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Blockgletscher

Blockgletscher sind Schutt-Eis-Gemenge, die sich im aktiven Zustand langsam tal- oder hangabwärts bewegen.

Sie bestehen aus gefrorenem Lockermaterial, wie Hangschutt oder Moräne. Da das Gestein-Eis-Gemisch unter dem oberflächlichen Schutt der Auftauschicht verborgen ist, sind Blockgletscher für Laien oft nur schwer erkennbar. Sie gelten als typisches Landschaftselement des alpinen Permafrosts (Dauerfrost) und kommen in vielen Hochgebirgsregionen der Erde vor. Optimale Bildungsbedingungen für Blockgletscher herrschen in Gebirgen und Gebirgsbereichen unter winterlich kontinental geprägten Klimaten. Eine nicht vorhandene beziehungsweise nur geringe Schneedeckenmächtigkeit und langanhaltende Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt führen hier zu intensiver tiefreichender Abkühlung und Gefrieren des Substrates. Hat sich erst zu Beginn der Ablationsphase im Frühjahr eine ausreichend mächtige Schneedecke > 80 cm ausgebildet, wirkt diese konservierend auf den gefrorenen Boden. Blockgletscher finden sich daher in den Alpen vor allem in den inneralpinen Trockentälern des Engadin (z. B. Blockgletscher Murtél) und der Ostalpen (z. B. Blockgletscher Ölgrube im Kaunertal; Schobergruppe). Weitaus größere Blockgletscher finden sich im kontinental geprägten Tien-Shan-Gebirge (Kasachstan/Kirgisistan). Die geomorphologische Untergrenze der Blockgletscher wird im Allgemeinen als die Untergrenze der Zone des diskontinuierlichen Permafrostes angesehen. Eine Ausnahme sind sehr schnell fließende Blockgletscher, die bis in die montane Höhenstufe vordringen können.

Inhaltsverzeichnis

Blockgletschertypen


Im Gegensatz zu Gletschern im eigentlichen Sinne sind Blockgletscher keine oberflächlichen Eiskörper. Nach der Bildung unterscheidet man zwei Typen:

Je nach Aktivitätsgrad unterscheidet man drei Blockgletschertypen:

Neuerdings werden in der Literatur anhand der geologischen Eigenschaften des Materials eines Blockgletschers zwei Typen unterschieden:[4]

Aufbau und Fließen von Blockgletschern


Blockgletscher zeigen – unabhängig vom Aktivitätsgrad – ähnliche Geomorphologie wie andere Gletscher, sie können als Bodeneiskörper verschiedener Größe großflächige Plateaus bilden, ins Gelände eingebettete Eislinsen, bis hin zu lappen- bis zungenförmigen Eiskörpern an Hängen und in Tälern, die sich deutlich von ihrer Umgebung abheben (zungenförmig: Länge > Breite, lobenförmig: Länge < Breite) sowie komplexe Formen. Letztere liegen vor beim Zusammenfluss mehrerer Blockgletscher zu einer einzigen Zunge, beim Aufspalten eines Blockgletschers in mehrere Zungen, bei Gesteinsmaterial aus unterschiedlichen Zeiten sowie bei verschiedenen Gesteinsquellen.[3] Sie sind typischerweise einige hundert Meter lang, und 100–200 Meter breit, erreichen aber auch Längen von mehreren Kilometern. Ihre Mächtigkeit liegt üblicherweise im Bereich von 30–50 Metern.[1][2]

Meist handelt es sich um eine Mischung von Schutt und Eis mit einem volumetrischen Eisgehalt von durchschnittlich 40–70 %,[1][2] die hang- bzw. talabwärts fließt – allerdings langsamer als ein Gletscher im eigentlichen Sinne. Dabei bilden sich die für aktive Blockgletscher charakteristische Frontalstirn und oberflächliche Wülste. Die Stirn ist eine typisch steile Böschung aus ungefrorener Schuttlage mit einem Böschungswinkel von ca. 40°.[3]

Inaktive Blockgletscher weisen eine generell flachere Frontalstirn sowie einen weicheren Übergang zwischen Stirn und Oberseite auf. Durch die fehlende Bewegung kann sich Vegetation bis zur Größe von Sträuchern und sogar kleineren Bäumen auf ihnen niederlassen. Reliktformen sind wegen des in diesem Status vollständig ausgeschmolzenen Eises durch irreguläre Strukturen sowie durch eine kollabierte Oberseite geprägt.

Viele Blockgletscher haben ein beachtliches Alter. Die Felsblöcke der oberflächennahen Schichten wirken als Isolierung und schützen das Eis vor dem Abschmelzen.

Forschungsgeschichte und Untersuchung


Die genaue Dynamik von alpinen Blockgletschern wurde erstmals in den 1970er Jahren näher erforscht. Die zugehörigen Untersuchungen initiierte Professor Adrian Scheidegger, der bis etwa 1995 Ordinarius für Geophysik an der TU Wien war. Der deutsche Geomorphologe Professor Dietrich Barsch sowie der Schweizer Kryosphärenforscher Professor Wilfried Haeberli haben entscheidend zum wissenschaftlichen Kenntnisstand über Blockgletscher beigetragen.[1][5]

Eigentlich sind sie nicht Gegenstand der Glaziologie oder Hydrologie, sondern der Geomorphologie und der Hydrogeologie. Im Gegensatz zu Gletschern im eigentlichen Sinne bilden sie sich im Untergrund, während letztere durch die Ansammlung von Schnee auf der Oberfläche entstehen.

Die Blockgletscher haben das Interesse der Wissenschaft erst relativ spät erregt, im Wesentlichen aus vier Gründen:

Die Dynamik der Bewegung ist eine interessante Herausforderung für mehrere geowissenschaftliche Disziplinen wie Bodenmechanik beziehungsweise Pedologie, Geodäsie, Geologie, Geophysik, Hydrologie und Geotechnik, und ihrer Modellierung für die geowissenschaftliche Informatik. Sie kann de facto nur in interdisziplinärer Kooperation erfolgreich sein.

Literatur


Allgemein:

Diskurs:

Spezielle und regionale Thematiken:

Weblinks


 Commons: Blockgletscher  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c d Lit. Barsch: Rockglaciers. 1996.
  2. a b c Lit. Burger, Degenhardt, Giardino: Geomorphology. 1999.
  3. a b c Karl Krainer, Markus Ribis: Blockgletscher und ihre hydrologische Bedeutung im Hochgebirge. In: Gabriele Müller, Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Abt. VII 3 Wasserhaushalt (Hrsg.): Mitteilungen der Hydrographischer Dienstes in Österreich (= Mitteilungsblatt des Hydrographischen Dienstes in Österreich. Nr. 86). Nr. 86. Wien 2009, 2. Was sind Blockgletscher?, S. 65–78, S. 66, PDF, S. 72 (bmlfuw.gv.at [PDF] mit zahlreichen Fotos).
  4. Lit. Ikeda, Matsuoka 2006
  5. Lit. Haeberli et al.: Permafrost and Periglacial Processes. Nr. 17, 2006.
  6. a b G.F. Azócar, A. Brenning: Hydrological and geomorphological significance of rock glaciers in the dry Andes, Chile (27°–33°S). In: Permafrost and Periglacial Processes. Nr. 21, 2010, S. 42–53.
  7. Krainer, Ribis: Blockgletscher und ihre hydrologische Bedeutung im Hochgebirge. 2009, 3. Bedeutung von Blockgletschern, S. 67 f., PDF S. 73.
  8. Andreas Kellerer-Pirklbauer: Wie alt sind Blockgletscher in den Österreichischen Alpen? Das Beispiel der Blockgletscher im Dösener Tal, Ankogelgruppe, datiert mit Hilfe der Schmidt-Hammer Methode. In: Institut für Geographie und Raumforschung, Karl-Franzens-Universität Graz (Hrsg.): alpine space – man & environment. Band 6: Klimawandel in Österreich. iup • innsbruck university press, Innsbruck 2009, ISBN 978-3-902571-89-2 (uibk.ac.at [PDF]).



Kategorien: Periglazial


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