5-HT-Rezeptor - de.LinkFang.org

5-HT-Rezeptor

Serotonin (auch 5-Hydroxytryptamin, 5-HT) vermittelt seine physiologischen und pathophysiologischen Effekte über eine Aktivierung verschiedener, an die Zellmembran gebundener Rezeptoren, der 5-HT-Rezeptoren (auch Serotonin-Rezeptoren). Diese sind in hoher Dichte im Zentralnervensystem, im Magen-Darm-Trakt, im Herz-Kreislaufsystem und im Blut zu finden. Physiologisch spielen sie u. a. bei der Blutgerinnung, bei Lernprozessen und bei der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus eine Rolle. Von pathologischer Bedeutung ist eine Fehlsteuerung biochemischer Vorgänge an den Serotonin-Rezeptoren bei Migräne, pulmonaler Hypertonie, Depression, Schizophrenie, Essstörungen, Übelkeit und Erbrechen.

Im Menschen kann derzeit zwischen mindestens 14 verschiedenen 5-HT-Rezeptoren unterschieden werden, die in 7 Familien zusammengefasst werden: 5-HT1 bis 5-HT7.[1] Mit Ausnahme der 5-HT3-Rezeptoren, die Ionenkanäle bilden, sind alle 5-HT-Rezeptoren G-Protein-gekoppelte Rezeptoren. Aus Tierarten, einschließlich Wirbellosen, wurden bis zur Jahrtausendwende etwa 70 verschiedene Serotoninrezeptoren kloniert.[2]

Inhaltsverzeichnis

Systematik der 5-HT-Rezeptoren


5-HT1-Rezeptoren

Die 5-HT1-Rezeptoren stellen mit 5 Subtypen (A, B, D, E und F) die größte Gruppe der 5-HT-Rezeptoren dar. Charakteristisch für diese Rezeptoren ist, dass sie außer durch 5-HT auch durch 5-Carboxamidotryptamin (5-CT) aktiviert werden und über Gi/Go-Proteine zu einer Inhibition der Adenylylcyclase führen.

5-HT2-Rezeptoren

Die 5-HT2-Rezeptoren werden in die Subtypen A, B und C unterteilt. Sie werden durch α-Methyl-5-HT aktiviert und vermitteln ihre Effekte über Gq/11-Protein-gekoppelte Rezeptoren.[5]

Antidepressiva vermitteln ihre Langzeitwirkung (ab etwa 2 Wochen Therapiedauer) unter anderem über eine Down-Regulierung von postsynaptischen 5-HT2A-Rezeptoren und adrenergen β-Rezeptoren. Die so verminderte Signalwirkung der 5-HT2A-Rezeptoren ist an der anxiolytischen Wirkung der Antidepressiva maßgeblich beteiligt. Eine Hemmung der Ansprechbarkeit von präsynaptischen 5-HT1-Autorezeptoren führt darüber hinaus zu einer gesteigerten Ausschüttung von 5-HT in den synaptischen Spalt.[10]

5-HT3-Rezeptoren

Der 5-HT3-Rezeptor nimmt als ligandengesteuerter Ionenkanal eine einzigartige Stellung unter den 5-HT-Rezeptoren ein. Er besteht aus fünf Proteinmolekülen und ist selektiv für die Passage von Natrium- und Kaliumionen. Dieser ausschließlich auf zentralen und peripheren Neuronen vorkommende Rezeptor ist unter anderem für die Auslösung des Brechreflexes verantwortlich. 5-HT3-Rezeptorantagonisten wie Ondansetron, Palonosetron und Tropisetron werden somit hochwirksam zur Unterdrückung des Zytostatika-induzierten Erbrechens eingesetzt.

5-HT4-Rezeptoren

Von besonderer Bedeutung im Gastrointestinaltrakt, aber auch am Herz ist der Gs-Protein-gekoppelte 5-HT4-Rezeptor. Über eine Ausschüttung von Acetylcholin reguliert er die Darmaktivität. So wurde der 5-HT4-Rezeptoragonist Cisaprid eine Zeit lang als Prokinetikum eingesetzt, bis er wegen Verursachung von Herzrhythmusstörungen vom Markt genommen wurde. Hierbei kam es zu QT-Verlängerungen im EKG. Ein weiterer prokinetisch wirksamer 5-HT4-Rezeptoragonist, das Tegaserod, hatte unter anderem in den USA und der Schweiz eine Zulassung zur Behandlung des Reizdarmsyndroms, wurde aber 2007 wegen kardialer Nebenwirkungen vom Markt wieder zurückgezogen. Prucaloprid (Handelsname Resolor) ist in der EU und der Schweiz seit 2010 zur Behandlung der idiopathischen chronischen Verstopfung bei Frauen zugelassen und soll nicht proarrhythmisch sein. Im Juni 2015 erhielt der Hersteller Shire die EU-Zulassung auch für Männer.[11]

„Höhere“ 5-HT-Rezeptoren (5-HT5, 5-HT6 und 5-HT7)

In dieser Gruppe werden neuere 5-HT-Rezeptoren (seit 1992 entdeckt) zusammengefasst, die sich molekularbiologisch deutlich von anderen 5-HT-Rezeptoren unterscheiden. Über ihre funktionelle Bedeutung ist mit Ausnahme des 5-HT7-Rezeptors nur wenig bekannt, was in der Nomenklatur durch Verwendung kleiner Buchstaben ausgedrückt wird.

5-HT5-Rezeptoren mit ihren Subtypen A und B führen zu einer Inhibition der Adenylylcyclase.

Der nur zentral vorkommende, Gs-Protein-gekoppelte 5-HT6-Rezeptor kann möglicherweise mit Lernvorgängen in Verbindung gebracht werden. Auch zeigen atypische Neuroleptika (zum Beispiel Clozapin) eine hohe Affinität zu diesem Rezeptor.

Deutlich besser untersucht ist der ubiquitär (überall) vorkommende 5-HT7-Rezeptor. Neben der Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus und der Körpertemperatur ist er für die langanhaltende Blutdrucksenkung durch 5-HT verantwortlich. Sowohl typische (beispielsweise Pimozid) als auch atypische Antipsychotika (zum Beispiel Clozapin) zeigen eine hohe Affinität zu diesem Rezeptor.[13]

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Hoyer D, Clarke DE, Fozard JR, et al.: International Union of Pharmacology classification of receptors for 5-hydroxytryptamine (Serotonin). In: Pharmacol. Rev.. 46, Nr. 2, Juni 1994, S. 157–203. PMID 7938165.
  2. Kroeze WK, Roth BL: The molecular biology of serotonin receptors: therapeutic implications for the interface of mood and psychosis. In: Biol. Psychiatry. 44, Nr. 11, 1998, S. 1128–42. PMID 9836016.
  3. Schmerzklinik Kiel: Migränewissen - Anfallsbehandlung
  4. Ramadan NM, Skljarevski V, Phebus LA, Johnson KW: 5-HT1F receptor agonists in acute migraine treatment: a hypothesis. In: Cephalalgia. 23, Nr. 8, Oktober 2003, S. 776–785. PMID 14510923.
  5. Klaus Helm: Synthese und funktionelle In-vitro Pharmakologie neuer Liganden des 5-HT2A-Rezeptors aus der Klasse der Tryptamine. Dissertationsschrift, Universität Regensburg 2014
  6. Roth BL: Drugs and valvular heart disease. In: N. Engl. J. Med.. 356, Nr. 1, Januar 2007, S. 6–9. doi:10.1056/NEJMp068265 . PMID 17202450.
  7. Launay JM, Hervé P, Peoc'h K, et al.: Function of the serotonin 5-hydroxytryptamine 2B receptor in pulmonary hypertension. In: Nat. Med.. 8, Nr. 10, Oktober 2002, S. 1129–35. doi:10.1038/nm764 . PMID 12244304.
  8. Bays HE: Lorcaserin and adiposopathy: 5-HT2c agonism as a treatment for 'sick fat' and metabolic disease. In: Expert Rev Cardiovasc Ther. 7, Nr. 11, November 2009, S. 1429–1445. doi:10.1586/erc.09.123 . PMID 19900026.
  9. Curzon G, Gibson EL, Oluyomi AO: Appetite suppression by commonly used drugs depends on 5-HT receptors but not on 5-HT availability. In: Trends Pharmacol. Sci.. 18, Nr. 1, Januar 1997, S. 21–5. PMID 9114726.
  10. Aktories, Förstermann, Hofmann, Starke: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 10. Auflage 2009, Elsevier Verlag.
  11. Shire Receives European Approval to Use Resolor® (prucalopride) in Men for the Symptomatic Treatment of Chronic Constipation , PM von Shire vom 3. Juni 2015.
  12. Nelson DL: 5-HT5 receptors. In: Curr Drug Targets CNS Neurol Disord. 3, Nr. 1, Februar 2004, S. 53–58. PMID 14965244.
  13. Roth BL, Craigo SC, Choudhary MS, et al.: Binding of typical and atypical antipsychotic agents to 5-hydroxytryptamine-6 and 5-hydroxytryptamine-7 receptors. In: J. Pharmacol. Exp. Ther.. 268, Nr. 3, März 1994, S. 1403–10. PMID 7908055.



Kategorien: G-Protein-gekoppelter Rezeptor



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/5-HT-Rezeptor (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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