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Armenischer Ritus



Der armenische Ritus (auch: armenische Liturgie) ist der Gottesdienst der armenisch-apostolischen und der armenisch-katholischen Kirche. Er umfasst eine große Fülle einzelner Feste und Riten, die im Lauf der Geschichte ihre Gestalt zudem mehr oder minder tiefgreifend verändert haben. Eine heutigen Ansprüchen genügende Gesamtdarstellung in westlichen Sprachen fehlt. Daher werden hier vorrangig Übersetzungen aus den liturgischen Büchern der armenischen Kirchen sowie begleitende Untersuchungen angeführt.

Inhaltsverzeichnis

Liturgiegeschichte


Der armenische Ritus entwickelte sich ab dem 5. Jahrhundert auf der Grundlage der Liturgie von Jerusalem mit Einflüssen aus Kappadokien und dem syrischen Raum. Im Mittelalter, näherhin Mitte 12. bis Ende 14. Jahrhundert, übten der byzantinische Ritus der Griechen und, namentlich in und über Kilikien (Kleinarmenien), der römische Ritus der lateinischen Kirche einen spürbaren Einfluss auf Texte, Zeremoniell und liturgische Gewänder aus.

Sakramentale Feiern


Eucharistie

In der Ordnung der armenischen Eucharistiefeier spiegeln sich anfänglich mesopotamisch-syrischer und kappadokischer, nachfolgend (ab dem 5. Jahrhundert) Jerusalemer, dann (ab ca. 1000) byzantinischer, schließlich (Kreuzzugszeit) lateinischer Einfluss. Wie gewöhnlich gibt die von einem Bischof geleitete Feier (Pontifikalliturgie) die Vollform ihrer Gestalt wieder. Als einzige der Ostkirchen pflegt die armenische dem Messwein kein Wasser beizumischen und wurde dafür in Ost wie West lange kritisiert, da man dies als Bekenntnis zum Monophysitismus verstand. Das eucharistische Brot wird ohne Sauerteig bereitet.

Von mehreren in armenischer Sprache bekannten Hochgebeten ist heute allein die nach Athanasios von Alexandrien benannte Anaphora in Gebrauch. Sie ist noch vor Ende des 10. Jh. zur gewöhnlichen Anaphora der armenischen Kirche geworden und gilt als Übersetzung aus dem Griechischen. In der Forschung wird sie bald auf Gregor von Nazianz, bald auf eine ältere Version der armenischen Basilius-Anaphora zurückgeführt oder als Komposittext betrachtet.

Die wichtigsten armenischen Liturgiekommentare[1] stammen von Xosrov Anjewacʿi (Chosroes d. Gr.), ca. 900–963, und Nersēs Lambronacʿi, Bischof v. Tarsos in Kilikien, 1175–1198, sowie Yovhannēs Arčišecʿi, ca. 1260–1130.

Texte:

(a) Armenisch-orthodox:

(b) Armenisch-katholisch:

Hochgebete:

(a) In Gebrauch:

(b) Historische Texte:

Liturgiekommentare:

Studien:

Videos:

Taufe, Firmung

Die armenische Initiationsliturgie verbindet Taufe, Firmung und den Empfang der ersten Kommunion in einer Feier. Ihre Gestalt beruht auf den liturgischen Gewohnheiten der altkirchlichen Erwachsenentaufe, die mit den nötigen Anpassungen auch auf zu taufende Kinder Anwendung finden.

Grundstruktur:

1. Katechumenat und zugehörige Riten (bei der Kindertaufe vereinfacht)

2. Feier

Am Kircheneingang
Vorbereitende Riten (Psalmen und Gebete)
Absage an den Bösen und Glaubensbekenntnis
Nach Einzug in die Kirche
Weihe des Öles
Weihe des Taufwassers
Taufbad (im Prinzip durch Unter- oder Eintauchen)
Postbaptismale Riten
Salbungen
Verehrung des Altares
Eucharistische Kommunion (auch bei der Kindertaufe)
Entlassung
Am Oktavtag
Ablegung der „Krone“ (Kopfbinde).

Texte und Literatur:

Video:

Myronweihe

Myron ist ein mit zahlreichen duftenden Spezereien angereichertes Öl, das bei besonders hochrangigen sakramentlichen Handlungen benutzt wird. Seine feierliche Weihe erfolgt bei den Armeniern alle sieben Jahre durch einen Katholikos, in der Gegenwart sowohl durch den von Etschmiadsin als auch den von Kilikien. Die letzten Myronweihen wurden in Biqfaya (Libanon) am 18. Juli 2015[2] und in Etschmiadsin am 27. September 2015[3] vollzogen. Zum Zeichen der Kontinuität und Einheit wird dem neuen jeweils etwas vom früher geweihten Myron beigemischt, in jüngster Zeit auch etwas vom Myron des Geschwisterkatholikats.

Ordination

Mönchsweihe

Salbung eines Königs

Für die Salbung und Krönung der kleinarmenischen Könige wurde 1198 eine Ordnung des römischen Ritus in das Armenische übersetzt und bearbeitet. In etwas vereinfachter Form wurde diese bis zur letzten Krönung eines armenischen Königs, 1466 in Vaspurakan, durch Katholikos Stephanos V. von Aghtamar benutzt.

Kirchweihe

Buße

Eheschließung

Texte:

Studien:

Krankensalbung

Eine kirchenamtliche Krankensalbung wurde lange nicht gepflegt. Im Königreich Kleinarmenien verwendeten manche Priester die griechische, manche die lateinische Ordnung. Die Synode von Sis 1342 beschloss (quantum possumus) Angleichung an die Praxis der Kirche von Rom.

Begräbnis

Bekannt sind unterschiedliche liturgische Ordnungen für das Begräbnis von (1) Klerikern, (2) Mönchen und (3) Laien. Eine eigene Ordnung für das Begräbnis ungetaufter Kinder ist seit Ende 13. Jh. bezeugt; in der Neuzeit wird er für die Beisetzung getaufter Kinder verwendet. (1) Der Ritus für die Beisetzung eines Priesters weist eine reichere Leseordnung und ein entfaltetes Zeremoniell auf. Nach der Totenwache wird der Verstorbene in der Kirche aufgebahrt, die Bahre dann zur Abschiednahme an verschiedene Stellen der Kirche niedergelegt. Höhepunkt der Feier ist die Salbung des Leichnams mit Myron und die Verabschiedung des Toten durch seine Amtsbrüder. (2) Der Ritus für Mönche scheint von der Ordnung des Laienbegräbnisses abhängig. Für den Verstorbenen wird kein Gottesdienst in der Kirche abgehalten. Nach der Totenwache im Sterbehaus wird der Tote sogleich zum Friedhof getragen und in seinem Habit bestattet. (3) Der Ritus für Laien besteht aus: (a) Leichenpflege und Totenwache im Sterbehaus; (b) Überführung des Leichnams vor das Kirchenportal, dort Gebetsgottesdienst und rituelle Verabschiedung; (c) Prozession und Friedhof und Bestattung.

Tagzeiten


Feste und Festzeiten


Ostern und Osterzeit

Epiphanie

Das Fest des 25. Dezember („Weihnachten“) wurde von den Armeniern nicht übernommen. Geburt und Erscheinung (Epiphanie) des Herrn werden daher weiterhin gemeinsam am 6. Januar begangen.

Andere Feste

Gewänder und Geräte


Liturgische Sammlungen


Allgemeine Literatur


in der Reihenfolge des Erscheinens

Einzelnachweise


  1. Übersicht: Charles Renoux: Les commentaires liturgiques arméniens. In: Mystagogie. Pensée liturgique d’aujourd’hui et liturgie ancienne (BELS 70), Rome, 1993, 277–308.
  2. Liborius Olaf Lumma: Myron-Weihe im armenisch-apostolischen Marienkloster Biqfaya, Libanon, am 18.7.2015. Andreas-Petrus-Werk, Rundbrief 2015/2, aufgerufen am 18. Dezember 2015
  3. Myronweihe 2015 in Hl. Etschmiadzin. (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive) Armenische Gemeinde BW, 27. September 2015, aufgerufen am 18. Dezember 2015
  4. Zu den unterschiedlichen Rezensionen vgl. Ugo Zanetti: Apophtegmes et histoires édifiantes dans le Synaxaire arménien. In: Analecta Bollandiana 105 (1987) 169f.



Kategorien: Armenisches Christentum | Ritus (Tradition)



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Armenischer Ritus (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


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