Anrufbeantworter - de.LinkFang.org

Anrufbeantworter

Ein Anrufbeantworter (AB) ist ein elektrischer oder elektronischer Audiorekorder, der Telefongespräche annimmt und nach Abspielen einer Telefonansage für den Anrufer, beispielsweise mit dem Text „Bitte sprechen Sie nach dem Signalton …“, (optional) eine gesprochene Nachricht des Anrufers aufzeichnet. Das geschieht bei Nichterreichbarkeit alternativ zum Telefongespräch.

Bei aktivem Gerät gibt es folgende grundsätzliche Möglichkeiten (Schaltungen):

Per Knopfdruck kann der Anrufbeantworter auch deaktiviert werden.

Inhaltsverzeichnis

Anrufbeantworter-Endgerät


Im Festnetzbereich ist ein Anrufbeantworter meist als teilnehmerseitig am lokalen Telefonanschluss installiertes Endgerät ausgeführt.

Bei diesen Geräten kann der Angerufene den Anruf noch entgegennehmen, während der Anrufer (A-Teilnehmer) einen Text aufspricht. Das Zeitfenster bis zur Aktivierung der Ansage nach der Anrufsignalisierung kann meist flexibel gewählt werden.

Die Aufzeichnung kann analog oder digital erfolgen.

In der ursprünglichen Form – meist als separates Gerät ausgeführt – wurden normale Kompaktkassetten (Audiokassetten) oder spezielle Mini- bzw. Mikrokassetten verwendet. Bessere Geräte hatten zwei Kassettenlaufwerke, eines für den Ansagetext, das andere für die Nachrichten der Anrufer. Wurde eines für alle Texte eingesetzt, waren durch das Umspulen der Kassette längere Wartezeiten bis zum Aufsprechen der Nachricht vonnöten. Geräte dieser Bauart werden seit dem 21. Jahrhundert nicht mehr produziert. Bei digitalen Geräten werden die Sprachdaten in einem geräteinternen Speicher gespeichert. Bei früheren Versionen mit RAM war zum Speichererhalt bei Stromausfall eine Batterie integriert. Bei heutigen Geräten wird die nichtflüchtige Flash-Speicher-Technologie verwendet, eine Batterie ist dadurch nicht mehr nötig. Auch analog-digitale Mischformen waren auf dem Markt, beispielsweise mit RAM für den Ansagetext sowie Kassette für Nachrichten der Anrufer und als Sicherungsmedium bei Stromausfall für die Ansage.

Während frühere Geräte in den 1990er Jahren meist als separates Gerät ausgeführt waren, sind Anrufbeantworter heute häufig auch in Festnetztelefone bzw. deren Basisstationen oder Telefonanlagen integriert.

Sonderfunktionen

Im Mobilfunkbereich konnten sich teilnehmerseitige Anrufbeantworter nicht gegen die übliche netzseitige Lösung (Voice-Mailbox) durchsetzen. Für Smartphones gibt es Software-Implementierungen. Teilnehmerseitige Anrufbeantworter haben den Nachteil, dass sie nur funktionieren, wenn das Gerät eingeschaltet ist und Empfang hat, vermeiden aber die zuzeiten üblichen Kosten für die Abfrage des Anrufbeantworters.

Voice-Mailbox


Ist der Anrufbeantworter kein eigenständiges Gerät, sondern ein System, das mehrere Telefonanschlüsse zugleich bedienen kann, so spricht man bei dem virtuellen Anrufbeantworter von Voice-Mailbox, kurz nur Mailbox, oder auch von Sprachspeicher, bei Mobilfunk-Mailboxen auch von Mobilbox (die Bezeichnung Mobilbox nutzt hauptsächlich die Deutsche Telekom AG).

Die Sprachnachrichten werden nicht über das Gerät (ggf. bloß ein Server) abgehört; vielmehr wird es über eine Zugangsnummer angerufen und dann mit dem Telefon gesteuert.

Voice-Mailbox im Mobilfunk und Festnetzbereich

Bei den Mobilfunkanbietern und in zunehmendem Maß auch bei VoIP-Anschlüssen und Festnetzanschlüssen (zum Beispiel SprachBox, bis Juli 2008 T-NetBox, bei der Deutschen Telekom) wird ein Anrufbeantworter netzseitig zentral durch die Telefongesellschaft bereitgestellt.

Die Voice-Mailbox befindet sich physisch auf Audiotex-Servern im Netz der Telefongesellschaft und kann dort per Telefon abgerufen werden, was je nach Anbieter gebührenpflichtig sein kann. Die Mobilboxfunktion wird von vielen Mobilfunkanbietern massiv beworben, da durch deren Nutzung zusätzliche Verbindungsminuten generiert werden. Die Ansagen können meist zwischen den Vorgaben der Telefongesellschaft gewählt oder selbst individuell aufgesprochen (hinterlegt) werden.

Die Mobilbox lässt sich in vielen Netzen durch Eingabe der Kombination ##002# abstellen.[1] Die Einstellung der PIN für die Mailbox ist hingegen bei den Netzanbietern meist unterschiedlich geregelt. Durch eine Modifikation der gewählten Nummer kann der Anrufer unmittelbar die Voice-Mailbox erreichen, ohne dass das Telefon klingelt; siehe dazu den Artikel Mailbox-Durchwahl.

Solche netzseitig implementierten Lösungen haben derzeitig gegenüber dem Anrufbeantworter als teilnehmerseitig installiertem Endgerät den Nachteil, dass ein Anruf nicht mehr nachträglich entgegengenommen werden kann, nachdem ihn die Mailbox übernommen hat. Des Weiteren kann die Zeitspanne ab Beginn der Anrufsignalisierung, nach der die netzseitige Mailbox den Anruf übernehmen soll, nur mit Einschränkungen gewählt werden – so beim üblichen GSM-Standard etwa von 0 bis 30 Sekunden in Fünf-Sekunden-Schritten, zum Teil bestehen noch größere Einschränkungen. Diesen Nachteil weisen zwar mitunter auch lokale Anrufbeantworter auf, an diese ist man aber nicht vertraglich gebunden.

Viele Voice-Boxen können auch Faxe entgegennehmen und speichern. Wenn neben der bei Mobilboxen üblichen SMS-Benachrichtigung bei neuen Nachrichten weitergehende Funktionen wie E-Mail-Benachrichtigung sowie -Weiterleitung der aufgesprochenen Mitteilungen und Faxe (Fax2mail) in der Voicebox-Lösung integriert sind, spricht man auch von Unified Messaging.

Voice-Mailbox bei Systemtelefonen

Bei Systemtelefonanlagen im Geschäftsbereich werden firmeneigene Voicemail-Dienste für jeden Anwender anlagenseitig zur Verfügung gestellt.

Voicemail ist oft auch in Unified-Messaging-Lösungen integriert, so dass in einer Software am Arbeitsplatz-PC neben z. B. E-Mail und Fax auch Sprachnachrichten zur Verfügung stehen.

Voice-Mailboxen werden entweder von der Telefonanlage direkt, von einer modularen Erweiterung oder von einem per VoIP angeschlossenen Server entgegengenommen, verarbeitet und gespeichert.

Geschichte


Die ersten Geräte, die bereits im Jahr 1898 zu dieser Idee entstanden, waren der Telephonograph und das Telegraphon. Sie hatten aber noch zahlreiche technische Schwächen und konnten sich nicht durchsetzen.

Als erster Anrufbeantworter gilt heute das Textophon.[3] Es handelte sich dabei um ein durch den Ingenieur Semi Joseph Begun für das Berliner Unternehmen C. Lorenz verbessertes und erweitertes Modell des von Curt Stille unter dem Namen „Dailygraph“ entwickelten Diktiergerätes. Die Aufschaltung ans Fernsprechnetz war vom Hersteller vorgesehen, bildete aber nur eine von mehreren Verwendungsmöglichkeiten. Als Drahttongerät war es eine konsequente Weiterentwicklung des Telegraphon. Neben dem inzwischen gleich eingebauten Verstärker und einer Verbesserung der Aufzeichnungs- und Wiedergabetechnik, revolutionierte es auch die Handhabung der Aufzeichnungsmedien. Die Stahldrahtrollen waren in speziell auf das Textophon passende Gehäuse eingefasst, so dass das Gerät nicht nur der erste Anrufbeantworter, sondern auch der erste Kassettenrekorder gewesen ist.

Bei den Bell Laboratories in den Vereinigten Staaten arbeitete Clarence Hickman ab 1934 ebenfalls an einem Anrufbeantworter. Er verwendete für seine Experimente zunächst ein Telegraphon der American Telegraphone Company von Valdemar Poulsen, wechselte dann aber bald den Stahldraht gegen ein schmales Stahlband aus. Damit scheint seine Entwicklung der magnetischen Aufzeichnung ganz ähnlich verlaufen zu sein, wie in Europa beim „Blattnerophon“ bzw. dessen Nachfolgern der Marconi Company und den „Stahlbandmaschinen“ von C. Lorenz.[4] Die letztgenannten Geräte waren aber nicht mehr als Anrufbeantworter, sondern vor allem für Reportagen bei der BBC und bei den in der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft zusammengeschlossenen deutschen Sendern im Einsatz. Das Telefonunternehmen AT&T, als Eigentümer der Bell Laboratories, hielt die Erfindung jahrelang unter Verschluss. AT&T befürchtete, dass ein Anrufbeantworter zu weniger Telefongesprächen führen würde.[5]

Den ersten bekannten automatischen Anrufbeantworter entwickelte 1938 der Erfinder Willy Müller. Erst vier Jahre später wurde er vom Reichspostzentralamt unter der Bezeichnung Ipsophon zugelassen.

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Im Jahre 1953 waren in Deutschland erstmals Anrufbeantworter für Privathaushalte verfügbar. Die von Willy Müller & Co in München hergestellten Geräte wurden zunächst Sprachspeichergeräte genannt und als vereinfachte Versionen der für Ansagedienste eingesetzten Geräte der damaligen Deutschen Bundespost betrachtet:[6]

Ab den späten 1980er Jahren wurde der Anrufbeantworter in Deutschland vom Luxusgut zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand, durch den Übergang vom Tonband zur Tonbandkassette waren die Geräte zudem nun auch kleiner. Da von der Bundespost zugelassene Modelle sehr teuer waren und funktionelle Einschränkungen hatten, waren viele nichtzugelassene Geräte auf dem Markt, deren Betrieb damals aber illegal war. Auch ihr Anschluss war nicht unproblematisch, da Telefonsteckdosen noch nicht verbreitet waren und das Öffnen der verschraubten Anschlussdosen nicht gestattet war.

Symbol


Ein zarter Kreis mit einem die Kreislinie einmal radial nach links unten querendem Strich, ähnlich einem seitenverkehrten Q (als Zeichen für eine (abgehobene) Grammophondose mit Nadel), kann vor die Rufnummer gesetzt werden, wenn ein Anrufbeantworter angeschlossen ist. Der zugehörige Unicode-Codepunkt ist U+2315 (⌕). Auf Telefongeräten ist ein Zeichen aus zwei nebeneinanderliegenden, oben mit einer Linie verbundenen Kreisen üblich (symbolische Darstellung zweier Tonbandspulen).

Sonstiges, GEMA


Die Einspielung von GEMA-pflichtiger Musik in Telefonanlagen, zum Beispiel auf Anrufbeantwortern (zur Untermalung von Telefonansagen) oder in Warteschleifen, ist anmeldepflichtig. Das ist vielen kleinen Unternehmen unbekannt. Zur Vermeidung dieser Gebühren gibt es GEMA-freie Musik, also Musik, deren Lizenzgeber nicht von der GEMA vertreten werden und das beim Verkauf auch ausdrücklich dokumentieren.

Literatur


Einzelnachweise


  1. Wie man seinen Anrufbeantworter loswird , babel.de
  2. The Telephonograph. In: New Science. Band 12, Nr. 308, 23. November 1900, JSTOR 1628731 S. 812 f.
  3. Anrufbeantworter . Auf der Webseite der Museumsstiftung Post und Telekommunikation, abgerufen am 7. November 2015.
  4. Eric D. Daniel, C. Denis Mee, Mark H. Clark: Magnetic Recording - The First 100 Years. IEEE Press, New York 1999, ISBN 0-7803-4709-9. S. 38. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  5. Tim Wu: Der Master Switch: Aufstieg und Niedergang der Informationsimperien. Mitp Verlag, 2012, ISBN 978-3-8266-9273-4, S. 132–134.
  6. Radio-Magazin mit Fernseh-Magazin. Nr. 8, 1953.
  7. Barbara Stolba: Notaphon | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. September 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 27. September 2017]).

Weblinks


 Commons: Answering machines  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
WiktionaryWiktionary: Anrufbeantworter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen



Kategorien: Telefon | Audio-Aufnahmegerät | Audio-Wiedergabegerät


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Stand der Informationen: 20.10.2019 06:41:49 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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