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Akademie der Künste (Berlin)

Die Akademie der Künste in Berlin ist seit dem 1. Januar 2004 eine von der Bundesrepublik Deutschland getragene Körperschaft des öffentlichen Rechts, die sich der Förderung der Bildenden Kunst, der Baukunst, der Musik, der Literatur, der Darstellenden Kunst sowie der Film- und Medienkunst widmet. Die Akademie ist eine internationale Gemeinschaft von Personen, die sich um die Künste verdient gemacht oder die zur Kunst ihrer Zeit beigetragen haben. Sie steht in der Tradition der Preußischen Akademie der Künste, die bis auf das Jahr 1696 und den ersten Preußenkönig Friedrich I. zurückgeht.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Die Berliner Akademie der Künste geht zurück auf die am 11. Juli 1696 von Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg, dem späteren König in Preußen Friedrich I., gegründete Akademie. Sie beruft sich auf die Tradition dieser Gelehrtengesellschaft, die mehrmals den Namen und auch den Standort wechselte:

Die Akademie der Künste in ihrer Form aus dem Anfang des 21. Jahrhunderts ging am 1. Oktober 1993 aus folgenden Vorgängerinstitutionen hervor:

Standorte und Gebäude


Der Hauptsitz der Akademie befindet sich am Pariser Platz 4 im Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Er nutzt einen im Jahr 2005 eröffneten Neubau des Architekten Günter Behnisch, unmittelbar angrenzend an das Hotel Adlon.

Erster Standort war der Königliche Marstall Unter den Linden 3. Später bezog die Akademie ein Mehrzweckgebäude auf dem Grundstück Unter den Linden 8, 1902 dann das Palais Arnim von Eduard Knoblauch, das Ernst von Ihne bis 1907 für die Akademie der Künste umgebaut und erweitert hatte. Während der Bauzeit residierte sie fünf Jahre lang in der Potsdamer Straße. Von 1938 bis zur Zerstörung 1945 hatte die Akademie im Kronprinzenpalais ihren Sitz.

Der frühere Hauptsitz der West-Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg im Hansaviertel, 1958 bis 1960 von Werner Düttmann erbaut, wird weiterhin für Veranstaltungen und Ausstellungen sowie zu Verwaltungszwecken genutzt.

Der Hauptsitz der Deutschen Akademie der Künste, später der Akademie der Künste der DDR, befand sich bis 1977 im 1906 von Ihne errichteten Haus für ärztliches Fortbildungswesen der Charité am Robert-Koch-Platz 7 in der Friedrich-Wilhelm-Stadt in Berlin-Mitte, danach im selben Ortsteil im Langenbeck-Virchow-Haus. Anfang der 1990er Jahre wurde der Standort aufgegeben.

An ihrem Standort Pariser Platz sind frühere Kellerräume der Preußischen Kunstakademie erhalten, die auch Kellerräume des Hotels einschließen. Diese Kellerräume gestalteten im Jahr 1957 Studenten der Meisterateliers der Akademie der Künste der DDR für den ersten Akademie-Fasching als Partykeller. Die von den Kriegsereignissen und der Einlagerung von Kohle geschwärzten Wände wurden bemalt, und zwar in einfachen Formen Strichmännchen-ähnlich. Auch andere knallig ausgeführte Bilder wie rote Sektgläser, wilde Jagdszenen oder erotische Akte erfreuten letztendlich die Besucher. Folgende später berühmt gewordene Künstler hatten sich an den Wänden verewigt: Manfred Böttcher, Gustav Seitz, Heinrich Ehmsen, Werner Stötzer, Harald Metzkes, Ernst Schroeder oder Horst Zickelbein. Eine zweite Faschingsveranstaltung fand 1958 ebenfalls in diesem Kunstkeller statt. Nach ihrer Wiederentdeckung wurden die Kellerräume mit ihren Bildern auf Initiative von Matthias Flügge konserviert. Sie werden in absehbarer Zeit bei Berlin-Führungen öffentlich zu besichtigen sein, aber bereits bei der Art Week 2018 lassen sie sich von Interessenten anschauen.[2]

Aufgaben


Die Akademie der Künste hat laut Gesetzestext folgende Aufgaben:

Die Akademie der Künste hat ausschließlich gemeinnützige Zwecke.

Gesetzliche Grundlage


Das notwendige Gesetz zur Errichtung der Akademie ist am 9. Mai 2005 verkündet worden[3] und ist mit Wirkung vom 1. Januar 2006 in Kraft gesetzt worden.[4] Die Länder Berlin und Brandenburg haben dabei insofern ein Mitspracherecht bekommen als das Gesetz zur Errichtung der Akademie der Künste erst nach Auflösung der bestehenden, von den beiden Bundesländern getragenen Akademie in Kraft tritt. Zudem stellen beide Länder je einen Vertreter im Verwaltungsbeirat.

Die Akademie der Künste führt einen Rechtsstatus mit Selbstverwaltungsrecht.

Der Bund besitzt im Verwaltungsbeirat als Zuschussgeber die Mehrheit der Stimmen.

Der Akademie steht ein Senat vor. Von 1997 bis 2003 war der ungarische Schriftsteller und Essayist György Konrád Präsident der Akademie, bis zum 15. Dezember 2005 war es der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg.[5][6] Seit 2006 war der Grafiker und Verleger Klaus Staeck Präsident, zur Vizepräsidentin wurde 2006 Nele Hertling gewählt. Beide wurden 2009 und 2012 für jeweils drei Jahre wiedergewählt.[7] Auf Klaus Staeck, der nach drei Amtsperioden satzungsgemäß nicht mehr antreten konnte, folgte mit der damals 71-jährigen deutsch-argentinischen Filmemacherin Jeanine Meerapfel erstmals eine Frau an die Spitze der Akademie. Zur Vizepräsidentin wurde die Schriftstellerin Kathrin Röggla gewählt. Auch die weiteren Posten im insgesamt 14-köpfigen Senat wurden bestätigt oder neu besetzt.[8]

Die Mitgliederversammlung umfasst alle (maximal 500) Mitglieder der Akademie.

Mitglieder


Die Akademie hat per Gesetz maximal 500 Mitglieder, im Juli 2018 waren es 418.[9] Diese werden von den Sektionen der Akademie benannt, von der Mitgliederversammlung in geheimer Wahl gewählt und vom Präsidenten berufen.

Vom Senat der Akademie der Künste können zudem Ehrenmitglieder vorgeschlagen werden.

Beide deutsche Staaten beanspruchten zunächst Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Carl Orff, Arnold Schönberg, Erwin Piscator, George Grosz, Max Beckmann und Gustaf Gründgens für sich.

Die Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Berlin (Ost) 1950 und damit vier Jahre vor der Akademie der Künste in Berlin (West) erfolgte in der Tradition der Preußischen Akademie der Künste. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten unter anderen Johannes R. Becher, Bertolt Brecht, Hanns Eisler, Otto Nagel, Anna Seghers, Helene Weigel und Friedrich Wolf.[10]

Sektionen


Die Akademie gliedert sich in folgende Sektionen mit jeweils eigenem Direktor (Stand: 30. Mai 2015):

Präsidenten


Preußische Akademie der Künste zu Berlin

Akademie der Künste / Ost

Akademie der Künste / West

vereinigte Akademie der Künste seit 1993

Archiv und Kunstsammlung der Akademie der Künste


Das umfangreiche Archiv der Akademie der Künste, zu dem auch eine große Kunstsammlung zählt, gilt heute als bedeutendstes interdisziplinäres Archiv zu Kunst und Kultur seit 1900 im deutschen Sprachraum. Entsprechend der Mitgliederstruktur der Akademie umfasst es alle Künste. Seine Hauptaufgabe besteht darin, künstlerisch und kulturgeschichtlich wichtige Archive zu erwerben, zu verzeichnen und der Wissenschaft und interessierten Öffentlichkeit bereitzustellen. Im Oktober 2012 wurde das rund 35 Regalmeter Aufzeichnungen umfassende Peter-Zadek-Archiv für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.[13] Am 3. November 2012 eröffnete die Akademie das Christoph-Schlingensief-Archiv, das der Künstler bereits zu Lebzeiten übergeben hatte, über 40 Regalmeter Dokumentationsmaterial zu seinen genreübergreifenden künstlerischen Aktionen (audiovisuelle Medien, Plakate, Korrespondenzen, Programmhefte, Fotos, Produktionsunterlagen zu einigen seiner Filme und Inszenierungen).[14]

Die Kunstsammlung umfasst etwa 70.000 Arbeiten auf Papier sowie Gemälde, Plastiken, künstlerische Objekte und über 40.000 Plakate. Sie betreut auch Werke der angewandten bildenden Kunst und kulturgeschichtliche Gegenstände, die aus Nachlässen anderer künstlerischer Disziplinen stammen, wie etwa Theaterkostüme und Bühnenmodelle. Zu ihren bedeutenden Schätzen zählen der große Bestand von Zeichnungen Johann Gottfried Schadows, Daniel Chodowieckis Zeichenfolge seiner Reise von Berlin nach Danzig, das Amalfi-Skizzenbuch und Landschaftsölskizzen von Carl Blechen sowie, aus dem 20. Jahrhundert, der gesamte Nachlass John Heartfields und ein umfangreicher Teilnachlass von George Grosz mit Zeichnungen, Grafiken und Collagen. Zu ihren neueren Beständen gehören die Mail-Art-Sammlung Guillermo Deisler, umfangreiche Vintage Print-Serien von Michael Ruetz, das gesamte grafische Œuvre von Alfonso Hüppi und auch großformatige Gemälde von Thomas Huber und Carl Frederik Reuterswärd.

Schriftenreihe „Anmerkungen zur Zeit“


Von 1956 bis 2007 erschienen insgesamt 39 Broschüren in der Schriftenreihe Anmerkungen zur Zeit, darunter als Heft 1 Hans Egon Holthusen Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen (ein Gutachten für einen Wettbewerb),[15] Hugo Häring Vom neuen Bauen, von Theodor W. Adorno Die Funktion des Kontrapunkts in der neuen Musik, von Adolf Arndt Demokratie als Bauherr und von Hans Mayer Platon und die finsteren Zeiten – Über die Möglichkeiten einer Akademie im heutigen Deutschland (Heft 10).[16]

Preise, Auszeichnungen, Stipendien


Die Akademie vergibt eine Vielzahl von Auszeichnungen und Stipendien:

Siehe auch


Literatur


Weblinks


 Commons: Akademie der Künste (Berlin)  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Zur Geschichte

Zum Neubau am Pariser Platz 4

Debatte zur Nutzung des Neubaus

Archiv und Hanseatenweg

Sonstiges

Einzelnachweise


  1. Die Akademie der Künste → Geschichte
  2. Ingeborg Ruthe: Ausgetobt im Untergeschoss. In: Berliner Zeitung, 28. September 2018. S. 21 (Printausgabe).
  3. BGBl. I 2005, S. 1218.
  4. BGBl. I 2006, S. 571.
  5. Rüdiger Schaper: Wer im Glashaus schwitzt. Akademie-Präsident Adolf Muschg gibt auf. In: Der Tagesspiegel, 16. Dezember 2005, S. 25.
  6. Sinn und Reform. Nach Muschgs Rücktritt Vizepräsident Matthias Flügge über die Zukunft der Akademie der Künste. In: Der Tagesspiegel, 17. Dezember 2005, S. 23, Interview.
  7. Akademie-Präsident Klaus Staeck und Vize-Präsidentin Nele Hertling treten dritte Amtszeit an, Pressemitteilung 5. Mai 2012 Akademie der Künste Berlin
  8. http://www.rbb-online.de/kultur/beitrag/2015/05/Berlin-Akademie-der-Kuenste-Jeanine-Meerapfel-erste-Praesidentin.html (Link nicht abrufbar)
  9. Akademie der Künste14 neue Mitglieder aufgenommen. In: Deutschlandfunk, 10. Juli 2018, abgerufen am 10. Juli 2018.
  10. DuMont Kunst Reiseführer Berlin
  11. Michael Bräuer
  12. Direktorin der Sektion Darstellende Kunst ist seit Mai 2017 Nele Hertling , AdK, abgerufen am 12. Juli 2018
  13. Homepage Akademie der Künste AdK-Blog 24. September 2012, abgerufen am 3. Oktober 2012.
  14. Homepage Akademie der Künste Berlin, abgerufen am 4. November 2012.
  15. Eckhart Gillen: Abstrakte Kunst als Instrument des Kalten Krieges der Kulturen. Der Wettbewerb für das Denkmal des unbekannten politischen Gefangenen 1952/53.
  16. siehe DNB 012607355 – Normdaten der Reihe; die DNB hat nicht alle Bände im Bestand oder diese nicht zugeordnet
  17. Ellen-Auerbach-Stipendium für Fotografie

Koordinaten: 52° 30′ 54″ N, 13° 22′ 46″ O




Kategorien: Organisation (Kunst) | Kulturelle Organisation (Berlin) | Kunst (Berlin) | Behnisch & | Partner | Pariser Platz | Gegründet 1993 | Körperschaft des öffentlichen Rechts



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