuert, sondern durch gegenseitige Koordinationsmechanismen der produktiven Gemeinschaft. Da CBPP auf einem transparenten und offenem System zur Zusammenarbeit beruht, kann jeder Teilnehmer die Signale der Arbeit anderer sehen und sich somit auf die Bedürfnisse des Systems als Ganzes einstellen. Oftmals basiert CBPP auf Zusammenarbeit in Form von Stigmergie, welche kollektive und dezentrale Aktionen ermöglicht indem soziale Aushandlungsprozesse durch Internet-gestützte Technologien unterstützt werden.

Des Weiteren besitzen CBPP Projekte eine Art Qualitätskontrolle in Form einer gütigen Hierarchie oder Heterarchie. Teilnehmer in einer Rolle als “Erhalter” oder “Autoren” beschützen die Integrität des Systems und können Beiträge ablehnen, die diese gefährden. Wichtig ist an dieser Stelle, dass sie nicht die Arbeit anderer erzwingen.[3]

Ökosystem der Wertschöpfung

CBPP ermöglicht eine neue Form der Wertschöpfung, welche durch ein (im Vergleich zum Industriekapitalismus) anderes Ökosystem gekennzeichnet ist. Im Umfeld von geteilten Commons in Form von Wissen, Computercode und Design finden sich drei Institutionen: die produktive Gemeinschaft, das Commons-orientierte unternehmerische Bündnis und die nutzenorientierte Gesellschaft.

Beispiele


Beispiele finden sich unter anderem in einer Vielzahl von free and open source software (freie Software mit veröffentlichten Quellcode) Projekten oder Open-Source-Hardware Gemeinschaften.[3]

Siehe auch


Literatur


Monographien

Beiträge in Sammelbänden

Fachzeitschriften

Weblinks


Weitere Quellen

Einzelnachweise


  1. Y. Benkler: Coase's Penguin, or, Linux and the Nature of the Firm. 2005.
  2. Y. Benkler: The wealth of networks. 2006.
  3. a b c d e Michel Bauwens, Vasilis Kostakis, Alex Pazaitis: Peer to Peer. University of Westminster Press, 2019, ISBN 978-1-911534-79-2, doi:10.16997/book33 (uwestminsterpress.co.uk [abgerufen am 4. Januar 2020]).








Kategorien: Neue Institutionenökonomik | Software als Thema | Freies Wissen | Kollektive Autorschaft








Stand der Informationen: 22.11.2020 10:02:45 CET

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