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Betriebsstellenverzeichnis




Das Betriebsstellenverzeichnis – früher als Bahnamtliches Betriebsstellenverzeichnis bezeichnet – listet alle Betriebsstellen eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens auf. Jede Eintragung enthält die Abkürzung, den Namen und die Art der Betriebsstelle.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland


Deutsche Reichsbahn bis 1949

Bei der Deutschen Reichsbahn wurden die Betriebsstellen in den nachfolgenden „Dienstvorschriften“ (DV) festgehalten:

(DV 100: Personalvorschriften Teil I Beamtenrecht)[1]

Deutsche Bundesbahn

Dieses Verzeichnis wurde bei der Deutschen Bundesbahn ab 1951 in sogenannten „Druckschriften“ (DS) herausgegeben.

Das Betriebsstellenverzeichnis bestand aus den folgenden Druckschriften:

Deutsche Bahn AG

Bei der Deutschen Bahn werden die Betriebsstellen von der DB Netz AG im Regelwerk 100 festgehalten. Dieses Regelwerk besteht aus den folgenden „Richtlinien“ (Ril):

Aufbau

Das Betriebsstellenverzeichnis enthält für sämtliche Betriebsstellen folgende Angaben:

Abkürzung

Die Abkürzung wird in der Regel aus der Lage der Betriebsstelle, dem Ort und Art der Betriebsstelle gebildet.

An erster Stelle beschreibt ein Kennbuchstabe die regionale Lage der Betriebsstelle. Diese ist für deutsche Betriebsstellen abgeleitet aus den frühen Bundesbahndirektion (BD) bzw. Reichsbahndirektion (Rbd). Dieser ist in der Regel der Anfangsbuchstabe des ehemaligen Direktionssitzes. Zum Beispiel: H für Hannover, F für Frankfurt, M für München. Bei den Doppelbelegungen Essen/Erfurt, Hannover/Halle, Saarbrücken/Stuttgart/Schwerin und Köln/Karlsruhe wurde für die letztgenannten ein noch freier Buchstabe als Kennbuchstabe gewählt.

Nachfolgend wird die Betriebsstelle mit einem eindeutigen Kürzel kodiert. Dies reicht von einem Buchstaben wie bei MA für Regionaldirektionsbereich München – Augsburg bis hin zu vier Buchstaben etwa bei EMSTP Regionalbereich Essen – Münster (Westfalen) Personenbahnhof.

Betriebsstellen des Auslands werden unter den Kürzeln X und Z aufgeführt. An zweiter Stelle wird ein Länderkürzel angegeben. Beispielsweise steht XDKH für Auslandsbereich X – Dänemark – Koebenhavn H.

Streckenwechsel werden an erster Stelle mit einem Y bezeichnet.

Ein X am Ende des Kürzels kennzeichnet dagegen ein Ausbesserungswerk (AW), z. B. LDX (AW Dessau), KKROX (AW Krefeld-Oppum). Diese Kürzel sieht man z. B. im so genannten Revisionsraster von Loks und Wagen. Diese geben an, welchem Ausbesserungswerk das jeweilige Schienenfahrzeug zugeordnet ist und wann es zuletzt hauptuntersucht wurde.

Erläuterung der Kennbuchstaben:

A
Hamburg (A=Altona)
B
Berlin
C
Ausländische Örtlichkeiten von Schienengüterverkehrsunternehmen
D
Dresden
E
Essen
F
Frankfurt
H
Hannover
I
Ortsfeste und ortsveränderliche Energieanlagen der 16,7-Hertz-Energieversorgung
J
Ausländische Örtlichkeiten von Schienengüterverkehrsunternehmen
K
Köln
L
Halle
M
München
N
Nürnberg
O
Ausländische Örtlichkeiten in Ländern, die vollständig in das Europäische Fahrplanzentrum eingebunden sind
P
Ausländische Örtlichkeiten in Ländern, die vollständig in das Europäische Fahrplanzentrum eingebunden sind
Q
Örtlichkeiten von 50-Hertz-Anlagen
R
Karlsruhe
S
Saarbrücken
T
Stuttgart
U
Erfurt
V
Tankanlagen für Verbrennungsfahrzeuge
W
Schwerin
X
Ausland (z. B. XFPO für Paris-Est, die frühere Unterteilung „X=West/Z=Ost“ existiert nicht mehr)
Y
Streckenwechsel
Z
Ausland (z. B. ZLV für Vilnius, die frühere Unterteilung „X=West/Z=Ost“ existiert nicht mehr)

Name

Unter Name ist die Betriebsstelle angegeben, z. B. „Lübeck-Travemünde Skandinavienkai Grenze“.

Art

Unter Art wird ein Kürzel für die Art der Betriebsstelle angegeben:

Abzw
Abzweigstelle
Anst
Anschlussstelle
Awanst
Ausweichanschlussstelle
Bf
Bahnhof
Bft
Bahnhofsteil
Bk
Blockstelle
Bush
Bushaltestelle
Dkst
Deckungsstelle
Est
Einsatzstelle für Zugpersonal
Fwst
Fernwirkstelle
Gp
Grenzpunkt
Hp
Haltepunkt
LGr
Landesgrenze
LW
Laufweg
Museum
Museumsbahnhof
PDGr
Produktionsdurchführungsgrenze
RBGr
Regionalbereichsgrenze
Sbk
Selbsttätige Blockstelle
Schstr
Schutzstrecke
Slst
Schiffslandestelle
Sp
Schaltposten
Strw
Streckenwechsel
Tp
Tarifpunkt
Urw
Umrichterwerk
Uw
Unterwerk
Üst
Überleitstelle
Zes
Zentralschaltstelle
NE-*
Nichtbundeseigene Eisenbahn
vp-*
verpachtet

Beispiele

Die Betriebsstelle ist der Bahnhof in Bad Godesberg.

Zunächst wird der Regionalbereich, in dem der Bahnhof liegt, ausgewählt. Bonn Bad-Godesberg gehört zum Regionalbereich Köln, also K. Es folgt die Abkürzung für Bonn Bad-Godesberg: BBG. Die Betriebsstelle hat also das Kürzel KBBG.

Im Verzeichnis ist unter dem Kürzel KBBG der Name der Betriebsstelle zu finden, Bonn Bad-Godesberg und die Art der Betriebsstelle, Bf = Bahnhof.

Kürzel:      Name:             Art:
AA     Hamburg-Altona           Bf
AA  2  Hamburg-Altona (EST)     Est
AA  K  Hamburg-Altona Gbf (Ak)  Bft
AA  N  Hamburg-Altona (An)      Bft
AA  P  Hamburg-Altona (Ap)      Bft
AA  W  Hamburg-Altona Kai       Bft
AAS    Hamburg-Altona (S-Bahn)  Bf
AH     Hamburg HBF              Bf
EPD    Paderborn                Bf
HC     Celle                    Bf
HH     Hannover HBF             Bf
HHAS   Haste                    Bf
HHM    Hameln                   Bf
HM     Minden                   Bf
KBBGG  Bonn-Bad Godesberg Gbf   Bf
KZU    Euskirchen Zuckerfabrik  Hp
NHO    Hof Hbf                  Bf

Im Rahmen der Open-Data-Initiative gibt die Deutsche Bahn AG diese Daten unter einer Creative-Commons-Lizenz heraus.[3]

Österreich


Ebenso wie die DB in Deutschland haben auch die ÖBB in Österreich eine Abkürzungsliste für ihre Betriebsstellen. Dieses „Verzeichnis der Betriebsstellencodes“ ist auch unter seiner Abkürzung DB 640 („Dienstbehelf 640“) bekannt.

Schweiz


In der Schweiz vergibt das Bundesamt für Verkehr für jede Haltestelle des Öffentlichen Verkehrs, also für Eisenbahnen, Straßenbahnen, Busse, Schiffe, Seilbahnen usw. eindeutige Namen. Diese werden in der Dienststellendokumentation, kurz DIDOK, veröffentlicht. In dieser sind auch Abkürzungen der einzelnen Eisenbahn-Dienststellen enthalten, die von den Bahnunternehmen der Schweiz genutzt werden.

Liechtenstein


Liechtensteinsche Bahnhöfe haben wie auch die österreichischen eine mit 81 beginnende Interne Bahnhofsnummer (IBNR).

Schweden


In Schweden gibt es für Bahnstationen ebenfalls ein Abkürzungsverzeichnis.[4]

USA


Das amerikanische Eisenbahnverkehrsunternehmen Amtrak benutzt ebenso einen Code für seine Bahnhöfe. Dieser sogenannte „Station Code“ besteht aus drei Buchstaben, ist aber nicht zu verwechseln mit dem IATA-Code für Flughäfen bzw. Bahnhöfe.[5]

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Deutsche Reichsbahn – Dienstvorschriften , Kopie auf privater Website, abgerufen am 6. Dezember 2011
  2. Druckschriften und Lehrbücher der Deutschen Bundesbahn , Kopie auf privater Website, abgerufen am 6. Dezember 2011
  3. http://data.deutschebahn.com/dataset/data-betriebsstellen
  4. http://www.historiskt.nu/bandata/bandelsdata/Baslista/sign.htm
  5. Amtrak: „Station Codes“








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