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Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen




Leutkirch–Memmingen
Streckennummer:4570
Kursbuchstrecke (DB):971
Streckenlänge:31,540 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:D4
Höchstgeschwindigkeit:120 km/h
Legende
von Herbertingen
0,00 Leutkirch (Keilbahnhof) 652 m
nach Isny
Eschach
Eschach
3,41 Unterzeil
Wurzacher Ache
5,43 Auenhofen
7,95 Altmannshofen
Awanst Aichstetten Shell
Aitrach
10,11 Aichstetten 624 m
Aitrach
16,79 Marstetten-Aitrach 604 m
19,96 Mooshausen
23,20 Tannheim (Württ) 585 m
Illerkanal
24,97 Landesgrenze Baden-Württemberg / Bayern, Iller
26,26 Buxheim (Schwab)
von Legau
von Kempten (Allgäu)
31,54 Memmingen 595 m
nach Buchloe
nach Neu-Ulm

Die Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen ist eine Hauptbahn in Baden-Württemberg und Bayern. Sie verbindet Leutkirch im Allgäu mit Memmingen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Zwei Jahre nach dem 1863 abgeschlossenen Bau der Bahnstrecke Kempten (Allgäu)–Neu-Ulm nahmen Wangener Bürger mit dem Ziel eines grenzüberschreitenden Anschlusses an diese neue Strecke Kontakt mit Memmingen auf. Da diesem Vorstoß die politische Rückendeckung fehlte, verliefen die Pläne zunächst im Sande, und das württembergische Allgäu wurde in verschiedenen Etappen bis 1880 durch die Bahnstrecke Herbertingen–Isny erschlossen. Dennoch hielt sich der Wunsch nach einer Verbindung nach Bayerisch-Schwaben und Altbayern.

So erfolgte 1876 und 1886 neuerlich die Anregung von Seiten Memmingens, eine direkte Verbindung nach Lindau durch württembergisches Gebiet zu bauen. Der zweite Vorstoß mündete in Verhandlungen zwischen den beiden Ländern, war jedoch zunächst erfolglos, weil Bayern die Betriebsführung auf der ganzen Strecke bis Lindau einforderte. Da aber ab dem Jahre 1870 das Militär vermehrt auf die Schließung der letzten Schienenlücken zwischen den südbayerischen und württembergischen Garnisonen und dem südlichen Elsass drängte, kam es schließlich 1887 zu einem Staatsvertrag.

Nach knapp dreijähriger Bauzeit konnte die Eröffnung der Strecke von Leutkirch im Allgäu nach Memmingen am 2. Oktober 1889 erfolgen. In Leutkirch entstand Anschluss an die bereits bestehende Bahnstrecke Herbertingen–Isny, zu diesem Zweck wurde dort ein neuer Keilbahnhof errichtet.

Auch bei der Ausführung war das Militär einbezogen: Die Gleise auf württembergischen Gebiet wurden im Auftrag der Staatsbahn durch Angehörige des Berliner Eisenbahnregiments gelegt, das sich zu Übungszwecken bisweilen an zivilen Bauvorhaben beteiligte.[1]

„1889. Den 2. September früh 7 Uhr marschierte das aus Preußen, Sachsen und Württembergern zusammengesetzte Detachement Eisenbahntruppen durch hiesige Stadt, nachdem es die Eisenbahnschienen auf der neuen Bahnstrecke Leutkirch–bayer. Landesgrenze gelegt hatte. Das Detachement bestand aus 230 Mann mit 7 Offizieren und fuhr nach seiner Garnison Berlin zurück ... Die neue Bahn gilt übrigens als ein Glied einer strategischen Bahn, dürfte aber speziell für Memmingen wirtschaftlichen Nutzen bringen.“

Friedrich Clauß Döderlein: Memminger Chronik[2]

Durch Schließung der zweiten grenzbedingten Lücke zwischen Wangen und Hergatz am 15. Juli 1890 mit Anschluss an die Bahnstrecke Buchloe–Lindau wurde schließlich eine alternative Verbindung zwischen München beziehungsweise Augsburg über Buchloe nach Lindau realisiert, wobei die neuere Strecke über württembergisches Gebiet gegenüber der älteren Bayerischen Strecke über Kempten sogar etwas kürzer ist.

Strecke


Die Bahnstrecke verbindet die beiden Endpunkte Leutkirch im Allgäu und Memmingen nicht direkt, sondern weicht in zwei Bögen von der Luftlinie ab. Neben politischen Gründen wurde die Streckenführung wegen günstigeren topografischen Verhältnissen gewählt. Die Bahnstrecke verläuft meist auf Geländehöhe und folgt in der ersten Hälfte den Tälern der Flüsse Eschach und Aitrach, weshalb beim Bau kaum technische Schwierigkeiten zu überwinden waren. Die Überquerung der Iller zwischen Arlach und Buxheim, statt bei Ferthofen, wurde gewählt, um die waldreichen württembergischen Orte an die Bahnstrecke anzubinden und eine einfachere Verbindung zu einer eventuell, späteren Bahnstrecke BiberachOchsenhausenMemmingen zu ermöglichen.[3] Auf der direkten Linie zwischen Leutkirch und Memmingen befinden sich zudem mehrere bewaldete Anhöhen und das Illertal ist südlich von Ferthofen wesentlich breiter und tiefer, als weiter nördlich.

Am Bahnhof Leutkirch beginnend wendet sich die Strecke zunächst nach Nordwesten zum mittlerweile stillgelegten Bahnhof Unterzeil und schwenkt dann scharf zurück nach Nordosten in Richtung Memmingen, wo die Stationen Altmannshofen und Aichstetten erreicht werden. Dieser Bogen kam durch das Interesse des Grafen von Waldburg-Zeil nach eigener Bahnanbindung zustande.[4] Dazwischen liegt an der Ausweichanschlussstelle Aichstetten Shell ein täglich von Privatbahnlokomotiven bedientes Tanklager.

Kurz darauf wendet sich die Trasse in nördlicher Richtung wieder von der direkten Linie ab und erreicht den Haltepunkt Marstetten-Aitrach, den seit den 1970er Jahren stillgelegten Haltepunkt Mooshausen und den Bahnhof Tannheim. Dort schwenkt die Strecke in einer weiteren scharfen Kurve nach Osten und überquert auf dem größten Viadukt des Abschnitts die Iller, durch die hier die Landesgrenze verläuft. Auf bayerischer Seite folgt der mittlerweile ebenfalls geschlossene Bahnhof Buxheim, bevor über eine weite Schleife der südlicher gelegene Endpunkt Memmingen erreicht wird. Die Bahnstrecke wurde von Süden her in den Bahnhof Memmingen eingeführt, um den Fahrtrichtungswechsel von langen Militärzügen zu vermeiden.[5] Auch dieser sogenannte Tannheimer Bogen hat teilweise politische Ursachen: Die Streckenführung wurde ursprünglich gewählt, um den Wünschen des Grafen Waldbott von Bassenheim aus Buxheim und des Grafen von Schaesberg in Tannheim ebenfalls nach Anschluss an die Eisenbahn nachzukommen.[6]

Betrieb


Die Strecke wird von Regionalbahnen der Relation AulendorfKißlegg–Memmingen im Zweistundentakt befahren, weitere Züge Leutkirch–Memmingen verdichten den Takt montags bis freitags zum angenäherten Stundentakt. Ebenfalls verkehren Eurocity-Züge der Linie ZürichSt. GallenBregenz–Lindau–Memmingen–Buchloe–München auf der Strecke.

Aufgrund von Fahrzeugmangel der DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee ist der Regionalverkehr seit 25. Februar 2019 bis auf Weiteres weitgehend eingestellt und die Züge werden durch Busse ersetzt.[7][8]

Güterverkehr

Von 1958 bis 1995 wurden täglich 200 Tonnen Öl, das im Erdölfeld Mönchsrot gefördert wurde, im Bahnhof Tannheim auf Kesselwagen verladen und nach Memmingen transportiert. In der Sommersaison verkehren Kieszüge, außerdem wird das Shell-Großtanklager in Aichstetten-Altmannshofen bedient, das zur strategischen Ölreserve der Bundesrepublik Deutschland gehört.

Zukunft


Im Rahmen des Ausbaus der Strecke München–Lindau wird die Strecke voraussichtlich bis Dezember 2020 elektrifiziert werden. Ferner könnten im Zuge der angedachten Regio-S-Bahn Donau-Iller an dieser Strecke die Halte Memmingen-Klinikum/BBZ und Buxheim neu eingerichtet werden.[9]

Strittiger Tannheimer Bogen

Im Rahmen dieser Planungen kam es 2009 zu Diskussionen über eine mögliche Verlegung der Trasse unter Abschneidung des Tannheimer Bogens. Gemäß dem nicht abgestimmten Vorschlag hätte eine neue Trasse in etwa der Strecke der stillgelegten Lokalbahn nach Legau folgend Memmingen direkt mit Aichstetten verbinden und südlich von Dickenreishausen auf der Höhe von Illerbeuren die Iller überqueren sollen.

Für die Umgehung der Württemberger Halte waren insbesondere die bayerische ÖDP, Bürger aus Buxheim und Memmingens Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger.[10] Die Gemeinde Buxheim sieht sich am meisten vom sich verstärkenden Verkehrsaufkommen und dem damit verbundenen Lärmpegel beeinträchtigt, da die Ortschaft sich – ebenso wie Teile Memmingens – mittlerweile nahe an die Bahnstrecke heran ausgebreitet hat.

Gegen diesen Vorschlag wehrten sich die Gemeinden Tannheim und Aitrach erfolgreich, da dessen Umsetzung deren Abschneidung vom Schienenverkehr bedeutet hätte. Das Land Baden-Württemberg erteilte im März 2009 seine Absage.[11] Jedoch setzt sich die IHK Schwaben weiterhin für den Bau dieser Neubaustrecke ein.[12]

Literatur


Weblinks


Commons: Bahnstrecke Leutkirch–Memmingen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Mayer: 125 Jahre Bahnhof Leutkirch. 1998, S. 101.
  2. Zitiert nach Uli Braun: Memmingen in ältesten Photographien. Hrsg.: Curt Visel. Maximilian Dietrich Verlag, Memmingen 1988.
  3. Mayer: 125 Jahre Bahnhof Leutkirch. 1998, S. 115.
  4. Mayer: 125 Jahre Bahnhof Leutkirch. 1998, S. 86.
  5. Mayer: 125 Jahre Bahnhof Leutkirch. 1998, S. 120.
  6. Breubeck: Die Eisenbahn in Mittelschwaben. 1999, S. 152.
  7. Aktuelle Verkehrsmeldungen. Zugausfälle zwischen Aulendorf – Kißlegg und Memmingen – Kißlegg – Lindau (Fahrzeugengpässe). In: bahn.de. Deutsche Bahn, 23. Februar 2019, archiviert vom Original am 25. Februar 2019; abgerufen am 25. Februar 2019.
  8. Lindau – Kißlegg – Memmingen. (PDF) In: bahn.de. DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee, 22. Februar 2019, abgerufen am 23. Februar 2019.
  9. SMA/Intraplan:Regio-S-Bahn Donau-Iller Ergebnisse der Hauptstudie (PDF; 2,4 MB), 27. November 2012, abgerufen am 19. November 2013
  10. Schwäbische Zeitung: Tannheim kämpft um den Erhalt seines Bahnhofs. (Nicht mehr online verfügbar.) 12. Februar 2009, ehemals im Original ; abgerufen am 28. Dezember 2010. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  11. Schwäbische Zeitung: Laut Köberle bleibt „Tannheimer Bogen“. (Nicht mehr online verfügbar.) 19. März 2009, ehemals im Original ; abgerufen am 28. Dezember 2010. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Peter Stöferle: Fortschreibung Bundesverkehrswegeplan Stellungnahme der IHK Schwaben zur Vorschlagsliste des Freistaats Bayern für die Schiene. (PDF) (Nicht mehr online verfügbar.) 17. Januar 2013, ehemals im Original ; abgerufen am 14. November 2013. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.



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