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Burgruine Rusteberg

Burgruine Rusteberg

Burg Rusteberg auf einem Stich von Merian 1646

Alternativname(n): Rustenberg
Entstehungszeit: um 1120
Burgentyp: Höhenburg, Gipfellage
Erhaltungszustand: Kapellen-, Wall-, Grabenreste
Ständische Stellung: Grafen, Klerikale
Ort: Marth, Rustenfelde und Arenshausen
Geographische Lage 51° 23′ 10,3″ N, 10° 0′ 12,4″ O Koordinaten: 51° 23′ 10,3″ N, 10° 0′ 12,4″ O
Höhe: 397 m ü. NN

Die Burgruine Rusteberg, auch Rustenberg genannt, ist eine verfallene Gipfelburg auf einem isolierten Berggipfel zwischen den Gemeinden Marth und Rustenfelde im Landkreis Eichsfeld in Thüringen.

Inhaltsverzeichnis

Lage


Die Ruine der Burg befindet sich auf dem steil aus dem Leinetal aufragenden kegelförmigen Rusteberg (397,6 m ü. NHN), etwa 10 km westlich der Kreisstadt Heiligenstadt. Die Bergkuppe aus Muschelkalk ist ein Zeugenberg innerhalb der Buntsandsteinlandschaft des westlichen Eichsfeldes. Im Mittelalter verlief hier eine wichtige Heer- und Handelsstraße über Arenshausen und Uder in das Eichsfeld.

Geschichte


Die zunächst nur schwach befestigte Burg auf dem Rusteberg wurde 1123 erstmals urkundlich erwähnt und bereits um 1160 durch Landgraf Ludwig II. von Thüringen wieder zerstört. 1186 wird mit Ortolf ein Geistlicher (capellan) auf dem Rusteberg genannt.[1]

Unter Erzbischof Adalbert I. wurde das Mainzer Territorium im Eichsfeld noch im 12. Jahrhundert bedeutend erweitert und durch den Bau einiger Burgen gesichert. Die herausragende Bedeutung des Rusteberg wird in der Folgezeit durch zahlreiche Beurkundungen, zugleich Nachweis für Aufenthalte der Erzbischöfe, und die Einrichtung eines Burggrafenamtes unterstrichen. Militärisch und administrativ wurde der Burggraf von Rusteberg durch Ministerialen, das waren Mitglieder der Familie Knorr, später Knorring, bis 1441, als die Familie nach Kurland emigrierte[2], und Vögte unterstützt. Im 13. Jahrhundert stellten die Häuser Everstein und Wittgenstein die Burggrafen.[3] Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts übertrugen die Erzbischöfe dem aufstrebenden Heiligenstadt zahlreiche administrativen Aufgaben. Auf der Burg blieb noch bis 1540 die Amtsverwaltung (Vogteiamt) erhalten, die als letzter der Vizedom Siegfried von Bültzingslöwen führte. Während des Bauernkrieges wurde die zur Festung ausgebaute Anlage von den Bauernhaufen weiträumig umgangen. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg von Hessen-Kasselschen Truppen eingeschlossen und musste schließlich übergeben werden, kam aber im Westfälischen Frieden an Kurmainz zurück.

1749–1750 erbaute die Amtsverwaltung am Fuße des Burgberges von Rusteberg als Verwaltungsgebäude das Schloss Rusteberg. In diesem Zusammenhang begann der Abbruch der bis dahin noch weitgehend intakten Burganlage, deren Steine als Baumaterial dienten.[4] Die Burgkapelle diente der Bevölkerung noch bis in die jüngste Vergangenheit als Andachtsort.

Kurmainzisches Amt Rusteberg

Die Gegend um den Rusteberg bis nach Heiligenstadt kam vom 8.–10. Jahrhundert zunächst unter den kirchlichen Einfluss der Mainzer Erzbischöfe, dann auch schrittweise in ihren Besitz. Wer die vorherigen Besitzer von Burg und Vogtei waren, ist nicht sicher bekannt. Die Burg war sowohl Sitz des Amtes Rusteberg, als auch des mainzischen Vizedoms oder Oberamtmannes für die Besitzungen zwischen der Werra und dem Harz. Zum Amt Rusteberg gehörten folgende Orte: Dieterode, Flinsberg, Geisleden, Günterode, Heuthen, Kreuzebra (gehörte ursprünglich zum Amt Gleichenstein), Lenterode, Lutter, Marth, Mengelrode, Rengelrode, ein Teil von Reinholterode, Siemerode, Uder, Westhausen und eine Vielzahl heute nicht mehr existierender Orte. Im Gebiet des Amtes lagen weiterhin mehrere adlige Gerichtsdörfer.[5] Heiligenstadt gehörte auch zum Amt Rusteberg, erhielt aber nach der Stadtgründung mehr Selbständigkeit und eine eigene Gerichtsbarkeit. Auf der Burg residierten in den ersten Jahrhunderten sowohl Burggrafen, als auch die Vizedome. Ab 1323 waren diese beiden Ämter unter einem Burgherren vereint.

1540 wurden das Oberamt nach Heiligenstadt verlegt und auf dem Rusteberg verblieben noch die Amtsvögte. Nachfolgend einige nachgewiesene Burggrafen oder Burgvögte:[6][7]

Nach Verlegung des Oberamtes nach Heiligenstadt sind folgende Amtsvögte oder Amtsmänner nachgewiesen:[13]

Kurmainzisches Vizedomamt auf dem Rusteberg

Der kurmainzische Vizedom (später auch Oberamtmann genannt) auf dem Rusteberg war für die Verwaltung der Eichsfeldischen Besitzungen und der angrenzenden Gebiete (z. B. Fritzlar, Treffurt) verantwortlich. Die Vizedome waren Ministerialen und die weltlichen Stellvertreter des Erzbischofs in Mainz. Ab 1240–1323 war das Amt erblich, danach wurde es nur noch für jeweils wenige Jahre vergeben. 1540 wurden das Oberamt und das Landgericht nach Heiligenstadt verlegt, wo sie ab 1603 im Oberamtshaus und ab 1738 in dem an seiner Stelle erbauten Mainzer Schloss ihren Sitz hatten.

Folgende Vizedome sind bekannt:[14][15]

Für alle Vizedome siehe die Liste der Vizedome, Oberamtmänner und Statthalter der Mainzer Besitzungen auf dem Eichsfeld.

Beschreibung


Von der ehemaligen Burg und spätmittelalterlichen Festungsanlage sind noch Reste der äußeren Befestigungsanlagen, teilweise verschüttete Gewölbekeller und die Ruine der Burgkapelle erhalten, die im 19. Jahrhundert unter Verwendung von Trümmerresten um einen im Norden angebauten Rundturm und eine Eingangsfassade im Westen ergänzt wurde.[4] Das frühere Aussehen und die Lage der Hauptgebäude sind auf einer von Matthias Merian publizierten Ansicht deutlich erkennbar. Demnach bestand die Burganlage aus der Kernburg in Gipfellage, um die sich eine halbmondförmige, stark befestigte Vorburg legte. Der im Süden des Berges angelegte Hauptzugang wurde mit einem bastionsartigen Vortor zusätzlich verstärkt. Eine Ringwall-Graben Befestigung umgab die mit weiteren Mauern und Türmen geschützte Burganlage. Nach dem Abtragen der Hauptgebäude sind diese heute lediglich noch als Bodenunebenheiten zu bemerken. Der einstige Bergfried hatte eine Grundfläche von 7,7 mal 7,7 Meter und eine Mauerstärke von 1,7 Meter.

Literatur


Weblinks


 Commons: Burgruine Rusteberg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. RIplus Regg. EB Mainz 2 [n. 382], in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c9f454e1-c2d9-41a7-88b5-ac52fa86db47 (Abgerufen am 21. August 2017)
  2. Pontus Möller, Karl Johann Paulsen, Gotthard von Knorring: Ätterna Knorring. (Familiengeschichte, Genealogie und Heraldik der Familien Knorr, Knorring, von Knorring). Genealogiska Samfundet i Finland, Helsinki 2000 (schwedisch).
  3. Carl Philipp Emil von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein, Mecke Druck und Verlag Duderstadt, Reprint 2007, S. 506
  4. a b Walter Rassow: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Heiligenstadt. Hrsg.: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und das Herzogtum Anhalt. Otto Hendel, Halle a. d. S. 1909, Rusteberg (altes und neues Schloss), S. 305–312.
  5. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 1, Seiten 96–102
  6. Zeitung für den deutschen Adel, Nordhausen und Leipzig 1842, 3. Jahrgang, Erstes Semester, Seite 417–418
  7. Johann Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 2, Seiten 78–81
  8. RIplus Regg. EB Mainz 1 [n. 1652], in: Regesta Imperii Online, [1] (Abgerufen am 24. August 2017)
  9. RIplus Regg. EB Mainz 1 [n. 1950], in: Regesta Imperii Online, [2] (Abgerufen am 22. August 2017)
  10. in: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe
  11. RIplus Regg. EB Mainz 1,2 n. 4316, in: Regesta Imperii Online, URI: [3] (Abgerufen am 22. August 2017)
  12. RIplus Regg. EB Mainz 2,1 n. 546, in: Regesta Imperii Online, URI: [4] (Abgerufen am 22. August 2017)
  13. Bernhard Opfermann: Gestalten des Eichsfeldes. St. Benno-Verlag Leipzig und Verlag F.W. Cordier Heiligenstadt 1968
  14. Zeitung für den deutschen Adel, Nordhausen und Leipzig 1842, 3. Jahrgang, Erstes Semester, Seite 417–418
  15. Johann Vinzenz Wolf: Politische Geschichte des Eichsfeldes. Göttingen 1792, Band 2, Seiten 81–86



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