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Bratislavaer Brückenkopf

Der Pressburger oder Bratislavaer Brückenkopf (slowakisch Bratislavské predmostie, tschechisch Bratislavské předmostí, ungarisch Pozsonyi hídfő) ist ein Gebiet im äußersten Südwesten der heutigen Slowakei, das – südlich der Donau und der Hauptstadt Bratislava (deutsch Pressburg, ungarisch Pozsony) gelegen – im 20. Jahrhundert mehrfach Gegenstand von diplomatischen Verhandlungen und Gebietsabtretungen war.

Inhaltsverzeichnis

Erster Brückenkopf 1920–1938


Das Gebiet gehörte bis 1918 zum Königreich Ungarn (Komitat Moson) und war Teil der habsburgischen Donaumonarchie. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 bzw. seit dem Friedensvertrag von Trianon (1920) verlief die Grenze zwischen dem slowakischen Landesteil und Ungarn von der Mündung der March bis zur Mündung der Eipel entlang der Donau.

Einzig der Ort Petržalka (deutsch Engerau, ungarisch Pozsonyligetfalu) am rechten Donauufer südlich von Bratislava bildete durch diesen Friedensvertrag einen kleinen tschechoslowakischen Brückenkopf südlich der Donau, da viele Bewohner Bratislavas hier Grundstücke, Arbeitsplätze und Kleingärten besaßen. Daneben grenzte der Brückenkopf im Westen an Niederösterreich (Gemeinde Wolfsthal) und an das 1920 von Ungarn an Österreich abgetretene Burgenland (Gemeinde Kittsee).

Zweiter Weltkrieg


Im Bereich Engerau errichteten die tschechoslowakischen Streitkräfte ab Mitte der 1930er Jahre mit dem Brückenkopf Engerau einen Teil des Tschechoslowakischen Walls, einer befestigten Abwehrlinie gegen einen deutschen Angriff. In der Folge des Münchner Abkommens war Petržalka bis 1945 zusammen mit der Pressburger Vorstadt Devín (deutsch Theben) und ihrer weiten Umgebung vom Deutschen Reich (seit 1938: Gau Niederdonau) annektiert.

Zweiter Brückenkopf seit 1946


Die tschechoslowakische Delegation wollte auf der Pariser Friedenskonferenz 1946 die Vergrößerung des Brückenkopfes durch die Eingliederung der fünf ungarischen Gemeinden (Rusovce/Karlburg/Oroszvár, Jarovce/Kroatisch Jahrndorf/Horvátjárfalu, Čunovo/Sarndorf/Dunacsúny, Rajka/Ragendorf und Bezenye/Pallersdorf/ kroat. Bizonja) erreichen, um die slowakische Hauptstadt strategisch zu schützen. Das beanspruchte Gebiet umfasste 145 km².[1]

Schließlich wurde durch die Friedenskonferenz das fragliche Gebiet geteilt, die Tschechoslowakei bekam drei der fünf beanspruchten ungarischen Dörfer zugesprochen, so dass Rajka und Bezenye bei Ungarn verblieben, während Jarovce, Rusovce und Čunovo zur Tschechoslowakei kamen. Am 15. Oktober 1947 erfolgte dann die Abtretung seitens Ungarn und die Übergabe des zugesprochenen Gebietes an die damalige Tschechoslowakei, die es dem Okres Bratislava V zuschlug.

Bedeutung


Das Gebiet lag unmittelbar am sogenannten „Eisernen Vorhang“ zu Österreich, der ab etwa 1952 die ČSSR in Richtung ihrer westlichen Nachbarländer umgab und blieb deshalb trotz der Nähe zur Hauptstadt Bratislava eine dünn besiedelte Peripherie zwischen Staatsgrenzen und dem Donaustrom. Wesentliche Infrastruktureinrichtungen waren die für den RGW bedeutsame Bahnstrecke Bratislava–Hegyeshalom mit dem Grenzübergang bei Rajka sowie die Europastraßen E65 und E75, die heutige Autobahn D2. Nahe Čunovo errichtete die ČSSR ab den 1970er Jahren das umstrittene Donaukraftwerk Gabčíkovo.

Siehe auch


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Peter I. Hidas: Fairness for Hungary - Canada and the Making of the Hungarian Peace Treaty of 1947




Kategorien: Region in der Slowakei | Slowakische Geschichte (20. Jahrhundert) | Geschichte Bratislavas | Okres Bratislava V | Ungarische Geschichte (20. Jahrhundert)

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