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Colmar

Colmar
Wappen von Colmar
Region Grand Est
Département Haut-Rhin (Präfektur)
Arrondissement Colmar-Ribeauvillé
Kanton Colmar-1 (Hauptort)
Colmar-2 (Hauptort)
Gemeindeverband Colmar Agglomération
Koordinaten 48° 5′ N, 7° 21′ O Koordinaten: 48° 5′ N, 7° 21′ O
Höhe 175–214 m
Fläche 66,57 km2
Einwohner 69.899 (1. Januar 2016)
Bevölkerungsdichte 1.050 Einw./km2
Postleitzahl 68000
INSEE-Code
Website http://www.ville-colmar.fr

Altstadt

Colmar (elsässisch Colmer [kolmər], deutsch auch Kolmar) ist nach Straßburg und Mülhausen die drittgrößte Stadt im Elsass und Hauptstadt des Départements Haut-Rhin in der Region Grand Est (Frankreich). Zum 1. Januar 2016 zählte sie 69.899 Einwohner[1] sowie 120.367 im Großraum.[2]

Colmar liegt an der Elsässer Weinstraße und bezeichnet sich gern als Hauptstadt der elsässischen Weine. Die Stadt ist berühmt für ihr gut erhaltenes architektonisches Erbe aus sechs Jahrhunderten und für ihre Museen, darunter das Unterlinden-Museum mit dem Isenheimer Altar.

Colmar ist die Geburtsstadt berühmter Künstler wie Martin Schongauer, Frédéric-Auguste Bartholdi, Ernst Stadler und Jean-Jacques Waltz.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Colmar liegt am Westrand der Oberrheinischen Tiefebene etwa auf halbem Weg zwischen Basel (60 km entfernt) und Straßburg (65 km entfernt). Im Südosten wird der Ort in einem Rechtsbogen von der Lauch durchflossen, die unweit östlich in die Ill mündet. Die Bewässerung der Altstadt erfolgt seit dem 18. Jahrhundert auch durch den Canal du Logelbach, der bei Turckheim Wasser aus der Fecht nach Colmar ableitet.

Politik


Die Stadt ist Sitz der Präfektur des Départements Haut-Rhin und außerdem Sitz des höchsten elsässischen Gerichts (Cour d’appel de Colmar, 1871 bis 1918 Oberlandesgericht Colmar). Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Colmar-Ribeauvillé. Colmar ist Hauptort (frz.: chef-lieu) der Kantone Colmar-1 und Colmar-2 sowie Sitz des Gemeindeverbandes Colmar Agglomération.

Wappen

Blasonierung: „Gespalten von Rot und Grün, belegt mit einem linksschrägen goldenen Streitkolben mit fünfzackigem Stern.“

Geschichte


Colmar (lateinisch: Columbaria) wurde als Königsgut unter dem Namen Columbarium (Fiscum) („Taubenhaus“, auch Kolumbarium) im Jahr 823 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts – wahrscheinlich nach 1214 – wurde der Ort Colmar auf Veranlassung des Landvogts Albinus Wölfel (oder Wölfelin) mit einer Ringmauer umgeben, die 1220 fertiggestellt war. 1226 wurde Colmar durch eine Urkunde des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II. zur Stadt erhoben und Freie Reichsstadt.[3][4]

Der Rat der Stadt übergab 1360 die Macht an die Berufskorporationen. Im 14. Jahrhundert trat Colmar dem Zehnstädtebund bei. Seit 1564 bestand in Colmar wie in anderen Städten am Oberrhein eine bekannte Meistersinger-Schule. Josel von Rosheim führte 1548 einen Prozess für die Juden der Stadt Colmar vor dem Reichskammergericht wegen des seiner Ansicht nach unzulässigen Marktverbotes der Stadt für sie.

Am 15. Mai 1575 wurde in der Franziskanerkirche in Colmar (heute Église protestante Saint-Matthieu) der erste lutherische Gottesdienst abgehalten.[5] Trotz der geographischen Nähe zu wichtigen Zentren der protestantischen Bewegung wie Straßburg, Basel und Schlettstadt hatten die Colmarer Protestanten erst nach einem halben Jahrhundert zähen Ringens die Genehmigung ihrer liturgischen Bräuche durch die Stadtverwaltung durchsetzen können.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Colmar 1632 von schwedischen Truppen belagert und eingenommen.

Truppen des französischen Königs Ludwigs XIV. besetzten Colmar im Jahr 1673. Mit dem Frieden von Nimwegen 1679 wurde Colmar Frankreich zugeschlagen und Sitz der „Allgewaltigen Ratsversammlung der Provinz Elsass“. Colmar wurde 1791 Sitz der Verwaltung des Departements Haut-Rhin. Im 19. Jahrhundert besaß Colmar eine leistungsfähige Textilindustrie.

Nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) wurde Colmar Teil des neugebildeten Reichslandes Elsass-Lothringen im Kaiserreich, die Stadt wurde Hauptstadt des Bezirks Oberelsass und Sitz eines eigenen Oberlandesgerichtes. 1902 wurde in der Stadt der Betrieb der Straßenbahn eröffnet, die 1960 stillgelegt wurde.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde Colmar 1918–1919 zusammen mit dem übrigen Elsass wieder ein Teil von Frankreich. In der folgenden Zeit war die Stadt, Heimat und Hauptwirkungsstätte des deutschfeindlichen Zeichners Hansi, Austragungsort zweier Konfrontationen im Rahmen der schwierigen Wiedereingliederung des Elsass in das zentralistische und assimilatorische Frankreich. Am 22. August 1926 kam es zu den als Blutiger Sonntag von Colmar bekannten Übergriffen französischer Nationalisten auf eine von der Präfektur erlaubte Versammlung elsässischer Autonomisten, bei denen Gendarmen die Angreifer unterstützten und Autonomisten verhafteten. 1928 war die Stadt Schauplatz des Komplott-Prozesses von Colmar, eines politisch bestimmten Verfahrens gegen einige „Heimatrechtler“ und „Muttersprachler“ (u. a. Karl Roos, Joseph Rossé, Eugène Ricklin, Robert Ernst), welche teils die graduellen Errungenschaften regionaler Selbstbestimmung aus der deutschen Zeit (1911) zu behalten suchten, teils für die Wiederangliederung an das Reich kämpften und von Frankreich als Separatisten betrachtet wurden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Colmar 1940 nach der Niederlage Frankreichs als Teil des Reichsgaus Baden-Elsass de facto dem Großdeutschen Reich angeschlossen. Ab 1942 wurden die Männer von Colmar in die Wehrmacht eingezogen. Am 2. Februar 1945 wurde die Stadt nach erbitterten Kämpfen in der Kesselschlacht von Kolmar (Poche de Colmar), der letzten großen Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf französischem Territorium, durch die Westalliierten befreit und gehört seitdem wieder zu Frankreich.[6]

Mit der Gründung der Weinmesse Foire aux vins und des Musikfestivals Festival international de Colmar erhielt Colmar 1947 beziehungsweise 1980 zwei der international bekanntesten alljährlichen Veranstaltungen des Elsass.

Colmar wird seit 1947 ununterbrochen von Bürgermeistern aus dem konservativen Lager regiert. 1945–1947 hatte Édouard Richard von der sozialdemokratischen SFIO wieder den Posten übernommen, den er bereits 1935–1940 innehatte. Seine Nachfolger Joseph Rey (MRP, 1947–1977), Edmond Gerrer (UDF, 1977–1995) und Gilbert Meyer (UMP, seit 1995) gehör(t)en jedoch allesamt christlich-demokratisch geprägten Parteien an.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1793 1821 1841 1861 1875 1890 1910 1931 1946 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2014
Einwohner 13.000 14.300 19.908 22.629 23.990 30.399 43.808 46.518 46.124 52.355 59.550 64.771 62.483 63.498 65.118 66.560 68.784
Quelle: Cassini und INSEE

Kolmarer Liederhandschrift

Die Kolmarer Liederhandschrift enthält etwa 950 Liedertexte auf 107 Melodien von verschiedenen Künstlern der Sangspruchdichtung und des Meistergesangs. Sie entstand vermutlich um 1460 in Mainz oder Speyer; 1546 erwarb Jörg Wickram den Codex in Schlettstadt und gründete im selben Jahr eine Meistersingergesellschaft in Colmar. Die Handschrift verschwand in den Wirren eines Bürgerkriegs, wurde kurzzeitig 1789 wiedergefunden, galt aber wieder als verschollen, bis sie 1857 in einem Basler Buchantiquariat gefunden und im selben Jahr von der Königlichen Hof- und Staatsbibliothek in München erworben wurde. Dort wird sie unter dem Siegel Cgm-4997 verwahrt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Kirchen und Kapellen

Die Hauptkirche der Stadt ist das gotische Martinsmünster mit seinem 71 Meter hohen Turm.
→ Hauptartikel: Martinsmünster Colmar
In der im 13. Jahrhundert entstandenen Dominikanerkirche befindet sich das Gemälde Madonna im Rosenhag von Martin Schongauer aus dem Jahr 1473 sowie im Chor die größte erhaltene Sammlung von mittelalterlichen Bleiglasfenstern der Stadt (14. Jahrhundert).
→ Hauptartikel: Dominikanerkirche Colmar
→ Hauptartikel: Die Schongauer-Madonna
Die ebenfalls großzügig dimensionierte ehemalige Franziskanerkirche, die heutige protestantische Kirche Saint-Matthieu, besitzt innen einen für den Oberrhein seltenen Lettner, eine bemalte Holzflachdecke, eine Orgel von Andreas Silbermann sowie Fenster von Peter Hemmel von Andlau.

Bauwerke

In Colmar befinden sich zahlreiche bedeutende Bürgerhäuser aus dem Mittelalter und der Renaissance, die der Altstadt über die Jahrhunderte ihren Charakter erhalten haben.

Das 1480 errichtete und im 16. Jahrhundert erweiterte Koïfhus, elsässisch für Kaufhaus (französisch Ancienne Douane), beherbergte die ehemalige Zollstation. Im Erdgeschoss wurden die Waren gelagert und im darüber liegenden Raum im ersten Stock versammelten sich die Abgesandten des Zehnstädtebunds. Der Nordflügel ist ein Anbau aus dem 16. Jahrhundert. Im Wohnhaus links wurde 1771 Jean Rapp, der spätere General Napoleons, geboren.

Prachtvolle Beispiele sind auch das 1537 für einen reichen Hutmacher erbaute Pfisterhaus (Maison Pfister) sowie das Kopfhaus (Maison des Têtes) im Renaissance-Stil von 1609, dessen Fassade mit mehr als 100 Köpfen verziert ist. Heute im Besitz der Winzergenossenschaft, beherbergt es u. a. ein Restaurant.

Weitere Gebäude aus dieser Zeit sind die ehemalige Wache (Ancien Corps de garde) und das Haus der Ritter des Johanniterordens (Maison des Chevaliers de St. Jean), die beide in einem von der italienischen Renaissance angeregten Stil gestaltet wurden. Die ehemalige Zunftstube der Ackerleute (Poêle des Laboureurs) von 1626 trägt bereits erste Züge von Barockarchitektur.

Bedeutende Bauwerke des Klassizismus sind das Gerichtsgebäude (Tribunal) in der Grand Rue (nicht zu verwechseln mit dem repräsentativen wilhelminischen Oberlandesgericht Cour d’Appel in der Avenue Poincaré) und das ehemalige Spital (Ancien Hôpital).

Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das am Fluss Lauch liegende Viertel Krutenau, elsässisch für „Kräuter-Aue“, das auf Französisch Petite Venise („Klein-Venedig“) genannt wird, das sehr schöne Häuser und Brücken beherbergt. Das Viertel grenzt an das ehemalige Gerberviertel (Quartier des Tanneurs), das ein ebenso einheitliches, wenn auch schlichteres Bild als die Innenstadt aufweist.

In der Nähe der Krutenau liegt das Fischerufer (Quai de la Poissonnerie), das zu den meistfotografierten Motiven der Stadt zählt.

Nachbauten in Malaysia

Das Bukit Tinggi Resort Colmartropicale Bentong ist eine Kopie der Colmarer Altstadt in Malaysia, eine Autostunde oder 60 km nordöstlich von Kuala Lumpur, 3° 24′ 2,8″ N, 101° 50′ 21″ O . Ein Stück nördlich davon steht in den Berjaya Hills eine Nachbildung der Hohkönigsburg, in der ein Bio-Luxushotel betrieben wird, 3° 24′ 15″ N, 101° 50′ 21″ O .[7]

Museen

Sport

Größter und landesweit bekanntester Sportverein der Stadt ist der 1920 gegründete Sports Réunis, der im Fußball sowohl schon in der höchsten französischen als auch der damals obersten deutschen Liga vertreten war. Die erste Mannschaft von SRC trägt ihre Heimspiele im Colmar Stadium aus.

Musik

Alljährlich seit 1980 findet im Sommer das Colmarer internationale Festival klassischer Musik (Festival international de musique classique de Colmar) statt. Erster künstlerischer Leiter war 1980–1989 der deutsche Dirigent Karl Münchinger. Seit 1989 untersteht das Festival der künstlerischen Leitung des russischen Violinisten und Dirigenten Wladimir Spiwakow.

Von 1837 bis 1854 war der deutsche Musiker Martin Vogt Chorleiter und Organist im Martinsmünster. Laut Konzertorganist Gerd Hofstadt war Vogt damals der meistverlegte Komponist von Kirchenmusik im Elsass und in der Nordschweiz.

Wirtschaft und Infrastruktur


Colmar ist der europäische oder französische Sitz mehrerer bedeutender Unternehmen, z. B. des US-amerikanischen Konzerns Timken und der Unternehmen Liebherr und Leitz. Daneben stellt der Tourismus eine weitere wichtige Einnahmequelle der Gemeinde dar. Colmar liegt am Rande des Regionalen Naturparks Ballons des Vosges, mit dem es assoziiert ist.

Durch den Flughafen Colmar ist die Stadt an den Luftverkehr angeschlossen. Daneben existierte 20 km südlich der Stadt bis 2010 der Militärflugplatz Colmar-Meyenheim.

Colmar ist ein wichtiger Knotenbahnhof an der Bahnstrecke Strasbourg–Basel, da hier die Strecke nach Metzeral und die Strecke nach Neuf-Brisach beginnen.

Bildung


Colmar teilt sich die Universität des Oberelsass (Université de Haute-Alsace) mit dem benachbarten, größeren Mülhausen. Von den insgesamt circa 8.000 Studenten der UHA folgen etwa 1.500 eine Ausbildung am Institut universitaire de technologie (IUT) von Colmar, an der Colmarer Zweigstelle der Faculté des Sciences et Techniques sowie an der Unité de Formation et de Recherche Pluridisciplinaire d’Enseignement Professionnalisé Supérieur (UFR P.E.P.S.).

Städtepartnerschaften


Diese Städte haben gleichzeitig auch untereinander Partnerschaften geschlossen:

Weitere Partnerschaften bestehen mit

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

In Colmar haben gewirkt

Literatur


Ältere Darstellungen (Auswahl)

Weblinks


 Commons: Colmar  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Colmar – Quellen und Volltexte
 Wikivoyage: Colmar – Reiseführer

Einzelnachweise


  1. Commune: Colmar (68066) (Memento des Originals vom 5. Mai 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., recensement.insee.fr
  2. Aire urbaine 1999: Colmar (067)  (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven i Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., recensement.insee.fr
  3. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 615–633, online.
  4. Ernst Theodor Gaupp: Deutsche Stadtrechte des Mittelalters, mit rechtsgeschichtlichen Erläuterungen. Erster Band: Die Stadtrechte von Straßburg, Hagenau, Molsheim, Colmar, Annweiler, Winterthur, Landshut in Bayern, Regensburg, Nürnberg, Eger, Eisenach, Altenburg. Breslau 1851, S. 112–122, online.
  5. „Die Einführung der Reformation“ , www.ot-colmar.fr
  6. vgl. jedoch kleinere Schlachten im Rahmen der Operation Undertone noch ab 15. März 1945 im Nord-Elsass und in Lothringen
  7. Schloss-Double : China hat jetzt ein Schlosshotel Neuschwanstein - WELT. Abgerufen am 22. Februar 2017.
  8. Architektur. Musée Unterlinden, abgerufen am 15. Oktober 2016.
  9. Bibliothèque centrale de Colmar (Memento des Originals vom 20. Juli 2011 im Webarchiv archive.today) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Peter Schenk: Eine neue Heimat für uralte Drucke. In: www.limmattalerzeitung.ch. 21. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.



Kategorien: Gemeinde im Département Haut-Rhin | Colmar | Stadt in Frankreich | Reichsstadt | Ort in Grand Est | Präfektur in Frankreich | Ersterwähnung 823 | Träger des Croix de guerre 1914–1918 (Ort in Frankreich)



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