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Beweismittel

Beweismittel dienen bei der gerichtlichen Beweisaufnahme zur Aufklärung eines relevanten Sachverhalts.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines


Die Wahrheitsfindung erfolgt im Strafprozessrecht sowie im Verwaltungsprozessrecht von Amts wegen, d. h. das Gericht erhebt die entsprechenden Beweise selbständig, ohne dass es hierfür eines gesonderten Antrags der Parteien bedarf. Anders ist es im Zivilprozessrecht. Hier herrscht die sogenannte Dispositionsmaxime vor. Das bedeutet, dass derjenige, der eine Tatsache behauptet, aus der er einen Vorteil hat, hierfür die Beweislast trägt.

Dabei bedient sich das Gericht verschiedener Beweismittel, mit deren Hilfe in einem Gerichtsprozess die Beweisführung vorgenommen werden soll. Dabei kann sich ein Gericht zur Sachverhaltsermittlung der eigenen Wahrnehmung (richterliche Augenscheinseinnahme, Urkunden, Gutachten), der fremden Wahrnehmung (Angeklagte, Zeugen) oder fremder Fachkunde (Sachverständiger) bedienen. Die Beweismittel können in Sachbeweise und Personenbeweise aufgeteilt werden.

Prozessrecht


Beweismittel sind eine Erkenntnisquelle, durch die sich das Gericht von der Wahrheit oder Unwahrheit einer Behauptung überzeugen soll. Die einzelnen Beweismittel sind im deutschen Zivil- und Strafprozessrecht ähnlich. Im Strengbeweisverfahren ist jeweils nur eine vom Gesetz vorgesehene abschließende Aufzählung, die nicht beliebig erweitert werden kann, vorgesehen.

Zivilprozessrecht

Die Parteien treten den Beweis unter Angabe der Beweismittel an (§ 282 Abs. 1 ZPO). Die Beweismittel dienen dem Nachweis der eigenen Tatsachenbehauptungen und der Widerlegung der gegnerischen Tatsachenbehauptungen. Vor einem Zivilgericht kommen im Strengbeweisverfahren nach deutschem Recht und nach österreichischer Zivilprozessordnung (ZPO) nur folgende Beweismittel in Betracht (Merkspruch: „SAPUZ bzw. SPAUZ“):

Als Mittel des Freibeweises stehen die Versicherung an Eides statt (§ 294 Abs. 1 ZPO) und die amtliche Auskunft einer Behörde (§§ 273 Abs. 2 Nr. 2, § 358a Satz 2 Nr. 2 ZPO) zur Verfügung. Die amtliche Auskunft ist nur ein Substitut und kein eigenständiges Beweismittel; sie kann die Zeugenvernehmung oder das Sachverständigengutachten ersetzen. Auch ein Geständnis ist kein Beweismittel, sondern macht die Beweiserhebung überflüssig.

Strafprozessrecht

Im Strafverfahren kommen in der Hauptverhandlung für den Strengbeweis nach deutschem Recht nur folgende Beweismittel in Betracht:

Bereits das Reichsgericht hatte betont, dass das Geständnis sowie das sonstige Verhalten des Angeklagten Beweistatsachen seien und damit der aus der Hauptverhandlung zu schöpfenden freien richterlichen Beweiswürdigung und Überzeugungsbildung (§ 261 StPO) zugänglich seien.[10] Das Geständnis ist faktisch ein Beweismittel im weiteren Sinne.

International


In Österreich kennt die ZPO für die Beweisaufnahme 5 Beweismittel: Urkunden (§§ 292 bis 319 ZPO), Zeugen (§§ 320 bis 350 ZPO), Sachverständige (§§ 351 bis 367 ZPO), Augenschein (§§ 368 bis 370 ZPO) und die Vernehmung der Parteien (§§ 371 bis 383 ZPO). Grundsätzlich können alle Erkenntnisquellen als Beweismittel zugelassen werden; diese werden je nach ihrer Ausgestaltung den Vorschriften über eines der angeführten Beweismittel eingeordnet. Im Rahmen der „freien Beweiswürdigung“ (§ 272 ZPO) ist der Richter an keine gesetzlichen Beweisregeln gebunden, sondern hat nach seiner persönlichen Überzeugung zu beurteilen, ob der Beweis gelungen ist oder nicht.

In der Schweiz kennen die meisten kantonalen Zivilprozessordnungen einen festen Katalog von Beweismitteln. Hierzu gehören Urkunden (z. B. § 233 ZPO Aargau), Augenschein (§ 244 ZPO Aargau), Gutachten (§ 253 ZPO Aargau), Zeugen (§§ 216 und 264 ZPO Aargau) und Parteibefragung (§§ 263 ZPO Aargau). Die qualifizierte Parteiaussage ist zu den anderen Beweismitteln subsidiär und wird am Schluss nach allen anderen Beweismitteln durchgeführt. Das Gericht befindet nach seiner frei gebildeten Überzeugung, ob der Beweis für eine Tatsache erbracht ist oder nicht.

Während in Deutschland, Österreich und in der Schweiz jede Partei nur die Beweismittel verwenden kann, über die sie verfügt, ermöglicht in den USA die „pre-trial discovery“, dass das Beweismaterial im Besitz der Gegenpartei oder von Dritten im Wege der „request“ heraus verlangt werden kann.

Sonstiges


Die Rhetorik unterscheidet so genannte äußere Beweismittel, die ohne Anwendung der Redekunst gegeben sind wie Gesetze oder Urkunden und innere Beweismittel, die durch Redekunst erzeugt wurden wie Analogieschlüsse oder Enthymeme.[11] Beweismittel sind ein Teil der rhetorischen Argumentation.

Weblinks


Wiktionary: Beweismittel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. BGH NJW 1993, 1796, 1797
  2. Holger Jäckel, Das Beweisrecht der ZPO, 2009, S. 110 f.
  3. Holger Jäckel, Das Beweisrecht der ZPO, 2009, S. 133
  4. BGH NJW 1976, 294
  5. Holger Jäckel, Das Beweisrecht der ZPO, 2009, S. 126 f.
  6. Holger Jäckel, Das Beweisrecht der ZPO, 2009, S. 106
  7. Peter Rieß (Hrsg.): Die Strafprozessordnung und das Gerichtsverfassungsgesetz, Großkommentar, §§ 137-212b StPO, 2004, S. 132 f.
  8. Volker Krey, Deutsches Strafverfahrensrecht, 2007, S. 53
  9. BGHSt 28, 196, 198
  10. RG (1883), 784, 785; RGSt 48, 247, 248 f.
  11. Gert Ueding, Rhetorik: Begriff - Geschichte - Internationalität, 2005, S. 325



Kategorien: Rhetorik | Prozessrecht (Deutschland)

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