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Chojna




Chojna
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Gryfino
Gmina: Chojna
Fläche: 12,00 km²
Geographische Lage: 52° 58′ N, 14° 25′ O
Höhe: 19 m n.p.m.
Einwohner: 7375
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 74-500
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZGR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 26: Krajnik Dolny ↔ Renice
DK 31: StettinSłubice
DW 124: Osinów Dolny ↔ Chojna
Schienenweg: PKP-Linie 273: Stettin–Breslau
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 45 Ortschaften
22 Schulzenämter
Fläche: 332,89 km²
Einwohner: 13.727
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3206033
Verwaltung (Stand: 2013)
Bürgermeister: Adam Fedorowicz
Adresse: ul. Jagiellońska 4
74-500 Chojna
Webpräsenz: www.chojna.pl



Chojna [ˈxɔɪ̯na] (deutsch Königsberg in der Neumark) ist eine Kleinstadt und Sitz der Gmina Chojna im Powiat Gryfiński der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage


Die Stadt liegt in der Neumark, etwa 60 km südlich von Stettin. Zwanzig Kilometer südwestlich von Königsberg in der Neumark liegt an der deutsch-polnischen Grenze, die hier durch die Oder gebildet wird, der Ort Hohenwutzen; die Entfernung nach Schwedt/Oder im Nordwesten beträgt etwa 18 Kilometer.

Geschichte


10. bis 12. Jahrhundert

Vom 10. bis 12. Jahrhundert existierte hier eine frühslawische Burg, vermutlich mit einem Markt. Verkehrsgünstig gelegen entwickelte sich der wechselweise zu den großpolnischen Fürstentümern oder den pommerschen Piastenherzogtümern gehörende Ort schnell. Nach 1200 soll dem Ort durch Herzog Barnim I. das Magdeburger Stadtrecht verliehen worden sein.

Brandenburgische Zeit

Der Name „Konigesberge“ wurde 1244 zum ersten Mal erwähnt. Um 1255 soll der böhmische König Ottokar II. zusammen mit Markgraf Otto von Brandenburg, seinem Marschall, und einem großen Heer aus Elbing in die Region gekommen sein.[2] Nach Überlassung der „terra Konigesberge“ 1267 durch die Bischöfe von Brandenburg an die Markgrafen von Brandenburg erhielt die Stadt Konigesberge die Marktrechte und die Gerichtsbarkeit, sie wurde zeitweise Hauptort der Neumark. Die Pfarrkirche St. Marien wurde bereits 1282 erwähnt. 1290 wurde ein Augustiner-Kloster gestiftet. Von 1310 bis 1329 erlebte die Stadt durch den Getreidehandel einen wirtschaftlichen Aufschwung, ihr wurden die Marktprivilegien verliehen, und 1320 erfolgte der Bau des Rathauses. Von den Bürgermeistern und Ratsmitgliedern, die im 14. und 15. Jahrhundert in der Stadt gedient haben, sind seit 1312 viele namentlich bekannt.[3]

Die Waren wurden über die Flüsse Röhricke und Oder verschifft. Im 13. und 14. Jahrhundert erhielt Königsberg in der Neumark eine Stadtmauer mit drei Stadttoren (Schwedter Tor, Bernikower Tor und das im 19. Jahrhundert abgerissene Vierradener Tor) und mehreren Wehrtürmen. Während der Zeit der Großen Pest (1347–1350) soll Markgraf Ludwig von Brandenburg seinem Statthalter den Auftrag erteilt haben, sämtliche Juden von Königsberg in der Neumark zu verbrennen, und der Statthalter soll den Vollzug des Pogroms bestätigt haben.[4]

Von 1402 bis 1454 gehörte Königsberg in der Neumark zum Ordensstaat des deutschen Ritterordens, danach wieder zu Brandenburg. Ebenfalls in dieser Zeit wurde anstelle einer Feldsteinkirche die St.-Marien-Kirche und etwa um 1410 ein neues Rathaus erbaut. Beide Bauwerke gehören zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik in der Neumark.

Beim Einfall der Hussiten 1433 hielt die Stadt einer kurzen Belagerung stand. Im 15. Jahrhundert erlebte sie eine neue wirtschaftliche Blüte. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde sie dreimal von der Pest heimgesucht, der jeweils ein großer Teil der Bevölkerung zum Opfer fiel.

In der Stadt befanden sich im Mittelalter eine Reihe von Kirchen: Die Marienkirche, St. Nicolai, die Augustiner-Klosterkirche und die Hospitalkirchen zum Heiligen Geist, St. Georg und St. Gertrud. Die Reformation wurde von 1539 bis 1553 schrittweise eingeführt, das Kloster aufgelöst. In den Gebäuden waren ab 1536 ein Spital und eine Schule untergebracht, die Klosterkirche (Dreifaltigkeitskirche) wurde als Lagerhaus genutzt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsberg in der Neumark von Wallensteins und Gustav Adolfs Truppen besetzt, die Stadt im Laufe des Krieges zu 52 Prozent zerstört. Der Turm der St.-Marien-Kirche brannte 1682 durch Blitzschlag nieder und wurde bis 1692 wieder aufgebaut. 1714 wurde eine neue barocke Kanzel und 1734 die große Wagner-Orgel eingebaut.

Seit 1700 erfolgte eine wirtschaftliche Belebung, 1759, im Siebenjährigen Krieg, wurde die Stadt Sitz der neumärkischen Regierung. 1767 wurden das Schwedter und das Bernikower Tor teilweise abgebrochen und die Steine zum Bau einer Kaserne am Kloster verwandt. Königsbergs Haupterwerbszweig war der Ackerbau, daneben gab es Baumwollwebereien, die aber ihren Niedergang um 1840 in der Industrialisierung fanden. Seit 1809 war Königsberg in der Neumark Sitz der Kreisverwaltung. Seit 1820 setzte ein starker Verfall der ehemaligen Klostergebäude ein. 1877 wurde die Stadt an die Bahnstrecke Breslau–Stettin der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn angeschlossen und blühte auf. Sie war neben der Peitschenriemenindustrie für einen weiten Umkreis Schul- und Verwaltungsstadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte Königsberg in der Neumark eine evangelische gotische Kirche aus dem 13. Jahrhundert, eine Synagoge, ein ehemaliges Augustinerkloster aus dem 14. Jahrhundert, ein gotisches Rathaus, ein Gymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine landwirtschaftliche und gärtnerische Lehranstalt mit Wiesenbauschule und war Sitz eines Amtsgerichts.[5]

Im Jahr 1939 richtete die deutsche Luftwaffe vor den Toren der Stadt den Fliegerhorst Königsberg-Neumark ein.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt bei den Kämpfen im Januar 1945 von der Front überrollt. Am 2. Februar 1945 wurde der Bürgermeister von Königsberg in der Neumark, Kurt Flöter, der die Stadt ohne Räumungsbefehl verlassen hatte, in Schwedt a./Oder von einem SS-Standgericht unter Vorsitz des SS-Führers Otto Skorzeny zum Tode durch Erhängen verurteilt. Die Rote Armee, die Königsberg am 4. Februar 1945 nahezu kampflos besetzt hatte, brannte am 16. Februar die gesamte Innenstadt mit der Marienkirche und dem Rathaus nieder. Königsberg war zu 75 Prozent zerstört.[6]

Seit 1945

Bald nach Kriegsende wurde die Stadt zusammen mit östlichen Teilen des Reichsgebiets von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Bereits im Juni 1945 begann danach der Zuzug polnischer Zivilisten, die zum Teil aus von Polen nach dem Ersten Weltkrieg östlich der Curzon-Linie eroberten Gebieten kamen. Damit einher ging die „wilde“ Vertreibung der grenznahen Bevölkerung aus der Neumark.[7] Königsberg wurde zunächst in Władysławsko umbenannt.[8][9] Durch Verordnung des Ministers für Nationale Verteidigung vom 21. August 1945 wurde die Stadt erneut umbenannt: in Królewiec bzw. Królewiec nad Odrą.[10] Der Zusatz nad Odrą wurde offenbar hinzugefügt, um Verwechslungen mit der Stadt Königsberg (Preußen), die auf Polnisch Królewiec heißt, zu verhindern. Aus gleichem Grunde könnte auch die Umbenennung zum 7. Mai 1946 per Gesetz in Chojna nad Odrą erfolgt sein.[11]

Das alte, bis auf die Grundmauern zerstörte Rathaus wurde von 1977 bis 1986 als Kulturzentrum, Stadtbibliothek und Gaststätte wieder aufgebaut. Ebenso erfolgte der Wiederaufbau des Klosters. Zurzeit wird der Marktplatz neu bebaut.

Seit 1994 wird die kriegszerstörte St.-Marien-Kirche als europäisches Projekt in deutsch-polnischer Zusammenarbeit wiederaufgebaut.

Nach dem Tod Johannes Pauls II. wurde neben der Marienkirche sein Denkmal eingeweiht.[12]

Demographie

Anzahl Einwohner
Jahr Einwohner Anmerkungen
1719 1371 [13]
1750 2210 [14]
1801 3249 Zivilisten und 746 vom Militär, davon 195 Juden[14]
1850 5292 und sieben vom Militär, davon 30 Katholiken und 117 Juden[15]
1867 6102 am 3. Dezember[16]
1871 5336 am 1. Dezember, davon 5134 Evangelische, 84 Katholiken und 117 Juden[16]
1875 6350 [17]
1880 6568 [17]
1890 5864 davon 84 Katholiken und 122 Juden[17]
1900 5932 meist Evangelische[5]
1933 6276 [17]
1939 6756 [17]
2011 7378

Ortsteile


Die Gmina Chojna umfasst als Landgemeinde zahlreiche weitere Orte.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben

Städtepartnerschaften


Die Stadt ist Mitglied der europäischen Städtevereinigung Douzelage.

Literatur


Weblinks


Commons: Chojna  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Augustin Kehrberg: Erläuterter historisch-chronologischer Abriss der Stadt Königsberg in der Neumark. Berlin 1724, S. 4 .
  3. Augustin Kehrberg: Erläuterter historisch-chronologischer Abriss der Stadt Königsberg in der Neumark. Berlin 1724, S. 62 ff. .
  4. Heinrich Graetz: Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Band 7, Leipzig 1897, S. 346–347 (Zeno.org ).
  5. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig/Wien 1907, S. 385–389 (online ).
  6. Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark. Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 33.
  7. Allgemein zur vollständigen Vertreibung der Einwohner der historischen Neumark siehe Paweł Rutkowski (Hrsg.): Streifzüge zwischen Oder und Drage. Begegnung mit der Neumark. Deutsches Kulturforum, Potsdam 2012, ISBN 978-3-936168-44-0, S. 14f. Zum Beginn der Vertreibung in den grenznahen Gebieten noch vor der Potsdamer Konferenz siehe Detlef Brandes (Hrsg.): Lexikon der Vertreibungen. Deportation, Zwangsaussiedlung und ethnische Säuberung im Europa des 20. Jahrhunderts. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2010, ISBN 978-3-205-78407-4, S. 726–728
  8. http://www.gazeta.chojna.com.pl/gazeta.php?numer=05-22&temat=3
  9. Archivlink (Memento des Originals vom 23. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WDU19450330196
  11. http://isap.sejm.gov.pl/DetailsServlet?id=WMP19460440085
  12. http://www.panoramio.com/photo/18002908
  13. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 387.
  14. a b Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, S. 98.
  15. Berghaus (1856), S. 387 und S. 391.
  16. a b Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg, Berlin 1873, S. 118–119, Nr. 3 (online ).
  17. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. koenigsberg_n.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  18. Barnkowo, Bernickow GOV
  19. http://www.marienkirche-chojna.de/marienkirche_geschichte.html








Kategorien: Gmina in der Woiwodschaft Westpommern | Chojna | Ersterwähnung 1244








Stand der Informationen: 02.07.2020 09:48:20 CEST

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