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Barbier

Barbier (wie italienisch barbiere und französisch barbier von spätlat. barbarius, Bartscherer, von lat. barba, Bart[1]) ist ein Handwerksberuf. Im Mittelalter und in der beginnenden Neuzeit wurden im Bereich der Körperpflege, Wundheilung und Krankenpflege tätige Personen wie Bartscherer, Badeknechte und Krankenpfleger als Barbiere oder Balbierer bezeichnet. Wie der Bader pflegte der Barbier vorwiegend die Behaarung von Männern. Ihm oblagen auch Zahnextraktionen, Aderlässe und Klistiere.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Bereits im 8. Jahrhundert kannte man den Barbier (als für die Rasur zuständigen rasator bzw. den Aderlass praktizierenden sanguinator).[2] In einer 1284 oder 1285 verfassten Bestimmung, die das Handwerk der zunftmäßig organisierten Barbiere in Venedig regelte, wurde festgestellt, dass zum Aufgabengebiet auch Aderlass und die Zahnextraktion, aber auch die sonstige Zahnbehandlung gehörte. Eine Relief des 13. Jahrhunderts am Hauptportal von San Marco in Venedig zeigt die durch Barbiere ausgeführte Rasur und Zahnbehandlung.[3] Die Barbiere haben sich vermutlich aus den Baderknechten entwickelt und auf einige bestimmte Aufgaben der Bader spezialisiert. Eine frühe Erwähnung der Barbiere findet sich 1397 in einem Amtsbrief in Köln. Barbierzünfte sind in den Hansestädten[4] ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu finden: 1457 in Danzig, 1480 (Barbierrolle) in Lübeck, 1486 in Hamburg.

Barbiere wurden auch Trockenscherer genannt, da sie, anders als die Bader, kein Warmbad anboten. Da in einem Warmbad männliche wie auch weibliche Menschen vollkommen ohne Kleidung waren, konnten Krankheiten somit sehr leicht übertragen werden, weswegen Bader in den Augen der Barbiere weniger angesehen waren. Barbiere besorgten zunächst das Haareschneiden und "trockene" Rasieren. Zudem behandelten die zum Teil mit Fachliteratur belesenen[5] Barbiere auch Wunden, Knochenbrüche, zogen Zähne, machten Aderlass oder stellten Salben her.

Mit Entwicklung und Professionalisierung der Ärzte im frühen 19. Jahrhundert suchten sich die Barbiere weiter zu spezialisieren. Mit den Perücken entstand der Zweig der Perückenmacher, der mit Ludwig XIII. seine Hochsaison bekam, da dieser frühzeitig kahl wurde, aber auf eine volle Haarpracht nicht verzichten wollte. Mit der Erfindung des Rasierhobels gegen Ende des 19. Jahrhunderts gingen viele Männer dazu über, sich selbst zu rasieren, wodurch die Rasur beim Barbier oder Herrenfriseur zur Ausnahme geworden ist. Barbiere und Bader gab es in Deutschland bis etwa 1930 als staatlich geprüfter Bader.

Soziale Stellung

Im Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit galt der Beruf des Barbiers als „ehrlos“ und damit als unehrlicher Beruf.[6] In den städtischen Ständegesellschaften des Mittelalters wurden Kinder aus Barbierfamilien daher meist von der Aufnahme in andere Zünfte ausgeschlossen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts erhielten sie durch Reichsgesetze der Jahre 1548 und 1577 die Möglichkeit, ein anderes Handwerk zu erlernen.[7]

Zeugnisse


Siehe auch


Literatur


Weblinks


 Commons: Barbiere  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Der Balbierer – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise


  1. Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin/ New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 51.
  2. Bernhard Dietrich Haage: Medizinische Literatur des Deutschen Ordens im Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 217–231; hier: S. 222.
  3. Ruth Spranger: Die Barbiere in der Mestieri-Archivolte von San Marco in Venedig. Überlegungen zum Berufsstand der Barbiere und zu den Zünften im mittelalterlichen Venedig. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 9, 1991, S. 233–247.
  4. Walter von Brunn: Von den Gilden der Barbiere und Chirurgen in den Hansestädten. Leipzig 1921.
  5. Stanislaw Sokól: Die Bibliothek eines Barbiers aus dem Jahre 1550. In: Centaurus 7, 1961, S. 197–206.
  6. Jost Schneider: Sozialgeschichte des Lesens: zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland. Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 154. ISBN 3-11-017816-8
  7. Deutsche Encyclopädie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften. Band 18, Varrentrapp und Wenner, Frankfurt am Main 1794, S. 277



Kategorien: Handwerksberuf | Haarpflege | Historischer Beruf im Gesundheitswesen


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