Badisches Landesmuseum


Badisches Landesmuseum
Daten
Ort Karlsruhe, Deutschland
Art
Kultur-, kunst- und landeshistorisches Museum
Eröffnung 1921 (Ersteröffnung)
1959 (Wiedereröffnung)
Leitung
Website
ISIL DE-MUS-072119

Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe ist das große kultur-, kunst- und landeshistorische Museum des badischen Landesteils Baden-Württembergs. Mit seinen weltweit bedeutenden Sammlungen, die mehr als 50.000 Jahre internationale Kulturgeschichte repräsentieren, vermittelt es Geschichte und historische Lebenswelten. Seine Sammlungen reichen von der Ur- und Frühgeschichte über das Mittelalter bis hin ins 21. Jahrhundert. Das Museum wurde 1919 gegründet und eröffnete 1921 in den Räumen des Karlsruher Schlosses.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


1873 ließ Friedrich I. für seine Bibliothek und seine umfangreichen Sammlungen ein Sammlungsgebäude am Friedrichsplatz errichten. Hier waren sie als Großherzogliche Sammlung für Altertums- und Völkerkunde in Karlsruhe öffentlich zugänglich. Nach der Abdankung des badischen Großherzogs Friedrich II. wurde das im Zentrum der barocken Stadtanlage gelegene Karlsruher Schloss 1918 vom badischen Staat übernommen und zum Sitz eines neu gegründeten kulturhistorischen Museums bestimmt.

Im Jahr 1919 wurde das Museum gegründet und entstand durch Fusion der „Altertümersammlung“ mit dem badischen Kunstgewerbemuseum.[1] Es wurde am 24. Juli 1921 in den Räumen des Schlosses eröffnet. Als erster Direktor amtierte bis 1938 Hans Rott. 1936 wurde das Badische Münzkabinett[2] in das Museum eingegliedert. Dessen Leiter war bis 1971 Friedrich Wielandt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Karlsruher Schloss 1944 zerstört. Die Bestände des Museums wurden zum überwiegenden Teil gerettet. Ab 1955 folgte der Wiederaufbau des ausgebrannten Schlosses. Das Äußere wurde dabei historisch getreu rekonstruiert, während das Innere gemäß den Erfordernissen eines modernen Museumsbetriebes gestaltet wurde. 1959 wurde das Badische Landesmuseum wiedereröffnet, 1965 öffnete das Schlosscafé. Mit Jürgen Thimme war von 1959 bis 1982 erstmals ein Archäologe Leiter der Antikenabteilung. Ab 1992 wurden unter der Leitung von Harald Siebenmorgen sukzessive alle fünfzehn Abteilungen des Badischen Landesmuseums nach einer Konzeption, die auf Kontextualisierung und Inszenierung der Objekte basierte, komplett neu eingerichtet, zuletzt 2013 die Abteilung „Weltkultur“. Alle Abteilungen wurden durch Sammlungsführer erschlossen. Ab 1992 wurden große Museumsfeste veranstaltet und das BLM durch zahlreiche weitere Maßnahmen der Museumspädagogik und Kulturvermittlung für ein breites Publikum geöffnet. Ein hochkarätiges und dichtgetaktetes Sonderausstellungsprogramm, das teilweise auf den neu geschlossenen Kooperationsverträgen mit Tunesien und Algerien sowie anderen Mittelmeerstaaten beruhte, fand internationale Beachtung. Die Besucherzahlen wurden auf das Vierfache gesteigert. 2009 zählte das Badische Landesmuseum Karlsruhe rund 300.000 Besucher.[3] Als Pilotprojekt führte das BLM als erstes Museum in Baden-Württemberg eine betriebswirtschaftliche Struktur mit einer Kaufmännischen Direktion ein und gewann so neue Handlungsspielräume.

2014 wurden das Deutsche Musikautomatenmuseum Bruchsal und das Museum in Salem mit neuen Konzeptionen eröffnet.

Ende April 2017 wurde ein von dem badischen Hofjuwelier Schmidt-Staub circa 1907 aus Gold und Platin gefertigtes, mit 367 Brillanten besetztes Diadem der Großherzogin Hilda von Baden im Wert von 1,2 Millionen Euro aus einer Vitrine im Thronsaal im Ersten Obergeschoss des Museums entwendet.[4] Wie im Juni 2017 bekannt wurde hat es schon im Oktober 2016 einen Diebstahl gegeben. Es handelte sich dabei um eine Skulptur aus Elfenbein aus dem Jahre 1620 im Wert von 500.000 Euro des Bildhauers Leonhard Kern. Sie zeigt die Römerin Fulvia mit dem abgetrennten Kopf des Cicero. Die Staatsanwaltschaft sah keinen Zusammenhang der beiden Vorfälle.[5]

Im Jahr 2019 feierte das Museum sein 100-jähriges Jubiläum mit einem großen Museumsfest.

Direktoren

Die Sammlungsausstellungen


Die unterschiedlichen Sammlungen sind teils im Karlsruher Schloss, teils in mehreren Außenstellen und Zweigmuseen zu sehen.

Karlsruher Schloss

Im Karlsruher Schloss werden auf vier Stockwerken die Sammlungen des Museums präsentiert. Bekannt sind die bedeutendste Antikensammlung Baden-Württembergs und die Türkenbeute, die größtenteils Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden 1691 aus den Türkenkriegen mitbrachte. Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum wurde im Juli 2019 die jüngste Sammlungsausstellung Archäologie in Baden – Expothek¹ eröffnet.

Die Abteilungen im Schloss umfassen:[7][8]

Im Untergeschoss

Archäologie in Baden – Expothek¹: Gefäße, Waffen, Werkzeuge, Schmuck aus der frühen Kulturgeschichte in Baden von der Altsteinzeit (ca. 650.000 v. Chr.) bis zu den Karolingern (8. Jh. n. Chr.). Die Sammlungsausstellung ist Pilotprojekt für das neue Museumskonzept des Badischen Landesmuseums und bietet digitale Recherchetools und Virtual Reality. Die Expothek im Zentrum der Ausstellung gleicht einem Forschungslabor. Hier können sich registrierte Nutzer nach vorheriger Bestellung von geschulten Mitarbeitern Originalobjekte vorlegen lassen.

Geschichte der Römer am Oberrhein: Römische Kultur und Lebensart am Oberrhein. Mithras-Relief und Keller einer römischen Villa.

Im Erdgeschoss

Antike Kulturen des Mittelmeerraumes I und II: Exponate der Alten, griechischen und römischen Kulturen. Etrusker, Unteritalien und Sizilien. Einrichtungsgegenstände römischer Villen. Frühchristlich-byzantinische Objekte.

Sonderausstellungen

Im Ersten Obergeschoss

Spätmittelalter: Stände im Mittelalter (Adlige, Bürger und Bauern).

Renaissance und Frühbarock: Von der Reformation bis zu den Erbfolgekriegen. Skulpturen.

Schloss und Hof Karlsruhe: Baugeschichte des Schlosses, Straßensystem. Bildnisse der 1715 bis 1918 regierenden Fürsten des Hauses Baden. Insignien. Geschenke an das Haus Baden.

Waffenkammer: In der Waffenkammer sind Hieb-, Stich- und Feuerwaffen ausgestellt.

„Sogenannte Türkenbeute“: Ausstattungen aus der Zeit der Türkenkriege. Waffen, Reit- und Rüstzeug.

Im Zweiten Obergeschoss

Weltkultur/ Global Culture: Thema ist die gegenseitige Beeinflussung der europäischen und außereuropäischen Kulturen und die Rolle der Vermittlerkulturen. Kooperationen bestehen mit Museen in Tunesien, Algerien, Türkei, Griechenland, Italien und Frankreich.[1]

Baden und Europa (1789 bis heute): In der Dauerausstellung werden Schaustücke zur Geschichte Badens aus der Zeit von 1789 bis heute, u. a. zu Napoleon, Großherzog Karl Friedrich, Revolutionär Friedrich Hecker, gezeigt.

Serviceeinrichtungen

Das Museum verfügt über eine Präsenz-Bibliothek zu den Sammlungsgebieten und Ausstellungsthemen, einen Museumsshop und das Schlosscafé mit badischen Spezialitäten.

Außenstellen und Zweigmuseen

Neben dem Schloss besitzt das Badische Landesmuseum acht Außenstellen und Zweigmuseen.

Sonderausstellungen


Neben seinen Sammlungsausstellungen zeigt das Badische Landesmuseum pro Jahr mehrere Sonderausstellungen, die zum Teil als Große Landesausstellungen überregionale Aufmerksamkeit erreichen.

Große Sonderausstellungen und Landesausstellungen im Schloss ab 1992 (jeweils mit Katalog)

Aktionen in der Öffentlichkeit


Sammlungen im Internet


Mit dem Digitalen Katalog ermöglicht das Badische Landesmuseum neue Zugänge zu seinen Sammlungen. Das Angebot wird stetig erweitert, immer mehr Objekte können recherchiert werden.

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Badisches Landesmuseum  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c Harald Siebenmorgen: Das Badische Landesmuseum Karlsruhe stellt sich vor. In: Südkurier vom 25. April 2014, Beilage 600 Jahre Konstanzer Konzil, S. 6.
  2. Eintrag auf der Homepage der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland ; abgerufen am 30. Juni 2015
  3. Geschichte des Badischen Landesmuseums , abgerufen am 16. April 2020.
  4. dpa: Südwest: Hildas Diadem gestohlen. Badische Zeitung, 9. Mai 2017, abgerufen am 9. Mai 2017.
  5. Anika Maldacker und dpa: Südwest: Sicherheit: Badisches Landesmuseum nach zweitem Diebstahl in der Kritik. Badische Zeitung, 28. Juni 2017, abgerufen am 29. Juni 2017.
  6. Badische Neueste Nachrichten vom 20. März 2020: 22 Jahre lang Direktor: Harald Siebenmorgen ist tot – er prägte das Badische Landesmuseum in Karlsruhe , abgerufen am 24. März 2020
  7. Sammlungsausstellungen des Badischen Landesmuseums im Schloss. , abgerufen am 16. April 2020.
  8. Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Baden in Geschichte. Broschüre von ca. 2014.
  9. Museum > Weitere Standorte > Keramikmuseum Staufen. Abgerufen am 16. April 2020.
  10. Pressemitteilung: Rückgabe von Raubgrabkunst an Griechenland Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg, 6. Juni 2014










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Stand der Informationen: 06.06.2021 12:01:34 CEST

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