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Bytom



Dieser Artikel beschreibt die oberschlesische Großstadt Bytom (Beuthen); die gleichnamige niederschlesische Stadt Beuthen an der Oder steht unter Bytom Odrzański.
Bytom

(Wappenbeschreibung)
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Schlesien
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 69,32 km²
Geographische Lage: 50° 21′ N, 18° 55′ O
Einwohner: 165.975
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 41-900 bis 41-936
Telefonvorwahl: (+48) 32
Kfz-Kennzeichen: SY
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Breslau/OpoleKrakau
Schienenweg: Chorzów–Tarnowskie Góry
Bytom–Gliwice
Nächster int. Flughafen: Katowice
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 69,32 km²
Einwohner: 165.975
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 2394 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2462011
Verwaltung (Stand: 2015)
Stadtpräsident: Mariusz Wołosz
Adresse: ul. Parkowa 2
41-902 Bytom
Webpräsenz: www.bytom.pl



Bytom [ˈbɨtɔm] (deutsch Beuthen O.S., früher selten auch Oberbeuthen, schlesisch Aeberbeuthn oder Beuthn, schlonsakisch Bytůń) ist eine kreisfreie Großstadt in der Woiwodschaft Schlesien im südlichen Teil Polens, rund 320 km südwestlich der Landeshauptstadt Warschau und rund 85 km nordwestlich von Krakau. Vorherrschende Industrie war traditionell der Steinkohlebergbau im Oberschlesischen Kohlerevier, einem der größten Steinkohlevorkommen in Mitteleuropa, den Strukturwandel überstand jedoch nur die Carsten-Zentrum-Grube.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Gründung

Ein Burgwall (gród) entstand unter Bolesław I. Der Ort wurde 1136 als Bithom erstmals erwähnt, kurz vor dem polnischen Partikularismus. Im Jahr 1177 oder 1179 wurde der Ort wie auch Oświęcim aus der Krakauer Seniorenprovinz (Kleinpolen) herausgelöst und dem oberschlesischen Herzogtum Oppeln zugeschlagen. Die vorherige Grenze zwischen Schlesien und Kleinpolen wurde trotz der anderen politischen Grenze zum großen Teil zwischen den entsprechenden Bistümern beibehalten — Bytom blieb lange im Bistum Krakau. Ab 1254 besitzt der Ort deutsches Stadtrecht. Durch Aufteilung des Herzogtums Oppeln wurde die Stadt 1281 Sitz des Herzogtums Beuthen. Dessen Herzog Kasimir II. unterstellte 1289 als erster schlesischer Herzog sein Herzogtum als ein Lehen der Krone Böhmens, die 1526 an die Habsburger gelangte. Seit 1450 wurde die Stadt auch Beuthen genannt.

Im Königreich Preußen 1742 bis 1918

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Beuthen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1816 wurde der Landkreis Beuthen errichtet. Durch Industrialisierung und Bergbau (Steinkohle-, Zink- und Bleierzvorkommen in der Umgebung) erlebte die Stadt im 19. Jahrhundert einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Am 1. April 1890 wurde Beuthen zum Stadtkreis erhoben. 1894 wurde die erste Straßenbahnlinie, 1898 der Zoo (geschlossen 1957), 1899 die Stadtbibliothek eröffnet.

1919 bis 1945

In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 votierten 59,4 Prozent der Oberschlesier für Deutschland und 40,6 Prozent für Polen. Abweichend von den Bestimmungen des Versailler Vertrages wurde die Region zwischen beiden Staaten geteilt. Der gesamte Verlauf vom Kriegsende bis zur Teilung war von drei polnischen Aufständen begleitet. Beuthen, dessen Einwohner zu 75 % für die weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Reich gestimmt hatten, verblieb bei Deutschland, wurde jedoch zur Grenzstadt zum nun polnischen Ostoberschlesien.[2]

In der Stadt befand sich eine am 2. Juli 1869 eröffnete Synagoge. Sie wurde während der Reichspogromnacht am 9./10. November 1938 niedergebrannt. Die jüdische Gemeinde Beuthens gehörte zu den ersten Opfern des Holocausts und wurde vollständig ausgelöscht. Eine Gedenktafel am ehemaligen Standort der Synagoge erinnert heute an die zahlreichen Opfer. Am 15. Februar 1942 wird eine Gruppe Juden von hier ins Hauptlager Auschwitz deportiert und sofort ermordet. Damit beginnt der Massenmord an Juden in diesem deutschen Konzentrationslager im besetzen Polen.[3]

Seit 1945 Bytom

Am 27. Januar 1945 wurde Beuthen von der Roten Armee besetzt und unter polnische Verwaltung gestellt. Das Beuthener Rathaus wurde zerstört. Deutsche Bewohner wurden nach Kriegsende im Zuge der Bierut-Dekrete aus der Stadt vertrieben. In der seither „Bytom“ genannten Stadt lebt jedoch auch heute noch eine große Anzahl von Menschen deutscher Herkunft.

Der Abbau großer Kohlevorkommen unter der Stadt wurde zur Zeit der Volksrepublik Polen rücksichtslos vorangetrieben. Die Folgen dieses Bergbaus stellen heute das größte Problem Bytoms dar. Im gesamten Stadtgebiet kann es zum plötzlichen Absacken des Bodens und der darauf befindlichen Gebäude kommen. Derartige Ereignisse sind schwer vorhersehbar, zumal die gefährdeten Gebiete und der exzessive Kohlebergbau mangelhaft dokumentiert sind. Aufgrund der daraus resultierenden schlechten Investitionssicherheit fließen heute nur sehr wenige Investitionen nach Bytom und die Zahl der Erwerbslosen ist mit rund 30 % dementsprechend hoch. Die Bausubstanz in der gesamten Stadt ist weitgehend verfallen, und durch das Absacken des Bodens stehen viele Gebäude schief.

Manche Gebäude sind bereits renoviert. Im Stadtzentrum sind die Bahnhofsstraße (Dworcowa) und der Markt (Rynek) verkehrsfrei. Ein großes neues Einkaufszentrum wurde im Stadtzentrum errichtet.

Oberbürgermeister und Stadtpräsidenten

Seit 1882 führt das Beuthener Stadtoberhaupt die Bezeichnung Oberbürgermeister. Die wachsenden Aufgaben der Stadtverwaltung hatten damals eine zweite Bürgermeisterstelle erforderlich gemacht. Der amtierende Bürgermeister Georg Brüning wurde Beuthens erster Oberbürgermeister.[4]

Oberbürgermeister Lebensdaten Amtszeit Partei
Georg Brüning * 12. August 1851; † 17. Dezember 1932 1882–1919
Alfred Stephan * 18. Oktober 1884; † 20. September 1924 1919–1924 ZENTRUM
Hubert Leeber 1924–1925
Adolf Knakrick * 29. August 1886; † 20. November 1959 1925–1933
Oskar Wackerzapp (kommissarisch) * 12. März 1883; † 8. August 1965 1933
Walther Schmieding 1933–1945 NSDAP

Nach dem Ende des Sozialismus wurden folgende Stadtpräsidenten in Bytom frei gewählt:

Stadtpräsident Amtszeit
Janusz Paczocha 1990–1994
Józef Korpak 1994–1996
Marek Kińczyk 1996–1998
Krzysztof Wójcik 1998–2006
Piotr Koj 2006–2012
Halina Bieda (Zwangsverwaltung) 2012
Damian Bartyla 2012–

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner
1755 1.040
1795 1.558
1840 4.079
1871 15.711
1880 22.811
1885 26.484
1890 36.905
1905 60.273
Jahr Einwohner
1910 67.718
1919 53.238
1925 62.543
1933 100.584
1939 101.084
2004 189.535
2014 172.762[5]

Stadtgliederung


  • Bobrek
  • Górniki (Friedrichswille)
  • Karb (Karf)
  • Łagiewniki (Hohenlinde)
  • Miechowice (Miechowitz, 1936–1945: Mechtal)
  • Rozbark (Roßberg)
  • Stolarzowice (Stollarzowitz, 1936–1945: Stillersfeld)
  • Stroszek (Strossek)
  • Sucha Góra (Trockenberg)
  • Szombierki (Schomberg)
  • Śródmieście (Innenstadt)

Sehenswürdigkeiten


Bildung


Bereits seit 1906 gab es ein katholisches Lehrerseminar. In Beuthen eröffnete der preußische Kultusminister Adolf Grimme am 5. Mai 1930 die Pädagogische Akademie Beuthen zur Volkschullehrerausbildung für katholische Studierende unter Hans Abmeier. Sie wie die andere katholisch ausgerichtete Pädagogische Akademie Bonn für Frauen und Männer offen, womit der katholische Lehrerinnenverband allerdings nicht einverstanden war. Zuständig war der Bischof von Osnabrück Wilhelm Berning.[6] Die Ausbildungseinrichtung bestand in der Zeit des Nationalsozialismus weiter als Oberschlesische Hochschule für Lehrerbildung.[7] 1934 musste Abmeier gehen wie auch andere profilierte Katholiken, so der Psychologe Alfred Petzelt. Josef Klövekorn vertrat die Musik und war gleichzeitig ein bedeutender Chorleiter bis 1945. Alfons Perlick vertrat die Heimatkunde und gab später ein verbreitetes Heimatbuch über Beuthen heraus. Matthias Brinkmann lehrte die Biologie durchaus konform mit der Rassenlehre. Er unterrichtete auch weiter als stellvertretender Leiter ab 1941 in der Lehrerbildungsanstalt Beuthen, die bis 1945 bestand.

Sport


Sport vor 1945

Der erfolgreiche Beuthener Verein war der 1909 gegründete Beuthen 09. Er spielte in der obersten deutschen Fußballliga, der Gauliga Schlesien bzw. ab dem Jahre 1941 in der Gauliga Oberschlesien und nahm sechsmal an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil.

Sport nach 1945

Dann gibt es Czarni Bytom sowie eine Reihe von Kampfsportclubs, unter anderem den Judoklub Bytom, woher der dreifache Olympiasieger Waldemar Legień kommt.

Städtepartnerschaften


Bytom unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Verkehr


Im Linienverkehr besteht eine Anbindung an das Netz der Oberschlesischen Straßenbahn. Auf einer eingleisigen Strecke mitten auf der Piekarska-Straße verkehren historische Zweirichtungstriebwagen als Linie 38.[8] Aber auch moderne Trambahnzüge werden eingesetzt. Die Fahrt mit der Straßenbahn von Kattowitz bis Beuthen dauert etwa 45 Minuten.

Mit der Bahn bestehen 2011 primär ungefähr stündliche Verbindungen mit Regionalzügen der Linie Katowice–Bytom(–Lubliniec), sowie einige weitere Regionalzugverbindungen und Fernverkehrszüge.

Persönlichkeiten der Stadt


Söhne und Töchter der Stadt

Bekannte Einwohner

Weiteres


Die Beuthener Straße in Nürnberg ist nach dem Ort benannt.

Literatur


Weblinks


Commons: Bytom  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Bytom – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Ortsschild „Beuthen O/S (Zollgrenzbezirk) Stadtkreis Reg. Bez. Oppeln“ im Archiv deutscher Wochenschauen
  3. … Neither the number of the deporteees from Beuthen, nor any of their names, seem to be known, only the fact of their destruction.” Martin Gilbert schildert es in: Holocaust Journey (Übersetzung: Weder die Zahl der aus Beuthen Deportierten, kein einziger Name scheint heute noch bekannt zu sein - nur die Tatsache ihrer Vernichtung)
  4. Przemysław Nadolski: Georg Brüning - wielce zasłużony nadburmistrz , zyciebytomskie.pl (polnisch)
  5. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. (Memento vom 7. Dezember 2014 im Internet Archive) Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 8. Februar 2015
  6. Birgit Sack: Zwischen religiöser Bindung und moderner Gesellschaft. Waxmann, Münster 1998, ISBN 3-89325-593-1, S. 131–135.
  7. Herder-Inst. Bildkatalog
  8. Paul Schneeberger: Eine Zeitreise im polnischen Kohlerevier. Neue Zürcher Zeitung, 11. Juni 2015, abgerufen am 12. Juni 2015.



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Stand der Informationen: 05.05.2020 04:48:22 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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